Motivationstheoretische Grundbedingungen für
den erfolgreichen Einsatz von Neuen Medien im Fremdsprachenunterricht
Antonie Alm
1. Einleitung
Motivation spielt eine wichtige Rolle im
Fremdsprachenunterricht (FSU) und wird als entscheidender Faktor für
erfolgreiches Lernen angesehen. Die Motivationstheorie erlebt nach den Worten
von Gardner und Tremblay (1994) eine "Renaissance" in der
Sprachlehrforschung. In der englischsprachigen Literatur folgten dem 1991
erschienenen Artikel von Crookes und Schmidt eine Vielzahl von
Veröffentlichungen, die auf Motivationsmodelle der Psychologie zurückgreifend,
neue Perspektiven über Motivationsprozesse beim Fremdsprachenlernen eröffneten
(Überblick bei Dörnyei 2000; Dörnyei & Schmidt 2001). Auch in Deutschland
gewinnt das Thema seit einigen Jahren wieder an Bedeutung (Kleppin 2001, 2002;
Riemer 2003; Fremdsprache Deutsch 26; ZIF 9: 2). Die Erkenntnisse aus der
Motivationsforschung wurden aber noch nicht auf den elektronischen
Fremdsprachenunterricht (eFSU) übertragen.
Computer haben eine lange Tradition im FSU
und ihr Einsatz wird seit dem Aufkommen und der Verbreitung des Internets oft
mit seinen positiven Auswirkungen auf die Lernbereitschaft von Lernenden
begründet. Der beobachtete "Drive", so beispielsweise Grießhaber
(2003: 36), wurde bisher noch nicht theoretisch hinterfragt. Vielmehr bezeugen
Aussagen von Fremdsprachendidaktikern ein eher oberflächliches Verständnis für
das Motivationspotential von Neuen Medien. Sie werden als "Katalysator für
Motivation" (Berndt 2002: 15) gewertet, oder in die Kategorie von Spielen
eingeordnet (Kleppin 2001: 28), die zwar eine positive, aber untergeordnete
Rolle im fremdsprachlichen Klassenzimmer einnehmen. Einige Untersuchungen
thematisieren den motivationalen Einfluss von CALL (computer assisted language
learning), insbesondere von Internetaktivitäten auf Lernende (Warschauer 1996;
Rico Garcìa & Vinagre Arias 2000; Fotos 2004) beziehen sich in ihrer
Analyse aber nicht auf aktuelle Motivationstheorien.
In diesem Artikel soll der Einsatz von Neuen
Medien im Fremdsprachenunterricht anhand der Selbstbestimmungstheorie der
Motivation (Deci & Ryan 1985, 2002) untersucht werden. Die Theorie
verdeutlicht, dass Motivation ein innerer Zustand ist, der sich nicht von
externen Beeinflussungsmechanismen steuern lässt, sondern von der Erfüllung von
drei psychologischen Grundbedürfnissen abhängt.
Der Artikel ist in drei Teile gegliedert. Er
beginnt mit einem allgemeinen Überblick über die parallele Entwicklung von
Computertechnologien und den drei großen Lerntheorien der letzten 50 Jahre, dem
Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus, und über den Einsatz von
Computern im Fremdsprachenunterricht in diesem Zeitraum. Dieser Abschnitt
schließt mit einer generellen Beobachtung über das Verständnis von Motivation,
das sich in den besprochenen Lerntheorien ausdrückt. Danach soll die
Selbstbestimmungstheorie der Motivation vorgestellt werden. Die Theorie
unterscheidet zwischen vier Motivationsformen, die durch drei Grundbedürfnisse,
nämlich soziale Integration, Kompetenz- und Autonomieerfahrung bestimmt sind.
Schließlich soll dargelegt werden, inwieweit diese Grundbedürfnisse in
einzelnen Phasen des computer-basierten bzw. elektronischen
Fremdsprachenunterrichts (eFSU) berücksichtigt wurden. Anhand dieser Beobachtungen
werden anschließend motivationstheoretische Grundbedingungen für den
erfolgreichen Einsatz von Neuen Medien im FSU aufgezeigt.
-2-
2. Technologische und theoretische
Entwicklungen
Die Entwicklung von Computern und
Computeranwendungen der letzten 50 Jahre lässt sich grob in drei Abschnitte
einteilen. Der Einsatz von Computern im Unterricht begann in den 60er Jahren
mit Lernprogrammen, die auf den ersten Großrechnern (mainframe) liefen. Die
zweite Phase setzte in den 80er Jahren mit der Verbreitung des PCs und
Lernsoftware auf Disketten und CD-ROMs ein. Computer- und
Kommunikationstechnologien ermöglichen in der gegenwärtigen dritten Phase das
Phänomen des e-learning. Technische Entwicklungen verhelfen heute zu dem immer
weiteren und variierteren Einsatz von Computern im Klassenzimmer. Sie
ermöglichen auch die Umsetzung von lerntheoretischen Erkenntnissen im
Unterricht. Die drei Phasen werden daher mit den drei großen Lerntheorien
dieser Zeit, dem Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus, in
Verbindung gebracht (Baumgartner & Payr 1994).
Die Paradigmen des Lehrens und des Lernens,
die sich von diesen Lerntheorien ableiten lassen, bewegen sich ideologisch
zwischen Objektivismus und Subjektivismus. Der Objektivismus geht von einem
allgemeingültigen Wissen aus, das mittels Lernmaterialien oder durch Lehrende
von Lernenden übernommen wird. Der Subjektivismus lehnt hingegen die Idee eines
solchen Wissenstransfers ab. Er geht vielmehr davon aus, dass sich Menschen
Wissen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen aneignen. Während behavioristische
Lerntheorien im Objektivismus verankert sind, lassen sich neuere Lerntheorien
dem Subjektivismus zuordnen.
Zur Übermittlung von klar definierten
Lerninhalten eigneten sich im Behaviorismus Lehrmaschinen, die nach Skinners
Modell des programmierten Lernens entwickelt wurden. Die binäre Struktur der
ersten Computerprogramme liess sich mit dem behavioristischen Stimulus-Response
Paradigma vereinen. Tutorielle Systeme und Drill-&-Practice-Programme
lieferten die Struktur und den genau bestimmten Inhalt, die den Lernprozess
steuern sollten.
Dieses mechanische Lernmodell wurde von
Kognitivisten kritisiert, die die inneren Prozesse untersuchten, die
menschliches Verhalten beeinflussen. Der Mensch wurde als aktives und
selbstgesteuertes Wesen betrachtet, das äußere Reize selbständig verarbeitet.
Nicht Konditionierung, sondern die selbständige Auseinandersetzung mit einer
Situation bestimmt zufolge kognitivistischer Lerntheorien das Verhalten einer
Person. Sie erklären Lernen als Interaktionsprozess zwischen der kognitiven
Struktur der Lernenden und dem Lernmaterial. Es galt daher nicht mehr wie im
Behaviorismus alle Informationen fertig strukturiert zu präsentieren. Lernende
sollten Informationen selbst finden und bearbeiten, um selbständig Regeln und
Prinzipien daraus abzuleiten. Fortschritte in der künstlichen Intelligenz
erweiterten das Potential von tutoriellen Computerprogrammen und wurden den
theoretischen Anforderungen des Kognitivismus ansatzweise gerecht. Adaptive
Lernprogramme ermöglichten Lernenden zunehmend, Übungen auf ihre individuellen
Bedürfnisse abzustimmen und differenziertere Rückmeldungen über ihre Eingaben
zu erhalten. Durch die Individualisierung der Lernwege wurden die Möglichkeiten
selbstbestimmten Lernens größer.
