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PONS (2005). Kompaktwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Stuttgart u.a.: Klett. ISBN 3-12-517171-7. 1034 Seiten, 13,95 Euro.

Einsprachige Wörterbücher sind für viele, die Fremdsprachen lernen, ein eher ungewohntes Hilfsmittel. Von den Lehrbüchern her, die traditionell (und neuerdings vermehrt wieder) Vokabellisten enthalten, und vom schulischen Alltag mit dem ungeliebten Vokabellernen führt der Weg gleichsam wie von selbst zu zweisprachigen Wörterbüchern. Dabei sind einsprachige Wörterbücher ein exzellentes Werkzeug des Spracherlernens, welches das Nachschlagen zu einem eigenständigen Lernvorgang macht, der vor allem auch selbstbestimmt ist. Von daher ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass dieser Typ von Wörterbüchern im Fremdsprachenunterricht auf dem Vormarsch ist.

Dabei ergibt sich allerdings ein Problem: Normale einsprachige Wörterbücher setzen fortgeschrittenes Leseverstehen voraus. Auf einer niedrigeren Stufe der Sprachbeherrschung können Lernende nur entsprechend adaptierte einsprachige Wörterbücher nutzen. Es ist sinnvoll, mehrere Niveaus vorzusehen, ggf. definiert im Bezug auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen bzw. entsprechend skalierte Prüfungen oder Wortschatzlisten.

Der Klett-Verlag bietet in seiner Wörterbuchreihe, die speziell für DaF-Lernende bestimmt ist, gegenwärtig drei unterschiedliche Produkte an. Als letztes Wörterbuch in dieser Trias ist das hier zu besprechende Kompaktwörterbuch (im Folgenden KW) erschienen, das eine Mittelstellung zwischen dem Basiswörterbuch [1] (im Folgenden BW) und dem Großwörterbuch [2] (im Folgenden GW) einnimmt. Letzteres bildet gemäß Angaben auf S. 2 die Grundlage für KW, so dass es sich bei KW, vereinfacht gesprochen, um eine herunter transformierte Version von GW handelt. Seine Position ist allerdings nicht deutlich umrissen, da es sich wie BW auch an diejenigen richtet, "die mit dem Erlernen des Deutschen als Fremdsprache beginnen" (7). Es steht aber zu vermuten, dass mittelfristig KW als Ersatz für BW gedacht ist.

Hinsichtlich des inhaltlichen Umfangs steht KW (42.000 Stichwörter und Wendungen) am ehesten im Wettbewerb zu Huebers Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache [3] (41.500 Stichwörter, Beispiele und Wendungen), während Langenscheidt das Segment nur mit einem etwa dem Basiswörterbuch entsprechenden Taschenwörterbuch [4] (27.500 Stichwörter, Wendungen und Beispiele) und einem Großwörterbuch [5] (66.000 Stichwörter und Wendungen) abdeckt. Bei ähnlichem Format hat KW aber wesentlich mehr Seiten (1044) als das Werk von Hueber (772) und wiegt beinahe das Doppelte. Es ist sogar schwerer und dicker als das Großwörterbuch von Langenscheidt, was es als alltäglichen Begleiter zwar nicht unbedingt empfiehlt, bei oberflächlicher Betrachtung der Auslage in der Buchhandlung aber möglicherweise zu falschen Schlüssen verleiten mag, zumal KW das billigste (€ 13,95) unter den drei genannten Werken (Hueber € 14,95; Langenscheidt € 29,90) ist.



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In KW finden sich keine genauen Angaben, nach welchen Grundsätzen die Auswahl der Lemmata erfolgte. Man kann höchstens vermuten, dass der Wortschatz des Zertifikats Deutsch, der durch einen Punkt markiert ist, vollständig aufgenommen wurde, obwohl auch hier die Formulierung im einleitenden Teil nicht eindeutig ist (8). Es dürfte sich im Wesentlichen um den so genannten gemeinsprachlichen Wortschatz handeln, ergänzt durch gewisse fachsprachliche Ausdrücke (in verhältnismäßig großem Umfang ist etwa die sprachwissenschaftliche Terminologie berücksichtigt). Die Auswahl ist wohl so getroffen worden, dass der Lemmabestand des GW als Ausgangspunkt genommen und entsprechend den Vorgaben des angestrebten Umfangs reduziert wurde. Diesen Schluss lässt die Tatsache zu, dass sich in KW viele Verweise finden, die ins Leere führen: So wird bei "Nebenvariante" (Lemmata stehen im Folgenden in Anführungszeichen) auch auf Hauptvariante und Rechtschreibreform verwiesen (beide in GW vorhanden; im Folgenden "GW+"), die man allerdings in KW vergeblich sucht (unter "Reform" gibt es als Kompositum u.a. "Rechtschreib-", unter "Variante" aber weder Haupt- noch Neben-). Bei der Reduktion von GW auf KW wurden also die genannten Lemmata gestrichen, die Verweise aber nicht getilgt. Noch deutlicher ist dies, wenn unter "karikieren" als Erklärung "jmd. oder etwas als Karikatur [1] darstellen" steht, das Lemma "Karikatur" in KW aber keine Exponenten hat (wohl aber in GW).

