CURRICULUM-DESIGN UND CURRICULUM-ENTWICKLUNG:

Eine kommentierte Forschungsbibliographie

Sonja Kuri
 

Präambel

Diese Forschungsbibliographie als Basis zur Erarbeitung eines Sprachlehr-/-lerncurriculums für Deutsch als Fremdsprache an der Università Cattolica di Milano entstand und steht im Rahmen eines größeren Konzeptes.

Das Österreichische Wissenschaftsministerium unterstützt forschungsbezogene Auslandsaufenthalte promovierter ÖsterreicherInnen (jeder Universität ist eine bestimmte Anzahl von sogenannten Institutslektoraten zugesprochen), die auf Basis einer Kooperationsvereinbarung zwischen einer in- und einer ausländischen Universität zur Förderung und Intensivierung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und des Austausches auf Professoren-, Dozenten- und studentischer Ebene unter Vorlage eines ausgearbeiteten Forschungsvorhabens maximal 58 Monate an der Partneruniversität im Ausland dieses Forschungsvorhaben betreiben und die oben genannten Aufgaben erfüllen. Seit 1997 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen dem Germanistik-Institut der Universität Klagenfurt und der Facoltà di Lingue e Letterature Straniere. Das Institutslektorat und damit das Forschungsvorhaben begannen mit 1. September 1999.

Arbeitstitel:

Konzeption eines lernerorientierten Online-Curriculums in computerunterstützter Lernumgebung mit Lern-/Lehrhilfen und Selbstkontroll-Instrumenten für das Sprachenstudium Deutsch als Fremdsprache - Teilbereich Sprachbeherrschung an der Facoltà di Lingue e Letterature Straniere der Università Cattolica del Sacro Cuore di Milano

Zur Beachtung: Wegen der Länge dieses Beitrags ist die Datei in fünf Abschnitte aufgegliedert. Bitte den Titel des Teils anklicken, den Sie lesen wollen. Am Ende jedes Abschnitts finden Sie wieder ein anklickbares Inhaltsverzeichnis.

INHALTSVERZEICHNIS

1. Abschnitt

    1. Einleitung

1.1 Die Zielsetzung
1.2 Struktur, Aufbau und Inhalt
1.3 Die Motivation zur Curriculum-Erstellung
1.4 Das Sprachenstudium an der Università Cattolica - Rückblick und derzeitiger Stand
1.5 Veränderungen in naher Zukunft
1.6 Die Bausteine von Curricula und ihre Beziehung zueinander
1.7 Die Bausteine des Entwicklungsprozesses

    2. Referenzen für curriculare Entscheidungen: Orientierungen - Grundlagen - Aspekte

2.1 Einleitung
2.2 Die großen Referenzpunkte für eine europäische Sprachenpolitik
2.3 Weitere große Referenzpunkte für die Curriculum-Entwicklung
2.4 Neue Prüfungen für neue Lehr-/Lernziele
2.5 Der plurizentrische Ansatz

2. Abschnitt

    3. Curricula und Lehrpläne

3.1 Einleitender Kommentar
3.2 Curricula-Entwicklung - spezifische Aspekte - Implementierung - Wirkung
3.3 Curricula für die Aus- und Weiterbildung von DaF-Unterrichtenden und Beiträge
3.4 Curricula für den schulischen Kontext und Beiträge
3.5 Curricula für allgemeinsprachlich orientierte Programme der Erwachsenen-Bildung
3.6 Curricula für fach- und berufssprachlich orientierte Programme und Beiträge

3. Abschnitt

    4. Die Bezugswissenschaften und ihre Aspekte

4.1 Das Hochschulfach DaF: Orientierungen - Schwerpunkte - Konzepte
4.2 Interkulturelle Germanistik
4.3 Literaturwissenschaft - Literaturdidaktik
4.4 Die europäische Sprachenpolitik und die Position von DaF
4.5 Mehrsprachigkeit und Multikulturalität
4.6 Zur Position von Deutsch als Wissenschaftssprache
4.7 Interkulturelles Lernen - Interkulturelle Didaktiken
4.8 Landeskunde

4. Abschnitt

4.9 Interkulturelle Kommunikation
4.10 Hochschuldidaktik
4.11 Multimedialität - Computerunterstütztes Lernen
4.12 Die Ansätze im Fremdsprachenunterricht:
    4.12.1 Der narrative Ansatz
    4.12.2 Der hermeneutische Ansatz
    4.12.4 Der konstruktivistische Ansatz
4.13 Spracherwerbsforschung
4.14 Methoden und Alternative Methoden
4.15 Neue Lernwelten
4.16 Sprachenlernen mit einer (Lern-)Behinderung - Die Integration von Benachteiligten

5. Abschnitt

    5. Ziele

5.1 Kompetenzen - Strategien - Fertigkeiten - Techniken
5.2 Autonomie
5.3 Umgang mit Fehlern
5.4 Neue Grammatiken für den neuen Unterricht
5.5 Wortschatzerwerb
5.6 Fachsprache allgemein
5.7 Deutsch für den wirtschaftlichen/beruflichen Kontext

    6. Institutionen und Institute, die in Forschung und Lehre curriculum-relevante Schwerpunkte setzen

• Wege zu den Institutionen

    7. Quellen

7.1 Zeitschriften
7.2 Publikationsreihen
7.3 Bibliographien und Linksammlungen
7.4 Informationssysteme online

    8. Zusammenfassung und Ausblick


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1. Einleitung

    1.1 Die Zielsetzung

Ziel dieser Forschungsbibliographie ist es, eine tragfähige Basis für die Entwicklung und das Design eines Sprachlehr-/-lerncurriculums für Deutsch als Fremdsprache in universitärem Kontext und computerunterstützter Lernumgebung im nicht-deutschsprachigen europäischen Ausland zu schaffen. Dabei sollen die bestimmenden und hierfür notwendigen Konstituenten gefasst und dokumentiert werden.
 

    1.2 Struktur, Aufbau und Inhalt


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Eine Entscheidung war auch hinsichtlich des sprachlichen Umgangs mit Zitaten und eigenen Kommentaren zu treffen: Die Zitate werden originalgetreu zitiert, die eigenen Kommentare sind weitestgehend der Orthografie-Reform verpflichtet.
 

    1.3 Die Motivation zur Curriculum-Erstellung

Die Erstellung von Curricula ergibt sich

Das Projekt, wofür diese Forschungsbibliographie den ersten Schritt darstellt, liegt in einem Zwischenstadium.