Kommunikationstechnologien und Hypermedia
boten sich schließlich zur Verwirklichung von konstruktivistischen Lernmodellen
an. Der Konstruktivismus teilt mit dem Kognitivismus die Ansicht, dass Lernen
ein innerer Prozess ist, geht aber einen Schritt weiter und betrachtet Wissen,
im Gegensatz zu Kognitivismus und Behaviorismus, als einen subjektiven
Erkenntnisvorgang. Lernen wird als ein aktiver Konstruktionsprozess verstanden.
Lernende orientieren sich nicht mehr an vorgegebenen Lernmodellen, vielmehr
werden ihnen Mittel zur Verfügung gestellt, die es ihnen ermöglichen, ihre
eigene Lernwelt zu gestalten.
-3-
2.1.Technologische und theoretische
Entwicklungen im eFSU
Diese Entwicklung ist auch in der Literatur
der Fremdsprachendidaktik dokumentiert. Kern und Warschauer (2000)
identifizieren drei Zeitabschnitte: den Behaviorismus, den Kognitivismus und
den Sozio-Kognitivismus. Die behavioristische Phase ordnen sie
sprachwissenschaftlich dem Strukturalismus zu. Von B. F. Skinner beeinflusst, wurde
das Erlernen einer Sprache anderem Lernen gleichgesetzt und als
Imitationsprozess verstanden. Durch häufiges Wiederholen und Nachahmen sollten
fehlerfreie Sprachgewohnheiten eingeübt werden. Typische Aufgaben waren z.B.
Satzübungsmuster und das Auswendiglernen von Modelldialogen. Diese Übungstypen
ließen sich leicht auf Computeranwendungen übertragen.
Drill-&-Practice-Programme boten Einsetzübungen, Mehrfachwahlaufgaben und
Lückenübungen, denen stets unmittelbares Feedback folgte. Einfache tutorielle Systeme
gaben Lerninhalte vor und leiteten Lernende durch den vorprogrammierten
Lernprozess. Kern und Warschauer (2000: 13) beschreiben den Einsatz von
Computern als Lernmittel "to provide unlimited drill, practice, tutorial,
explanation, and corrective feedback".
Chomskys Generative Transformationsgrammatik
zeigte, dass sich das Erlernen einer Sprache nicht auf die Aneignung von
Oberflächenstrukturen (beispielsweise Sprachgewohnheiten) beschränkt, sondern
vielmehr die Entwicklung von Tiefenstrukturen voraussetzt. Fremdsprachenerwerb
wird nach kognitiver Ansicht als Aufbau von internen Repräsentationen des
Sprachsystems aufgefasst, die während des Erwerbsprozesses ständig
restrukturiert werden (McLaughlin 1987: 133). Für die Unterrichtspraxis
bedeutet das, dass anregender verständlicher Input und qualitativ hochwertige
Rückmeldungen als Voraussetzung für eine gedanklich aktive Auseinandersetzung
mit dem Lernmaterial gegeben sein müssen.
Die Hypertext-Struktur multimedialer
Lernprogramme ermöglicht Sprachlernenden ihren eigenen Lernweg zu wählen und
den Lernstoff selbständig zu erforschen. Auch Computeranwendungen, die
eigentlich nicht für den FSU konzipiert waren - wie beispielsweise
Autorenwerkzeuge und das gesamte Spektrum von CD-ROM oder Online-Informationsquellen
und Nachschlagewerken - geben Lernenden die Möglichkeit, ihren eigenen
Interessen nachzugehen und ihre Hypothesen zu testen. Kern und Warschauer
(2000: 13) sehen die Aufgaben von Computern in dieser Phase "to provide
language input and analytic and inferential tasks".
Kern und Warschauer bezeichnen die aktuelle
Phase als soziokognitiv. Sie beziehen sich auf die Soziolinguisten Hymes und
Halliday, die nicht nur den sprachlichen Input, sondern auch die soziale
Interaktion in der Sprechgemeinschaft als erforderliche Voraussetzung für den
Spracherwerb sehen. Mittels Kommunikationstechnologien wird Lernenden die
Möglichkeit gegeben, Sprachverständnis durch den Dialog mit Mitmenschen zu
entwickeln. Kommunikationstechnologien eröffnen Klassenpartnerschaften und
-korrespondenzen neue Dimensionen. Ob asynchroner Emailaustausch, synchroner
Chat oder mündliche Gespräche über Internettelefon, diese Neuen Medien
ermöglichen Lernenden mit Menschen aus der Zielsprachenkultur zu kommunizieren
und die Zielsprache in ihrem natürlichen Kontext zu erlernen. Computer als
Kommunikationsmittel verhelfen Lernenden in dieser Phase: "to provide
alternative contexts for social interaction; to faciliate access to existing
discourse communities and the creation of new ones" (Kern & Warschauer
2000: 13).
-4-
2.2. Lernziele
Die drei Phasen unterscheiden sich nach
Warschauer (2000a) in ihrer pädagogischen Ausrichtung. Das Lernziel der
Fehlerfreiheit (accuracy) reflektiert in der ersten Phrase den Anspruch der
Formbarkeit der Lernenden. Durch Imitation sollte ein fehlerfreies Resultat
entstehen. In der nächsten Phase wurde nicht mehr ausschließlich das
sprachliche Produkt betrachtet, vielmehr rückte der Spracherwerbsprozess in den
Vordergrund. Der Gebrauch der Sprache stand an erster Stelle. Lernziel war nun,
neben Fehlerfreiheit, flüssiges Sprechen (fluency). Mit dem Hauptziel der
dritten Phase beschreibt Warschauer einen motivationalen Aspekt, nämlich
agency, die Überzeugung der eigenen Wirksamkeit. Damit führt Warschauer ein
neues Konzept in die Fremdsprachendidaktik ein. Er bezieht sich auf Murray
(1997: 126), die agency als "the satisfying power to take meaningful
action and see the results of our decisions and choices" definiert. Eben
dies sei durch Neue Medien erreichbar. Aufgaben können so konzipiert werden,
dass Lernende einen weiteren Zweck in ihrem Gebrauch sehen, z.B. durch die
Veröffentlichung eines Projekts auf dem Internet, der Gestaltung von
multimedialen Lernprogrammen für Mitlernende oder der Kommunikation mit Muttersprachlern.
Dieses Engagement resultiert in einer intensiveren Beschäftigung mit der
Zielsprache, die sich positiv auf den Spracherwerb auswirkt.
2.3. Motivationsformen
Eigenmotivation findet in der
behavioristischen Lerntheorie, wie auch alle anderen inneren Zustände, keine
Berücksichtigung. Es wird davon ausgegangen, dass Motivation von äußeren
Stimuli abhängig ist. Nach dem Reiz-Reaktions-Modell der klassischen
Konditionierung lösen vorausgehende Reize eine erwartete Reaktion aus. Die
Operante Konditionierung setzt Verhalten mit den Ereignissen, die ihm
nachfolgen (Belohnung, Lob, Anerkennung oder auch Bestrafung) in Verbindung.