Die Reduktion von GW auf KW führt manchmal zu eigenartigen Inkonsequenzen. So sind etwa "Deutschland" und "Österreich" verzeichnet, die Schweiz (GW+) aber nicht (unter "Deutsche" findet sich immerhin ein Verweis "siehe auch Austriazismus, Helvetismus, Österreich, Schweiz" (alle GW+); von den genannten Verweiswörtern ist aber einzig "Österreich" als selbständiges Lemma aufgenommen). Von weiteren Staaten, wo Deutsch (z.T. regionalen) offiziellen Status hat (vgl. dazu den "Infokasten" bei "Deutsch"), sind nur "Belgien" und "Dänemark" angeführt, nicht aber Luxemburg (GW+) und Liechtenstein (GW+); angesichts des verstärkten Bewusstseins um den Polyzentrismus des Deutschen im Rahmen der DACH-Konzeption ist das erstaunlich. Ebenso unlogisch ist es, als Lemmata für Deutschland z.B. die Bundesländer "Niedersachsen" und "Baden-Württemberg" zu berücksichtigen, Sachsen (GW+) und Mecklenburg-Vorpommern (GW+) aber nicht, für die Schweiz "Nidwalden", Obwalden (GW-) aber nicht (ebenso wenig wie Unterwalden (GW-)); von den österreichischen Bundesländern schließlich hat es nur "Niederösterreich" geschafft. (Es gibt zwar auch "Burgenland" als Lemma, aber nur als "Landschaft in Österreich", so auch im GW.) Im Grunde genommen wären alle diese Einträge überflüssig, denn sämtliche Bundesländer und (Halb-)Kantone finden sich im Anhang (1027/8; hier fehlt nur Unterwalden, und das aus einsichtigen Gründen). Austrophob verfährt KW mit den Hauptstädten: "Berlin" und "Bern" sind da, nicht aber Wien (GW+).

Auf der hinteren Umschlagseite verspricht das KW unter anderem "Fachwortschatz: Wirtschaft, Internet, Technik, Medizin". Nun mag man der Redaktion zugute halten, dass Waschzettel gewöhnlich nicht von ihr selbst, sondern von Marketingleuten gestaltet werden. Ein solches Versprechen ist offensichtlich ganz unhaltbar, denn es liegt auf der Hand, dass Fachwortschatz in ein Werk dieses Umfangs nur sehr beschränkt aufgenommen werden kann. Auf der Suche nach Lücken, unbeholfenen Erklärungen, Inkonsistenzen und ins Leere gehenden Verweisen ist man in diesen Wortfeldern denn auch ganz besonders erfolgreich. Im Bereich der Internet-Terminologie fehlen etwa Web (GW+), Chat (GW+), Spam, Provider (GW+), Homepage (GW+), doch offenbar nicht deshalb, weil es sich (wie bei den meisten Internet-Termini) um Anglizismen handelt; wir finden zwar "E-Mail", aber nicht mailen (GW+), "Download" und "downloaden", aber nicht die deutsche Form (he)runterladen (GW+) oder wenigstens das Gegenstück uploaden (GW Upload), bei "hacken" in der auf die EDV bezogenen Bedeutung fehlt ein Hinweis auf Hacker (GW+). Bei "Wurm" steht unpräzise "ein elektronischer Virus" (GW-) und bei "Virus" finden wir als Erklärung "2. EDV kurz für ‚Computervirus'", der selbst aber nicht erklärt ist (GW+).



