Motiviert für Deutsch? Eine qualitative Studie zum
Anfängerunterricht DaF in Norwegen
Beate Lindemann
1. Einleitung
Norwegische Schüler [1] können ab der 8. Klasse eine zweite
Fremdsprache nach Englisch wählen. Während Englisch als erste Fremdsprache ab
der ersten Klasse in der barneskole (Grundschule für alle, 1.-7. Klasse) ein
obligatorisches Angebot für alle Schüler ist, ist das Angebot, eine weitere
Fremdsprache zu lernen, nur fakultativ, d.h. es muss nicht wahrgenommen werden.
Die Schüler schließen die barneskole mit der 7. Klasse ab und
wechseln dann an die dreijährige ungdomsskole (8.-10. Klasse). Auch die
ungdomsskole ist ein einheitliches Schulangebot für alle Schüler, in den
Klassen bzw. Gruppen sitzen schulisch leistungsstarke Schüler neben eher
schwächeren. Der Übergang zur neuen Schule stellt für die meisten Schüler eine
eingreifende Veränderung dar. Zum einen gehen sie jetzt nicht mehr in die
barneskole, die meist klein und überschaubar gleich in der Nähe ihres Hauses
bzw. ihrer Wohnung liegt, sondern in eine andere Schule, in die ausschließlich
Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren gehen und die eine Art
"Sammelbecken" für mehrere barneskoler darstellt. Dort treffen sie
auf ihnen unbekannte Mitschüler und Lehrer.
Zum anderen beginnt mit der ungdomsskole sozusagen der "Ernst
des Lebens". Ab der 8. Klasse werden weit höhere fachliche Anforderungen
an den Schüler gestellt, und zum ersten Mal in ihrem Leben erleben die Schüler,
dass ihre Leistungen und ihr Einsatz mit Noten evaluiert werden. Darüber hinaus
erweisen sich die Lehrer als "echte Fachlehrer", d.h. sie haben eine
spezielle Ausbildung für die Fächer, die sie unterrichten, während die Lehrer
an der barneskole meist "Allrounder" waren, die als "Klassenlehrer"
alle Fächer unterrichteten.
Im letzten Halbjahr der 7. Klasse, d.h. ein paar Monate vor dem
Übergang, werden die Schüler über ihre neue Schule informiert und u.a. auch
darüber, dass es an der ungdomsskole ein sogenanntes Wahlfachangebot gibt, das
neben der 2. Fremdsprache auch "Praktische Projektarbeit",
"Sport", "Kunsthandwerk" u.ä. enthält. Die Wahl einer 2.
Fremdsprache ist freiwillig und hat keine Konsequenzen für die weitere
Schulausbildung nach der 10. Klasse. [2]
Eine Untersuchung anläßlich des europäischen Sprachenjahres 2001
(Speitz & Lindemann 2002) zeigte, dass ca. 75% der Schüler eines Jahrgangs
"freiwillig" eine 2. Fremdsprache lernen. Ca. 54% der Schüler wählen
Deutsch, ca. 20% Französisch. Eigentlich sollten diese Zahlen ein großer Grund
zu Optimismus sein, zeigen sie doch, dass die Schüler zu erkennen scheinen,
dass es wichtig ist, mindestens zwei Fremdsprachen zu lernen.
Seit 2001 sind fünf Jahre vergangen und schon im Sprachenjahr
selbst war die Tendenz deutlich zu sehen - immer weniger Schüler wählen eine 2.
Fremdsprache und immer weniger Schüler wählen Deutsch. Die überraschend
positiven Zahlen für Deutsch im Jahre 2001 lassen sich vor allem damit
erklären, dass der z.Zt. geltende Lehrplan L97 fordert, dass alle Schulen
mindestens eine 2. Fremdsprache anbieten. [3]
In vielen ungdomsskoler fällt die
Wahl dann auf Deutsch, da das die einzige der möglichen 2. Fremdsprachen ist,
in denen ungdomsskoler außerhalb der großen Städte qualifiziertes Lehrpersonal
beschaffen können bzw. im Notfall auch Lehrer ohne Fachausbildung an die
Aufgabe setzen.
Eine Untersuchung zu den tatsächlichen Wünschen der Schüler (vgl.
Lindemann, erscheint) zeigt, dass andere Sprachen, vor allem Spanisch, als
weitaus interessanter als Deutsch angesehen werden. Der Zulauf zu Deutsch ist
deshalb oft ganz einfach ein Resultat dessen, dass es zu wenige Spanischlehrer
gibt und das Fach nicht überall angeboten werden kann.
-2-
Ein weiterer Grund zur Besorgnis ist die Tatsache, dass ca. 25-30%
der 2. Fremdsprachen-Schüler, d.h. Schüler aller 2. Fremdsprachen, vor dem Ende
der 10. Klasse das Sprachenlernen aufgeben. Das gilt natürlich auch für die
Deutschgruppen.
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit einem Teil einer
umfangreicheren Studie zum Thema "2. Fremdsprache und Motivation".
Dabei stehen folgende Forschungsfragen im Mittelpunkt:
• Wie "motiviert" sind Deutschschüler in ihrem
Deutschunterricht?
• Wie lassen sich die hohen "Aufgeber" [4]-Zahlen
erklären?
• Welche Motivationsfaktoren können eventuell dazu beitragen, den
Deutschunterricht zu einem größeren Erfolg zu machen?
2. Zur Studie
2.1 Kurzinformation zur Studie
Die Untersuchung erstreckte sich über ca. 1 1/2 Jahre, genauer
gesagt begann sie im Februar 2001 und endete mit den Sommerferien 2002.
Grundschüler von 5 Grundschulen auf der Insel Tromsø, die im Herbst 2001 in der
Jahrgangsstufe 8 an der gleichen ungdomsskole starten sollten, nahmen ab
Februar 2001, d.h. dem Zeitpunkt ihrer Wahl des Wahlfaches, bis zu den
Sommerferien nach der 8. Klasse an diesem Forschungsprojekt teil.
Die Datenerhebung beinhaltete sowohl Fragebögen als auch kurze
Interviews mit den Schülern, sowohl in kleineren Gruppen als auch mit einzelnen
Schülern. Darüber hinaus fanden auch Interviews mit den jeweiligen Fachlehrern
statt.
2.2 Zur Methodik
Die Studie versuchte, sowohl qualitative als auch quantitative
Daten über einen längeren Zeitraum hinweg zu erheben. Dazu wurden die
Erhebungsinstrumente Gruppengespräche, Interviews und Fragebögen herangezogen.
Diese sind einerseits besonders gut zur Befragung von Jugendlichen geeignet, da
sie ihnen die Möglichkeit geben, "ihre eigene Meinung" und ihre
persönlichen Gedanken zum Sprachenlernen und zum Deutschunterricht in
strukturierter Form zu vermitteln. Andererseits bieten diese Verfahren auch die
Möglichkeit, gleichzeitig qualitativ und quantitativ ausgerichtete
Forschungsfragen zu stellen.
Damit konnten gute quantitative Daten zum Deutschunterricht und
vor allem zur Haltung der Schüler zum Deutschunterricht, durch die
Longitudinalstudie auch in einer Entwicklungsperspektive, erhoben werden.
Gleichzeitig konnten durch die qualitative Annäherung auch die individuellen
Nuancen zwischen den einzelnen Schülern in Bezug auf das Thema "Motivation
zum Deutschlernen" aufgefangen werden. Dies wurde als besonders wichtig angesehen,
da es ja gerade die detaillierte Observation der Motivationsentwicklung des
einzelnen Schülers ist, die eventuell zu neuen und wichtigen Erkenntissen
bezüglich eines entscheidenden Faktors beim Erlernen von Drittsprachen
beitragen kann. Der quantitative Aspekt der Studie ermöglichte es dabei, bei
der gleichen Befragung konkrete Zahlen dazu zu gewinnen, ob, wann und wie sich
die Motivation der Deutschschüler im Laufe des Schuljahres veränderte.