Behavioristische Lernprogramme folgen dem Modell Frage (Reiz) -> Antwort (Reaktion)-> Bestätigung/
Korrektur (Verstärkung). In der Motivationsforschung wird diese abhängige Form
der Motivation als extrinsisch bezeichnet.
Lerntheorien des Kognitivismus betrachten
Motivation als angeborenes Bedürfnis, die Welt zu verstehen und neue Erlebnisse
in innere Strukturen zu integrieren. Sie gehen davon aus, dass Lernende keine
äußere Verstärkung, keine Belohnung oder Bestrafung benötigen, um ihre
Motivation aufrecht zu erhalten. Vielmehr muss das Lernmaterial ihrem
Wissensstand angepasst sein [1] und als eine Bereicherung empfunden werden. Dann
wird das Lernen selbst als Belohnung angesehen. Diese innere Form der
Motivation wird auch intrinsisch genannt. Sozio-kognitive und sozio-kulturelle
Ansätze betonen das Zusammenspiel von internen und externen Faktoren. Dem
Dialog mit Mitmenschen wird eine wesentliche Rolle im Lernprozess zugesprochen.
Das motivationale Verhalten einer Person ist daher auch von der Umwelt
mitbestimmt.
Computeranwendungen unterstützten
unterschiedliche Motivationsformen. Behavioristische
Drill-&-Practice-Programme fördern, wenn sie als fremdbestimmt empfunden
werden, eher extrinsische Motivation, während Programme, die selbstbestimmtes
Lernen ermöglichen, intrinsisch motivieren. Die folgende Tabelle soll die
parallele Entwicklung von Lerntheorie und Computeranwendungen und ihren
Einfluss auf das Lernverhalten verdeutlichen.
|
Phase
|
Behavioristische/ strukturalistische Phase
|
Kognitive Phase
|
Konstruktive/Sozio-kognitive
Phase
|
|
Computer- anwendungen
|
Lernprogramme Tutorielle Programme
|
Multimedia CD-Rom Hilfsprogramme Hypermedia
|
WWW Kommunikations- technologien
|
|
Lernverhalten
|
fremdbestimmt
|
selbstbestimmt
|
selbstbestimmt
|
|
Motivation
|
äußere Stimuli
|
interner Prozess
|
interner, von Umgebung
beeinflusster Prozess
|
Fig 1.
Lerntheorie und Computeranwendungen und ihr Einfluss auf das Lernverhalten.
-5-
3. Die Selbstbestimmungstheorie der
Motivation
Die Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan
1985, 2002) liefert ein dialektisches Erklärungsmodell für menschliche
Motivation. Der Mensch wird als aktives Wesen betrachtet, das sein Verhalten
selbst steuert, Herausforderungen in seiner Umgebung sucht und bemüht ist, sein
Potential zu verwirklichen. In diesem Sinne stimmt die Selbstbestimmungstheorie
(SBT) mit kognitiven Entwicklungstheorien überein. Motivation wird als innerer
Zustand betrachtet, der sich z.B. als Neugier oder Explorationsdrang
manifestiert. Dieser organismischen Tendenz stellt die SBT einen sozialen
Faktor gegenüber. Der Theorie zufolge beeinflusst die soziale Umwelt das
natürliche Bestreben nach Entwicklung, indem sie menschliche Grundbedürfnisse
unterstützt oder einschränkt. Externe Faktoren können das natürliche
intrinsisch motivierte Verhalten einer Person behindern. Das motivationale
Verhalten einer Person ist demnach von den Gegebenheiten ihrer Umwelt bestimmt.
3.1. Psychologische Grundbedürfnisse
Deci und Ryan gehen davon aus, dass Menschen
neben physiologischen Grundbedürfnissen (Maslow 1943) drei psychologische
Grundbedürfnisse haben: Kompetenzerfahrung, soziale Zugehörigkeit und Autonomie
(Deci & Ryan 2002: 8f).
Das Bedürfnis nach Kompetenzerfahrung bezieht
sich auf das Gefühl einer Aufgabe gewachsen zu sein und durch ihre Bewältigung
etwas erreicht zu haben. Um dieses Gefühl der Wirksamkeit zu erlangen, suchen
wir nach optimalen Herausforderungen und nach Möglichkeiten, unseren
Fähigkeiten Ausdruck zu verschaffen.
Soziale Zugehörigkeit verweist auf das
Bedürfnis nach Anerkennung und auf das Verlangen, einer Gruppe von Menschen
anzugehören.
Das Bedürfnis nach Autonomie bezieht sich auf
die natürlichen Tendenzen, sich selbst als Handelsinitiator erleben zu wollen,
für eigene Entscheidungen verantwortlich zu sein, aus Interesse zu handeln und
den Zustand der Fremdbestimmung zu meiden oder sich ihm zu widersetzen (Deci
& Ryan 2002: 7-8; Krapp & Ryan 2002: 72).
Die drei Grundbedürfnisse bestimmen
menschliches Handeln. Situationen, in denen sich eine Person als kompetent,
sozial zugehörig und autonom erlebt, werden mit positiven Gefühlen verbunden.
Wenn diese Grundbedürfnisse jedoch aufgrund von Einflüssen der Umgebung
eingeschränkt sind, wenn z.B. eine Handlung nicht aus freiem Willen, sondern
aus Zwang vollzogen wird, wird eine solche extrinsisch motivierte Handlung als
unangenehm empfunden.
-6-
Diese Reaktion ist auch im Klassenzimmer zu
beobachten. So setzt z.B. eine autoritäre Lernumgebung das Bedürfnis der
Lernenden nach Autonomie herab (Reeve 2002: 188). Ryan und Deci vermuten, dass
Bestrafung, Termindruck, auferlegte Ziele, Überwachung, Wettbewerb und
Bewertung intrinsische Motivation vermindern, weil Lernende sich in diesen
Situationen kontrolliert fühlen (Deci & Ryan 2002: 12). Aber auch andere
Elemente können das Erleben von Autonomie im Klassenzimmer reduzieren. So sind
z.B. Belohnungen ein umstrittenes Thema, da einige Untersuchungen belegen, dass
sie die intrinsische Motivation der Lernenden herabsetzten. Andere
Untersuchungen zeigen den positiven Einfluss von Belohnungen. Deci und Ryan
kamen zu dem Schluss, dass Belohnungen einen negativen, d.h.
motivationreduzierenden Wert haben, wenn sie zum Ziel der Handlung werden.
Nicht mehr die Aufgabe selbst, sondern die Belohnung wird zum Handlungsziel.
Wenn Handlung und Handlungsziel nicht mehr übereinstimmen, ist die Handlung
extrinsisch motiviert (Heckhausen 1980). Untersuchungen haben gezeigt, dass
Belohnungen als positiv aufgefasst werden, wenn sie unerwartet erfolgen (wenn
sich die Anstrengung nicht auf die Belohnung, sondern auf die Aufgabe bezieht)
und wenn es sich um eine spontane und aufrichtige mündliche Reaktion handelt.