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Ob die Auswahl der Lemmata letztlich einem bestimmten Prinzip folgt oder gar ein bestimmtes Ziel hat, bleibt unklar, allerdings deutet einiges darauf hin, dass dem nicht so ist; so ist es vermutlich auch kein Zufall, dass "Dysteleologie" als eigenes Lemma enthalten ist, Teleologie (GW+) aber nicht, sondern nur als Antonym.

Zentral für ein Wörterbuch sind natürlich die Einträge. Die Gestaltung und die Qualität der Informationen sind entscheidend für Benutzerfreundlichkeit und Brauchbarkeit. Ganz wichtig ist dabei eine durchdachte und konsequent eingehaltene Strukturierung. Leider lässt KW auch hier viel zu wünschen übrig. Dies sei im Folgenden an Beispielen gezeigt.

Der Artikel steht meist lernerfreundlich vor dem Lemma, oft auch dahinter. Die ursprüngliche Idee war wohl, den Artikel bei allen in den "Infokästen" kommentierten Lemmata hinter das Nomen zu setzen, doch öfters taucht er in diesem Fall vor dem Nomen auf, wie z.B. bei "das Abendessen" oder "die Atombombe"; noch schlimmer - manchmal fehlt er ganz: "Alphabet", "Badminton", "Bärenhaut".

Die Trennungsmöglichkeiten, die durch die Rechtschreibereform erheblich ausgeweitet wurden, sind in der vorzuziehenden Form angegeben. Leider hält sich KW nicht immer an die eigenen Vorgaben, vgl. etwa "Backslash", wo im Lemma "Back-slash" empfohlen wird, das angeführte Beispiel aber "Backs-lash" verwendet. Ein weiteres Beispiel ist "Cha-träumen" (unter "Netiquette"). Offenbar wurde hier ein automatisches Trennungsprogramm verwendet, das nicht alle Lemmata von KW berücksichtigt.

Reichlich inkonsequent verfährt KW bei den Komposita. Selbst unter Berücksichtigung der Kautelen in den Benutzungshinweisen (10/11) ist nicht recht einsichtig, warum fast alle Bundesminister ein eigenes Lemma erhalten (allerdings nicht in allen Fällen mit movierten Formen: so können offenbar "Bundesarbeits-" und "-außenminister" in Deutschland nur Männer sein, während eine "Bundeskanzlerin" schon denkbar ist [Juli 2005!]), aber nicht alle respektiven Bundesministerien: Die beiden genannten Minister sowie diejenigen für Gesundheit und Inneres (bzw. ihre weiblichen Pendants) scheinen eine Art Minister ohne Portefeuille zu sein, da ihre Ministerien in KW kein Lemma erhalten haben (alles schon in GW so). (Unter den gewöhnlichen "Ministern" sind zahlreiche Komposita angeführt, so dass auf dem Umweg über die Movierung im Lemma zumindest eine "Außenministerin" denkbar ist, aber immer noch keine Arbeitsministerin.)

Zu den Bereichen, die in KW am wenigsten befriedigen können, gehören die Informationen zur Aussprache. Sie erfolgen in unterschiedlicher Form, einmal durch Bezeichnung der langen bzw. kurzen Vokale durch Strich bzw. Punkt, zum andern in phonetischer Umschrift nach IPA. (Ein Zwitter findet sich bei "somit", wo der Längenstrich auch in der IPA-Umschrift vorkommt; bei "zutiefst" widersprechen sich die Angaben, weil das Lemma langes betontes u verlangt, die Umschrift kurzes unbetontes.) Allerdings stehen Ausspracheangaben in IPA-Umschrift nur bei "manchen Fremdwörtern, in Zweifelsfällen und bei den zum Wortschatz des Zertifikats Deutsch als Fremdsprache gehörenden Wörtern" (S. 10). Wer nun aber bei allen als ZD-Wortschatz gekennzeichneten Lemmata eine Ausspracheangabe erwartet, sieht sich enttäuscht - mal steht sie dort, mal nicht, ein Prinzip ist nicht erkennbar. Bei neun der ersten 20 ZD-Lemmata im Buch stehen keine Ausspracheangaben.



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Dort, wo Ausspracheangaben nach IPA erfolgen, ist die Fehleranfälligkeit besonders groß. Offensichtlich wurde hier nur sehr oberflächlich Korrektur gelesen. Ein immer wiederkehrender Fehler ist die Verwendung von [t] für [ts] (mit oder ohne Bögen für Affrikaten), vgl. etwa Beispiele wie "zischen", "Zitrone", "Matratze", "Patient", "CD" (aber korrekt bei "CD-ROM"), "Azubi" usw. usw. (spätestens bei "Zwetschge" hätte auffallen müssen, dass für <z> und <tsch> die gleichen IPA-Zeichen stehen, allerdings nur im ersten Fall mit dem Bogen für Affrikaten). In GW sind IPA-Angaben sparsamer, dafür im genannten Fall korrekt.