-3-
An der Gesamtstudie nahmen über hundert Schüler teil, alle Schüler
eines Jahrganges, die im August 2001 in der 8. Jahrgangsstufe einer großen
Stadtschule begannen. Die Gesamtstudie mit dieser großen Anzahl an Teilnehmern
bildet auch das Rückgrad der Teilstudie in Bezug auf Validität und
Reliabilität. Die Ergebnisse der im Folgenden beschriebenen Teilstudie konnten
immer wieder mit der Gesamtstudie verglichen werden und können zweifellos als
ein detaillierter Ausschnitt der Gesamtstudie bezeichnet werden, der sich in
dieser spiegelt.
2.3 Eingrenzung der Teilnehmergruppe
Aus der großen Gruppe der Teilnehmer an der Gesamtstudie wurden
für diese Teilstudie zehn repräsentative Schüler aus zwei unterschiedlichen
barneskole-Klassen ausgewählt. Dadurch wurde ermöglicht, einer überschaubaren
Gruppe über das ganze Schuljahr hinweg folgen und die Entwicklung der einzelnen
Schüler beobachten zu können. Bei der Auswahl der Schüler wurde darauf
geachtet, dass einerseits die objektiven Grundvoraussetzungen für den
Deutschunterricht bei den ausgewählten Schülern gleich waren, andererseits aber
auch die persönlichen Rahmenbedingungen möglichst ähnlich waren. Alle zehn
Schüler hatten sich bereits im Februar 2001 völlig eindeutig für Deutsch als 2.
Fremdsprache entschieden. Somit konnte bei allen von einer positiven Einstellung
zur 2. Fremdsprache im Allgemeinen und zur Sprache Deutsch ausgegangen werden.
Ausgeschlossen werden konnten auf diese Weise Schüler mit anfänglicher Skepsis
entweder der 2. Fremdsprache gegenüber oder dem Fach Deutsch, bzw. Schüler, die
aus irgendwelchen Gründen zu einem von ihnen nicht selbst gewünschten
Deutschunterricht gezwungen wurden. Außerdem besuchten alle Schüler die gleiche
Deutschgruppe mit dem gleichen Deutschlehrer. [5]
2.4 Wichtige persönliche Grundvoraussetzungen
Die ausgewählten zehn Schüler wohnen in zwei völlig
unterschiedlichen Wohngebieten. Gerade deshalb war es notwendig, dass sie
trotzdem ähnliche Grundvoraussetzungen für ihre Entscheidung für Deutsch und
den Erwerb der 2. Fremdsprache hatten. Dazu gehörten vor allem die familiären
Einflussfaktoren, z.B. die Berufstätigkeit beider Eltern und das Vorhandensein
von Geschwistern, die bereits Erfahrungen an der nun zu besuchenden
ungdomsskole gesammelt haben. Die persönlichen Grundvoraussetzungen der
beteiligten Schüler werden in Kapitel 3 näher beschrieben.
2.5 Zur Untersuchungsdurchführung
Die zehn Schüler wurden im Februar 2001 das erste Mal an ihrer
barneskole aufgesucht und nahmen dort an einem Gruppengespräch teil (U1).
Dabei wurde in jeder der einzelnen barneskole-Klassen ermittelt,
welche Gedanken die Schüler sich zu der bevorstehenden Wahl einer 2.
Fremdsprache gemacht hatten, mit wem sie über die Problematik gesprochen hatten
und aus welchen Gründen sie sich eventuell für eine bestimmte Sprache
entschieden hatten. Es wurde festgehalten, wie viele Schüler sich zu diesem
Zeitpunkt, also vor der eigentlichen Wahl, auf eine 2. Fremdsprache und auf
welche festgelegt hatten. Das Gespräch über die Beweggründe wurde als offenes
Klassengespräch gestaltet, in dem möglichst viele Schüler denkbare Gründe für
eine Sprachenwahl nennen konnten.
Im September 2001, d.h. nach ca. einem Monat Deutschunterricht,
wurde die Deutschgruppe dieser Schüler besucht. Diesmal wurden die Schüler
gebeten, einen kurzen Fragebogen zu beantworten, bevor sowohl Gruppen- als auch
Einzelgespräche mit den Schülern stattfanden. Ungefähr zeitgleich wurde auch
ein Interview mit der Lehrerin der Gruppe durchgeführt (U2).
-4-
In dieser Untersuchung wurden hauptsächlich offene Fragen zur
"Stimmung" im Klassenzimmer (z.B. "Macht dir das Deutschlernen
Spaß?", "Fühlst du dich in deiner Deutschgruppe wohl?"), zum
anfänglichen Deutschunterricht ("Was hast du bereits gelernt?",
"Was macht ihr denn so im Unterricht?") und zu den Erwartungen der
Schüler ("Was möchtest du denn gerne lernen?", "Wie möchtest du
gerne arbeiten?") gestellt. Außerdem gab es Beurteilungsfragen zu
unterschiedlichen Unterrichtsaktivitäten, bei denen die Schüler nur anzukreuzen
brauchten, aber auch kommentieren konnten, wie gut ihnen diese Aktivitäten gefallen.
Der nächste Untersuchungsabschnitt begann im Dezember 2001, d.h.
nach gut einem halben Jahr Deutschunterricht. Diesmal füllten die Schüler nur
einen Fragebogen aus, auf dem sie auch kommentieren konnten, während ein
weiteres Gespräch mit der Lehrerin stattfand (U3).
In dieser Untersuchung stand ebenfalls die monentane Einstellung
zum Unterrichtsfach im Mittelpunkt (z.B. "Wie läuft es bei dir im
Unterricht?", "Bist du zufrieden mit deiner Sprachentwicklung?",
"Hast du Änderungswünsche?"). Die Beurteilung der
Unterrichtsaktivitäten wurde ebenfalls erneut durchgeführt.
Im zweiten Schulhalbjahr wurde im März 2002 ebenfalls ein
Schülerfragebogen ausgefüllt, allerdings nahmen einige Schüler und die Lehrerin
auch an einem Gespräch teil (U4).
In dieser Befragung wurden die Schüler gebeten, neben ihrer
Einstellung zum Sprachunterricht auch ihre sprachlichen Fortschritte zu
beschreiben ( "Was kannst du gut / weniger gut?") und auch wieder
Unterrichtsaktivitäten zu beurteilen und zu kommentieren.
Abschließend wurde die Klasse im Mai 2002 besucht. Alle Schüler
füllten einen Fragebogen aus und nahmen auch an individuellen Gesprächen teil.
Auch die beteiligte Lehrerin wurde wieder befragt (U5).
Diese letzte Befragung war eine Art Bestandsaufnahme. Hier wurde
den Schülern die Möglichkeit gegeben, möglichst frei all ihre Gedanken
("Freude und Frustration") in schriftlicher und mündlicher Form zu
vermitteln. Dazu wurden Leitfragen zur sprachlichen Entwicklung, zum
Unterricht, zur Gruppe, zu den Lehrmaterialien usw. gestellt, die die Schüler
auf mögliche Aspekte aufmerksam machen sollten, die sie bei der Beantwortung
berücksichtigen konnten.
Die einzelnen Teile der Untersuchung werden im Folgenden noch
näher erläutert.
3. Die Qual der Wahl
Fünf der Schüler kamen von einer kleinen barneskole in einem
relativ neuen Wohngebiet. Die Kinder dieser Schule wohnen in Einfamilienhäusern
bzw. Reihenhäusern, die in den letzten 10 Jahren gebaut wurden. Die meisten
leben mit beiden Eltern und mehreren Geschwistern zusammen, nur wenige leben
nur bei einem Elternteil, kaum ein Kind ist Einzelkind. Alle Eltern sind
berufstätig.
Die fünf Schüler, 4 Mädchen (SOM1, SOM2, SOM3, SOM4) und 1 Junge
(SOJ1), gingen in eine Klasse mit 19 Schülern, die Geschlechterverteilung war
ausgewogen. Alle fünf haben mindestens eine Schwester bzw. einen Bruder. Alle
leben mit beiden Eltern zusammen. In allen Familien sind beide Eltern ganztags
berufstätig.
