Kooperatives
Schreiben im Fremdsprachenunterricht:
Potentiale
des Einsatzes von Social-Software-Anwendungen am
Beispiel kooperativer Online-Editoren
Nicola
Würffel
In
ihrem Artikel zu "Übungen zum Schreiben" im Handbuch
Fremdsprachenunterricht stellt Eßler fest, dass "im Zeitalter des
Computers, wachsender Mobilität und globaler Kommunikation per Fax und E-Mail
[…] fundierte schriftliche L2-Kenntnisse wieder zunehmend an Bedeutung
[gewinnen]" (Eßler 2003: 293). Im Zeitalter von Web 2.0 und Sozialer
Software, so möchte man hinzufügen, zeichnet sich noch eine weitere Entwicklung
ab: Der technische Forschritt führt gleichzeitig auch dazu, dass bestimmte
Formen des Schreibens wichtiger werden bzw. sich auch außerhalb spezifischer
Nischen durchzusetzen beginnen – wie z. B. das kooperative Schreiben, das
in Eßlers Artikel leider gar keine Erwähnung findet (auch nicht als sinnvolle
Aufgabenform zur Förderung der Schreibkompetenz, als die es Faistauer immerhin
schon 1997 bezeichnet und durch eine Studie belegt hat). Es erscheint deshalb
sinnvoll, diesem auch im Fremdsprachenunterricht (FU) einen stärkeren Platz
einzuräumen – und digitale Medien zur Unterstützung einzusetzen. In diesem
Sinne werden im Folgenden die Potentiale von Social-Software-Anwendungen für
die Förderung des kooperativen Schreibens im FU am Beispiel des Einsatzes von
kooperativen Online-Editoren (d. h. Programmen, die der gemeinsamen,
online durchgeführten Erzeugung und Bearbeitung von Texten dienen wie Wikis
oder Google Text und Tabellen) dargestellt.
Zunächst
wird einleitend eine Einschätzung der Bedeutung von Social-Software-Anwendungen
generell und für das Fremdsprachenlernen im Spezifischen gegeben. Nachdem
anschließend erläutert worden ist, was im Rahmen dieses Artikels unter 'kooperativem
Schreiben' verstanden wird und worin die Vorteile und Schwierigkeiten dieser
Arbeitsform im FU liegen können, werden Anwendungen vorgestellt, die sich zur
Unterstützung kooperativen Schreibens eignen (Wikis und Programme wie Google
Text und Tabellen). Abschließend wird eine Auswertung erster
Forschungsergebnisse zum Einsatz kooperativer Online-Editoren zur Unterstützung
kooperativer Schreibprozesse in Unterrichtskontexten vorgenommen.
1.
Social-Software-Anwendungen
Der
Mensch liebt Veränderung – nur so lässt sich erklären, warum in allen Bereichen
mit solcher Begeisterung immer wieder von angeblich gerade stattfindenden
Paradigmenwechseln gesprochen wird, neue Begriffe geprägt und genutzt werden,
um angeblich neue Ären einzuläuten oder zu bezeichnen, dabei aber nur allzu
häufig übersehen wird, dass der angebliche Wechsel vielleicht im besten Fall
eine Form der Weiterentwicklung (und nicht ein Neuanfang) ist; echte
Paradigmenwechsel können in der Regel erst mit einem historischen Abstand angemessen
als solche wahrgenommen werden (vgl. Rösler 1993: 88). Ein Grund mag sein, dass
das Nachzeichnen der Entwicklung in vielen Bereichen einer höheren Sorgfalt
bedarf und mehr Arbeit (und/oder das nötige historische Vorwissen) erfordert
als das (zugegebenermaßen zum Teil kreative) Prägen eines neuen Begriffs.