Auch bei der Wiedergabe der Aussprache von Vokalen finden sich zahlreiche Fehler, vor allem bezüglich der Differenzierung von offenen und geschlossenen bzw. kurzen und langen Vokalen sowie bei unbetonten Vokalen im Auslaut, vgl. etwa "Cola", "BSE", (ebenso GW) "Dancefloor", (ebenso GW) "Palme", "Perle", "SOS" (GW korrekt), "unerträglich", "Wechsel" (sogar mit approximantischem bilabialem [w], wie es im Englischen vorkommt). Diphthonge werden ebenfalls uneinheitlich behandelt, vgl. das Suffix bei "Freiheit", "Einheit" und "Gelegenheit". Der Glide [j] wirft auch Probleme auf. Die Übersicht am Schluss von KW führt als Transkriptionszeichen [j] an und hat als Beispiele "ja" und "Million". Im Wörterbuchteil wird bei "ja" tatsächlich [j] verwendet, nicht aber bei "Million" und bei den meisten Wörtern, wo [j] nicht morphemanlautend bzw. nach Vokal steht: Hier bevorzugt KW [i] mit darunter gesetztem Bogen (für "unsilbisch"), der allerdings auch fehlen kann, vgl. "Aktion" (ebenso GW), aber "Nation"; GW ohne IPA. [6] Ähnlich häufig ergeben sich Unstimmigkeiten bei der Bezeichnung von Stimmhaftigkeit und Stimmlosigkeit und hier vor allem beim Verlust des Stimmtons im Auslaut, vgl. "Business-Class" (aber korrekt bei "Business"), "Aids" (gefordert ist gemäß Umschrift stimmhaftes [d], aber stimmloses [s]; es bleibt unklar, wie das zu realisieren ist), "Outing", was mit silbischem [n] und stimmhaftem [g] zu sprechen sei (aber korrekt "Camping" [ŋ]); alles schon in GW so.

Grammatische Informationen finden sich an verschiedenen Orten in KW: im Lemma, in den "Infokästen" oder auch sonst im Text. Auch hier sind Fehler zu beklagen. Unter "Sie" und "sie" steht gleichermaßen "Pronomen der 2. Pers. Sing. und Plur." (GW ebenso), obwohl dies grammatikalisch und in letzterem Fall auch semantisch nicht stimmt.

Ähnlich unklar scheint die grammatikalische Situation bei den Modalverben zu sein, die ja alle zu den Präteritopräsentia gehören. Am deutlichsten wird das bei "mögen". Dazu gibt es einen "Infokasten". Er steht zwischen dem Vollverb "mögen [1] " und dem Modalverb "mögen [2]". (Im Kasten wird es als "Modalverb" bezeichnet, in den grammatischen Informationen von "mögen [2]" allerdings als "Hilfsverb"; dieses Nebeneinander findet sich auch bei "können" und "müssen". In der Kurzgrammatik, 1014 und 1017, werden nur sein, haben und werden als "Hilf[s]verben" bezeichnet.) Gemäß Information im Kasten lautet das Präsens des Modalverbs "mögest", "möge", der Konjunktiv dagegen "möchte". Beim Vollverb ist das Präsens "magst", beim "Hilfsverb" [lies: Modalverb] dagegen "möchtest" (im Kasten, man erinnert sich, war das Konjunktiv). "Mag" ist beim "Hilfsverb" in den grammatischen Angaben gar nicht zu finden (bei GW schon), wohl aber in den Beispielen: "Er mag etwa 50 Jahre alt sein." Ein Problem ist bei den Modalverben für KW auch die Bildung des Partizips Perfekt. KW versucht, die Regel (die nicht nur bei Modalverben gilt), dass nach Infinitiv statt des Partizips Perfekt ein "Ersatzinfinitiv" stehen kann oder muss, in die Formenlehre zu übernehmen (z.B. Ich habe es kommen sehen). Deswegen steht bei "mögen [1] " "hat gemocht", bei "mögen [2]" aber "hat mögen". "Können" verhält sich ähnlich wie "mögen", doch müssten zwei der Beispiele unter "können [1] " ("Er kann hervorragend turnen." und "Wie konntest du nur so etwas sagen/tun?") im Perfekt "hat ... können" verwenden, obwohl die grammatischen Informationen nur "hat ... gekonnt" erlauben. Bei "wollen" gibt es nur ein Lemma für Voll- und Modalverb (bei GW mit "Infokasten" und auch sonst besser). Die grammatischen Informationen lassen für das Perfekt ausschließlich "hat wollen" zu, aber unter den Beispielen findet sich nur "hat ... gewollt". Bei "dürfen" (auch nur ein Lemma, aber mit "Infokasten", im Gegensatz zu GW) steht richtig "hat dürfen/gedurft", ähnlich bei "müssen" "hat gemusst/müssen" (in umgekehrter Reihenfolge). Und schließlich hat "sollen" zwei Lemmata, aber keinen "Infokasten" (im Gegensatz zu GW), wobei "sollen [1] " "hat gesollt" verlangt, "sollen [2]" dagegen, als "Hilfsverb" bestimmt, "hat sollen". Unter den sechs Beispielen bei "sollen [1] " findet sich nur eins, das im Perfekt wirklich die Form "hat gesollt" verlangen würde ("Der Sessel soll dort in die Ecke."), alle anderen müssten mit "hat sollen" gebildet werden. Ohnehin ist die Aufteilung problematisch: "Du sollst zum Chef kommen." steht bei "sollen [1] ", "Du sollst nach Hause kommen, sagt dein Vater." bei "sollen [2]".