-5-
Diese fünf Schüler gehörten zu denjenigen Schülern in der Klasse,
die sich beim Besuch im Februar 2001 (U1) bereits für eine 2. Fremdsprache
entschieden hatten, und zwar für Deutsch. Alle hatten mit ihren Eltern über die
Wahlmöglichkeiten gesprochen und mit ihnen zusammen eine Entscheidung
getroffen. Alle meinten, dass man unbedingt eine weitere Fremdsprache lernen
müsse, weil Englischkenntnisse nicht ausreichen würden. "Norwegisch und
Englisch reichen nicht, du musst einfach auch Deutsch können" (SOM3,
U1). [6]
Vor allem die Mädchen betonten, dass Deutsch leichter als
Französisch sei. Dabei nannten sie die Aussprache und die "schwierige
Grammatik" der französischen Sprache
als "gute Beispiele" für ihre Behauptung.
Außerdem wurde aufgeführt, dass es klug sei, bereits jetzt mit der
2. Fremdsprache zu beginnen, da man dann insgesamt 5 Jahre lang Deutsch lernen
könne [7] und danach wirklich "was könne" (SOM2 / SOM4, U1).
Keiner der Schüler konnte sich konkrete Situationen in der Zukunft
vorstellen, in denen Deutschkenntnisse erforderlich sein könnten. Keiner der
Schüler hatte konkrete Berufspläne, und Deutsch stand deshalb auch nicht in
Zusammenhang mit einer gewünschten Berufsausbildung. "Deutsch ist
nützlich", aber keiner der Schüler konnte genauer erläutern, worin das
Nützliche liegen könnte.
Die zweiten fünf Schüler, 2 Mädchen (STM1, STM2) und 3 Jungen
(STJ1, STJ2, STJ3), kommen von einer barneskole in einem etwa zwanzig Jahre
alten Wohnviertel, das aus größeren Wohnanlagen mit Wohnungen besteht. Hier
wohnen sowohl alte als auch junge Leute. Viele Menschen leben hier in einer
Übergangsphase, z.B. in den ersten Jahren nach der Ausbildung, nach einer
Scheidung usw.
Drei der Schüler leben nur mit einem Elternteil zusammen, der
Mutter. Alle haben jedoch regelmässigen Kontakt mit beiden Eltern. Alle Schüler
haben mindestens einen Bruder oder eine Schwester. Alle Eltern sind ganztags
berufstätig.
Die fünf Schüler hatten sich ebenfalls bereits für Deutsch
entschieden. Auch die übrigen Schüler der 21-köpfigen Klasse hatten sich für
eine 2. Fremdsprache entschieden, die meisten jedoch für Französisch und Spanisch.
Alle fünf meinten, dass es wichtig sei, mehr als nur Englisch zu
können. Deshalb würden sie jetzt mit einer 2. Fremdsprache anfangen. Die beiden
Mädchen fanden es nützlich, schon jetzt Deutsch zu lernen, weil sie dann in der
gymnasialen Oberstufe eine weitere Fremdsprache lernen könnten. [8] Keiner der
Schüler hatte konkrete Berufswünsche, allerdings betonten die beiden Mädchen,
dass sie unbedingt Abitur machen wollten und daran anschließend studieren. Die
drei Jungen konnten sich auch eine Berufsausbildung statt des Abiturs
vorstellen, hatten jedoch eigentlich keine Ausbildung wirklich ins Auge
gefasst. Auch diese Schüler fassten Deutsch als nützlich auf, ohne diese
Nützlichkeit weiter erläutern zu können.
Die Entscheidung für Deutsch wurde mit den Eltern zusammen
getroffen, wobei unterstrichen wurde, dass die Schüler selbst die letztendliche
Entscheidung gefällt hätten, nicht die Eltern.
Alle fünf Schüler berichteten, dass Geschwister und Freunde
ebenfalls Deutsch gelernt hätten. Sie konnten nicht erläutern, inwiefern sich
diese Sprachkenntnisse eventuell als nützlich für diese Geschwister und Freunde
erwiesen haben, jedoch wurde deren Sprachenwahl als wichtig für die eigene
Entscheidung eingestuft.
-6-
3.1 Informationen vor der Wahl - ein kleiner Exkurs
Vor der individuellen Wahl des Wahlfaches für das 8. Schuljahr
wurden die Schüler der betroffenen barneskoler zu einem Informationsabend mit
den Eltern an der neuen Schule, der ungdomsskole, eingeladen. Dort bekam man
Informationen über die neue Schule, über die Busabfahrtszeiten, die Schulferien
und auch die Wahlfächer. Die stellvertretende Rektorin informierte über das
Angebot, erwähnte die drei Sprachen Deutsch, Französisch und Spanisch und die
anderen Wahlfächer. Sie empfahl ausdrücklich, dass nur diejenigen Schüler, die
gute schulische Leistungen bringen, eine 2. Fremdsprache wählen sollten, da der
Unterricht sehr viel von den Schülern verlangen würde und der Arbeitsaufwand
bei weitem größer sein würde als in den anderen Wahlfächern. Einer der Sportlehrer
informierte über das Wahlfach "Sport", eine Fachlehrerin über das
Wahlfach "Theater". Lehrer der 2. Fremdsprache waren nicht eingeladen
worden. [9]
Darüber hinaus verfügten die Schüler über keine offiziellen
Informationen zu den jeweiligen Sprachen und dem Sprachunterricht.
Alle Schüler dieser Teilstudie hatten mit ihren Eltern über die
Sprachenwahl gesprochen, d.h. dass davon ausgegangen werden kann, dass die
Eltern ihren Kindern z.B. von ihren eigenen Spracherfahrungen erzählt haben.
Hinzu kommen die Erfahrungen der älteren Geschwister und die von älteren
Freunden. Relativ viele Schüler der Gesamtstudie hatten jedoch vor der Wahl
nicht oder kaum mit ihren Eltern über die Wahlfächer gesprochen. Die meisten
von ihnen vermittelten, dass sie glaubten, dass es ihren Eltern eigentlich egal
wäre, welches Wahlfach sie wählen würden, so dass sie einfach das nehmen
würden, "wozu sie am meisten Lust hätten".
Ältere Geschwister und Freunde gehen bzw. gingen größtenteils auf
die gleiche ungdomsskole, so dass auch inoffizielle Informationen über den
Unterricht in den einzelnen Wahlfächern und über die jeweiligen Lehrer
ausgetauscht werden. Keiner der Schüler dieser Teilstudie hat sich jedoch auf
Empfehlungen von anderen berufen - im Gegensatz zu anderen Teilnehmern der
Gesamtstudie.
Keiner der Schüler hat konkrete Berufswünsche, die die Wahl eines
bestimmten Wahlfaches fordern könnten. Ohne Berufswünsche haben die Schüler
auch keinerlei bzw. nur begrenzte Informationen über die eventuellen
sprachlichen Anforderungen an eine Berufsausbildung.
3.2 Zur Anfangsmotivation
Diese Studie wurde im Rahmen der aktuellen Motivationsforschung
vorgenommen und wurde ursprünglich von der Arbeit von Riemer 2001 inspiriert,
die die Motivationsforschung und die DaF-Forschung miteinander verknüpft.
Vor dem eigentlichen Unterrichtsanfang besteht bei den einzelnen
Lernern zweifellos eine Form von Motivation für die Sprache Deutsch einerseits
und für den Deutschunterricht andererseits, da sich die zehn Schüler
freiwillig, d.h. ungezwungen, für eine 2. Fremdsprache und für Deutsch
entschieden haben, obwohl sie auch andere Wahlmöglichkeiten hatten.
-7-
Für sie trifft die Definition von Motivation zu, die "die
Summe der Gründe (Motive), die jemanden zu einer Entscheidung oder Handlung
bewegen, als dessen Motivation bezeichnet." (Kirchner 2004: 1) Alle zehn
Schüler beurteilen die deutsche Sprache als "nützlich", ohne diesen
Begriff näher erklären zu können. Das Vorbild von älteren Geschwistern und
Freunden war für fünf der Schüler von Bedeutung, während die anderen fünf diese
eventuellen Vorbilder nicht zur Sprache brachten.