Die Facoltà di Lingue e Letterature Straniere an der Università Cattolica di Milano e Brescia und damit das Dipartimento di Lingua e Letteratura Tedesca als derzeit größtes Ausbildungszentrum für Deutsch als Fremdsprache in Italien4 ist im Begriffe, sich strukturell und methodisch-didaktisch zu verändern. Die „Carta per un nuovo patto formativo" als Ausdruck des neuen Leitbildes formuliert die unverzichtbaren Werte und Orientierungen (Lernerautonomie, geteilte Verantwortungen, Recht auf Bildung und Ausbildung, Internationalität und Vernetzung, Multimedialität, Lebenslanges Lernen, Berufsorientierung)5 und stellt explizit die/den einzelne/n Studierende/n in den Mittelpunkt; eine neue Studienordnung für die philologischen Studienrichtungen tritt mit dem Studienjahr 2000/2001 in Kraft.

Die Notwendigkeit eines neuen Curriculums wurde schon Jahre vorher erkannt, und ein entsprechendes Szenarium zur organisatorischen, finanziellen und inhaltlichen Planung vorbereitet. Durch die Zuteilung des Institutslektorats wurde die grundlegende personelle Ausstattung für die wissenschaftliche Fundierung sicher gestellt.


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Die lokalen Voraussetzungen für die Erstellung und Implementierung eines innovativen Curriculums sind vorhanden. Im Dipartimento di Lingua e Letteratura Tedesca entstanden in den letzten Jahren wesentliche wissenschaftliche Grundlagenarbeiten zu wichtigen Bereichen des Fremdsprachenlernens6:

Mitglieder der Deutschen Abteilung nahmen mit viel beachteten Beiträgen an wichtigen internationalen Veranstaltungen teil.7 Durch den seit Oktober 1999 intensivierten Austausch mit den KollegInnen der anderen Sprachabteilungen stehen weitere Ressourcen zur Verfügung. Die LehrveranstaltungsleiterInnen versprechen auch durch ihre Herkunft und ihre Ausbildung weitestgehend8 die Umsetzung des plurizentrischen Ansatzes9, wobei hier bewusst ein nationaler Zugang zu sprachlichen und inhaltlichen/landeskundlichen Themenbereichen vermieden wird, um die Entwicklung transnationaler Kommunikationsfähigkeit zu gewährleisten.
    1.4 Das Sprachenstudium an der Università Cattolica - Rückblick und derzeitiger Stand

Die Sprachenstudien an der Università Cattolica di Milano waren traditionell vorrangig literaturwissenschaftlich ausgerichtet. Wie sehr sich dieser Schwerpunkt auswirkte oder inwieweit auch andere Orientierungen in den einzelnen Sprachabteilungen zum Tragen kamen und kommen, hing und hängt noch immer von den Lehrstuhlbesetzungen ab. Dem Sprachunterricht Deutsch als Fremdsprache als das Studium wesentlich konstituierendes Element10 wurde erst in den letzten Jahren in Forschung und Lehre mehr Aufmerksamkeit geschenkt.11

Rund 60 Prozent der Studierenden wählten unter den fünf zur Auswahl stehenden Studienspezifizierungen12 die Richtung „turistico-manageriale", das eigentlich nur einige Lehrveranstaltungen vorsah, sowie einen Auslandsaufenthalt, im Zuge dessen Material für die Tesi13 gesammelt werden sollte.

Mit dem Studienjahr 1998/99 wurde der Studiengang „Diploma universitario in Esperto linguistico d'impresa"14 eingerichtet - nicht nur, um Forderungen der Wirtschaft nachzukommen, sondern vielleicht auch als Reaktion auf die hohe Zahl an StudienabbrecherInnen bzw. langen Studienzeiten, die hohe Zahl der Studierenden mit dem Schwerpunkt „turistico-manageriale" und auf die Perspektive, dass nur jene Studierenden zur Laurea gelangen sollen, die wirklich eine höhere wissenschaftliche Karriere anstreben.

Der neue Studiengang sieht in den ersten beiden Jahren keine Differenzierung in der Sprachenausbildung vor. Die Studierenden dieses Diplomstudiums frequentieren dieselben Sprachbeherrschungskurse wie jene des ordentlichen 4-jährigen, denen sie aufgrund ihrer Eingangsvoraussetzungen (Vorkenntnisse nach Lernjahren und Auslandsaufenthalten) zugeteilt werden.15

Das Bekenntnis zur Multimedialität als konstituierendes Element von Bildung in Italien greift zumindest in der Fachliteratur und in der technischen Ausstattung. Schulcurricula werden umgeschrieben, die Institutionen rüsten technisch auf, Telecom Italia bietet kostenlosen Internet-Zugang an. Jede/r Studierende erhält mit seiner Inskription an der Cattolica sofort eine eigene e-mail-Adresse, zu Prüfungen können sie sich via Computer anmelden.16 Für die zwei neu eingerichteten Sale multimediali am Standort Milano kann jede/r Unterrichtende alles, was (hoffentlich) gut und teuer ist, sofort bestellen. Am Standort Brescia ist die Situation ähnlich.17


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    1.5 Veränderungen in naher Zukunft

In der Endphase der Erstellung dieser Forschungsbibliographie hat der Consiglio di Facoltà der Universität weitere, noch tiefgreifendere Entscheidungen zur Veränderung des Studiums „Lingue e Letterature Straniere" beschlossen, die die Umstrukturierung aller Studiengänge der Facoltà di Lingue e Letterature Straniere in ein 3-jähriges Grundstudium und ein 2-jähriges Aufbaustudium vorsehen. Für die Sprachausbildung wird ein eigener „Servizio linguistico" eingerichtet, eine Institution einem Sprachenzentrum ähnlich, wobei die Unterrichtenden von Sprachbeherrschungsveranstaltungen weiterhin in enger Kooperation mit den jeweiligen philologischen Lehrstühlen arbeiten sollen; darüber hinaus sollen aber auch Kurse für andere Fakultäten und auch für Firmen angeboten werden.

Es wurden auch bereits Strukturen für die Jahresprüfungen des Grundstudiums zur Diskussion gestellt, die aufgrund des transversalen Ansatzes in der Grundstruktur nur geringfügig variiert werden können, in der Füllung mit Inhalten und im Bereich Aufgabenstellung zur Morphosyntax jedoch weitreichende Freiheiten bieten sollen.18 Jegliche zentrale Entscheidung über die Prüfungsstruktur und den Einfluss der LehrveranstaltungsleiterInnen auf diese und den Inhalt wird einen bedeutenden Backwash-Effekt auf die methodisch-didaktischen Entscheidungen im Curriculum und die Lern-/-Lehrrealität ausüben.