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Leider hält sich KW nicht immer an die eigenen grammatischen Vorgaben. So findet sich unter "Sinn" 4. mit der Explikation "geistiger Gehalt, Bedeutung" der Hinweis "kein Plur.", der "Infokasten" zu "rational" erklärt aber: "Wegen ihrer Ähnlichkeit werden ‚rational' und ‚rationell' gerne verwechselt, obwohl es sich um ganz verschiedene Sinne handelt."

Bei den Hinweisen für die Benutzung steht auf Seite 11: "Bei den Verben werden nach dem Stichwort folgende Angaben gemacht: 2. Person Singular Präsens, 3. Person Singular Präteritum, 3. Person Partizip Perfekt, wenn die flektierten Formen orthographische oder sonstige Schwierigkeiten in sich bergen."  Da fragt man sich aber, welche Schwierigkeit denn das Verb "abkochen" in sich birgt, die das Verb "abmelden" nicht hat? Denn das trennbare regelmäßige Verb "abkochen" wird mit Beispielen der Konjugation versehen, jedoch das genauso trennbare und regelmäßige Verb "abmelden" nicht. Noch weniger nachvollziehbar ist die Angabe von Formen beim regelmäßigen Verb "beben".

KW hat auch den Anspruch, regionale Besonderheiten besonders zu kennzeichnen. So finden sich die weithin bekannten Austriazismen (bzw. süddeutschen Varianten), etwa "Karfiol" (auf der Bildtafel "Obst und Gemüse" [nach S. 512] steht allerdings nur "Blumenkohl") oder "Ribisel". In einigen Fällen sind die Angaben aber zweifelhaft: So gibt es u.W. in der Schweiz die Bezeichnung "das Zivil" nicht und damit auch nicht den Satz "Beim Verhör musste sie ihr Zivil angeben." Üblich ist vielmehr "Zivilstand". Ebenso ist "händisch" kein Helvetismus, sondern wohl nur österreichisch. Wenn "Tram" als süddeutsch, österreichisch und schweizerisch bezeichnet wird, sollte man auch darauf hinweisen, dass das Wort in der Schweiz nicht feminin ist, sondern ein Neutrum. Anderseits ist "nützen" nicht nur süddeutsch und österreichisch, sondern auch schweizerisch.

