ISSN 1205-6545   17. Jahrgang   Nummer 1   (April 2012)
HerausgeberInnen: Britta Hufeisen, Manfred Prokop, Jörg Roche           Rezensionen: Nicole Marx         Feuilleton: Jörg Wormer
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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Diese neue Ausgabe der ZIF enthält sechs Beiträge zu zwei „klassischen Schwerpunktthemen“ der Zeitschrift: dem interkulturellen Lernen und Verstehen und dem Spracherwerb. Dabei behandelt der Beitrag von Foschi Albert zur kognitiven Textlinguistik eine bisher noch wenig beforschte Schnittstelle zwischen den beiden Themenbereichen und bereitet damit gleichzeitig die Grundlage für die Schwerpunktausgabe 1/2013 zum stark an Aufmerksamkeit gewinnenden Thema ‚Kognition‘ vor.

Die neue Ausgabe enthält zudem eine Reihe interessanter Ankündigungen und aufschlussreicher Rezensionen. Den Rezensionsteil der ZIF verantwortet ab dieser Ausgabe Nicole Marx (Paderborn). Claus Altmayer (Leipzig), der diesen Teil seit 1998 betreut hat, danken die Herausgeberin und Herausgeber für die geleistete Arbeit von ganzem Herzen.

Zu den Beiträgen im Einzelnen: In ihrem Beitrag Interkulturelles Lernen durch produktive Videoarbeit: Ansätze und Ziele beschäftigt sich Waltraud Timmermann (Peking/Jena) mit einem Lernbereich, der Wissen, Können und Einstellungen und die Entwicklung der ganzen Persönlichkeit betrifft. Im Unterricht und mittels Lernaktivitäten kann dieses Feld aber wegen der bekannten zeitlichen und unterrichtsmethodischen Restriktionen meist nur partiell vermittelt werden. Die handlungsorientierte Projektarbeit, etwa über Video-Projekte, bietet dagegen eine gute Alternative oder Ergänzung zu traditionellermaßen stark gesteuerten Unterrichtsverfahren. Der Beitrag von Timmermann skizziert die Grundstruktur solcher Videoprojekte und fragt danach, welche Ansatzpunkte sie für das interkulturelle Lernen bereitstellt. Im Anschluss daran wird an sieben sehr unterschiedlichen Projekten gezeigt, wie diese das breite Potential der Videoarbeit für ein vielschichtiges interkulturelles Lernen nutzen.

In Verstehen im interkulturellen Kontext am Beispiel des Frankfurter Reiseberichts des türkischen Schriftstellers Ahmet Haşim leistet Aysel Uzuntaş einen Beitrag zur beispielhaften Reiseerzählung des renommierten türkischen Schriftstellers Ahmet Haşim. Der Reisebericht von Haşim aus dem Jahre 1932 erzählt Geschichten, die erlebt, aus fremder Perspektive wahrgenommen, interpretiert und literarisch aufgearbeitet und wiedergegeben worden sind. In diesem Sinne kann die Geschichte Haşims als ein authentischer literarischer Bericht umschrieben werden, in dem an vielen Textstellen Interkulturelles beispielhaft versprachlicht ist. Der Beitrag zeigt auf, wie sich in diesem Text sowohl kulturelle als auch zeitliche Differenzen in der Perspektivik des Lesers an Hand sprachlicher Merkmale im Türkischen und Deutschen manifestieren und wie sie beispielhaft im schulischen und universitären Unterricht behandelt werden können.

In ihrem Beitrag Lesestrategien zur Ermittlung der Textkohärenz in fremdsprachigen Texten berichtet Marina Foschi Albert (Pisa) über die zentralen Ergebnisse der kognitiven Text- und Leseforschung (siehe auch die im letzten Jahr erschienene Arbeit von Ferran Suñer) und stellt auf dieser Grundlage grammatische Grundkenntnisse und formale Textkohärenz im Text als grundlegende Strategien zur progressiven Sinnentnahme vor. Der Beitrag zeigt auf, wie das Wissen darüber, welche sprachlichen Ausdrücke im Text auf welche Weise referentiell gebraucht werden, die Text- und Lesekompetenz bei erwachsenen Lernern wesentlich erhöhen kann. Die Aufgabe des Lesers oder Lerners ist es damit, die referentiellen Bezüge zur Konstruktion eines mentalen Modells zu nutzen.

Mit dem fächerübergreifenden Thema Professionalisierung für fach- und sprachintegrierte Diagnose und Förderung im Mathematikunterricht – Entwicklung und Erprobung eines Konzepts für die universitäre Fachlehrerausbildung greifen Susanne Prediger, Kristine Tschierschky, Lena Wessel und Bettina Seipp (Dortmund) ein aktuelles Thema auf, das nicht nur Bezüge zum inhaltsbezogenen Lernen aufweist, sondern vor allem für die aktuelle Diskussion der DaZ-Lehrerausbildung (DaZ-Modul, Fort- und Weiterbildung) relevant ist. Sie sind geleitet von der Frage: Wie können Lehrkräfte „nicht-sprachlicher“ Fächer für eine durchgängige und fachbezogene Sprachdiagnose und -förderung gezielt vorbereitet werden? Am Beispiel des Mathematikunterrichts stellt der Beitrag ein sprach- und fachintegriertes Konzept für ein interdisziplinäres Professionalisierungsmodul in der universitären Lehrerbildung vor. Neben der theoretischen Grundlegung und praktischen Umsetzung werden ausgewählte empirische Befunde zur Grundlegung des Konzepts thematisiert.