Alle Schüler sind der Auffassung, dass man eine weitere
Fremdsprache neben Englisch beherrschen muss. Dieses Argument wird scheinbar
als "Faktum" anerkannt, da die Schüler keineswegs in der Lage sind,
sich persönliche Situationen vorzustellen, in denen sie diese 2. Fremdsprache
benötigen und Englisch nicht ausreichend ist.
Gardner & Lambert 1972, die die Motivationsforschung, wenn
auch nicht bezogen auf das Erlernen von Fremdsprachen, bis in die 90er Jahre
geprägt haben, unterscheiden zwischen einer integrativen und einer
instrumentellen Orientierung in Bezug auf die Motivation. Keiner der Schüler
äußert zum Zeitpunkt der Sprachenwahl das Bedürfnis, mehr über die deutschsprachigen
Länder und deren Bewohner zu erfahren. Die Sprache Deutsch wird völlig
losgelöst von ihren muttersprachlichen Benutzern gesehen, und die zehn Schüler
zeigen keinerlei integrative Orientierung. Dahingegen äußern sie, dass das
Deutschlernen an sich einen Nutzen hat, also eine, wenn auch nur vage
verbalisierte instrumentelle Orientierung. Diese (und die anderen)
Deutschlerner unterscheiden sich dabei deutlich von den Spanischlernern des
gleichen Jahrgangs, die ohne Ausnahme weitaus deutlichere integrativ und
instrumentell orientierte Motivationsgründe angaben. Von allen wurde der Wunsch
nach Kenntnissen über Land und Leute und natürlich die Sprache geäußert, der in
engem Zusammenhang mit zukünftigen Aufenthalten im Zielsprachenland steht.
Diese Aufenthalte konnten sowohl privater als auch beruflicher Art sein.
Aufenthalte in deutschsprachigen Ländern als Sprachlernziel und
eventuelle Motive für das Sprachenlernen wurden von keinem der Deutschlerner
genannt, weder von den zehn an dieser Teilstudie beteiligten noch von denen,
die außerdem noch an der Gesamtstudie teilnahmen.
Für alle zehn Schüler lässt sich vor dem Unterrichtsanfang
festhalten, dass ihre Anfangsmotivation instrumenteller Art ist und dass sie
äußerst "vage" mit dem Nützlichkeitsargument verbunden wird. An
externen Faktoren scheinen vor allem die Eltern eine Rolle zu spielen, die die
Sprachenwahl ihrer Kinder in diesem Fall unterstützen. Eine positive, bzw. eine
fehlende negative, Einstellung zu Deutsch von Seiten der Eltern bestärkt die
Kinder, wenn sie selbst bereits "Lust haben", Deutsch zu lernen,
"weil es nützlich ist und Englisch nicht ausreicht". Außerdem gehen
ältere Geschwister und Freunde als "gute Beispiele" voran und
scheinen positive bzw. fehlende negative Erfahrungen weiterzugeben. Diese
Rückmeldungen bestärken ebenfalls eine bereits getroffene Wahl von Seiten des
Schülers.
4. Der erste Monat Deutsch
Nach ca. einem Monat Deutschunterricht wurden die Schüler nach
ihren ersten Erfahrungen und Einstellungen befragt. Die zehn Schüler der
Teilstudie befinden sich in einer 19-köpfigen Deutschgruppe, die von einer
Lehrerin geleitet wird. Die Lehrerin hat eine dreisemestrige Sprachausbildung
und unterrichtet seit vielen Jahren in Deutsch und an der gleichen Schule.
Allen zehn Schülern macht der Unterricht Spaß. Sie haben die
Zahlen von 1 bis 20 gelernt, kurze Dialoge zum Präsentieren und Kennenlernen
und die ersten Sätze auf Deutsch geschrieben. Alle erwähnen, dass die Lehrerin
Wert auf mündliche Aktivitäten legt und sie bis jetzt vor allem in kleineren
Gruppen kurze Dialoge geübt haben.
-8-
Die Schüler berichten davon, dass sie sowohl die Zahlen als auch
die Dialoge auswendig gelernt haben und dass dies ihrer Ansicht nach eine gute
Art des Lernens ist.
Ich kann das jetzt. Wie heißt du? Ich heiße S. Das kann ich
jetzt für immer. Das vergesse ich nicht mehr (SOM2, U2).
Die Dialoge werden von den Schülern als nützlich empfunden, denn
"ich kann das dann sagen, wenn ich mal in Deutschland bin" (STJ3,
U2). Zu diesem Zeitpunkt können bei allen zehn Schülern Hinweise darauf
gefunden werden, dass sie sich einen Kontakt mit den Zielsprachenländern
vorstellen können, d.h. dass sie sich selbst in Kontaktsituationen mit
Muttersprachlern sehen. Dieser Kontaktwunsch bzw. die Vorbereitung auf den
Kontakt zu Muttersprachlern ist laut Riemer 1997 ein wichtiger Faktor beim
erfolgreichen Fremdsprachenerwerb.
Die Schüler weisen darauf hin, dass die bis jetzt gelernten
Sprachstücke für Kommunikationszwecke mit Muttersprachlern nützlich werden
können. Das Nützlichkeitsargument hat damit eine Konkretisierung in Form von
Kommunikation mit Muttersprachlern in deutschsprachigen Ländern bekommen. In
den Gesprächen mit den Schülern zeigt sich jedoch, dass die Schüler zu diesem
Zeitpunkt noch keine konkreten Gründe für einen eventuellen
Deutschlandaufenthalt [10] sehen können. Reisegründe wie Urlaub und 2. Wohnsitz,
die vor allem von den Spanischlernenden immer wieder genannt werden, werden von
den Deutschlernern nicht in Erwägung gezogen. Keiner der zehn Schüler kann sich
vorstellen, in Deutschland Urlaub zu machen oder gar für eine gewisse Zeit nach
Deutschland zu ziehen. Eine der Schülerinnen erklärte außerdem, dass man für
Urlaubszwecke keine 2. Fremdsprache zu lernen bräuchte. Beim touristischen
Reisen wäre Englisch die universelle Sprache, die überall und in allen
Situationen einsetzbar ist (SOM4, U2).
Zwei der Jungen erwähnten die Möglichkeit zu einem
Schüleraustausch-Aufenthalt in Deutschland oder einer Klassenfahrt. Beides
wurde ausdrücklich nicht als Urlaub definiert, sondern als Schulausflug, d.h.
als ein Teil der Schulausbildung. Bei einer solchen Klassenfahrt [11] sei man dann
im Vorteil, wenn man "bereits Deutsch kann, während die anderen nichts
verstehen und nur Englisch können" (STJ3,U2).
Auch zu diesem Zeitpunkt erweist sich die Gruppe von zehn Schülern
noch als eine homogene Gruppe in Bezug auf ihre Lernmotivation und ihre
Einstellung zum Unterricht.
Alle zehn Schüler zeigen eine instrumentell orientierte Motivation
bezüglich ihres Deutschlernens. Während die "Nützlichkeit" vor
Kursbeginn noch eher vage definiert war, haben die Schüler inzwischen Dinge
gelernt, die sie problemlos als "nützlich" deklarieren können, weil
diese ihnen in Kommunikationssituationen mit Muttersprachlern nützlich sein
können. Obwohl das Reisen noch etwas undefiniert im Raum steht, können sich die
Lerner Aufenthalte im deutschsprachigen Raum vorstellen, allerdings nicht
traditionelle Urlaubsreisen oder gar einen Wohnsitzwechsel auf Zeit, sondern
allenfalls Klassenfahrten, d.h. schulbezogenes Reisen. Das Reisen wird nicht
mit der näheren Kontaktaufnahme mit Muttersprachlern verbunden, man sucht keine
Freundschaften oder anderweitige Kontakte (Clément & Kruidenier 1983).