Das größte Problem bei einsprachigen Wörterbüchern ist immer die Erklärung, und das gilt in besonderem Maße, wenn es sich um Lernwörterbücher handelt. Ideal wäre es, wenn die zur Erklärung verwendeten Wörter sämtlich auch im Wörterbuch als Lemmata vorkämen. Für einen Sprachenlerner ist es nämlich oft unvermeidbar, dass er Vokabeln nachschlagen muss, um eine Erklärung in einem einsprachigen Wörterbuch zu verstehen. Das ist sogar eine gute Lernmethode, denn so werden ganz von selbst Wortfelder erschlossen. Dies ist selbst bei ‚normalen' einsprachigen Wörterbüchern nicht immer gegeben, aber noch viel weniger bei dem vorliegenden Sonderfall. Eine kursorische Durchsicht zeigt durchaus das Bemühen der Wörterbuchredaktion, ‚einfache' Erklärungen zu geben, aber auf die verwendete Lexik (d.h. darauf, ob sie selbst als Lemma vorkommt) scheint man nicht besonders geachtet zu haben. "Adel verpflichtet" wird beispielsweise erklärt mit "... ist man auch zu einer bestimmten Art der Lebensführung verpflichtet." Unter "verpflichten" findet man dann "etwas legt eine bestimmte Pflicht fest, ...". Die Erklärung, die man schließlich bei "Pflicht" findet, würde sich jedoch eher als Frage in einem Kreuzworträtsel eignen: "das Handeln, dem man sich auf Grund bestimmter Normen und Vorschriften nicht entziehen kann". Bei entziehen endet die Suche schließlich, denn dieses Verb findet man im KW gar nicht. Es ist nicht einsichtig, warum bei der Definition nicht das schon auf A1-Niveau eingeführte "müssen" verwendet wird.



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Öfters sind die Erklärungen unvollständig, zu wenig genau oder schlicht falsch. Wie kann es etwa sein, dass die "Obertertia" und die "Obersekunda" die fünfte und die siebte Klasse in einem Gymnasium sein soll, die "Oberprima" aber die dreizehnte? (Ähnliche rechnerische Probleme ergeben sich beim "Infokasten" zu "Abitur": Während die deutschen Gymnasien das Abitur im dreizehnten Schuljahr vorsehen, soll man die Matura in Österreich und der Schweiz schon im neunten Schuljahr erwerben können.) Und warum ist der "Ständerat" nur "eine Art Parlament in der Schweiz, das aus Vertretern der einzelnen Kantone besteht", während in Deutschland und Österreich das entsprechende Gremium, der "Bundesrat", offenbar ein echtes Parlament darstellt: "ein Parlament aus Vertretern der Bundesländer"? Was nützt die Erklärung "Massengüter in einem Bunker einlagern" (unter "bunkern"), wenn das Wörterbuch zu "Bunker" nur auf "Luftschutzkeller" verweist (ein Kohlebunker ist meist kein Luftschutzkeller)?

Ein Element in KW, das sich zunehmend auch in allgemeinen einsprachigen Wörterbüchern findet, sind "Infokästen". Die "Infokästen" erfüllen in KW sehr unterschiedliche Funktionen, indem sie "linguistische, landeskundliche oder sonstige Zusatzinformationen" enthalten. Die ersten beiden der genannten Bereiche dürften kaum strittig sein. Schwierig ist aber der dritte Bereich, der doch sehr weit gefasst ist. Bei einigen der "Infokästen", die diesem Bereich zuzuordnen sind, ist deshalb auch die Frage berechtigt, was sie in einem Lernwörterbuch DaF zu suchen haben, vgl. etwa "Infokästen" zu "Atombombe" oder zu Internationalismen wie "Industrialisierung" oder "Revolution": Was ist daran spezifisch deutsch? Auch die gegebene "Info" ist nicht immer unproblematisch. So steht etwa im Kasten zu "DDR" ein Hinweis auf den Aufstand vom 17. Juni, aber die Jahreszahl fehlt. Die Entstehung des Eisernen Vorhangs wird als Folge dieses Aufstands dargestellt, was so nicht stimmt: Der Ausdruck wurde von Churchill wesentlich früher geprägt und bezieht sich nicht ausschließlich auf den Ausbau der innerdeutschen Grenze und den späteren Bau der Berliner Mauer. Der Kasten zu "benoten" beschreibt nur das deutsche System. Ein Hinweis auf die schweizerische Skala, die umgekehrt von 6 (beste Note) bis 1 läuft, wäre am Platz gewesen. Fraglich ist auch, ob der Kasten zu "dass" und "das" wirklich zweimal auf einer Seite stehen muss, einmal nach "das" und noch einmal nach "dass". Bei "Fräulein" ist die Aussage, die Bezeichnung sei wegen des neutralen Geschlechts außer Gebrauch geraten, nicht richtig (sonst hätte auch "Mädchen" verschwinden müssen). Vielmehr nahm die Frauenbewegung daran Anstoß, dass bei den Frauen zwischen Verheirateten und Ledigen oder gar zwischen "sexuell Erfahrenen" und "Unerfahrenen" differenziert wurde, bei den Männern hingegen nicht. (Im Übrigen ist es in der Schweiz nicht veraltet, die Bedienung als "Fräulein" zu bezeichnen.) Irreführend ist schließlich auch der "Infokasten" zum Thema "Ausländer". Hier wird behauptet, dass "nur derjenige Deutscher ist, der deutsche Eltern hat." Vielleicht sollte man bei solchen schwierigen juristischen Fragen lieber nicht versuchen, sie so verkürzt und vereinfacht darzustellen. Artikel 116 des Grundgesetzes regelt: "Deutscher ... ist ..., wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt ..." -  und diese kann man bekanntlich auch auf andere Weise als durch Geburt erwerben. Gerade Personen, die nicht deutsche Eltern haben, bilden übrigens einen nicht zu vernachlässigenden Teil der Sprachkursklientel und mithin auch der potenziellen Käufer des KW.



