ISSN 1205-6545   19. Jahrgang   Nummer 1   (April 2014)
HerausgeberInnen: Britta Hufeisen, Manfred Prokop, Jörg Roche           Rezensionen: Nicole Marx         Feuilleton: Jörg Wormer
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Themenschwerpunkt: Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität: Einführung in das Thema

Herausgegeben von Gabriele Blell & Sabine Doff

Die Verbindung von Sprache(n) und Kultur(en) ist in der Fremdsprachendidaktik zu einem wichtigen und immer wieder aufgenommenen Thema in Theorie und Praxis der Forschung geworden. Migrationsbedingte und individuelle Mehrsprachigkeit sind seit Beginn des 21. Jahrhunderts weiter angewachsen und nicht zuletzt ein Produkt von Mobilität und Globalisierungsprozessen geworden, die zu großen Veränderungen im Bereich kultureller Überlieferungen und Praktiken geführt haben. Kulturen lassen sich nicht mehr (nur) auf Nationalkulturen beschränken, sondern sind zu vielschichtigen, sich gegenseitig überlappenden und dynamischen Konstrukten geworden, die ihren Akteuren, zu denen SchülerInnen, Studierende und Lehrkräfte gehören, veränderte Deutungs- und Handlungsmuster abverlangen. Territoriale und sprachliche bzw. kulturelle Identitäten werden mehr und mehr voneinander entkoppelt.

Im vorliegenden Themenheft "Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität" wird der Frage nachgegangen, welche Implikationen dieser Paradigmenwechsel letztlich hat, wie schulische und lebensweltliche Mehrsprachigkeit in einen schulsprachenübergreifenden Fremdsprachenunterricht und die Fremdsprachenlehrerausbildung integriert werden können. Ziel ist es, sowohl theoretisch als auch praktisch den verbindenden Diskurs von mehrsprachlicher und mehrkultureller Bildung aus aktueller Sicht, im Sinne der Erweiterung und auch der Schärfung, fortzuführen. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Motivation zum lebenslangen Lernen als auch für die Förderung einer übergreifenden Sprach(en)bewusstheit sowie umfassender (fremd)sprachlicher und kultureller Bildung, das Wissen um Sprache, Sprachgebrauch, Literatur und Kultur der Zielsprachenländer eingeschlossen, sowie für die Förderung damit einhergehender moderner ganzheitlich medialer Lernumgebungen. Insgesamt 13 Beiträge reflektieren die Diskussion aus der Perspektive eines breiten Fremdsprachenspektrums: Die Beiträge sind drei Perspektiven (Inhalt und Ziel, Lernende, Lehrende) schwerpunktmäßig zugeordnet:

Inhalts- und Zielperspektive: Nicole Marx stellt in ihrem Beitrag "Häppchen oder Hauptgericht? Zeichen der Stagnation in der deutschen Mehrsprachigkeitsdidaktik" eine Studie vor, die die Diskrepanz zwischen mehr-sprachiger Ideologie, politischer Anforderung und Lehrpraxis in Bezug auf die Mehrsprachigkeit von SchülerInnen im deutschen Klassenzimmer untersucht. Andreas Grünewald und Annina Sass nehmen in "Same, same but different? Sprachenübergreifende Vernetzung des Englisch- und Spanischunterrichts zur Förderung von Mehrsprachigkeit" insbesondere das Sprachenpaar Englisch und Spanisch (als L2 bzw. L3) in den Blick. Eva Leitzke-Ungerer stellt im Rahmen ihres Aufsatzes "Wege zu früher Mehrsprachigkeit und interkultureller Kompetenz: Mehrsprachige Aufgabenplattformen (MAPs) für Englisch und Französisch ab Klasse 5" das Konzept der MAPs (Mehrsprachige AufgabenPlattformen) vor, das im Rahmen des bayerischen Schulversuchs "Französisch und Englisch ab Klasse 5" entwickelt wurde. Werner Delanoy ebnet mit seinen Ausführungen zu "Mehrsprachigkeit, Englisch und Literatur(unterricht)" den Weg für eine mehrsprachige Literaturdidaktik, die sowohl die Mehrsprachigkeitsdidaktik als auch die fremdsprachliche Literaturdidaktik konzeptionell anzureichern und innovativ weiterzudenken vermag. Der Beitrag von Gabriele Blell und Sabine Doff mit dem Titel "It takes more than two for this tango: Moving beyond the self/other-binary in teaching about culture in the global EFL-classroom" trägt theoretisch-konzeptionellen Charakter. Die Autorinnen stellen ein überarbeitetes und erweitertes Modell inter- bzw. transkulturellen Lernens vor, das auf dem einflussreichen Modell der interkulturellen Kompetenz von Michael Byram (1997) basiert.