Gegenüberstellung der derzeitigen und der neuen Regelung

Derzeit
Ab Studienjahr 2000 unter paralleller Weiterführung der alten Studienordnung19
4-jähriges Studium, das zur Laurea führt, für das eine „tesi" (entspricht der österr. Diplomarbeit) geschrieben und eine Diplomprüfung abgelegt werden muss.

3-jähriges Diplomstudium, das nur eine „kleine" Abschlussarbeit vorsieht, jedoch eine umfangreichere mündliche Prüfung

der Sprachunterricht wird gemeinsam geführt, im 3. Studienjahr besuchen die Studierenden des Diplomstudiums zusätzliche Sprachlehr-/ -lernveranstaltungen zu Wirtschaftsdeutsch und Managementtraining
 

Jahresprüfungen für die Studierenden des ordentlichen 4-jährigen Studiums:

1 schriftliche Abschlussprüfung und

1 mündliche Abschlussprüfung zur Sprach-beherrschung

mündliche Literaturprüfungen20
 

Jahresprüfungen für die Diploma-Studierenden:

die selbe mündliche Abschlussprüfung zur Sprachbeherrschung

ein stärker linguistisch/sprachpraktisch orientierter zweiter mündlicher Teil

im 3. Studienjahr eine eigene schriftliche und mündliche Sprachbeherrschungsprüfung, die sich in Struktur und Anspruch von den derzeitigen Prüfungen des 3. Lernjahres wesentlich unterscheiden.

3-jähriges Grundstudium: Abschluss Laurea

2-jähriges Aufbaustudium: Abschluss Doktorat
 
 
 
 
 

gemeinsamer Sprachunterricht aller „indirizzi"

im 3. Studienjahr Zusatzveranstaltungen für die einzelnen „indirizzi" auch im Sprachbeherrschungsbereich
 
 
 
 
 

Die Prüfungen sind erst angedacht; für Teile gibt es bereits konkrete Vorschläge, und was das Leseverstehen betrifft bereits eine Festlegung


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Neben den notwendigen sprachinternen Neuerungen ergeben sich daraus auch wichtige Fragen in Hinblick auf die angestrebte funktionelle Mehrsprachigkeit in der Konstellation der Vorherrschaft der englischen Sprache vor allen anderen Sprachen21:


    1.6 Die Bausteine von Curricula und ihre Beziehung zueinander

„Curriculum ist die Bezeichnung einer ganzen Lernkultur, bestehend aus Zielen, Inhalten, Verfahren, Lernsituationen, Medien, didaktischen Handlungsvorschlägen, Vorstellungen über die Lehrer/innenrolle sowie Evaluation."23

So enthalten Curricula normalerweise

• die Curriculum-Philosophie
• die Struktur und den Inhalt
• die Lehr-/Lernziele
• die Methode/n des Lernens und Lehrens
• die Methode/n und Instrumente des Valuierens
• die Ressourcen für eine erfolgreiche Umsetzung
„Es geht also [...] um die Beantwortung folgender Fragen: Kausal gesehen: Aus welchen Motiven und unter welchen Bedingungen lernt man eine Sprache? Final gesehen: Auf welche Verwendungszwecke hin lernt man sie? Modal gesehen: Wie, also mit welchen Methoden kann eine Fremdsprache bzw. können die entsprechenden Inhalte vermittelt werden? Und schließlich pragmatisch gesehen: Was also soll im Fremdsprachenunterricht vermittelt werden?"24

Die Curricula verschiedener Institutionen zeigen dabei ganz unterschiedliche Ausprägungen zwischen Offenheit und Determiniertheit.25

Für das vorliegende Forschungsvorhaben werden weiters folgende Fragenkomplexe relevant:

• Was bedeutet das Bekenntnis zur Mehrsprachigkeit und zur Multimedialität mit deren Implikationen für den Sprachunterricht und für den Aufbau und die mediale Präsentation eines Sprachlern-/-lehrcurriculums?

• Welche Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen sprachlicher und beruflicher Ausbildung werden relevant?

• Wird es ein Curriculum für Lehrende und Studierende geben? Und in diesem Fall: Für welche sprachliche Realisierung wird man sich entscheiden: eine neutrale, eine aus der Sicht der Lehrenden und/oder eine aus der Sicht der Studierenden?

Daraus ergeben sich die Bausteine des Entwicklungsprozesses, wobei die folgende Aufzählung in weiten Teilen nicht chronologisch zu verstehen ist.


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    1.7 Die Bausteine des Entwicklungsprozesses

• Die Identifizierung der Lehr-/Lernziele
• Die Auseinandersetzung mit der Lernforschung/Spracherwerbsforschung
• Die Valuierung der Mainstream-Diskussion
• Die Auseinandersetzung mit den Bezugswissenschaften
• Die Rückbeziehung der Mainstream-Diskussion und der Bezugswissenschaften auf die Lehr-/Lernziele
• Die Planung und Berücksichtigung von personellen, medialen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen
• Die technische Umsetzung in adäquate mediale Formen unter Berücksichtigung der Autonomieförderung der Studierenden
• Die Zugänglichmachung für alle Beteiligten/Betroffenen
• Die Planung von Evaluationsformen des Programms
Und als durchgehendes Prinzip:
• Die konsequente Diskussion und Auseinandersetzung mit den Betroffenen: Lehrende und Lernende, Institutsleiter, Fakultätsvorsitzender und den Kolleginnen und Kollegen der anderen Sprachen.


2. Referenzen für curriculare Entscheidungen: Orientierungen - Grundlagen - Aspekte

    2.1 Einleitung

Diese Bibliographie setzt Anfang der 90-er Jahre an, da mit 1996 eigentlich alle wesentlichen und den Fachbereich „Deutsch als Fremdsprache" konstituierenden Elemente theoretisch vorliegen. Alle weiteren Studien beschäftigen sich kritisch mit diesen Grundlagen; neue Ansätze erfahren ihre Realisierungen in konkreten Produkten, wie die Umarbeitung oder Neukonzeption von Lehrplänen26 und Prüfungen27, Lehrmaterialien, Konzeption von Instituten28, Einrichtung neuer Studiengänge usw. Frühere Arbeiten werden nur zitiert, wenn sie spezifische Elemente und/oder Aspekte zum Thema „Curriculum" behandeln.