Darüber hinaus verspricht das Erfinden eines neuen Begriffs aber vor allem
einen hohen Öffentlichkeitsfaktor – und zwar sowohl für den Erfinder [1], da er
von allen begeistert zitiert wird, als auch für die Zitierenden, da sie sich
als 'up to date' markieren können. Fatal ist, dass Begriffe im Zuge dieses
Prozesses häufig verflachen oder sogar völlig inhaltsleer werden, da jede sie
in ihrem Sinne benutzt. Ein solcher Begriff ist für mich der des "Web 2.0",
inzwischen häufig verstanden als das Mit-Mach-Netz [2], das das "Web
1.0" abgelöst habe, welches sich dadurch auszeichnete, dass die Nutzenden
weitestgehend passiv die angebotenen Informationen konsumierten (vgl.
z. B. Rüddigkeit 2006: 1f).
Bei
einer solchen (vereinfachenden) Sichtweise auf die Entwicklung des Internet
kann man immerhin der Fremdsprachendidaktik ein äußerst innovatives Potential
zusprechen – wird dort doch schon seit knapp einem Jahrzehnt vermittelt, dass
das Internet im FU nicht nur als Informationsort, sondern auch als
Kommunikations- und Produktionsort genutzt werden sollte. Eine aktive Nutzung
des Internet und auch des WWW waren hier also immer schon vorgesehen. Um so
erfreulicher ist, dass sich durch die Entwicklung des Internet das Angebot an
(nicht unbedingt aber die Nutzung der) Software, die ein leichteres
Aktiv-Werden, Interagieren und Kommunizieren (und d. h. eben in unserem
Fall auch: sprachliches Produzieren) möglich macht und die der Bildung von
Gemeinschaften (und d. h. auch: der sprachlichen Kommunikation) dient,
deutlich vergrößert hat.
-2-
Der
Oberbegriff für diese Art von Anwendungen ist Social Software [3]; bezeichnet
werden damit alle "Publikations- und Kommunikationsformen, die nicht nur
als Instrumente für das individuelle und kollaborative Wissensmanagement
eingesetzt werden, sondern die neben der reinen Informationsverknüpfung auch
dabei helfen, eine soziale Beziehung zwischen ihren Nutzenden zu
unterstützten" (Büffel, Pleil & Schmalz 2007). Zur Social Software
gehören Kommunikationsanwendungen wie E-Mail, Foren und Chats, die es schon
seit langem gibt, und neuere Entwicklungen wie Wikis, Skype, Weblogs [4] etc.;
erste Formen von Social Software im WWW waren die weitestgehend aus der Mode
gekommenen 'Gästebücher', in denen man als Nutzer einer Website seinen
Kommentar zu den auf der Seite gegebenen Informationen oder den auf der Seite
beschriebenen Realia abgeben konnte. Inzwischen verfügt ein Großteil der Seiten
im Netz über Social-Software-Anwendungen, so dass die Nutzerin entweder leicht
Inhalte selbst hinzufügen, angebotene Inhalte verändern oder Kommentare zu
angebotenen Inhalten abgeben und so an einer Gemeinschaftsbildung mitwirken
kann: Nutzer stellen auf Videoportalen wie YouTube ihre selbstgedrehten
Videoclips oder auf Fotogalerien wie flickr ihre Fotos der Welt zur Verfügung
und lassen sie von dieser bewerten (bzw. bewerten und kommentieren selbst); sie
machen (allerdings in viel geringerem Maße) anderen Nutzerinnen bei
Lesezeichensammlungen wie del.icio.us ihre Lesezeichen-Listen oder auf Seiten
wie CiteULike ihre Zitatensammlung zugänglich; sie stellen sich, ihre privaten
Interessen, spezifischen Fähigkeiten und Lebensziele auf Seiten wie myspace und
ihr berufliches Profil bei Netzwerken wie Xing vor; sie beschreiben ihre
eigenen oder kommentieren die Erlebnisse anderer in Weblogs, agieren virtuell
(und finanziell durchaus real) in Parallelwelten wie Second Life und schreiben
nicht zuletzt zusammen an der Enzyklopädie Wikipedia, dem sicherlich
bekanntesten und meist diskutierten Produkt einer Social-Software-Anwendung.
Dabei geht es im Sinne der Social Software bei allen Anwendungen bzw. Seiten
nicht nur darum, anderen Informationen zukommen zu lassen (bzw. solche zu
lesen), sondern es geht um die Teilhabe an einer Gemeinschaft, an (zum Teil
weltweiten) Netzwerken, in denen die eigene soziale Reputation z. B. durch
Zugriffszahlen und positive Bewertungen steigt und sichtbar gemacht werden
kann.