Deci & Ryan 1985 unterscheiden zwischen intrinsischer und
extrinsischer Motivation. Obwohl es nach nur einem Monat Unterricht verwegen
ist, weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen, kann zweifellos behauptet
werden, dass die zehn Schüler vorwiegend intrinsisch motiviert zu sein
scheinen. Sie lernen mit großem Eifer Dialoge auswendig - und, wie sie alle
beteuern, der Unterricht und das Lernen macht ihnen Spaß. Noten und andere
Arten von Evaluierung sind zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema, das Lernen
gleicht einem Spiel und findet vor allem in Form von Rollenspielen statt.
Wichtig scheint dabei zu sein, dass sich die Schüler ohne weiteres mit ihren
Rollen identifizieren können und großen Spaß daran haben, diese Rollen auch
sprachlich gut zu füllen.
-9-
In diesem ersten Monat sehen wir deutlich die Wechselwirkung zwischen
Motivation und Erfolg bzw. sprachlichem Fortschritt. Die zehn Schüler wollen
gerne Deutsch lernen und strengen sich deshalb an, lernen auswendig usw. Ihre
Bemühungen werden von Erfolg gekrönt, und das erreichte sprachliche Können
spornt zu weiterem Lernen an.
Die Lehrerin beurteilt die Entwicklung des Unterrichts im ersten
Monat als sehr zufriedenstellend. Sie betont, dass sie besonders viel Wert auf
die mündliche Verwendung der Sprache legt. Das mache den Schülern Spaß, sei
anwendungsrelevant und bringe schnelle Erfolgserlebnisse. Sie hält gerade die
Anfangsphase für äußerst wichtig, weil man dort das Interesse für die Sprache
und die Kultur wecken kann. Schnelle Lernerfolge sind notwendig, um Anreize zu
schaffen für das Weiterlernen.
Deutsch wird nach einem Monat ziemlich kompliziert. Ohne
Grammatik geht dann nichts mehr. Das ist die erste Hürde und die schaffen wir
nur, wenn die Schüler vorher viel Spaß hatten (L, U2).
Die Lehrerin lobt nach eigenen Angaben sehr viel, schafft viele
Dialogübungen, die alle einspannen und versucht so, allen Schülern sprachliche
Erfolgserlebnisse zu bieten.
5. Im Dezember - das erste Schulhalbjahr ist vorüber
Die Fragebögen der Schüler zeigen, dass sie zwar weiterhin Spaß am
Fach haben, aber inzwischen einige Erfahrungen mit dem Fach gemacht haben, die
ihre Haltungen und Einstellungen zum Fach auch in negativer Richtung
beeinflusst haben. Sie weisen darauf hin, dass das Fach bei weitem mehr
"Arbeitszeit" und "Anstrengungen" erfordert als die übrigen
Wahlfächer. Alle zehn Schüler meinen jetzt im Dezember, dass ihnen das Fach ein
bisschen entgleitet, weil sie in allen anderen Fächern, den so genannten
Pflichtfächern, so viel tun müssen vor der Notenfestsetzung im Dezember.
Überall Prüfungen und Abgabetermine. Es bleibt so wenig
Zeit. Und die anderen Wahlfächer haben weder Hausaufgaben noch Prüfungen
(SOM1,U3).
Für Norwegisch und Mathe muss ich was tun. Die Fächer sind
wichtig. Für Deutsch bleibt kaum Zeit. Es ist nicht obligatorisch. Aber ich
brauche eigentlich mehr Zeit, um mitzuhalten (STM2,U3).
November und Dezember sind stressig. Nur Prüfungen jeden
Tag. Ich bin so müde, oft zu müde für Deutsch (SOM3,U3).
Alle zehn Schüler erwähnen, dass sie jetzt in den Stunden viel
öfter schriftlich arbeiten. Zwar werden auch Lesen, Dialoge und Rollenspiele
angekreuzt, jedoch scheint jetzt das Hauptaugenmerk mehr auf schriftlichen
Aufgaben zu liegen. Sie finden, dass ihre Lehrerin viele unterschiedliche
Aktivitäten anbietet und für Variation sorgt, d.h. Langeweile kommt nicht auf
und sie sind mit ihr zufrieden.
Aber zwei der Jungen sagen deutlich, dass
es viel gibt, was
man im Kopf haben muss, um Deutsch zu können. Das ist so kompliziert mit den
ganzen Regeln. Aber ich mag die Regeln. Ich verstehe sie, ich lerne sie auswendig
und übe viel. Aber sie kommen nicht automatisch, wenn ich schreibe oder
spreche. Ich mache immer zuerst Fehler oder vergesse etwas. Aber ich finde das
selbst und kann mich verbessern (STJ2,U3).
-10-
Alle zehn Schüler sehen große Unterschiede zwischen dem
Schriftlichen und dem Mündlichen:
Am einfachsten ist Lesen. Ich verstehe eigentlich alles.
Hören ist viel schwieriger, weil ich mich mehr konzentrieren muss, aber auch
okay. Ich schreibe eigentlich gern, aber es wird immer komplizierter. Du
brauchst Vokabeln und Endungen und Kongruenz. Das kommt nie automatisch. Immer
mache ich Fehler und muss mich korrigieren. Ich schreibe gerne zu Hause. Da ist
es ruhig, und ich habe Zeit. In der Schule schreiben wir mehr so Übungen.
Sprechen ist das Schwierigste, weil ich mich nicht korrigieren kann, und die
Wörter müssen einfach kommen. Tun sie aber nicht immer (SOM2,U3).
Die beiden Jungen denken weiterhin an eine mögliche Klassenfahrt,
die übrigen Schüler können sich keinen konkreten Anlass für einen Deutschlandbesuch
denken. Sie glauben zwar, dass sie sowohl mit Deutschen sprechen werden als
auch dass sie irgendwann einmal nach Deutschland kommen, aber sie haben weder
konkrete Pläne noch irgendwelche Vorstellungen für die Zukunft.
Landeskundliche Themen sind "recht interessant", [12] d.h.
sie werden neutral bewertet. Keiner der zehn Schüler äußert Wünsche nach
konkreten Themen. Der Grammatikunterricht wird als interessanter beurteilt.
Erklärungen an der Tafel und daran anschließende schriftliche Übungen in der Schule
und zu Hause sind gefragte Arbeitsweisen. Man wünscht sich Filme, Musik und
Internet, drei Angebote, die bis jetzt noch fehlen, die aber weiter oben im
Fragebogen nicht als selbstständige Wünsche von Seiten der Schüler genannt
wurden. Auch diese Wünsche werden weder erläutert noch konkretisiert.
Neun der Schüler beurteilen ihre eigenen sprachlichen Leistungen
als "recht gut". Sie räumen alle ein, in letzter Zeit zu wenig bzw.
nicht intensiv genug mit dem Fach gearbeitet zu haben. Sie sind aber optimistisch.
Nach Weihnachten sei wieder mehr Zeit für Deutsch, dann werde es einfacher.
Einer der Schüler ist ebenfalls nicht mit seinen eigenen
Sprachleistungen zufrieden und glaubt auch, dass dies mit der fehlenden Zeit
zusammenhängt. Im Gegensatz zu den anderen glaubt er allerdings, dass er mehr
und mehr hinterherhinken wird.
Ich muss vieles wiederholen und gleichzeitig Neues lernen.
Das wird so anstrengend. Und es kommt immer etwas Neues. Ich kann ja noch kaum
etwas (STJ3, U3).
Alle Schüler hatten beim Septemberfragebogen (U2) angegeben, dass
sie gerne sprechen und dass gerade Dialoge zu zweit viel Spaß machen. Diese
Haltung finden wir im Dezember nicht mehr bei allen. Alle Jungen und eins der
Mädchen finden es "peinlich", etwas laut vorlesen zu müssen oder gar
- noch peinlicher - etwas vor der Klasse sagen zu müssen. Dialoge sind
weiterhin unproblematisch, aber anscheinend viel zu selten.