Entsprechend gilt auch für Rückmeldungen: Je nachdem wie sie von Lernenden
aufgenommen werden, können sie die Lernmotivation positiv oder negativ
beeinflussen. In der Regel gilt, wenn sie als kontrollierend empfunden werden,
setzen sie die Motivation herab, wenn sie hingegen einen informativen Wert
haben, bestärken sie Lernende in ihrer Handlung (vgl. Krapp 2003: 22).
3.2. Das Selbstbestimmungskontinuum
In der "Organismic Integration
Theory" (OIT), einer Subtheorie der Selbstbestimmungstheorie, beschreiben Deci
und Ryan (2002) extrinsisch motivierte Verhaltensweisen. Diese Theorie ist für
den Kontext des institutionellen Lernens von besonderer Bedeutung. Da nicht
alle Lernaktivitäten den individuellen Interessen der Lernenden entsprechen,
sind extrinsische Motivationslagen im Klassenzimmer unumgänglich. Deci und Ryan
sehen extrinsische Motivation nicht ausschließlich als Gegensatz zu
intrinsischer Motivation, sondern differenzieren zwischen vier
Motivationsstufen, die sie auf einem
Kontinuum zwischen den extremen Polen der Amotivation (Nichtvorhandensein von
Motivation) und der intrinsischen Motivation ansiedeln.
Externale Regulation: Die unterste Stufe extrinsischer
Handlungsregulation beschreibt ein Lernverhalten, dass ausschließlich durch
externe Kontrollmaßnahmen (Belohnung, Bestrafung) motiviert ist, z.B. lernen,
um in einem Test eine gute Note zu bekommen. Es handelt sich um eine abhängige
Motivationsform, da kontinuierlich externe Anreize gegeben werden müssen, um
die Lernmotivation aufrechtzuerhalten. Dabei orientieren sich Lernende
gewöhnlich an einem geringen Qualitätsstandard und benutzen oberflächliche
Lernstrategien bei der Aufgabenbearbeitung, um in kürzester Zeit die
fremdgesetzten Ziele zu erreichen.
Introjektion: Auf der nächsten Stufe basiert
der Grund für die Durchführung einer Handlung zwar auf internalisierten
Motiven, wird aber immer noch als fremdbestimmt empfunden. Lernende akzeptieren
Druck und Regeln von außen und lernen, um ein schlechtes Gewissen zu vermeiden.
Ihre Anforderungen sind von dem sozialen Umfeld geprägt, z.B. Lehrer und
Mitstudenten, von denen sie anerkannt werden wollen.
Identifikation: Auf diesem Niveau handeln Lernende aus innerer Überzeugung und
persönlichem Interesse. Ihr Engagement steigt mit dem Gefühl, die für die
Aufgabe erforderlichen Kompetenzen zu besitzen.
-7-
Integration:
Auf der höchsten extrinsischen Motivationsstufe besteht eine völlige
Identifikation der Lernenden mit dem Aufgabengebiet. Sie haben, so Krapp und
Ryan, die mit dem Aufgabengebiet verbundenen Ziele "in das Gesamtsystem
der persönlichen Wertbezüge eingeordnet" und handeln völlig
"authentisch" (Krapp & Ryan 2002: 61f; vgl. auch Deci & Ryan
2002: 17; Kleppin 2001: 222; Noels, Clément & Pelletier 1999: 25; Dörnyei
2000: 276).
Die OIT (Organismic Integration Theory)
vertritt die Annahme, dass Menschen die Tendenz haben, sich auch auf
uninteressante Tätigkeiten einzulassen, wenn sie durch Mitmenschen dazu bewogen
werden. Sie internalisieren die anfängliche externale Regulation einer
Tätigkeit, wenn sie in Einklang mit ihrem eigenen Selbstbild (sense of self)
gebracht werden kann. Das Selbstbestimmungskontinuum illustriert diesen Prozess
der Integration und Internalisierung. Die Erfüllung der drei Grundbedürfnisse
spielt dabei eine zentrale Rolle:
Das Gefühl der sozialen Zugehörigkeit ist
erforderlich, um den Internalisierungsprozess zu aktivieren. Extrinsisch
motivierte Handlungen werden nicht aus persönlichem Interesse, sondern wegen
des Gewinns, der mit der Handlung in Verbindung gebracht wird, durchgeführt.
Dieser Gewinn kann ein materieller sein (Belohnung) oder auch die Anerkennung
von Mitmenschen bedeuten. Eine Person kann in letzterem Fall eine Handlung
durchführen, weil sie einer Gruppe angehört, die die Handlung befürwortet oder
auch von dem Bedürfnis stammen, von anderen anerkannt zu werden. Über soziale
Zugehörigkeit hinaus ist es weiterhin notwendig, dass eine Person das Gefühl
hat, die Tätigkeit erfolgreich durchführen zu können. Fehlt diese Zuversicht,
wird der Einfluss der Gruppe nicht ausreichen, die Handlung zu vollziehen.
Kompetenzerfahrung trägt damit zur Erleichterung der Internalisierung bei.
Autonomieerfahrung nimmt schließlich eine entscheidende Funktion ein, da sie
bestimmt, ob die Internalisierung nur teilweise stattfindet und zu Introjektion
führt oder vollständig ist und Integration zur Folge hat (Ryan & Deci 2002:
19f). Ryan und Deci betonen, dass die Internalisierung nach dem
Selbstbestimmungskontinuum nicht ein linearer Prozess sein muss und je nach
Vorerfahrung und dem zwischenpersönlichem Klima einer Situation bei jedem Punkt
ansetzen kann.
|
Motivationsform
|
Amotivation
|
Extrinsische
Motivation
|
Intrinsische
Motivation
|
|
Regulationsform
|
Keine
Regulation
|
Externale Regulation
|
Introjektion
|
Identifikation
|
Integration
|
Intrinsische Regulation
|
|
Verhaltensqualität
|
Fremdbestimmt
Selbstbestimmt
|
Fig. 2
Das Selbstbestimmungskontinuum. Aus: Deci und Ryan (2002: 16).
3.3. Autonomie
Das motivationale Verhalten einer Person, die
innere Bereitschaft sich für einen längeren Zeitraum mit einem Thema zu
befassen, ist zufolge der SBT dadurch bestimmt, ob die Handlung als autonom
erfahren wird. Das Konzept der Autonomie bezieht sich also nicht auf erlebte
Unabhängigkeit von der sozialen Umgebung, sondern darauf, "ob eine Person
mit den Anregungen, Vorgaben oder Normen der Umwelt übereinstimmt und deshalb
freiwillig bereit ist, das eigene Verhalten daran zu orientieren" (Krapp
& Ryan 2002: 65). Autonomie beschreibt einen inneren Zustand, der im
Gegensatz zu traditionellen Vorstellungen von Autonomie (DeCharms 1968) nicht
von der handelnden Person ausgehen muss. "One can quite autonomously enact
values and behaviors that others have requested or forwarded, provided that one
congruently endorses them" (Ryan & Deci 2002: 8). Das ist von
zentraler Bedeutung für das Verständnis von Motivation im Lernkontext. Wenn
Lernende sich mit dem Ziel einer Übung identifizieren, ihren Sinn einsehen und
von ihrer Notwendigkeit überzeugt sind, kann ihr Verhalten als autonom
bezeichnet werden.