Um
die durch die steigende Verbreitung von Social-Software-Anwendungen möglich
gewordene Entwicklung hin zu fließenderen Grenzen zwischen produktiv und
rezeptiv tätigen Nutzern deutlich zu machen, wird in englischen Publikationen
von sogenannten "wreadern" (zur Bezeichnung der Mischform von writer
und reader, Landow 1994: 14, zitiert in Krameritsch 2007) oder
"produsers" (zur Bezeichnung der Mischform von producer und user,
Bruns & Humphreys 2007: 1) gesprochen – im Deutschen könnte man vielleicht
von 'prozeptiven' (zur Bezeichnung der Mischform von produktiven und
rezeptiven) Nutzerinnen oder Umgebungen sprechen. Solche prozeptiven Umgebungen
zeichnen sich dadurch aus, dass sie im besten Fall gemeinschaftlich gestaltet
werden, dass die an der Gestaltung Teilnehmenden fließende Rollen einnehmen und
dass die hergestellten Artefakte immer unfertig sowie Kollektivgut sind (vgl.
ibid.: 2). Besonders der letzte Punkt ist (auch im Hinblick auf die Verwendung
von Social-Software-Anwendungen im FU) besonders wichtig, da generell
problematisch: Kollektivgüter besitzen nämlich kein Exklusionsrecht, d. h.
das Nutzungsrecht haben nicht nur die produzierenden, sondern auch die
rezipierenden Nutzerinnen. Während also auch die rezipierenden Nutzer
profitieren können, tragen die Kosten für das Kollektivgut nur die
Produzierenden, was zum systematischen Fehlanreiz führt, von Produzierenden zum
Rezipierenden zu werden. Sobald die kritische Masse an Produzierenden aber
unter einen bestimmten Punkt sinkt, scheitert die Bereitstellung bzw.
Weiterentwicklung des Gutes. Die maßgeblichen Gründe für eine Beteiligung an
der Bereitstellung des Kollektivgutes (und also für die investierte Arbeit)
scheinen für die einzelne Produzierende darin zu bestehen, dass sie darauf
vertraut, dass es genug andere Produzierende gibt, die das Produkt
voranbringen, so dass auch sie davon einen ausreichenden Nutzen hat und/oder
sie sich eine Steigerung ihrer sozialen Reputation erhofft (vgl. Büffel, Pleil
& Schmalz 2007: 16f).
-3-
Untersuchungen
zur Online-Nutzung in Deutschland (vgl. Gscheidle & Fisch 2007: 401)
zeigen, dass die Gruppe der produktiven Nutzer bei Anwendungen wie z. B.
Wikipedia 6% (von den 47% der gesamten Online-Nutzer ab 14 Jahren in
Deutschland, die Wikipedia mindestens selten nutzen), bei Videoportalen 7%, bei
Fotoportalen 28% sowie bei Weblogs 24% beträgt. Betrachtet man die Zahlen der
produktiven Nutzerinnen bei Wikipedia und bei den Videoportalen, so kann man
den Eindruck haben, dass hier "eine im Verhältnis geringe Anzahl aktiver
Nutzer also massenattraktive Inhalte ['erschafft']. Der Mehrwert ist für viele Nutzer
offenkundig nicht die Möglichkeit, selbst aktiv im Netz mitzumachen, sondern
attraktive Inhalte passiv konsumieren zu können" (ibid.). Dieses ist aber
nur eine Sichtweise; es gilt auch zu bedenken, dass 6% Wikipedia-Autorinnen
immerhin einer Gesamtzahl von ca. 2,3 Millionen Menschen in Deutschland
entsprechen, was im Vergleich mit den 450 Angehörigen des Redaktionsteams des
Brockhaus-Lexikons [5] noch immer eine ungeheuer beeindruckende Menge von
produzierenden Autorinnen für eine gemeinsame Enzyklopädie darstellt. [6] Da die
Zahl der Nutzer bei Wikipedia kontinuierlich von Jahr zu Jahr steigt (vgl.
ibid.: 399), sollte man – und das lehrt nicht nur die Leseforschung – den Rest
nicht einfach als 'passiv Konsumierende' bezeichnen: Tatsächlich kann auch die Rezeption
sehr wohl äußerst aktiv verlaufen; aus vielfältigen Gründen führt sie
vielleicht – wenn überhaupt – zu einem späteren Zeitpunkt auch zum Produzieren,
d. h. zum Verändern bestehender Artikel oder zum Neuverfassen von
Einträgen.