Wir müssen ja immer Fragen beantworten. Ich antworte, wenn
ich muss, aber die Wörter kommen nicht, wie sie sollen, und ich höre ja selbst,
wie viele Fehler ich mache. Das ist so peinlich. Alle hören es ja. Dialoge
wären besser, so wie am Anfang mit der Partnerarbeit (SOM1,U3).
-11-
Es zeigt sich, dass sich die Haltungen der Schüler zum Fach und
zur Sprache im Laufe des 1. Schulhalbjahres geändert haben. Sie haben alle
erfahren, dass sie es nicht geschafft haben, genug Zeit für das Fach
bereitzustellen. Die anderen Schulfächer sind obligatorisch und stellen hohe
Anforderungen. Auf die Wahlfächer wird keine Rücksicht genommen, zumal ja auch
nur bei den Sprachfächern Hausaufgaben und Prüfungen auf dem Programm stehen.
Die Schüler merken selbst, dass sie immer in Verzug sind, immer
"hinterherhinken". Sie sind teilweise enttäuscht über ihre eigenen
Leistungen, teilweise sehen sie deutlich, dass das Schulsystem dem Sprachfach
keinen Platz einräumt und sie deshalb Deutsch in "Überstunden"
lernen.
Auch die Lehrerin beschreibt die Situation mit Besorgnis. Sie
konstatiert, dass Prüfungen und Abgabetermine der obligatorischen Fächer die
Prioritäten setzen. Ihr Fach landet gezwungenermaßen ganz am Ende der Liste.
Die Schüler erscheinen oft unvorbereitet bzw. nicht gut genug vorbereitet im
Unterricht. Sie sind müde, schaffen weniger als (von ihnen und von der
Lehrerin) erhofft. Oft vergeht eine Doppelstunde, ohne dass etwas Neues dazu
gelernt wird, sagt sie. "Und dann bräuchten wir Zeit zum Üben, aber die
haben wir kaum, wenn wir unser Jahresziel erreichen wollen ... Viele verlieren
jetzt den Anschluss, denn ihnen fehlt die Zeit für das kontinuierliche
Arbeiten. Sie fallen immer weiter zurück. Der Abstand zu dem, was man
eigentlich können sollte, scheint immer größer zu werden" (L, U3).
Sie gibt auch zu, dass der Unterricht "notgedrungen"
schriftlicher wird. Grammatikübungen, die z.B. die Verbkonjugation umfassen,
nehmen viel Zeit in Anspruch. Die mündlichen Aktivitäten verlagern sich von
Dialogen und Rollenspielen, die oft auch sehr zeitintensiv waren, auf das laute
Lesen von Lehrbuchtexten und Fragen zum Text, die sich an die gesamte Klasse
richten.
6. Sieben Monate Deutsch - Frustration und Freude im gleichen Raum
Die Fragebogenuntersuchung im März, nach über sieben Monaten
Deutschunterricht, zeigt deutlich, dass sich die Tendenzen in Bezug auf die
Schülerhaltungen weiter stabilisiert haben. Diejenigen Schüler, die im Dezember
zwar auch über zuviel Arbeit geklagt, aber doch zuversichtlich weitergearbeitet
hatten, sind in eine optimistischere Phase gekommen. Sie fühlen, dass sie den
Lernstoff gut (genug) beherrschen, dass sie sich auf ihren Wortschatz und ihre
Grammatikkenntnisse stützen können. Die Arbeit im Klassenzimmer ist mit Freude
verbunden, schriftliche Aufgaben wechseln mit kreativeren Übungen ab, es
scheint eine gute Mischung zu sein. Sie erzielen gute Resultate bei Prüfungen,
Deutsch macht Spaß.
Gleichzeitig empfinden andere Schüler im gleichen Klassenzimmer
die Situation völlig anders. Das Lernen fällt schwerer und schwerer.
Ich
habe den Stoff vom letzten Kapitel kaum verstanden. Ich kann die Wörter nicht,
die Grammatik nicht. Wie soll ich da das neue Kapitel schaffen (STJ3,
U4)?
Diese Schüler erleben auch bei Prüfungen fast ausschließlich
Misserfolge. Sie beherrschen weder den Stoff des letzten noch der zwei, drei
vorhergehenden Kapitel. Die Prüfungsergebnisse nehmen den letzten Mut, der
letzte Zug scheint abgefahren zu sein.
Diesen Eindruck bestätigt auch die Lehrerin. "Viele Schüler
bekommen jetzt größere und größere Lücken. Aufholen ist kaum mehr möglich. Die
Noten werden schlecht. Die Motivation ist weg" (L, U4). Sie versucht
weiterhin mit variierten Aufgaben für alle Schüler ein Angebot zu haben. Sie
wechselt zwischen mündlichen und schriftlichen Aktivitäten, sieht auch Filme
mit den Schülern und macht Rollenspiele.
-12-
7. Ein Schuljahr Deutsch -
Bestandsaufnahme
Ende Mai findet die letzte Befragung statt. Von zehn Schülern
haben vier die Freude am Deutschlernen ganz eindeutig verloren. Sie werden in
der 9. Klasse kein Deutsch mehr lernen, stattdessen ein anderes Wahlfach
belegen. Sie haben in der Zeit zwischen Dezember und März mehr und mehr den
Anschluss verloren.
Es ist nur ein Wahlfach, aber du musst trotzdem immer
damit arbeiten. Dazu hatte ich keine Zeit. Die Zeit ist so knapp, und ich
musste den wichtigen Fächer Priorität geben. Dann hatte ich plötzlich so große
Lücken. Ich habe die anderen nicht mehr einholen können. Der Spaß war weg. Es
war nur noch Quälerei. Und dann hilft es, sich zu sagen, dass es ja nicht zählt
und dass ich es eh nicht brauche (SOM2, U5).
Diese Schüleraussage ist
sehr repräsentativ für die "Aufgeber". Neben SOM2 haben auch STJ1,
STJ2 und STJ3 aufgegeben.
Die anderen sechs Schüler werden weiterhin Deutsch lernen. Ihnen
macht der Unterricht Spaß.
Ich beherrsche die Grammatik ganz gut. Das
Vokabellernen ist anstrengend, aber es lohnt sich. Ich kann inzwischen ziemlich
viel, mache vieles richtig (SOM1, U5).
Leicht ist Deutsch nicht.
Aber ich kann schon was und es geht vorwärts. Ich bin nicht mehr so hilflos und
eigentlich ganz optimistisch (STM1, U5).
Positive Rückmeldungen von Seiten der Lehrerin auf den eigenen
Lernfortschritt, auch in Form von Noten, tragen dazu bei, dass die Motivation
gefestigt wird. Intrinsische und extrinsische Motivation unterstützen einander,
das Lernen macht Spaß und führt außerdem zu guten Noten und einem für den
Schüler selbst erkennbaren Lernerfolg. Dadurch dass diese Schüler nach einem
Jahr Deutschunterricht merken, dass die eigenen Deutschkenntnisse zum einen
sicherer werden und zum anderen auch ausbaufähig sind, kommt auch dem
Nützlichkeitsfaktor wieder eine wichtige Rolle zu. Die eigenen
Deutschkenntnisse bestätigen das Gefühl, dass diese Kenntnisse nützlich werden
können - auch wenn man zum jetzigen Zeitpunkt noch immer keine konkreten
Anwendungsbereiche erkennen kann.
8. Und wo ist die Motivation geblieben?
Die Schüler starteten mit einer recht vagen instrumentellen
Motivation. Sie halten das Deutschlernen für nützlich. Außerdem sind sie
anfangs vor allem intrinsisch motiviert, d.h. das Lernen selbst ist ihr
wichtigster Motivationsfaktor. Schnelle Lernerfolge und viel Spaß sorgen für
starke und gestärkte Motivation.