Einen umfassenden Überblick über die innerhalb und außerhalb des deutschsprachigen Raumes erschienenen Beiträge zum gesteuerten Erwerb von Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache und dessen Umfeld gibt

• Gonzáles, Francisco, Rösler, Dietmar, Schäfer, Gudrun & Tamme, Claudia. (1998). Bibliographie Didaktik Deutsch als Zweit- und Fremdsprache 1975-1996. München: iudicium.
Die Herausgeber des Handbuches Fremdsprachenunterricht stellen dazu fest: Die Situation des Fremdsprachenunterrichts habe sich bis zur zweiten Auflage 1991 unwesentlich, dann aber schlagartig entscheidend verändert: „Die deutsche Vereinigung, die Öffnung der Grenzen in Mittel- und Osteuropa und die modifizierten gesellschaftlichen Bedingungen und Haltungen haben für Praxis und Forschung neue Fragestellungen ins Blickfeld gestellt."29 Sie machten für dieses Handbuch eine „Aktualisierung und Ergänzung" mit insgesamt elf Themenbereichen und eine Anreicherung um fünf weitere Kapitel notwendig: Das Lehren und Lernen von fremden Sprachen: Wissenschaftskonzepte im internationalen Vergleich, Zwei- und Mehrsprachigkeit; interkulturelles Lernen und interkulturelle Kommunikation; kreative Übungen, Lernstrategien, Hausaufgaben, Fehlerkorrektur, Fachsprachen- und Fachsprachendidaktik, Schwedisch, Sorbisch, Mittlerorganisationen für den Deutschunterricht im Ausland.


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Diese Themen sind auch jene, die sich für die Konzeption von neuen Sprachlehr-/-lerncurricula als konstituierend erweisen und die zur (Neu-)Konzeption eines Curriculums motivieren.
 

    2.2 Die großen Referenzpunkte für eine europäische Sprachenpolitik

Zur europäischen Sprachenpolitik und Sprachdidaktik erscheinen

• Funk, Hermann & Neuner Gerhard (Hrsg.). (1996). Verstehen und Verständigung in Europa. Konzepte von Sprachenpolitik und Sprachdidaktik unter besonderer Berücksichtigung des Deutschen als Fremdsprache. Reihe Deutsch als Fremdsprache. Mehrsprachigkeit - Unterricht - Theorie. Herausgegeben von Hermann Funk. Berlin: Cornelsen.
Unter den Großthemen „Aspekte einer europäischen Fremdsprachenpolitik", „Politisch-gesellschaftliche Veränderungen in Ost und West und ihre Auswirkungen auf die Fremdsprachenpolitik und die Stellung des Deutschen" sowie „Fremdsprachendidaktische Konzepte und Perspektiven" versammeln sich Beiträge, die ebenfalls Punkte für die Konzeption von Sprachlern-/-lehrcurricula behandeln.

Diese Entwicklungen berücksichtigend und sie in einem umfassenden Rahmen zusammenfassend wird das folgend zitierte Werk die Sprachenpolitik in Europa und die damit verbundenen Elemente - Curricula für die Sprachausbildung und die Ausbildung der Unterrichtenden und die Entwicklung von Lehr-/Lernmaterialien - in den nächsten Jahren wesentlich strukturieren:

• Modern Languages: Learning, Teaching, Assessment. A Common European Framework of Reference. Strasbourg 1996: Version: 19th session of the Standing Conference of European Ministers of Education in June 1997.

Englische Version: http://culture.coe.fr/lang/eng/eedu2.4.html
[Der Link http://culture.coe.fr/lang/eng/eedu2.4.html existiert leider nicht mehr. Stand: 1. Januar 2004].

Französische Version: http://culture.coe.fr/lang/fr/fedu2.4.html
[Der Link http://culture.coe.fr/lang/fr/fedu2.4.html existiert leider nicht mehr. Stand: 1. Januar 2004].

Besonders interessant ist das Kapitel 7 „Linguistic diversification and the curriculum", das Kapitel 8 „Scaling und levels" mit den detaillierten Leistungsbeschreibungen für die verschiedenen Teilbereiche der Sprachbeherrschung auf den verschiedenen Niveaus und schließlich dem Abschluss-Kapitel über Beurteilung.

Zusätzlich gibt es - differenziert nach Verwendungszwecken - Users' Guides, besonders interessant ist natürlich jener für Curriculum-Entwickler:

• Stoks, G.L.M. (1996). Curriculum Developers. Draft 1. Modern Languages: Learning, Teaching, Assessment. A Common European Framework of Reference. Council for Cultural Cooperation. Education Committee Language Learning for European Citizenship, Strasbourg, December 1996. Unter http://culture.coe.fr/lang/Guides/Listguides.htm [Der Link http://culture.coe.fr/lang/Guides/Listguides.htm existiert leider nicht mehr. Stand: 1. Januar 2004]
Alle Elemente des European Framework sind derzeit in Umarbeitung, werden mit einem Glossar und einer Bibliographie versehen und in möglichst viele europäische Sprachen übersetzt werden. Die Publikation soll im Europäischen Sprachenjahr 2001 in Hypertext-Form erfolgen.


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Wesentliche Impulse für eine Skalierung von Sprachkompetenzen im Deutschen hat die vom Europarat herausgegebene Kontaktschwelle Deutsch als Fremdsprache gebracht.

• Baldegger, Markus, Müller, Martin & Schneider, Günther. (1993). Kontaktschwelle Deutsch als Fremdsprache. Europarat - Rat für kulturelle Zusammenarbeit. Straßbourg. Berlin, München u.a.: Langenscheidt.
Explizite und erstgenannte Zielgruppe als Benutzer sind „Verantwortliche für die Curriculum-Entwicklung". (S. 39). Sie ist mittlerweile 20 Jahre alt, entspricht nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand und deckt auch nicht mehr die Bedürfnisse.

Das Projekt ENDaF „Europäische Niveaubeschreibungen Deutsch als Fremdsprache", getragen von einem trinational besetzten Projektteam und einem beratenden Expertenteam, hat zum Ziel, die Niveaubeschreibungen der Kontaktschwelle bis Ende des Europäischen Sprachenjahres 2001 zu überarbeiten und weitere Niveaubeschreibungen unterhalb und oberhalb des Levels der Kontaktschwelle zu erarbeiten. Dabei wird man sich an die für das Englische ausgearbeiteten Niveaus halten: Waystage, Threshold und Vantage, wobei als Referenz der oben genannte „Europäische Referenzrahmen für das Sprachenlernen" angenommen wird. Für detaillierte Informationen siehe http://www.unifr.ch/ids/endaf/endaf.htm [Der Link http://www.unifr.ch/ids/endaf/endaf.htm existiert leider nicht mehr. Stand: 1. Januar 2004].