Wie
immer gilt es also auch hier ordentlich zu differenzieren: Bei erfolgreichen
Projekten wie Wikipedia oder Youtube produzieren – in absoluten Zahlen gesehen
– eine beeindruckende Menge von deutschen Mitbürgerinnen. Da die Zahl solch
erfolgreicher Projekte aber deutlich beschränkt ist, weist das oben
dargestellte prozentuale Verhältnis darauf hin, dass das Web zum deutlich
größeren Teil rezeptiv genutzt wird und vom Mitmach-Netz zwar auf der
Potential-Ebene, bisher aber noch nicht auf der Realisierungsebene gesprochen
werden sollte (wobei, das wurde schon oben betont, eine deutliche Entwicklung
zu mehr produzierender Anteilnahme durchaus zu beobachten ist, so betrug 2006
z. B. die Zahl der Wikipedia-Autoren noch ca. 1,8 Millionen, vgl. Fisch
& Gscheidle 2006: 436). Für das Ungleichgewicht sind u. a. auch Gründe
verantwortlich wie die Ängste der Nutzerinnen vor dem Missbrauch ihrer
persönlichen Daten, die sie im Zuge der Registrierung bei vielen
Social-Software-Anwendungen preisgeben müssen, vor dem Hinterlassen zu umfangreicher
Spuren im Netz (vgl. auch Punkt 5.2.6) oder auch vor dem Installieren
notwendiger Zusatzprogramme oder zusätzlicher Software-Updates (vgl. ibid.:
402). Vor allem aber spielen bei dem Verhältnis von Produzierenden zu
Rezipierenden sehr wahrscheinlich die oben ausgeführten Dilemmata kooperativ
erstellter Güter (also die Frage, ob man als Produzierender in ausreichendem
Maße vom erstellten Gut profitieren kann, vgl. hierzu auch weiter unten in
Punkt 5.2.7) eine wichtige Rolle.
2.
Social-Software-Anwendungen im FU
In
Unterrichtskontexten, in denen auf einen oder mehrere Computer im Klassenzimmer
oder auch zu Hause zurückgegriffen werden kann, können spezifische
Social-Software-Anwendungen den FU bereichern – wenn sie in didaktisch
sinnvoller Weise sowie gruppen- und lernzieladäquat eingesetzt werden. Für
Anwendungen, die es schon länger gibt, kann das inzwischen durch
Forschungsergebnisse belegt werden (vgl. z. B. die zahlreichen Studien zum
Einsatz von E-Mail, siehe z. B. Müller-Hartmann 2005 oder O'Dowd &
Ritter 2006; auch für den Einsatz von Foren, Chats und Videokonferenzen gibt es
einige Studien, vgl. u. a. Engler 2003; Gros 2006; Schlickau 2000 oder
Steinig et al. 1998); für neuere Anwendungen wie kooperative Editoren, Weblogs,
Videoblogs oder Podcasts dagegen existieren für den FU bisher, wenn überhaupt,
nur vereinzelte Studien (vgl. u. a. Guth 2007; Lund & Smørdal 2007;
Odendahl 2007; Platten in dieser Ausgabe; Raith 2006 oder Schmidt 2008).
-4-
Die
generellen Nutzungsmöglichkeiten der Anwendungen betreffen die gleichen Ebenen,
die schon oben angesprochen worden sind: Social-Software-Applikationen können
als Informationsmedium, als Kommunikations-, Interaktions- und als
Produktionsmedium genutzt werden, wobei sich durch die neueren Anwendungen vor
allem die Möglichkeiten zur Interaktion und zur Produktion vervielfacht,
vereinfacht und zum Teil auch qualitativ verändert haben. Aber auch die
Ausrichtung der Informationsangebote ist variantenreicher geworden: So führt
die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen in immer ausführlicherer Weise auch
bezüglich ihres Privatlebens äußern, zwar, wie Rösler (2007: 186) kritisch
anmerkt, zu immer mehr Banalem im Internet, es erlaubt Lernern aber auch
vielfältigere und authentischere Einblicke in das Leben von z. B.