Im November und Dezember verlangt der "Lernstoff"
kontinuierliches und intensives Arbeiten mit der Sprache, d.h. vor allem mit
dem Wortschatz und ein paar ganz zentralen Gebieten der Anfängergrammatik. Aber
gerade zeitgleich werden den Schülern jede Menge anderer Arbeitsaufgaben in
anderen Fächern abverlangt, da man sich im Endspurt vor den
Weihnachtszeugnissen befindet. Die von allen beklagte Zeitnot ist sicher völlig
real - und führt dazu, dass nach dem Wichtigkeitsprinzip andere Fächer
vorrangig behandelt werden müssen. Das Wahlfach Deutsch befindet sich dann weit
abgeschlagen am Ende der Liste.
Rückstände lassen sich natürlich wieder aufholen, und es gibt in
der Gruppe gute Beispiele dafür, dass Schüler diese Durststrecke überwunden
haben. Diese Schüler "sehen ein", dass sie intensiv und
kontinuierlich mit dem Fach arbeiten müssen, ganz unabhängig vom Status des
Faches und der sonstigen Arbeitsbelastung an der Schule. Sobald und solange sie
sich an dieses Arbeitskonzept halten, können sie ihre eigenen Lernerfolge
konstatieren, die jeweils wieder als
Motivation für weiteres Lernen dienen.
-13-
Für einige Schüler aber scheint die fehlende positive Motivation
durch observierbare Lernfortschritte ein ganz entscheidender Einflussfaktor zu
sein. Der Lerner wird wochenlang mit seinem eigenen fehlenden Lernfortschritt
konfrontiert und seinen Lücken, die er füllen muss.
Macht der Unterricht weiterhin Spaß, ist dies nicht
notwendigerweise ein Problem. Allerdings zeigt es sich schon im Dezember, dass
einige Schüler die eigenen, wenn auch zu diesem Zeitpunkt noch geringen
Lerndefizite sehr kritisch beurteilen und der Unterricht nicht mehr die gleiche
Freude bereitet wie früher. Die betroffenen Schüler erzählen von ihrer
Frustration und der Mutlosigkeit, die jedoch nur durch die Empfehlung der
Lehrerin aufgefangen werden, mehr und regelmäßiger zu arbeiten. Aber für diese
Schüler wird der Arbeitsberg immer höher und damit immer weniger überwindbar.
Es kann also festgehalten werden, dass sich die intrinsische
Motivation verringert hat, während gleichzeitig auch ein eventueller
extrinsischer Motivationsfaktor - die Evaluierung - negative Signale aussendet.
Ebenfalls zeitgleich kommen die ersten Zweifel auf, inwiefern das Deutschlernen
wirklich nützlich ist. Welchen Nutzen haben meine Sprachkenntnisse, wenn sie
sich auf dem z.Zt. verfügbaren Stand befinden?
Negative Motivationssignale von allen Seiten, das (sicher
subjektive, aber dennoch reale) Gefühl der "Überlastung", die
Aussicht auf viel Nachholarbeit - hier steht den betroffenen Lernern nicht
einmal ein Minimum positiver Motivation zur Verfügung, das sie zum Weiterlernen
und zum Extra-Einsatz "überreden" könnte. Nur die extrinsischen Motivationsfaktoren
"Noten" und das Engagement der Lehrerin scheinen zum Weiterlernen zu
inspirieren. Die Schüler der Studie, allesamt an gute Leistungen und gute Noten
gewöhnt, geben noch nicht auf, sondern bemühen sich weiterhin, um wenigstens
die Note im Fach zu retten - und um den Ansprüchen der Lehrerin zumindest
ansatzweise zu genügen.
9. Gibt es Rettungsmöglichkeiten?
Die vorgestellte Studie zeigt deutlich, welch großen Einfluss
gerade die außerunterrichtlichen Rahmenbedingungen auf die Motivation der
Deutschlerner und auf deren Lernerfolge haben.
Die Schüler wählen ein Wahlfach Deutsch, ohne vorab konkrete
Informationen über das Fach und vor allem über die Sprache selbst zu bekommen.
Dadurch wird eine Entscheidung (für oder gegen Deutsch) getroffen, die sich auf
die oftmals wenig fundierten Erfahrungen und Empfehlungen von anderen stützt
("Meine Schwester hatte auch Deutsch." / "Meine Eltern wollen
gern, dass ich Deutsch lerne.") (vgl. auch Andersen 2005) bzw. mit der
vorerst leeren Phrase "nützlich" begründet wird.
Der Unterricht im Fach erweist sich für die meisten Schüler als
interessant und ansprechend. Die Schüler sind seit sieben Jahren an
unterschiedliche Unterrichtsstile und -weisen gewöhnt, der Deutschunterricht
unterscheidet sich in seinem Wesen nicht vom Norwegisch- oder
Mathematikunterricht. Wie auch bei anderen Fächern sind die fachliche Kompetenz
des Lehrers und seine pädagogischen Fähigkeiten wichtige Faktoren, um die
Motivation und die Lernbereitschaft bei den einzelnen Schülern aufrecht zu
erhalten und zu stärken. Kompetente Lehrer mit gutem Fachwissen, guten
Sprachkenntnissen und guten didaktischen Fähigkeiten sind deshalb eine
Voraussetzung für Lernerfolg und Deutschmotivation.
-14-
Aber die Studie zeigt auch deutlich, dass dies leider keineswegs
ausreichend ist. Der Status als Wahlfach, und in diesem Zusammenhang vielleicht
weniger die Möglichkeit, das Fach abwählen zu können, als vielmehr die
Konsequenz dieses Status', die darin besteht, dass man ihm in
"Stress-Stituationen" nicht so viel Aufmerksamkeit widmen darf, führt
dazu, dass die Schüler "unverschuldet" in Überlastungssituationen
kommen, die ihr Deutschlernen ganz eindeutig negativ beeinflussen. Da von ihnen
erwartet wird, dass sie in Stresssituationen die Wahlfächer weniger wichtig nehmen
und sich auf die "Hauptfächer" konzentrieren, sind die Schüler
gezwungen, immer wieder "Deutschlernpausen" einzulegen, die dazu
führen, dass sie einerseits immer weiter ins Hintertreffen geraten und
andererseits auch automatisch "die Motivation verlieren", weil man
sie daran hindert, Sprachlernerfolge verzeichnen zu können.
Sprachenlernen, egal ob 1. oder 2. Fremdsprache, erfordert
kontinuierliches Arbeiten mit der eigenen Lernersprache. Von der Umwelt
auferlegte Zwangspausen wirken sich eindeutig negativ auf das Sprachenlernen
des einzelnen aus, unabhängig davon, ob er es schafft, das Versäumte
nachzuholen oder nicht.
Dieser negative Einfluss kann nur dadurch beseitigt werden, dass
die 2. Fremdsprache einen Status erhält, der sie davor schützt, als unwichtig
und nebensächlich abgewertet werden zu können. Nur als vollwertiges Fach neben
den anderen Fächern kann das regelmäßige Arbeiten mit der Sprache
sichergestellt werden.
Fremdsprachenlernen ist eine anstrengende Tätigkeit, bei der es
immer wieder zu Durststrecken kommt, die überwunden werden müssen. Hierbei
hilft vor allem eine starke intrinsische Motivation, die den Schülern gute und
nachvollziehbare Beweggründe für das anstrengende Lernen der 2. Fremdsprache
zur Verfügung stellt.
"Nützlichkeit" ist in diesem Zusammenhang zweifellos ein
wichtiges Argument, jedoch wird es leicht zur leeren Phrase, wenn sich
13jährige Schüler keine konkreten und vor allem nachvollziehbaren Situationen
vorstellen können, in denen sich diese Nützlichkeit offenbart. Hier fehlt es ganz
offensichtlich an altersgerechten Informationen, die dem Schüler zeigen können,
dass er in absehbarer Zukunft in Situationen kommen kann, in denen es für ihn
von Vorteil sein kann, auf diese Sprache statt auf Englisch zurückgreifen zu
können. Diese Informationen müssen selbstverständlich den allgemeinen, d.h. in
diesem Falle norwegischen, Lebenshintergrund der Lerner berücksichtigen. Weit
wichtiger ist es jedoch, dass sie auch im lokalen Lebensumfeld des Lerners
verankert sind. Gute sprachliche Vorbilder aus dem Heimatort dürften
wahrscheinlich die beste Reklame für das Fremdsprachenlernen sein. Die
Begegnung mit älteren Sprachenlernern, die den Schülern konkrete
Verwendungsbereiche der Sprachkenntnisse zeigen können, ist in diesem
Zusammenhang von großer Bedeutung.