Die Veröffentlichung ist ebenfalls für das Europäische Sprachenjahr 2001 geplant, wobei in jedem Falle im Rahmen der Internationalen Deutschlehrertagung im August 2001 in Luzern darüber berichtet werden wird. Über den Projektverlauf und den Stand der Arbeiten wird u.a. auch auf der Leitseite des Goethe-Instituts berichtet. Siehe http://www.goethe.de.

Den Änderungen der Sprachenpolitik und den Spracherwerbsprozessen entsprechend mit deren veränderten Ansätzen werden auch neue adäquate Instrumente entwickelt werden, die die angestrebten Veränderungen/Verbesserungen initiieren und gewährleisten sollen. „Das Portfolio geht eine Änderung dieses Zustands da an, wo Wurzel und Chancen einer Neubesinnung beginnen müssen: beim lernenden Schüler, bei der einzelnen Schülerin. Es will die Lernenden zu Selbstverantwortung, zu Selbsteinschätzung und zu Selbstvertrauen erziehen und darin üben, Arbeits- und Lerntechniken zu entwickeln, die dem Sprachenwachstum und stufenspezifischen Kenntnissen dienlich sind." (Piepho,1999).

• European Language Portfolio. (1997). Propositions for elaboration with contributions by Christ, Ingeborg/Debyser, Francis/Dobson, Alan/Schär, Rolf/Schneider, Günther/North, Brian et al./Trim, John. Strasbourg: Council of Europe - Language Learning for European citizenship CC-LANG.
Das Europäische Sprachenportfolio mit seinen drei Teilen - Sprachenpass, Lernbiographie und Dossier - dient zur Dokumentation individueller Sprachbibliographien und als Lernbegleiter und soll ein differenziertes Bild über die Sprach- und Kulturkenntnisse vermitteln. Es wird derzeit in verschiedenen Mitgliedsländern des Europarats durch verschiedene Institutionen erprobt. Längerfristiges Ziel ist es, durch dieses Instrument Entwicklungen zur internationalen Vergleichbarkeit von Prüfungen und Zertifikaten in Gang zu setzen, um dann durch diese vergleichbaren Leistungsbeschreibungen die (berufliche) Mobilität innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes zu erhöhen.


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• European Language Portfolio - Das Europäische Sprachenportfolio - Portfolio Langues - Portfolio Linguistico. (1997). Entwurf. Erprobungsfassung, Version C, hrsg. von der Arbeitsgruppe „Cadre de réferénce pour l'évaluation en langues étrangéres en Suisse". Conseil de l'Europe, Conseil de la cooperation culturelle. Strasbourg. Unter   http://www.unifr.ch/ids/Portfolio.
Über die Entwicklung, die Ziele, den Aufbau etc. informiert:
• Schneider, Günther (1999). Wozu ein Sprachenportfolio? Funktionen und Merkmale des Europäischen Sprachenportfolios (Schweizer Version). Unter   http://www.unifr.ch/ids/Portfolio. Stand: 16.2.1999.
Eine umfassende Bibliographie mit Links zu weiteren Publikationen schließen diesen Beitrag ab. Unter der Internet-Adresse gibt es auch Informationen zur Erprobung und zur Evaluation der Erprobung.
• Storti, Nuccia. (a cura di). (1997). L'Europa delle culture: atti del convegno internazionale, 9 maggio 1996. Milano: Fondazione Cariplo ISMU.
Wie die angeführten Beispiele zeigen, sind somit Mitte der 90-er Jahre alle wesentlichen Referenzpunkte entweder erschienen oder liegen in der Grundkonzeption für Pilot- und Evaluationsphasen vor.
 

    2.3 Weitere große Referenzpunkte für die Curriculum-Entwicklung

1995 erscheint also das

• Handbuch Fremdsprachenunterricht. (1995). Bausch/Christ/Krumm (Hrsg.). (3., überarbeit. und erweit. Aufl.). Tübingen und Basel: Francke Verlag.30
Für den Englischunterricht erscheint 1996 in zweiter Auflage
• Bach, Gerhard & Timm, Johannes-Peter (Hrsg.). (1996). Englischunterricht. Grundlagen und Methoden einer handlungsorientierten Unterrichtspraxis. (2., überarbeit. und erweit. Aufl.). Tübingen und Basel: Francke.
Hier sind ebenfalls alle wesentlichen Konstituenten des aktuellen Sprachunterrichts dargestellt: Handlungsorientierung, ganzheitliches Lernen, Kulturkompetenz, multimediale Technologien, die Problematisierung von Fehlerkorrektur und Prüfung, die Bedarfsproblematik der Wirtschaft, Methodenvielfalt, die neue Rolle der Unterrichtenden und schließlich unter „Neue Perspektiven" die Behandlung der Themen „Prozeßorientierung" und „Autonomes Lernen", wobei hier der Konstruktivismus als möglicher Ansatz genannt wird und „konstruktivistisch" als Synonym für „prozeßorientiert" beschrieben wird. (S. 268ff.)

Österreich hat sich inzwischen für eine eigene Sprachenpolitik entschieden. Dies zeigt sich in der Einrichtung neuer Institutionen, die speziell im Bildungsbereich und dem Bereich Deutsch als Fremdsprache aktiv sind: Die Österreich-Kooperation und die Österreich-Institute mit einer Zentrale in Wien und derzeit 5 Außenstellen: Bratislava, Budapest, Krakòv, Warschau und Milano. Nähere Informationen unter http://www.oei.org. Es handelt sich um die URL der Zentrale der Österreich-Institute mit einer sehr wertvollen Linkliste zu relevanten anderen Institutionen und deren Materialien.

Forschungen und Publikationen zum Österreichischen Deutsch werden international rezipiert und finden ihren Niederschlag nicht nur in den beachtenswerten Publikationen von Ammon und Muhr; eine wichtige Umsetzung sind die Österreichischen Sprachdiplome und die Kooperationen in diesem Bereich.


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    2.4 Neue Prüfungen für neue Lehr-/Lernziele

„Seit jeher sind Fragen der Sprachstandserhebung und des Überprüfens von Sprachfähigkeit ein fester Bestandteil der germanistischen Sprachwissenschaft, insbesondere des Faches Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, dient doch das Messen und Diagnostizieren von Sprachbeherrschung in der Fremdsprache nicht nur Lernenden als Nachweis ihrer fremdsprachlichen Kompetenz bzw. ihres Lernfortschritts, sondern auch Linguisten, Sprachdidaktikern, Lehrbuchautoren und Unterrichtenden als wesentliche Orientierungs- und Evaluationshilfe: Aus den diversen Meßergebnissen können wichtige Rückschlüsse sowohl für den Sprachlern- und Spracherwerbsprozeß als auch für die Effizienz verschiedener Unterrichtsformen und -methoden gewonnen werden." (Glaboniat 1998, S.7).