-8-
3.4. Motivationsqualität
Das Selbstbestimmungskontinuum ermöglicht
Motivation nicht nur nach ihrer Intensität (geringe oder starke Motivation),
sondern auch nach ihrer Qualität zu beurteilen. Und gerade die Qualität ist
ausschlaggebend bei der Beurteilung der Rolle der Motivation im Lernprozess.
Motivation kann nicht allein an der Anstrengungsbereitschaft der Lernenden
gemessen werden, denn auch ein externer Lernanreiz kann zu einer hohen
Lernbereitschaft führen. Der Internalisierungsgrad bestimmt hingegen, so Krapp
und Ryan (2002: 58) "Persistenz, Qualität des emotionalen Erlebens und ...
Qualität des erworbenen Wissens". Noels (2001: 50) verweist auf eine Reihe
von Untersuchungen, die ergeben, dass intrinsische Motivation und
Identifikation zu reduzierter Ängstlichkeit, einer positiveren Haltung
gegenüber Fremdsprachenlernen und einem stärkeren Gefühl von Selbstwirksamkeit
führen können. Weiterhin wurden Sprachgebrauch, der Vorzug bestimmter
Sprachlernstrategien, Ausdauer und Motivationsintensität mit autonomeren Formen
der Motivation in Verbindung gebracht. Schließlich wurde auch belegt, dass sie
zu besseren Lernergebnissen führen. Noels nennt u.a. ein besseres Gefühl für
Grammatik (grammatical sensitivity) und Fertigkeiten im Sprechen und Lesen.
Während externale Regulation für
oberflächliches Lernen (z.B. Auswendiglernen) oft ausreichend ist, zeigt sich
der Vorteil von autonomeren Formen insbesondere bei konzeptionellem Lernen
(Krapp 2002: 64). Untersuchungen haben gezeigt, dass intrinsisch motivierte
Lernende Wissen besser verarbeiten und verstehen. Sie zeigen ein größeres
Interesse am Lernstoff und eine höhere Bereitschaft für zukünftiges Lernen. Es
wurde daraus geschlossen, dass "intrinsische Motivation eine wichtige
Bedingung für qualitativ anspruchsvolle Formen des Lernens darstellt"
(Krapp 2002: 59).
4. Menschliche Grundbedürfnisse im eFSU
Die Selbstbestimmungstheorie zeigt, dass das
Lernumfeld das motivationale Verhalten von Lernenden bestärken oder reduzieren
kann. Die Grundbedürfnisse nach sozialer Zugehörigkeit, Kompetenzerfahrung und
Autonomie müssen in der Unterrichtsgestaltung berücksichtigt werden, um
Lernende langfristig zu motivieren.
Der folgende Überblick soll zeigen, wie die
drei Grundbedürfnisse im FSU unterstützt werden können und in welchem Maße
Computeranwendungen in den historischen drei Phasen (Lernmaschinen in der
behavioristischen, multimediale CD-ROMs in der kognitiven und Internetanwendungen
in der sozio-kognitiven Phase) helfen können, diesen Anforderungen gerecht zu
werden. [2]
4.1. Soziale Zugehörigkeit
Das Grundbedürfnis nach sozialer
Zugehörigkeit drückt sich in dem Bedürfnis einer Gruppe anzugehören und dem
Verlangen nach Anerkennung aus. Um dieses Bedürfnis im FSU zu unterstützen,
muss Lernenden die Gelegenheit gegeben werden, sich in die Lernergruppe zu
integrieren und in Kontakt zu Menschen der Zielsprachenkultur zu treten.
Lernaktivitäten, die Zusammenarbeit und den Meinungsaustausch zwischen
Lernenden und zwischen Lernenden und Muttersprachlern fördern, helfen Lernenden
sich als ein Teil der Lerngemeinschaft zu fühlen, in der sie Feedback geben und
erhalten.
-9-
Behavioristische Lernprogramme schließen
soziale Faktoren des Lernens grundsätzlich aus. Sie fördern weder den Dialog
zwischen Lernenden noch zwischen Lernenden und Muttersprachlern. Das isolierte
Lernen am Computer wird als Vorteil betrachtet, da es Lernenden ermöglicht, ihr
Lerntempo selbst zu regulieren und sie nicht dem Druck ihres sozialen Umfelds
ausgesetzt sind. Sie entgehen der direkten Kritik von Mitlernenden und
Lehrenden, erhalten von ihnen aber auch kein konstruktives Feedback oder
Anerkennung für ihre Leistungen. Das automatisierte Feedback des Lernprogramms
beschränkt sich auf einsilbige Äußerungen wie etwa "richtig",
"noch einmal" oder "falsch".
Programme der folgenden Phase zeichnen sich
durch den Versuch aus, die Interaktivität zwischen Lernenden und Lernprogramm
zu verbessern, sie ermöglichen aber keine zwischenmenschlichen
Interaktionen. [3] Differenzierte Rückmeldungen (Bestätigung und Kommentar bei
richtiger oder, Erläuterung, Hilfestellung bei falscher Antwort) geben den
Anschein eines mitdenkenden Lernpartners. Manche Programme "erkennen"
Lernende wieder, setzen bei späteren Besuchen bei der anschließenden Übung an,
oder werten gespeicherte Reaktionen am Ende einer Unterrichtseinheit aus.
Das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit
wird in Internet-basierten Lernumgebungen durch das Medium unterstützt. Der
Einsatz von Kommunikationstechnologien verschafft Kontaktmöglichkeiten im
direkten Lernumfeld und zu Menschen der Zielsprachenkultur. Schriftliche
Kommunikationen können synchron in Lernwelten (MOOs) oder in Chats, asynchron
in Diskussionsforen oder Weblogs abgehalten werden. Es wird zunehmend einfach
auch Konversationen zu führen (z.B. mit Hilfe von Skype oder Wimba).
Lernumgebungen, die so den Meinungs- und Informationsaustausch zwischen
Lernenden, zwischen Lernenden und Lehrenden und zwischen Lernenden und
Muttersprachlern fördern, ermöglichen Lernenden informationshaltiges Feedback
auf diesen drei Ebenen zu erhalten. Webgestützte Lern- und Lehrplattformen wie
beispielsweise Blackboard oder Moodle ermöglichen weiterhin die Verbindung von
Lerngegenständen, Informationsmaterialien und Kommunikation und erleichtern die
Integration von Mitlernenden in den Lernprozess. Lernende werden in ihrer
Aktivität gefördert, wenn ihr Beitrag in der Lernumgebung anerkannt wird oder
gar zu einer erfolgreichen Kommunikation mit Muttersprachlern führt.
4.2. Kompetenzerfahrung
Das Grundbedürfnis nach Kompetenzerfahrung
findet Ausdruck in dem Verlangen, Fähigkeiten zu entwickeln und dem Bestreben,
Herausforderungen einzugehen und Leistungen zu vollbringen (Ryan & Deci
2002). Um diesem Bedürfnis entgegenzukommen, muss die Lernumgebung eine
stützende Struktur anbieten, die gleichzeitig zunehmend selbständiges Lernen
fördert. Lernziele sollten den Lernvoraussetzungen der Lernenden angepasst und
klar formuliert sein, um sie in ihrer Zuversicht zu stärken, Aufgaben
bewältigen zu können. Aktivitäten müssen dem Leistungsniveau der Lernenden
entsprechen, um sie optimal zu fördern. Der Lernfortschritt sollte fortwährend
durch Feedback von der Lerngemeinschaft reflektiert werden. Konstruktive
Verbesserungsvorschläge leiten Lernende durch den Lernprozess und geben ihnen
Anerkennung für erzielte Leistungen (s.a. Noels 2001: 55).