Auch Kleppin 2002 betont,
dass die Motivation über eine sehr
lange Zeit aufrechterhalten werden muss um das Fernziel zu erreichen, stellt
ein besonderes Problem des Fremdsprachenlernens und -unterrichts dar.[...]
Daher ist es notwendig, Nahziele zu setzen, die für den Lerner von persönlicher
Bedeutung sind, deren Erfolg sichtbar ist und die sukzessive erreicht werden
können (Kleppin 2002: 28).
In Bezug auf die Rettungsmöglichkeiten lässt sich also
konstatieren, dass die motivationsfördernde Arbeit bereits vor der Wahl der 2.
Fremdsprache viel intensiver betrieben werden muss. Nach der Wahl der Sprache
müssen die Rahmenbedingungen des Unterrichts ein kontinuierliches Lernen mit
klar definierten Teilzielen und ohne auferlegte Zwangspausen erlauben.
Steht den Schülern schließlich noch eine gut ausgebildete
Lehrkraft zur Verfügung, die variierten und der Lernergruppe angepassten
Sprachunterricht anbietet, haben die Lerner die besten Möglichkeiten, die
gewünschte 2. Fremdsprache zu lernen und die Freude am Sprachen Lernen und
Benutzen zu bewahren.
-15-
Literatur
Andersen, Karen Steinsvik (2005), "Det var ikke så artig med
tysk som jeg trodde". Eine Studie zur Motivation bei norwegischen
DaF-Anfängern. Universität Tromsø: Magisterarbeit.
Clement, Richard & Kruidenier, Bastian G. (1983), Orientations
in second language acquisition: I. the effects of ethnicity, milieu, and target
language on their emergence. Language Learning 33, 274-291.
Deci, Edward L. & Ryan, Richard M. (1985), Intrinsic
Motivation and Self-determination in Human Behavior. New York: Plenum.
Gardner, Robert C. & Lambert, Wallace E. (1972), Attitudes and
Motivation in Second Language Learning. Rowley, MA: Newbury House.
Kirchner, Katharina (2004), Motivation beim Fremdsprachenerwerb.
Eine qualitative Pilotstudie zur Motivation schwedischer Deutschlerner.
Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 9: 2. 37 S.
[Online:
http://www.spz.tu-darmstadt.de/projekt_ejournal/jg-09-2/beitrag/Kirchner2.htm.
21. Februar 2005.]
Kleppin, Karin (2001), Motivation. Nur ein Mythos? (I). DaF 2:
2001, 219-225.
Kleppin, Karin (2002), Motivation. Nur ein Mythos? (II). DaF 1:
2002, 26-30.
Lindemann, Beate (erscheint), Motivert til å lære 2. fremmedspråk?
Språk og språkundervisning.
Riemer, Claudia (1997), Individuelle Unterschiede im
Fremdsprachenerwerb. Die Wechselwirksamkeit ausgewählter Einflussfaktoren.
Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.
Riemer, Claudia (2001), Zur Rolle der Motivation beim Fremdsprachenlernen.
In: Finkbeiner, Claudia & Schnaitmann, Gerhard W. (Hrsg.) (2001), Lehren
und Lernen im Kontext empirischer Forschung und Fachdidaktik. Donauwörth:
Ludwig Auer, 376-398.
Speitz, Heike & Lindemann, Beate (2002), "Jeg valgte tysk
fordi hele familien min ville det, men jeg angrer". Status for 2.
fremmedspråk i norsk ungdomsskole. Rapport 03: 02. Notodden: Telemarksforsking
- Notodden.
Anmerkungen
[1]
Ich verwende hier und im Folgenden die maskuline Form
"Schüler", auch wenn es sich in der Realität natürlich um sowohl
männliche als auch weibliche Schüler handelt.
[2]
D.h. dass man sowohl
mit als auch ohne 2. Fremdsprache z.B. das Abitur machen kann. Das Erlernen
einer 2. Fremdsprache gibt auch keine "Zusatzpunkte" für irgendwelche
Ausbildungwege.
[3]
Ab Herbst 2006 wird
ein neuer Lehrplan (L06) gelten, der ebenfalls nur fordert, dass allen Schülern
mindestens eine 2. Fremdsprache angeboten wird. Die 2. Fremdsprache bleibt
weiterhin, trotz heftigster Diskussionen, aus politischen Gründen ein Wahlfach.
-16-
[4]
Ich bezeichne hier und im Folgenden diejenigen Schüler, die
entweder nicht mehr zum Deutschunterricht erscheinen oder die Stunden nur noch
"absitzen" als "Aufgeber".
[5]
Die Schüler der einzelnen barneskole-Klassen wurden in Gruppen
von ca. sechs Schülern auf die einzelnen ungdomsskole-Klassen verteilt, so dass
alle Schüler sowohl Freunde als auch neue Schüler in ihrer 8. Klasse antrafen.
Der Wahlfachunterricht ist ein Angebot für alle 8. Klassen, und in der
aktuellen Deutschgruppe saßen letztendlich Schüler aus vier unterschiedlichen
8. Klassen bzw. in diesem Fall aus 5 verschiedenen barneskoler.
[6]
Hier und im Folgenden
meine Übersetzung der ursprünglich norwegischen Aussagen der Schüler bzw. der
Lehrerin.
[7]
ADie Schüler, die an der ungdomsskole drei Jahre lang eine 2.
Fremdsprache lernen, können daran anschließend zwei Jahre lang einen
Fortgeschrittenenkurs (B-språk) an der gymnasialen Oberstufe besuchen. Ingesamt
hatten sie dann fünf Jahre Unterricht in der 2. Fremdsprache.
[8]
Es besteht die Möglichkeit, an der gymnasialen Oberstufe mit
einer neuen Fremdsprache zu beginnen,
deren Kurse man dann in allen drei
Jahren bis zum Abitur belegen muss.
[9]
Ich verweise hier auf die Vorgehensweise an einer bestimmten
Schule. Gespräche mit Deutschlehrern an anderen Schulen im ganzen Land haben
aber deutlich gezeigt, dass diese Vorgehensweise sehr repräsentativ ist.
[10]
Alle Schüler in den Deutschgruppen verbinden die Sprache Deutsch
mehr oder weniger ausschließlich mit Deutschland. Österreich und die Schweiz
werden von ihnen kaum als Zielsprachenländer empfunden.
[11]
Die Schüler der 10. Klasse unternehmen traditionsgemäß eine
Klassenfahrt, die meist ins nahe Ausland, d.h. für Nordnorweger hauptsächlich
nach Finnland und Schweden, führt. Einige Klassen fahren, oft auf Initiative
der Lehrer, mit den sogenannten "Weißen Bussen" nach Polen, um die
dortigen Konzentrationslager zu besuchen. Klassenfahrten nach Deutschland,
Österreich oder in die Schweiz sind nach Angaben der Schule noch nie
durchgeführt worden.
[12]
Der Fragebogen bietet bei den Fragen mit vorgegebenen
Antwortalternativen nur 3 Möglichkeiten an: eine positive, eine negative und
eine neutrale. "Recht interessant" ist ein Beispiel für solch eine
"neutrale Antwort".
Copyright
©
2007 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht
Lindemann, Beate (2007), Motiviert für Deutsch? Eine qualitative Studie zum Anfängerunterricht DaF
in Norwegen. Zeitschrift für
Interkulturellen
Fremdsprachenunterricht [Online] 12: 1, 16 S. Abrufbar unter
http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-12-1/beitrag/Lindemann1.htm
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