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KW beinhaltet 18 Seiten mit Abbildungen zu verschiedenen Themen, was an sich sehr lobenswert ist, denn oft ist es schwierig, die Bedeutung eines Wortes rein verbal zu beschreiben. Auf dem Grund- und Mittelstufenniveau gilt dies besonders, denn da ist der verwendbare Wortschatz noch sehr begrenzt. Hier sind visuelle Hilfen sehr angebracht. Leider kann man die Bilder in KW nur schwer finden. Ihre Platzierung folgt keinem System, sie sind anscheinend beliebig über das ganze Buch verstreut. Im Inhaltsverzeichnis steht in Fettdruck "Abbildungen", doch ein Hinweis darauf, wo und wie man sie finden soll, fehlt. Auch bei den einzelnen Lemmata finden wir keinen Verweis auf diese Bilder. So gibt es ein detailliert beschriebenes Bild "Das Auto" zwischen "Denkschrift" und "Denksport", wo es jemand, der unter "Auto" nachschlägt, allenfalls zufällig finden wird. Ähnlich wird das Thema "Unser Haus" zwischen "Trinkgeld" und "Trinkwasser" behandelt. Außerdem ist die Auswahl der abgebildeten Objekte oftmals nicht nachvollziehbar. Die Abbildung "Haustiere" (zwischen "berichtigen" und "Berichtszeitraum") stellt elf Schmusetiere vor, nicht jedoch Tiere, die zur wirtschaftlichen Nutzung gehalten werden, wie Kuh oder Ziege (beim Lemma "Haustier" wird aber gerade letzterer Typus als erster genannt). Dafür stehen gleich zwei Schildkrötenarten zur Auswahl, nämlich die "Schildkröte" und die "Wasserschildkröte". Bei "Hunderassen" (folgende Seite) fehlt der beliebte Dackel. Bei "Der Computer" (nach 416) findet man zwar das Wort "Prozessor", aber ohne Artikel, wie übrigens alle Bezeichnungen, und wenn man trotzdem wissen möchte, welches Genus dieses Wort hat oder was es bedeutet, muss man in einem anderen Wörterbuch nachschlagen, denn in KW ist es nicht zu finden. Und noch einmal zu dem versprochenen Fachwortschatz - als Speichermedium sind bloß "Disketten" abgebildet. Wo bleiben zeitgemäße Speichermedien wie USB-Stick, DVD oder wenigstens CD? Die Bilder haben in Lernwörterbüchern üblicherweise die Funktion, thematisch zusammengehörenden Wortschatz bildlich darzustellen. Wie bei den "Infokästen" ist es natürlich sinnvoll, nach Möglichkeit Kulturspezifisches darzustellen. Deshalb muss man sich fragen, wie Cricket-Utensilien in die Reihe der Sportartikel kommen (Nr. 12-14 auf der Tafel vor 417: den "amerikanischen Fußball" kann man dagegen schon als halb domestiziert betrachten). Und überhaupt - unter "Sportartikel" würde man vielleicht auch Gegenstände wie Fahrrad oder Ski erwarten. Stattdessen gibt es zahlreiche Varianten runder Gebilde: "Fußball", "Amerikanischer Fußball", "Tennisball", "Squashball", "Kricketball" usw. Ähnlich werden wir auch bei "Kleidung" darüber belehrt, wie eine "Windjacke", eine "Daunenjacke" und eine "Strickjacke" aussehen, doch eine Unterhose gibt es hier nicht.