-10-
Behavioristische Sprachlernprogramme haben
eine klare, lineare Struktur. Lernende müssen sich dieser Struktur, die
Lernziele und Lernniveau bestimmt, anpassen. Die Lernziele sind niedrig
angesetzt, um die Erfolgszuversicht zu verstärken. Die Begrenzung auf ein
einziges Niveau bedeutet, dass der Schwierigkeitsgrad der Übungen nur für eine
geringe Anzahl von Lernenden eine optimale Herausforderung darstellt. Bei
Unterforderung wird sich schnell Langeweile einstellen, bei Überforderung
Frustration, wenn das Programm keine adäquate Hilfestellung bietet. Durch den
automatisierten Feedbackmechanismus erfolgt zwar eine unmittelbare
Erfolgskontrolle, die aber oft nicht dem Gedankenprozess der Lernenden
entspricht und daher leicht als kontrollierend und nicht als unterstützend
aufgenommen werden kann.
Auch multimediale CD-ROM Lernprogramme weisen
generell eine klare Struktur auf. Die durch die Hypertextstruktur erreichte
Adaptivität lässt die Auswahl von unterschiedlichen Lernwegen zu und die
Abstimmung des Übungsgeschehens an das Niveau der Lernenden. Rückmeldungen
enthalten Informationen, die Lernenden helfen, eigenständig an
Problemstellungen zu arbeiten.
Wie gut eine Lernsoftware das Bedürfnis nach
Kompetenzerfahrung unterstützt, hängt jedoch ganz von seiner Qualität ab. So
entscheidet die Übersichtlichkeit des Interface Designs, wie zugänglich die
angebotenen Lernwege wirklich sind. Die Gestaltung von komplexen Lernwegen
setzt weiterhin ein gutes Verständnis für Interface Design, Lernerbedürfnisse
und Spracherwerbsprozesse voraus, ein Verständnis, das von Softwareautoren,
Pädagogen und Sprachlehrforschern gemeinsam entwickelt werden müsste. Viele
Softwarehersteller greifen jedoch oft auf bekannte behavioristische Lernmodelle
zurück und schmücken Lernprogramme lediglich mit audiovisuellen Elementen aus.
Kritiker (Benson 2001: 137; Grieshaber 2003: 29/30) bemängeln, dass sie
traditionellen Drillprogrammen oft nur aufgesetzt sind und keine neuen Lernwege
eröffnen. Die Überstimulation durch eine überladene Kombination von Bild-, Ton-
und Textinformation kann sich sogar negativ auf den Lernprozess auswirken, da
das gleichzeitige Verfolgen unterschiedlicher Informationsquellen kognitiv zu
aufwendig ist (Götz & Tschacher 1995).
Das Feedback muss dem Niveau und dem
Aufgabentyp entsprechen. Bei Anfängern, die relativ einfache Konzepte (z.B.
konkrete Vokabeln) erlernen, kann noch eine kurze Rückmeldung ausreichen, auf
fortgeschrittenem Niveau werden jedoch spezifischere Rückmeldungen notwendiger,
um der Komplexität des Gedankenprozesses gerecht zu werden. Mitschian (2004:
44) betrachtet "alle Versuche, intelligente Software zu produzieren, die
tatsächlich eigenständig lernrelevante Entscheidungen trifft, als
gescheitert". Sie generiere keine Reaktionen auf Benutzerreaktionen,
sondern bewege sich "in einem Rahmen vorgegebener Verbindungen zwischen
Eingaben und abgestimmten Rückmeldungen".
Während Lernprogramme und CD-ROMs direkt für
Sprachlernende konzipiert sind, ist das Internet ein offenes Informations- und
Kommunikationsmedium. Internet-gestützer FSU kann auf fertig gestellten
Sprachlernübungen aus dem WWW basieren (Sprachwebsites, die mit audiovisuellen
Einlagen, Animationen und interaktiven Flashanwendungen CD-ROM Programmen
Konkurrenz machen) oder auf kursspezifischen Aufgaben, die Lehrende selbst
entwickeln. Das Gleiche gilt für CMC; Lehrende können auf etablierte Strukturen
auf dem Internet zurückgreifen oder eigene online Sprechgemeinschaften
einrichten. In beiden Fällen lässt sich das Lernmaterial durch weitere
Verbindungen ins Internet erweitern und auch an die Struktur des FSU anpassen.
Im Gegensatz zu den vorigen Phasen ist die Lernstruktur nicht mehr durch das
Computerprogramm bedingt, sondern kann und muss von Lehrenden und Lernenden
mitbestimmt werden. Die angemessene Gestaltung von Lerninhalten setzt
Medienkompetenz der Lehrenden voraus. Die Lernaktivitäten müssen so
strukturiert sein, dass Lernende auf jedem Niveau optimal gefordert werden,
ihre Lernziele erreichen können und nicht durch zu schwierigen Input
überfordert oder durch überflüssige Informationen abgelenkt werden. Feedback
kann etwa durch automatisierte Rückmeldungen oder durch den Einbezug von
Mitlernenden und Muttersprachlern in Projektarbeiten vermittelt werden.
-11-
4.3. Autonomie
Das Lernen mit Lernprogrammen wird gern als
autonom betrachtet, da sich Lernende unabhängig von Lehrenden und Mitlernenden
mit dem Lernmaterial beschäftigen. Diese Idee lässt sich jedoch nicht mit der
SBT vereinbaren, derzufolge Autonomie kein organisatorisches Prinzip ist,
sondern sich auf die innere Bereitschaft der Lernenden bezieht, sich mit dem
Lernmaterial auseinanderzusetzen. Menschen üben gemäß der SBT Handlungen nur
dann bereitwillig aus, wenn sie sich mit dem eigenen Selbstbild vereinen lassen
(Ryan & Deci 2002: 8). Weiterhin setzt autonomes Verhalten ein bestimmtes
Maß an Kompetenz voraus. Wenn die Erwartungen an Lernende zu hoch sind, wenn
beispielsweise zu schnell selbständiges Lernen erwartet wird oder Lernende
nicht mit der Technologie vertraut sind, lässt das Interesse nach und die
Motivation nimmt ab. Eine autonomieunterstützende Lernumgebung muss Lernenden
helfen, Fähigkeiten anzuwenden (s. Kompetenzerfahrung), Verständnis für
geforderte Aktivitäten zu entwickeln, sie dazu ermutigen, eigene Interessen und
Initiativen zu verfolgen und die Verantwortung für eigene Entscheidungen zu
übernehmen.