Die umfangreichste Informationsquelle zum Thema „Prüfen und Testen im Unterricht DaF" ist derzeit:

Kommentierte Bibliographie Deutsch als Fremdsprache. Gesamtredaktion: Goethe-Institut, Sektion Forschung und Entwicklung, in Kooperation mit Österreich-Institut und Lehr- und Forschungszentrum Fremdsprachen, Abteilung Deutsch, der Universität Freiburg/Schweiz. Unter http://www.goethe.de/z/82/acwww25/katalop/deindex.htm oder über die Homepage des Goethe-Instituts: http://www.goethe.de erreichbar.
Die Bibliographie verzeichnet praktisch alle derzeit am internationalen Markt anerkannten Prüfungen sowie eine umfangreiche Aufstellung von Publikationen zu Beschreibungen, Besprechungen, Diskussionen usw. Darin sind auch die Österreichischen Sprachdiplome dokumentiert.
• Die wichtigsten Prüfungen, Prüfungstermine und Prüfungsabnehmer im Bereich DaF. Internet-Service für den Unterricht Deutsch als Fremdsprache. Unter http://www.deutsch-als-fremdsprache.de.
Umfassende Informationen zu Sprachprüfungen findet man weiters unter der Homepage von ALTE (Association of Language Testers in Europe): http://www.alte.org. Österreich hat als Kooperationspartner beim Zertifikat Deutsch Gaststatus in dieser Organisation.

Eine Link-Sammlung zu den wichtigsten und bekanntesten internationalen Prüfungen - nach Sprachen  und Niveaus geordnet - findet man unter

http://www.language-learning.net/
Als Zeichen der Förderung und Anerkennung auch von Basiskenntnissen in verschiedenen Fremdsprachen sind die neuen Sprachenzertifikate auf den Stufen A1/Breakthrough, A2/Waystage, B1/Threshold und B2/Vantage des Europäischen Sprachenportfolios zur werten. Informationen hierzu unter
http://www.wbtests.de,
http://www.sprachenzertifikate.de/faqs.htm
[Der Link http://www.sprachenzertifikate.de/faqs.htm existiert leider nicht mehr.
Stand: 1. Januar 2004]und
In diesem Rahmen sind auch die neuen Prüfungen des Goethe-Instituts für Jugendliche Fit in Deutsch 1 und Fit in Deutsch 2 in Italien zu erwähnen. Informationen darüber in per voi, Eine Zeitschrift für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer in Italien. 6/2000.


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• „Testen, Prüfen, Leistungsbeurteilung und Evaluation". ÖDaF-Mitteilungen 2/1998.
Die darin enthaltenen Beiträge setzen sich kritisch mit dem Thema auseinander und bilden einen guten Überblick über die derzeitige Diskussion in diesem Bereich.

    Internationale österreichische Prüfungen:

Seit 1995 wird das Österreichische Sprachdiplom international zweimal jährlich durchgeführt. Derzeit gibt es rund 100 Prüfungszentren.

Seit 1997 gibt es ein Österreichisches Diplom Wirtschaftsdeutsch (DWD) für die Oberstufe mit DWD-Lernzielkatalog und DWD-Prüfungsordnung.

• Glaboniat, Manuela (1998). Kommunikatives Testen im Bereich Deutsch als Fremdsprache. Eine Untersuchung am Beispiel des Österreichischen Sprachdiploms Deutsch. Band 2 der Reihe „Theorie und Praxis. Österreichische Beiträge zu Deutsch als Fremdsprache". Hans-Jürgen Krumm & Paul R. Portmann-Tselikas. (Hrsg.). Innsbruck: STUDIENverlag.
Dieses Buch stellt praktisch den theoretischen Hintergrund und die Evaluation der Österreichischen Sprachdiplome dar; in seiner Anlage bietet es sich als Handbuch für Testersteller an, die sich fürs kommunikative Testen interessieren und mehr über die Validität von Prüfungsaufgaben für alle Fertigkeitsbereiche wissen wollen.31
• Glaboniat, Manuela. (1999). Österreichische Sprachprüfungen in aller Welt. Die Entwicklung und Verbreitung des Österreichischen Sprachdiploms Deutsch. In Theorie und Praxis. Österreichische Beiträge zu Deutsch als Fremdsprache 3/1999, 31-40.

• Österreichisches Sprachdiplom Deutsch: Lernzielkataloge zu Basisformulierungen, Lexik, Sprechhandlungen, Höflichkeitskonventionen, Diskurs und Diskursstrukturen, Deutsch als Plurizentrische Sprache. (2000). Erstellt von Rudolf Muhr. Wien: öbv Verlags-GmbH & Co.

Nach nunmehr siebenjähriger Entwicklungsarbeit unter laufender Einarbeitung internationaler Entwicklungen (European Framework, das trinational erstellte Zertifikat Deutsch) wurde hiermit nun eine Neubearbeitung vorgelegt mit dem Ziel, eine zeitgemäße Grundlage für die Gestaltung von modernen DaF-Lehrmaterialien und eine Hilfe für den Unterricht zur Verfügung zu haben, die vor allem dem Aspekt der Plurizentrizität des Deutschen und dem kommunikativen Paradigma des Fremdsprachenunterrichts Rechnung trägt.

Für die Zentrale Mittelstufenprüfung des Goethe-Instituts:

• Perlmann-Balme, Michaela. (1996). Die Revision der Zentralen Mittelstufenprüfung. Prinzipien der Prüfungsentwicklung. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache, 22/1996, 311-334.

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Der trinationale Ansatz:

• Zertifikat Deutsch. Lernziele und Testformat. (1999). Weiterbildungs-Testsysteme GmbH, Goethe-Institut, Österreichisches Sprachdiplom, Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. (Hrsg.). Frankfurt/Main: Weiterbildungs-Testsysteme.
Dieses trinational erstellte Zertifikat ersetzt ab sofort die Grundstufe 2 des Österreichischen Sprachdiploms.

Andere Prüfungsformen:

• Grotjahn, Rüdiger. (1992, 1994, 1996). Der C-Test, Theoretische Grundlagen und praktische Anwendungen. Band 1-3. Haarmannsbusch: Brockmeyer Universitätsverlag.
Für den Rezensenten Bernd Voss ist die Arbeit „zweifelsohne ein Meilenstein in der Testliteratur"32. Band 1 ist vergriffen.
• Dudene, Heinrich. (1997). Die Praxis der mündlichen Prüfungen an den Studienkollegs und ihre Vorbereitung im Unterricht. Ein Zwischenbericht über eine Umfrage. In Materialien Deutsch als Fremdsprache, 43/1997, 107-117.