KW deklariert, dass es durchgehend der neuen Rechtschreibung verpflichtet ist (es fragt sich allerdings, welchem der konkurrierenden Modelle). Es finden sich aber zahlreiche Inkonsequenzen, die wohl eher zur Verwirrung beitragen, als dass sie die Toleranz der neuen Regeln demonstrierten. So gibt es das Lemma "x-Beine" (GW: "X-Beine"), das angeführte Beispiel wählt aber die Schreibung "Es gibt X-Beine und O-Beine." Das zweite Element des Beispielsatzes ist unter dem Lemma "O-Beine" zu finden. Das Lemma zur adjektivischen Form lautet "o-beinig, a. O-beinig", aber nur "x-beinig", und das auch nicht als selbständiges Lemma, sondern am Schluss des Lemmas "x-Beine". (Die Lemmagestaltung bei "x-Beine" ist vermutlich durch das vorhergehende Lemma "die x-Achse" beeinflusst.) Bei "x-Achse" und "y-Achse" wird in Lemma und Beispiel klein geschrieben, beim Verweis auf das jeweilige Antonym dagegen groß (bei GW Lemmata "X-Achse" und "y-Achse", Antonym-Verweise "Y-Achse" und "x-Achse").



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Unter "Bundesausbildungsförderungsgesetz" verweist KW auf "BAföG", und dieses Lemma gibt es tatsächlich, allerdings in der Form "das BAfög, a. Bafög", so dass also drei Schreibungen zur Auswahl stehen (ebenso GW).

Die bisher angeführten Beispiele, die fast beliebig vermehrt werden können, dürften eines deutlich gemacht haben: KW ist ein Lernwörterbuch, das, jedenfalls in der vorliegenden Form, niemandem mit gutem Gewissen empfohlen werden kann. Zu den Fehlern der "Vorlage" GW, die ihrerseits schon nicht unproblematisch ist, sind noch viele weitere gekommen; verbessert wurde, wenn überhaupt, offenbar nur wenig. Selbst wenn der Verlag in einer gründlichen Überarbeitung alle Fehler ausmerzt, bleiben immer noch grundlegende konzeptionelle Schwächen. Es ist sehr gefährlich, ein Wörterbuch einfach aus einem anderen "herauszudestillieren": Sinnvoll ist jedenfalls eine "vollständige Neuentwicklung", die diesen Namen verdient. Ebenso müssen die verschiedenen Bestandteile des Wörterbuchs (eigentliches Wörterbuch, "Infokästen", Bilder, Regelteil, Anhänge) in ihrer Funktion besser definiert und vor allem aufeinander abgestimmt werden. Mit KW hat der Klett Verlag dem anvisierten Zielpublikum einen Bärendienst erwiesen und seinem Ruf (und dem der PONS-Wörterbücher) geschadet. Es ist zu hoffen, dass KW jetzt nicht in einer Schnellschussaktion "optimiert" wird, sondern dass sich der Verlag grundsätzlich Gedanken macht, ob und in welcher Form dieses Projekt weiterverfolgt werden soll.

DARINKA VON RAUCH
ROLAND MARTI
(Universität des Saarlandes, Saarbrücken)

 

Anmerkungen

[1] PONS Basiswörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Ernst Klett International, Stuttgart 1999.

[2] PONS Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Ernst Klett Sprachen, Stuttgart 2004.

[3] Hueber Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Das einsprachige Wörterbuch für Kurse der Grund- und Mittelstufe. Max Hueber Verlag Ismaning und Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2003 (auch als Duden Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache)

[4] Taschenwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Mit dem Wortschatz zum Zertifikat Deutsch. Langenscheidt Berlin, München, Wien, Zürich, New York 2003

[5] Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Das einsprachige Wörterbuch für alle, die Deutsch lernen. Langenscheidt Berlin, München, Wien, Zürich, New York 42000 u.a.

[6] Interessanterweise findet sich dieselbe Inkonsequenz im Ausspracheduden (Duden Aussprachewörterbuch. Wörterbuch der deutschen Standardsprache. (Duden Band 6) Dudenverlag, Mannheim 42000).




Copyright © 2006 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

PONS. (2005). Kompaktwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Stuttgart u.a.: Klett. ISBN 3-12-517171-7. 1034 Seiten. Rezensiert von Darinka von Rauch und Roland Marti.
Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht [Online], 11 (2), 2006, 8 pp.
Abrufbar unter http://www.ualberta.ca/~german/ejournal/Pons1.htm

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