Die Tertiärsprachenforschung im Kontext des DaF-Unterrichts in Korea behandelt Kai Rohs (Seoul) in einem Beitrag, dessen Fragen nicht nur für Korea, sondern für alle Deutsch-nach-Englisch-Kontexte relevant sein dürften. Korea steht hier exemplarisch für alle Bildungssysteme, die sich weitestgehend der Illusion verpflichten, Englisch als einzige Fremdsprache genüge. Das hat zu einem massiven Einbruch der Deutschlernerzahlen in Korea und einem Umdenken in der Strukturierung des DaF-Unterrichts geführt. Dem Beitrag geht es nicht um das Beklagen einer eigentlich beklagenswerten Situation, sondern um die Untersuchung des möglichen Nutzens des Rückgriffs auf die erste Fremdsprache beim Erwerb des Deutschen als Fremdsprache, und zwar im rezeptiven und produktiven Bereich. In den Fokus der Überlegungen treten dabei Umfang und Qualität des gemeinsamen deutsch-englischen Wortschatzes und die Gemeinsamkeiten in der Grammatik und Orthographie. Da in der Tertiärsprachenforschung aber immer wieder gezeigt wird, dass Strukturabgleiche alleine den Erwerb und die Erwerbshindernisse nicht erklären können, weist auch dieser Beitrag auf die Notwendigkeit intensivierter Forschung hin.

Einen solchen Beitrag, der über die Betonung sprachstruktureller Merkmalsabgleiche hinausgeht, liefert sogleich der Beitrag von Miyoung Lee (Seoul) in Das Rätsel von SVO beim Erlernen des Deutschen - Warum ist SVO so leicht, SOV dagegen so schwer produzierbar? Der Beitrag lotet dazu die Grenzen des Forschungsspektrums zwischen Erwerbssequenzsystematik einerseits und strukturellen Transfererscheinungen andererseits aus und entwickelt auf dieser Grundlage das Konzept der ‚Entstehung eines morphosyntaktischen Spannungsfelds‘. Damit sollen die mit der Wortstellung verbundenen Produktionsschwierigkeiten beim Erlernen des Deutschen als Fremdsprache erklärt werden. Darüber hinaus stellt der Beitrag Zusammenhänge zwischen Morphosyntax und Prosodie heraus und zeigt Nutzungsmöglichkeiten zur Vermittlung von Nebensatzstrukturen auf.

Jörg Roche im Namen des Herausgeberteams


Das Feuilleton dieser Ausgabe der ZiF wirft ein Licht auf ungewohnt überzeugenden politischen Wortgebrauch. Die Sprachmomente gehen einer scheinbar widersprüchlichen Radionachricht auf den Grund.


Ankündigung

Neu in der LIFE-Serie von BMW: „Interkulturelles Lernen mit Medien“

Seit 1997 wird mit den LIFE-Materialien der BMW-Group Neugierde auf fremde Kulturen und Sprachen geweckt. Die Materialien wollen Impulsgeber sein und stellen praktische Handreichungen für die Sprach- und Kulturvermittlung sowie für die Vermittlung inter- und transkultureller Kompetenzen dar. In einer zunehmend globalisierten und von technischen Innovationen geprägten Welt gewinnen Medien im interkulturellen Kommunizieren und Lernen immer mehr an Bedeutung. Diesem Bedarf will die 5. Ergänzungslieferung zum Thema „Interkulturelles Lernen mit Medien“ mit innovativen, theoretisch fundierten und praxistauglichen Beiträgen gerecht werden. Die neue Lieferung enthält daher wieder innovative Ideen, Konzepte und Projekte, die sich in der Praxis bewährt haben und die sich als Modelle für eine gelingende Vermittlung und den Erwerb inter- und transkultureller Kompetenzen auszeichnen. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören die folgenden:

    •  interkulturelle Projekte (Videoarbeit, Computerspiele, Übungsformen)
    •  multimediale Lernangebote für die Sprach- und Kulturvermittlung
    •  Handreichungen, Materialien und Ressourcen zum interkulturellen Lernen mit Medien.

Zu den internationalen Beiträgerinnen und Beiträgern gehören Christine Arendt, Christina Becker, Florence Feiereisen, Gilberte Furstenberg, Alexander Kruckenfellner, Barbara von der Lühe, Julija Scheller, Ferran Suñer, Matthias Springer, Waltraud Timmermann, Dessislava Todorova, Anja Wildemann. Die neuen Beiträge sind ab April 2012 wie alle anderen LIFE-Beiträge auch unter http://www.bmwgroup.com/life kostenfrei und unbegrenzt verfügbar.


In eigener Sache

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Die nächste Nummer der ZIF wird am 1. Oktober 2012 erscheinen.

Diese Zeitschrift erscheint am Sprachenzentrum der TU Darmstadt. Fragen oder Kommentare bitte an oder .

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