Eine Lernumgebung unterstützt
Interessenbildung, wenn Lernende einen persönlichen Bezug zum Lernmaterial
herstellen können oder wenn aufgrund von leichten Abweichungen von gewohnten
Denk- und Lernmustern Neugier erweckt wird. Sie unterstützt Eigeninitiative,
wenn Lernenden Entscheidungshilfen angeboten werden, die verdeutlichen, warum
Aufgaben (oder der Einsatz von Technologien) ihrem Spracherwerb helfen
sollen. Schließlich müssen
Entscheidungsfreiheiten in der Auswahl des Lernmaterials gegeben werden. Autorität
und Fremdbestimmung sollten in allen Bereichen gemieden werden (s.a. Noels
2001: 54).
Behavioristische Lernprogramme zeichnen sich
durch die Abwesenheit der genannten Kriterien aus. Monotone Aufgabenstellungen
erwecken kaum Neugier und Eigeninitiative ist überflüssig, da Lernenden keine
Entscheidungen treffen müssen. Das Lernmaterial ist linear angeordnet und lässt
keinen Raum für exploratives Lernen oder individuelle Schwerpunktsetzungen.
Multimediale CD-ROM Lernprogramme sind
attraktiver als ihre Vorgänger gestaltet. Ein ansprechendes Interface Design
kann eine anregende Wirkung auf Lernende haben und situationales Interesse
erwecken. Das Interesse wird anhalten, wenn das Programm auch im Fortlauf der
Anwendung evozierten Erwartungen nachkommt. So sollten Lernende gewählte
Lernwege weiter verfolgen können und relevante Informationen vorfinden. Der
Computer ist in dieser Phase nicht mehr Lernmaschine, sondern Lernwerkzeug: das
Programm formt nicht die Lernenden, sondern es stellt ihnen Mittel zur
Verfügung, die den individuellen Lernprozess fördern. Das Lernprogramm bietet
eine Struktur, in der sich Lernende relativ frei bewegen können. Sie haben die
Auswahl von einer Vielfalt von Lern- und Hilfsmaterialien, die sie je nach
Bedarf annehmen und verfolgen können. Ob die Lernerfahrung fremd- oder
selbstbestimmt ist, hängt aber letztendlich von der Qualität des Programms ab.
Das umfassende Angebot an authentischen
Materialien und an didaktisierten Lerngegenständen im WWW ermöglicht die
Gestaltung einer abwechslungs- und inhaltsreichen Lernumgebung. Die
Kommunikationsstruktur des Internets erweitert dieses Angebot und gibt
Lernenden die Gelegenheit in Kontakt zu Lehrenden, Mitlernenden und
Muttersprachlern zu treten (s. soziale Zugehörigkeit) und so Feedback über die
eigene Sprachproduktion zu erhalten (s. Kompetenz).
-12-
Die Erweiterung des Internets in den letzten
10 Jahren wirkt sich auf seine Bedeutung für den FSU und für individuelle
Lernende aus. Warschauer (2000a: 63) hat die Entwicklung in folgenden Worten
beschrieben: "It is no longer just a matter of using e-mail and the
Internet to help teach English, as I wrote in my first book five years ago, but
also of teaching English to help people learn to write and use the
Internet". Durch ihre Integration im Alltagsleben werden Informations- und
Kommunikationstechnologien auch relevanter für den FSU. Das breite Spektrum an
Computeranwendungen, von Email und Chat über Podcast zu online Games bedeutet,
dass viele Lernende mit Neuen Medien vertraut sind und so schnell einen
persönlichen Bezug zu ihren pädagogischen Anwendungen im FSU herstellen können.
Ausschlaggebend ist jedoch, dass Neue Medien so eingesetzt werden, dass sie
Lernenden helfen, ihre Lernziele zu erreichen. Warschauer (2000b: 51/2) hat eine
hohe Motivation in Lernenden beobachtet, wenn Aufgaben sowohl in kultureller
als auch sozialer Hinsicht relevant sind und der Sinn der Übung verstanden und
eingesehen wird.
5. Grundbedingungen für den eFSU
Der Einsatz von Lernprogrammen, Lernsoftware oder
Internetanwendungen im FSU wirkt sich dann positiv auf die Lernmotivation aus,
wenn sie dazu beitragen eine Lernumgebung zu schaffen, die die Bedürfnisse von
Lernenden aller Altersgruppen nach sozialer Zugehörigkeit, Kompetenzerfahrung
und Autonomie unterstützt.
Bei früheren Computeranwendungen wurden die
Grundbedürfnisse aufgrund der rigiden Struktur der Hard- und Softwares
eingeschränkt. Vor allem der Faktor Soziale Zugehörigkeit, dem zufolge der OIT
eine besondere Rolle in der Initiation von Selbstbestimmung spielt, kam zu
kurz. Aber auch behavioristische Lernprogramme können einen
motivationsfördernden Effekt haben, wenn sie in eine Struktur integriert
werden, die komplementär auf die Grundbedürfnisse eingeht. Der Erfolg von
Online-Programmen wie Quia oder Hot Potatoes zeigt, dass nicht nur die Struktur
des Programms, sondern ihr Integrationspotential in die Lernumgebung
ausschlaggebend ist. Einzelne Lehrverfahren des Behaviorismus sind auch im FSU
angebracht. Sie können eingesetzt werden, wenn das Lernmaterial in Form
einzelner Punke vorliegt und nicht vereinfacht werden muss. Das Vokabellernen
z.B. bezieht sich besonders im Anfängerstadium auf relative kleine
Lerneinheiten (Mitschian 2000: 3). Wenn diese Übungen dem Leistungsniveau des
Lernenden entsprechen und das automatisierte Feedback ausreichende
Informationen enthält (wenn Antworten noch antizipiert werden können), können
sie durchaus ein Gefühl der Kompetenzerfahrung vermitteln. Untersuchungen
belegen, dass die Automatisierung von Oberflächenwissen (lower order thinking)
in manchen Bereichen nötig ist, um Denkfähigkeiten höherer Ordnung (higher
order skills) zu ermöglichen (Hulstijn 2000).
Auf der anderen Seite ist der Einsatz von
Neuen Medien, die die Grundbedürfnisse potentiell unterstützen, nicht
erfolgreich, wenn sie in einem behavioristischen Rahmen angewendet werden. Sie
üben keine langfristige positive Wirkung auf die Lernmotivation aus, wenn sie
in eine Unterrichtsstruktur eingebaut sind, die die Grundbedürfnisse
einschränkt. Beobachtungen zeigen, dass die Motivation abnimmt, wenn
CMC-Aktivitäten Lernenden nicht erlaubt, eigenen Interessen und Initiativen
nachzugehen und stattdessen durch den Eingriff von Lehrenden Gesprächsthemen
vorgegeben sind und der Schwerpunkt der Aufgabe auf grammatikalischer
Richtigkeit liegt.
-13-
Das Motivationspotential Neuer Medien ist im
Bereich CMC relativ gut dokumentiert. Untersuchungen (Pellettieri 2000, Braine
2004) haben gezeigt, dass sich CMC vorteilhaft auf die
Kommunikationsbereitschaft von Fremdsprachenlernenden auswirken kann. Ein
Beispiel zeigt die Begeisterung, mit welcher manche Lernende in einer
MOO-Umgebung mit Muttersprachlern kommunizieren:
I'm really enjoying the MOO. I haven't
figured out all the commands, but I keep playing with it. When I first started
I was hooked. I almost forgot to go to class and another time I was late to
class because I was on a MOO. Whenever I get into a good conversation I like to
stay and chat. It's great to see how fluent Spanish speakers speak or in this
case write. I had to cut down my time on it just because it is so addictive!!!