Gleichaltrigen in den verschiedensten Ländern, und zwar auf der Text-, Bild-,
Audio- und Filmebene. Es erlaubt ihnen darüber hinaus, mit diesen in Kontakt zu
treten, selbstständig und interessengeleitet, wie sie es in ihrer
außerunterrichtlichen Welt – abhängig vom Alter natürlich – vielleicht sowieso
auch tun. Das weltweit offensichtlich vorhandene Bedürfnis, mit dem Rest der
Welt zu kommunizieren (auch wenn die Banalität der verhandelten Gegenstände
einem z. T. zu denken geben mag), kann dem FU nur recht sein – eröffnen
sich hier doch die authentischen Kommunikationssituationen, die man sich für
die Lernerinnen immer gewünscht hat.
Neben
der Nutzung von Social-Software-Anwendungen oder den in deren Rahmen her- bzw.
bereitgestellten Materialien im FU, können diese Anwendungen auch dazu genutzt
werden, bestimmte Handlungsabläufe und Interaktionsformen im Unterricht (bzw.
über den Unterricht hinaus) zu unterstützen und zu fördern. So wird in der
didaktischen Ratgeberliteratur vermehrt darauf hingewiesen, dass sich
kooperative Editoren wie z. B. Wikis hervorragend zur Unterstützung von
kooperativem Schreiben bzw. von kooperativen Prozessen im FU eignen:
One
of the most powerful benefits of using wikis in language learning is as a
collaborative tool. Potentially, everyone in a group could work at changing and
editing a document and work towards a final version of a particular text. This
can help develop bonds between members of the class and create a community
spirit. The premise here is that the learners can learn from each other, and
learn through their interactions with other group members (Sharma & Barrett
2007: 123).
Man
muss allerdings befürchten, dass es nur allzu häufig beim
"potentially" bleiben wird, wenn Lehrer den im Buch von Sharma &
Barrett für den FU vorgeschlagenen Varianten des Einsatzes von Wikis und
Weblogs folgen [7]. Dies liegt m. E. unter anderem an folgenden zwei Gründen:
Häufig wird nur unzureichend darüber nachgedacht, was unter kollaborativer bzw.
kooperativer [8] Arbeit (und/oder kooperativem bzw. kollaborativem Schreiben)
verstanden wird und welche förderlichen oder hinderlichen Bedingungen es dabei
zu bedenken gilt. Gleichzeitig werden erste Forschungsergebnisse zum Einsatz
der Werkzeuge nicht berücksichtigt. Diese gibt es zwar für den FU bisher nur
vereinzelt, sie stehen aber aus anderen Unterrichtsbereichen sehr wohl schon
zur Verfügung (vgl. für beides Punkt 5) und zeigen deutliche Diskrepanzen
zwischen erhoffter Wirkung und tatsächlichem Potential der Realisierungen,
wobei das allerdings wiederum zum Teil weniger auf den Einsatz der Werkzeuge,
als eher auf Probleme der Konzipierung der kooperativen Schreibaufgaben und der
Berücksichtigung der Einfluss nehmenden Faktoren zurückzuführen ist.
Deshalb
wird zunächst erläutert, was im Rahmen dieses Artikels unter kooperativem
Schreiben generell verstanden wird. Anschließend werden die kooperativen
Editoren beschrieben und danach erste Forschungsergebnisse zu ihrem Einsatz in
Unterrichtskontexten ausgewertet und dabei auch Spezifika digital unterstützten
kooperativen Schreibens dargestellt.
-5-
3.