Lernendenperspektive: Der Beitrag von Lena Schuett "Mehrsprachigkeit und Migration – Schulische Zweitsprachenförderung in Kanada" beleuchtet insbesondere die Zweitsprachenförderungsprogramme in Kanada. Eine vergleichbare Ausrichtung hat der Aufsatz von Sandra Bermejo Muñoz mit dem Titel "Implementierung schulischer und lebensweltlicher Mehrsprachigkeit in ein aufgabenorientiertes Unterrichtskonzept im Spanischunterricht der Sekundarstufe II". Sie stellt darin die bisher in der Forschung vorhandenen Überlegungen zur Implementierung schulischer und lebensweltlicher Mehrsprachigkeit in den schulischen Sprachenunterricht vor. Stefan Kipf zeigt in "Lateinunterricht und Zweitsprachförderung: Neue Perspektiven für eine alte Sprache", dass und wie das Lateinische im Mehrsprachigkeitskontext als Modell distanzierter Sprachbetrachtung, als reflexionsbasierte Brückensprache zwischen Erst- und Zweitsprache fungieren und den Zweitspracherwerb nachhaltig fördern kann. Grit Mehlhorn befasst sich in "Interkomprehension im schulischen Russischunterricht" mit der Frage, wie Elemente der Interkomprehension auch in den schulischen Russischunterricht integriert werden können. Beatrix Kreß berichtet in ihrem Aufsatz "‚Was habt Ihr Neues erfahren, wovon Ihr vorher nichts wusstet?' Diskursive Formen der Wissensverarbeitung im russischen Sprachförderunterricht" von ersten Ergebnissen einer qualitativ angelegten Videografie-Studie an sogenannten "Samstagsschulen" für Kinder mit russischem bzw. russischsprachigem Migrationshintergrund.

Lehrendenperspektive: Karoline Heyder und Birgit Schädlich präsentieren in "Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität - eine Umfrage unter Fremdsprachenlehrkräften in Niedersachsen" Ergebnisse einer 2012 durchgeführten Befragung von Lehrkräften an niedersächsischen Gymnasien und Gesamtschulen. Jenny Jakisch untersucht in ihrem Beitrag "Lehrerperspektiven auf Englischunterricht und Mehrsprachigkeit" anhand von drei leitfadengestützten Experteninterviews mit Englischlehrerinnen, wie Englischunterricht die Entwicklung individueller Mehrsprachigkeit ("M+2") anregen kann. Soumaya Djemai-Runkel schließlich stellt in "Englischlehrerinnen und Englischlehrer mit Migrationshintergrund und der interkulturelle Englischunterricht - Ein verborgenes Potential?" erste Ergebnisse von insgesamt 14 Interviewstudien vor. Sie untersucht, ob und inwiefern die Erfahrungen dieser Lehrergruppe in Migrations- und interkulturellen Kontexten positiven Einfluss auf die unterrichtliche Auseinandersetzung mit interkulturellen Themen haben können.

Wir hoffen, dass Sie die Beiträge relevant und spannend finden.

Gabriele Blell und Sabine Doff


Das Feuilleton dieser Ausgabe der ZIF ist Feuilleton und Sprachmoment zugleich; es beleuchtet einen Bereich des Journalismus, der mehr Schatten als Licht produziert, der für Empörung sorgt und immensen Schaden anrichten kann, der punktuell und richtig verstanden aber auch sein Gutes haben kann: die Verdachtsberichterstattung.


Die nächste Nummer der ZIF wird am 1. Oktober 2014 erscheinen ("Aktuelle Entwicklungen in der Messung von Sprachkompetenzen"). Geplant sind die Themenschwerpunkte "Studienbegleitender und studienvorbereitender Deutschunterricht international" (April 2015), "CLILiG" (Oktober 2015), "Interkulturelle Literaturdidaktik" (April 2016) und "Mehrsprachigkeit - Language Awareness - Sprachbewusstheit" (Oktober 2016).

Diese Zeitschrift erscheint am Sprachenzentrum der TU Darmstadt. Fragen oder Kommentare bitte an die Schriftleitung.

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