I could easily spend an hour a day, but I have four other classes to think
about! Sorry I was late (Hughart 1995 in: Egbert 2003: 501)!
In einem Lernprojekt für Schreibkompetenz beobachtete
Warschauer (1996), dass sich Lernende in einer CMC-Lernumgebung weniger bedroht
fühlten (als in einer mündlichen Konversation), stimulierende internationale
Kontakte knüpfen konnten und das Gefühl hatten, an einem sinnvollem Projekt zu
arbeiten. Das beobachtete Engagement der Lernenden führt Warschauer auf vier
Motivationsfaktoren zurück: Kommunikation, Unabhängigkeit, Gefühl der
Ermächtigung (empowerment), und das Gefühl eine bedeutende Leistung vollbracht
zu haben (achievement). Diese vier Faktoren entsprechen den drei
Grundbedürfnissen: Kommunikation fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und
Unabhängigkeit entspricht natürlich der Autonomieidee. Das sogenannte Gefühl
der Ermächtigung umschreibt Warschauer später (2000a, 2000b) als agency, also einem
Gefühl, das sowohl auf Kompetenzerfahrung als auch Autonomie basiert. Leistung
ist schließlich ein Aspekt, der in den Bereich der Kompetenzerfahrung fällt.
Obwohl Warschauers Beobachtungen nun schon 10
Jahre zurückliegen, wurde der Zusammenhang zwischen Motivation und
psychologischen Bedürfnissen im eFSU bisher nicht weiter verfolgt. In einer
jüngeren Motivationsstudie erwähnt Fotos (2004: 116) zwar Warschauers
Erkenntnisse und weist auf Untersuchungen hin, die positive Gefühle wie
"enjoyment" oder "accomplishment" als Konsequenz von
erfolgreichen CMC Kommunikationen sehen, nicht erkannt werden hingegen
menschliche Grundbedürfnisse, die es zu verstehen und unterstützen gilt, um
Motivation zu fördern.
Zusammenfassend sind hier Faktoren
aufgelistet, die Grundbedürfnisse unterstützen, bzw. einschränken:
|
Grundbedürfnisse
|
Unterstützung durch:
|
Einschränkung durch:
|
|
Soziale Zugehörigkeit
|
Integration in Lern- und/ oder Zielsprachengemeinschaft
Anerkennung von Leistungen durch andere kooperative
Lernverfahren
|
Isolierung
Konkurrenzdenken
|
|
Kompetenzerfahrung
|
optimale Herausforderung
informationshaltiges Feedback
|
unangemessenes Anforderungsniveau
fehlendes Feedback kontrollierendes Feedback
|
|
Autonomie
|
Relevanz
Verständnisförderung
Wahlfreiheit
|
Autorität und Fremdbestimmung
Lehrerdominanz
|
Fig. 3 Grundbedingungen für den eFSU
-14-
Obwohl die drei Grundbedürfnisse getrennt
aufgeführt und besprochen wurden, sollte aus der Darstellung erkenntlich
geworden sein, dass die drei Bereiche ineinander übergreifen. Zufolge der OIT
bestimmt in extrinisischen Motivationslagen das Gefühl sozialer Zugehörigkeit,
ob sich eine Person auf geforderte Handlungen einlässt. Die Handlung gewinnt an
Relevanz, wenn sie von der Umgebung als wichtig anerkannt wird. Das
Kompetenzgefühl bestimmt, ob und wie autonom die Handlung durchgeführt
wird.
Im pädagogischen Kontext fällt dem Aspekt der
sozialen Integration eine besondere Bedeutung zu. Besonders wenn Lernmotivation
gering (externale Regulierung) ist, hilft die Unterstützung von Lehrenden und
Mitlernenden unmotivierten Lernenden einen Bezug zu dem Lernmaterial und
Verständnis für Aufgaben zu entwickeln. Motivierte Lernende auf der anderen
Seite sind nicht auf die Unterstützung anderer angewiesen, wenn sie optimal gefördert
werden (Ryan & Deci 2002: 14). Eine Untersuchung von Bryce und Higgins
(2001) belegt, dass sich bei
Computerspielen ein idealer Ausgleich an Anspannung und Herausforderung
einstellen kann, der zu der höchsten Form intrinsischer Motivation, dem sog.
Flow (Csikszentmihalyi 1991) führen kann. Es wäre ein interessantes Vorhaben zu
untersuchen, ob sich dieser Zustand auch auf Computerspiele für den FSU
übertragen lässt (Prensky 2001).
6. Schluss
Der SBT zufolge beruht Motivation auf dem
grundlegenden Bedürfnis nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Zugehörigkeit.
Motivation wird als innerer Zustand angesehen, der durch die Umwelt unterstützt
oder eingeschränkt werden kann. Unabhängig von Lernstilen, von Leistungsniveau
und Lernbiographie betreffen die Grundbedürfnisse alle Lernenden.
Die drei Grundbedürfnisse müssen als
grundlegendes Gestaltungsprinzip in die Unterrichtsplanung integriert werden.
Computer im FSU sind dann motivierend, wenn durch ihren Gebrauch Möglichkeiten
geschaffen werden, die Grundbedürfnisse zu unterstützen, die sonst nicht
gegeben wären. Computer sind so gesehen kein Motivationsmittel, das Lernende
motiviert, sondern ein Mittel, dass Lehrenden hilft eine Lernumgebung zu
schaffen, in der sich Lernende selbst motivieren.
Neue Medien bieten sich als Lernmilieu an,
nicht (nur), weil sie neu und aufregend sind, sondern weil sie aufgrund ihrer
interaktiven Kommunikationsstruktur, ihrer Materialvielfalt und ihrer
Adaptivität ideale Voraussetzungen zur Unterstützung der Grundbedürfnisse
liefern.
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Internetadressen der im Text zitierten
Programme:
Blackboard: www.blackboard.com
Hot Potatoes: www.hotpotatoes.de
Moodle: www.moodle.de
Quia: www.quia.com
Skype: www.skype.com/intl/de/
Wimba: www.horizonwimba.com
Anmerkungen
[1]
Die Idee, dass das Lernmaterial auf das
Leistungsniveau der Lernenden abgestimmt sein muss, dass es weder zu neu (bzw.
schwer) noch zu bekannt (bzw. einfach) sein darf, um Interesse zu wecken und
Lernende zu fördern, findet z.B. in Vygotskys Konzept der Zone der proximalen
Entwicklung oder in der Sprachlerntheorie in Krashens input+1 Konzept Ausdruck.
[2]
Der Überblick bezieht sich auf die
Kriterien der einzelnen Phasen, die im zweiten Teil besprochen wurden.
[3]
Zur Differenzierung zwischen Interaktion
und Interaktivität s. Mitschian (2004: 44f).
Copyright
©
2007 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht
Alm, Antonie (2007), Motivationstheoretische Grundbedingungen für den erfolgreichen Einsatz
von Neuen Medien im Fremdsprachenunterricht. Zeitschrift für
Interkulturellen
Fremdsprachenunterricht [Online] 12: 1, 18 S. Abrufbar unter
http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-12-1/beitrag/Alm1.htm
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