ISSN 1205-6545   19. Jahrgang   Nummer 2   (Oktober 2014)
HerausgeberInnen: Britta Hufeisen, Manfred Prokop & Jörg Roche           Rezensionen: Nicole Marx         Feuilleton: Jörg Wormer 
Schriftleitung: Lina Pilypaitytė
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Themenschwerpunkt: Aktuelle Entwicklungen in der Messung von Sprachkompetenzen

Herausgegeben von Gabriele Kecker

Die Einführung von kompetenzorientiertem Testen, die Einführung von Standards bei der Kompetenzermittlung (Mindeststandards oder Regelstandards mit mittlerem Anforderungsniveau) und die damit einhergehende Output-Orientierung im Unterricht stellen wesentliche Tendenzen in der Leistungsmessung der letzten Jahre dar. Erkenntnisse aus internationalen Lernstandserhebungen der OECD wie beispielsweise PISA 2000 (Programme for International Student Assessment) oder IGLU 2001 (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung), aber auch die Einführung des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) (Europarat 2001) haben wesentlich zu dieser Neuorientierung beigetragen. In Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern wurden in der Folge Bildungsstandards für den schulischen Unterricht in den Fremdsprachen (neben anderen Fächern) entwickelt, die größtenteils die zuvor genannten Tendenzen berücksichtigen und an den Niveaustufen des GER ausgerichtet sind. Die Auswirkungen dieser Neuorientierung sind auch in der Entwicklung von Testverfahren erkennbar, die in den letzten Jahren für verschiedene Verwendungszwecke, Zielgruppen und Kontexte entstanden sind.

Das vorliegende Heft zum Themenschwerpunkt "Messung von Sprachkompetenz" vermittelt einen Eindruck von diesem Prozess und legt bewusst den Fokus auf empirische Methoden zur Erfassung von Sprachkompetenz. Die sieben Beiträge berücksichtigen Untersuchungen zur Sprachdiagnostik im Elementarbereich, zur schulischen und außerschulischen Kompetenzermittlung und Ermittlung des Lernfortschritts sowie zu einer länderübergreifenden Lernstandserhebung.

Kapica, Klages & Pagonis stellen in ihrem Beitrag Narrative Kompetenz: Anforderungen an ein Verfahren der Sprachstandsfeststellung im Elementarbereich Überlegungen zur Entwicklung eines sprachdiagnostischen Instruments an, das die kindliche Erzählkompetenz im Vorschulbereich als zentralen Indikator für frühkindliche Sprachentwicklung verwendet. Die Untersuchung von Böhme & Hoffmann Sprachstandsdiagnostik bei mehrsprachigen Grundschulkindern - Empirische Befunde zum Einsatz diagnostischer Verfahren in Deutschland befasst sich gleichfalls mit der Sprachkompetenz von Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache, allerdings im Grundschulbereich. Deutsch als Zweitsprache in einem mehrsprachigen Kontext ist Gegenstand eines Forschungsprojekts in der Schweiz, das von Peyer & Studer in ihrem Beitrag Schreibkompetenz in der Zielsprache Deutsch in einem mehrsprachigen Schweizer Kontext: Zur Entwicklung von Basisstandards am Beispiel eines bilingualen Schulmodells (Romanisch-Deutsch) vorgestellt wird. Lepage, Marty, Perlmann-Balme & Stelter beschreiben in ihrem Projektbericht Évaluation de la production écrite dans le cadre de l'Enquête européenne sur les compétences linguistiques (ESLC) den methodischen Ansatz für die Bewertung schriftlicher Leistungen in der europaweiten Lernstandserhebung European Survey on Language Competences (ESLC). Jurecka, Bündgens-Kosten & Elsner untersuchen in ihrem Beitrag Die Eignung von Interview- und Peer-to-Peer Test-Settings zur Erfassung fremdsprachlicher Interaktion bei Grundschulkindern die Konstruktvalidität von Test-Settings in mündlichen Prüfungen im Englischunterricht der Primarstufe. Die Untersuchung von Hahn, Koch & Fromme Der Online-Test BULATS Deutsch - ein geeignetes Instrument zur Messung von Lernfortschritten? Erste Ergebnisse im Rahmen des Projekts Tablet-Klasse bezieht sich im Gegensatz zu den Zielgruppen der zuvor dargestellten Beiträge auf Deutschlernende im außerschulischen Kontext, d.h. in Goethe-Instituten. Schließlich widmen sich Dobrić & Sigott in ihrem Beitrag Towards an Error Taxonomy for Student Writing einer Forschungsfrage, die im Zusammenhang mit Beurteilungen von schriftlichen Leistungen Lernender entstanden ist: der Beschaffenheit einer Fehlertaxonomie und Fehlerannotierung.

Zusätzlich zu den sieben Beiträgen des Themenschwerpunkts sind in diesem Heft vier weitere zu Themen der Fremdsprachendidaktik enthalten. Zwei dieser Beiträge thematisieren Aspekte der kognitiven Linguistik: den Einsatz von Grammatikanimationen zur Vermittlung von Grammatik (Roche & Suñer Muñoz) sowie die methaphorische Bedeutungsvielfalt von Präpositionen im DaF-Unterricht an brasilianischen Hochschulen (Schröder, Filho & Barbosa). Weitere zwei Beiträge beschreiben eine vergleichende quantitative Untersuchung mit koreanischen Germanistikstudierenden zu Verstehensleistungen bei auditiver und audiovisueller Textrezeption (Scherpinski) und eine empirische Vergleichsstudie über den Einsatz der virtuellen Realität für das Fremdsprachenlernen (Roy & Schlemminger).

Gabriele Kecker


Das Feuilleton der Herbstausgabe 2014 der ZiF befasst sich mit einer Lektion in Demokratie: der schottischen Abstimmung über die Frage der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien vom 18. September 2014. Die Sprachmomente beleuchten die zwiespältige und bedenkenswerte Entwicklung des Begriffs Kompetenz in einer von Bildung zu Alltagshandlungen wechselnden Bedeutung.


Die nächste Nummer der ZIF wird am 1. April 2015 erscheinen ("Studienbegleitender und studienvorbereitender Deutschunterricht"). Geplant sind u.a. die Themenschwerpunkte "CLILiG Handreichung" (Oktober 2015), "Interkulturelle Literaturdidaktik" (April 2016) und "Mehrsprachigkeit - Language Awareness - Sprachbewusstheit" (Oktober 2016) .

Diese Zeitschrift erscheint am Sprachenzentrum der TU Darmstadt. Fragen oder Kommentare bitte an die Schriftleitung.

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