• Bolten, Jürgen. (1997). Das HRK-Zertifikat „Fachsprache Wirtschaft". Richtlinien, Ausbildung und Prüfungspraxis. In Info DaF - Informationen Deutsch als Fremdsprache, 24/1997, 530-541.

„Der Verfasser informiert in seinem Beitrag über die Richtlinien für den Erwerb des Zertifikates Fachsprache Wirtschaft und die bisher vorliegenden Materialien zur Zertifikatsvorbereitung und -durchführung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das Zertifikat Fachsprache Wirtschaft wurde 1996 von der HRK hinsichtlich seiner Richtlinien verändert und stellt jetzt eine praktikable Lösung dar, um an deutschen Hochschulen länderübergreifend vergleichbare Prüfungen für Wirtschaftsfremdsprachen durchzuführen." (Zitiert nach IFS).
• Busch-Lauer, Ines-A. (1998). Zur Ausbildung und Bewertung fachbezogener Fremdsprachenkenntnisse - dargestellt an der Prüfung zum UNICERT II bei Medizinstudenten. In Internationale Zeitschrift für Fachsprachenforschung, -didaktik und Terminologie, Heft 1-2/1998, 51-69.
„Testen und Prüfen" war auch eines der vier Schwerpunktthemen bei der Jahrestagung Deutsch als Fremdsprache „Sprache - Kultur - Politik", veranstaltet von der Universität Regensburg und dem Fachverband Deutsch als Fremdsprache im Juni 1999, wobei man sich vor allem mit den neueren Tendenzen der Verlagerung von Testzielen auseinandersetzte: Es geht nicht mehr sosehr um die Erreichung von festgeschriebenen Levels, sondern um eine offenere Skalierung der Fähigkeiten und Fertigkeiten.33
• Krause, Wolf-Dieter & Ständig, Uta. (1999). Zur Effektivierung von Leistungskontrollen und Tests für die Überprüfung der Kommunikationskompetenz im Fremdsprachenunterricht (unter Berücksichtigung von ersten Arbeitsergebnissen des europäischen Kooperationsprojektes ECCELLENTT). In FuH - Fremdsprachen und Hochschule 57/99, 88-116.

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Der Artikel beschreibt die Zielsetzungen und mögliche Aufgabentypen und Testverfahren auf Basis der Analyse von Testtraditionen; Voraussetzung für die Aufnahme in die Liste empfehlenswerter Aufgabentypen war die - zumindest ansatzweise vorhandene - kommunikative Dimension.

Neuere Tendenzen in der Testlandschaft:

• Kiefer, Peter. (1998). Die Europäischen Sprachenzertifikate. In Zielsprache Französisch, 30/1998, 99-100.
„Der Artikel beschreibt die am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) entwickelten Sprachenzertifikate, für die in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch neue Lernzielbeschreibungen und Prüfungen entwickelt wurden und die weit über die bisher im Volkshochschulbereich vorrangigen Lernziele hinausgehen und vor allem auch die Arbeitswelt einbeziehen."(Zitiert nach IFS).
• Fischer, Roland/März, Martina/Waitzbauer, Manfred. (1999). DIALANG: Ein europäisches Testverfahren zur Selbstdiagnose von Fremdsprachenkenntnissen. In Theorie und Praxis. Österreichische Beiträge zu Deutsch als Fremdsprache 3/1999, 41-54. Unter http://www.sprachlabor.fu-berlin.de/dialang. Stand: 19. Juni 2000.

• Eggensperger, Karl-Heinz. (1999). UNICERT in zehn Punkten: Stand und Perspektiven eines hochschulübergreifenden Zertifikats für den studienbegleitenden Fremdsprachenunterricht. In FuH - Fremdsprachen und Hochschule 55/1999, 59-73. Unter http://www.ruhr-uni-bochum.de/aks/. Stand: Oktober 2000.

Mit dem Blickpunkt auf einen effizienten und Autonomie fördernden Fremdsprachenunterricht mit deutlichem hochschulspezifischem Profil sowie ein einheitliches bzw. vergleichbares Zertifikat wurde ein Gesamtkonzept entwickelt, das einen Referenzrahmen in Form einer Rahmenordnung und Rahmenprüfungsordnung für alle studienbegleitenden Fremdsprachenausbildungen darstellen soll. In diesem Artikel werden die inhaltlichen, organisatorischen, hochschul- und wissenschaftspolitischen Aspekte übersichtlich dargestellt.

Das Konzept versteht sich explizit als Instrument der Qualitätssicherung34 des universitären Sprachunterrichts.

• APIEL - Advanced Placement International English Language.
Diese Prüfung versteht sich als umfassende akademische Prüfung und distanziert sich explizit von Tests wie TOEFL und IELTS. Sie richtet sich vor allem an Studierende, die in den USA ein Studium aufnehmen oder dort ihre Studien vertiefen möchten. Es handelt sich um eine standardisierte Prüfung; sie wird zentral korrigiert und benotet. Informationen dazu auch unter http://www.fmf-sachsen-anhalt.de/apiel_info.htm.


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    2.5 Der plurizentrische Ansatz

Untersuchungen zur Berücksichtigung der nationalen Standards in Lehrwerken bietet ein recht trauriges Bild: Kein im Handel erhältliches Lehrwerk bis Mitte der 90-er Jahre berücksichtigt diesen systematisch oder explizit. Auch die neueren Lehrwerke rücken zum Beispiel „richtig verwendete Austriazismen auf die selbe Ebene mit Dialektwörtern aus unterschiedlichen Teilen des deutschen Sprachgebiets".35

• Ammon, Ulrich. (1995). Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten. Berlin, New York: De Gruyter.
Das neue Zertifikat Deutsch wurde nach Erkenntnis und auf Basis des plurizentrischen Ansatzes konzipiert: „Eine wesentliche Grundlage des Zertifikats Deutsch ist die Auffassung des Deutschen als plurizentrische Sprache, die davon ausgeht, dass das Deutsche über mehrere Standardvarietäten verfügt. Die vorliegenden Kataloge beruhen auf der Basis des Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und in der Schweiz."36 Die Verschleierung, daß es sich dabei um Standardvarietäten handelt, findet noch immer statt. Im Informationsblatt Forum DaF/Deutsch als Fremdsprache des Hueber Verlags findet man diese Unschärfe bei der Präsentation der neuen Prüfung: „Neu ist lediglich Wortmaterial aus Österreich und der Schweiz, mit dem regionalen Varianten [statt Varietäten] stärker Rechnung getragen wird. So können in den Hörverständnisteilen auch einmal dialektal gefärbte Stimmen zu hören sein."37
• WELCHES DEUTSCH LERNEN WIR? Hg. von Hans-Jürgen Krumm. Thematischer Teil. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache Band 23/1997, 133-347.
mit folgenden Beiträgen:
• Krumm, Hans-Jürgen, Welches Deutsch lernen wir? Einführung in den thematischen Teil.
• Ammon, Ulrich, Die nationalen Varietäten des Deutschen im Unterricht Deutsch als Fremdsprache.
• Eichinger, Ludwig M., Allen ein Deutsch - jedem sein Deutsch. Wie man mit Variation umgeht
• Hirschfeld Ursula, Welche Aussprache lehren wir?
• Stubkjaer, Flemming Talbo, Die Standardaussprache des österreichischen Deutsch im Konzept „Deutsch als plurizentrische Sprache".
• Kolde, Gottfried/Rohner, Judith, Über den Umgang Genfer Deutschlehrer mit den Varietäten der Zielsprache.
• De Cillia, Rudolf, „Alles bleibt, wie es ißt". Österreichs EU-Beitritt und die Frage des österreichischen Deutsch.
• Fasch, Christa, Österreichisches Deutsch als Exportartikel. Über die Schwierigkeiten der Vermittlung einer nicht näher definierten „Sprache".
• Martin, Victoria, Der Status des österreichischen Deutsch am Beispiel britischer und irischer Hochschulen.
• Huber, Gabriele, Die Rolle des österreichischen Deutsch in der Slowakei.
• Grucka, Franciszek, Mitteleuropa - Deutsch - Auslandsgermanistik.
• Boeckmann, Klaus-Börge, Multilingualität und Multikulturalität als Herausforderung für ein „monozentristisches Selbstverständnis" im Sprachunterricht Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache.
• Kramsch, Claire, Wem gehört die deutsche Sprache?

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In der Einleitung fasst der Herausgeber das Feld folgendermaßen zusammen:

„Deutsch ist eine plurizentrische Sprache und reicht bekanntlich über die deutschsprachigen Staats-und Kulturgrenzen weit hinaus. Infolgedessen muß unsere Disziplin in allen ihren Spielarten, insbesondere aber dann, wenn das fremdsprachliche Deutschstudium und der fremdsprachliche Deutschunterricht kulturwissenschaftlich fundiert und interkulturell orientiert werden sollen, die nationalen Varietäten der deutschen Sprache als kulturelle Phänomene ähnlich deutlich ins wissenschaftliche Gespräch ziehen wie die soziolektalen Sprachregister. Keine der nationalen Varianten hat sich zu einer separaten Sprache entwickelt. Die didaktische Frage, welches Deutsch wir zu vermitteln haben, ist mithin nicht zuletzt eine kulturpolitische Frage, die ein Stück ihrer Antwort immer schon voraussetzt."38
Die richtungsweisenden Forschungsprojekte und Publikationen zur österreichischen Variante der deutschen Standardsprache sowie wichtige Links zum Forschungsbereich Plurizentrik sind auch über eine eigene Homepage zugänglich:
Österreichisches Deutsch/Austrian German/L´Allemand Autrichien. Informationen zur Gegenwartssprache in Österreich, Landeskunde Österreichs und zu Kultur, Kommunikation und Kooperation in Zentraleuropa. Eingerichtet von Rudolf Muhr, Institut für Germanistik Karl-Franzens-Universität Graz/Ö. Unter http://gewi.kfunigraz.ac.at/~muhr/oedt/.
Als Ziele werden explizit die Verbreitung aktueller Informationen zum österreichischen Deutsch, die aktive Entgegenwirkung gegenüber Vorurteilen und das Problem der plurizentrischen Sprachen angegeben.

Unter http://gewi.kfunigraz.ac.at/~muhr/oedt/bibloede.html findet man eine Auswahl-Bibliographie zum Österreichischen Deutsch und zu Deutsch als plurizentrischer Sprache, zusammengestellt von Rudolf Muhr.
 
 

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    2. Abschnitt

3. Curricula und Lehrpläne

3.1 Einleitender Kommentar
3.2 Curricula-Entwicklung - spezifische Aspekte - Implementierung - Wirkung
3.3 Curricula für die Aus- und Weiterbildung von DaF-Unterrichtenden und Beiträge
3.4 Curricula für den schulischen Kontext und Beiträge
3.5 Curricula für allgemeinsprachlich orientierte Programme der Erwachsenen-Bildung
3.6 Curricula für fach- und berufssprachlich orientierte Programme und Beiträge

3. Abschnitt

4. Die Bezugswissenschaften und ihre Aspekte

4.1 Das Hochschulfach DaF: Orientierungen - Schwerpunkte - Konzepte
4.2 Interkulturelle Germanistik
4.3 Literaturwissenschaft - Literaturdidaktik
4.4 Die europäische Sprachenpolitik und die Position von DaF
4.5 Mehrsprachigkeit und Multikulturalität
4.6 Zur Position von Deutsch als Wissenschaftssprache
4.7 Interkulturelles Lernen - Interkulturelle Didaktiken
4.8 Landeskunde

4. Abschnitt

4.9 Interkulturelle Kommunikation
4.10 Hochschuldidaktik
4.11 Multimedialität - Computerunterstütztes Lernen
4.12 Die Ansätze im Fremdsprachenunterricht:
    4.12.1 Der narrative Ansatz
    4.12.2 Der hermeneutische Ansatz
    4.12.4 Der konstruktivistische Ansatz
4.13 Spracherwerbsforschung
4.14 Methoden und Alternative Methoden
4.15 Neue Lernwelten
4.16 Sprachenlernen mit einer (Lern-)Behinderung - Die Integration von Benachteiligten

5. Abschnitt

    5. Ziele

5.1 Kompetenzen - Strategien - Fertigkeiten - Techniken
5.2 Autonomie
5.3 Umgang mit Fehlern
5.4 Neue Grammatiken für den neuen Unterricht
5.5 Wortschatzerwerb
5.6 Fachsprache allgemein
5.7 Deutsch für den wirtschaftlichen/beruflichen Kontext

    6. Institutionen und Institute, die in Forschung und Lehre curriculum-relevante Schwerpunkte setzen

• Wege zu den Institutionen

    7. Quellen

7.1 Zeitschriften
7.2 Publikationsreihen
7.3 Bibliographien und Linksammlungen
7.4 Informationssysteme online

8. Zusammenfassung und Ausblick