Kooperatives Schreiben
Wird
in der Fremdsprachendidaktik von kooperativem Schreiben gesprochen, so ist
damit das Schreiben in der Gruppe oder das Produzieren von Texten im Team
gemeint. Genauso wie im allgemeineren Diskurs über das kooperative Lernen wird
dabei selten definiert, was genau der Begriff des 'Kooperativen' abdeckt bzw.
in welcher Form die Menschen in der Gruppe oder im Team bei der Produktion des
Textes zusammenarbeiten. Dabei macht es doch einen großen Unterschied, ob
Lernerinnen einen Text arbeitsteilig zusammenstellen oder ob sie den Inhalt und
Wortlaut eines Textes bis auf die Ebene einzelner Formulierungen hin zusammen
aushandeln. Der unterschiedliche Grad von Kooperativität, der die verschiedenen
Phasen einer kooperativen Texterstellung und die unterschiedlichen Ebenen des
kooperativen Prozesses auszeichnet, hat aber natürlich Auswirkungen auf die
Qualität des Schreibprozesses und die erstellten Produkte. Im Folgenden wird
zunächst ein Modell zum kooperativen Schreiben vorgestellt (3.1) und dann auf
Vorteile und Schwierigkeiten des kooperativen Schreibens generell eingegangen
(3.2).
3.1
Modell zum kooperativen Schreiben
In
Würffel 2007 habe ich ein erstes Modell zur Erfassung der verschiedenen
Faktoren bei kooperativen Aufgabenbearbeitungen vorgestellt. In der folgenden
Anpassung (vgl. Abb. 1) könnte es als ein erstes heuristisches Instrument zur
genaueren Betrachtung kooperativer Schreibprozesse dienen. Die vertikale
Anordnung der Interaktionsphasen im Textproduktionsprozess steht dabei nicht
für eine lineare Abfolge der Prozesse des Planens, Formulierens und Schreibens
sowie des Evaluierens und Revidierens – die hin- und hergehenden Pfeile sollen
vielmehr anzeigen, dass diese Prozesse wiederholt und in nicht festgelegter
Reihenfolge durchlaufen werden (vgl. für eine ausführliche Darstellung der
Forschung zum Prozess des Schreibens u. a. Krings 1992). Im Hinblick auf
die verschiedenen Phasen muss man m. E. nach einen Grad der Kooperativität und
einen Grad der Selbststeuerung unterscheiden, die in Bezug auf jede Phase höher
oder niedriger ausfallen können. Beim Grad der Kooperativität unterscheide ich
in einer ersten heuristischen Herangehensweise die kognitive Ebene der Informationsverarbeitung
und die Ebene der sozialen Interaktion (für eine nähere Erläuterung vgl.
Würffel 2007: 4f). Beeinflusst wird der Prozess des kooperativen Schreibens
durch das Bündel der Faktoren der individuellen Lernercharakteristika, der
Gruppencharakteristika und des Lernkontextes [9] (für eine ausführliche
Darstellung vgl. ibid.: 15f).
Abb.
1: Modell kooperativer Schreibprozesse
-6-
Ein
solches Modell als Grundlage für die Diskussion über kooperatives Schreiben zu
nehmen, erscheint mir sinnvoll, um die Faktorenkomplexität nicht aus dem Auge
zu verlieren und Forschungsergebnisse angemessen einordnen und beurteilen zu
können. Es zeigt aber auch, wie anspruchsvoll es ist, kooperative
Schreibprozesse in ihrer ganzen Komplexität zu untersuchen und die Ergebnisse
im Hinblick auf die Einfluss nehmenden Faktoren zu interpretieren.
3.2
Vorteile und Schwierigkeiten beim kooperativen Schreiben
Die
Komplexität kooperativer Schreibprozesse ist wahrscheinlich auch ein Grund,
warum es bisher leider viel zu wenig Forschung zum kooperativen Schreiben im FU
gibt. Bei vielen der in der Literatur genannten Vorteile des kooperativen
Schreibens handelt es sich um theoretisch formulierte bzw. postulierte; diese
wiederum scheinen häufig nur für den Fall zu gelten, dass die jeweilige
Schreibaufgabenbearbeitung während aller Phasen und im Hinblick auf die
verschiedenen Ebenen (vgl. Abb. 1) in hohem Maße kooperativ abläuft und dass
die sie beeinflussenden Faktoren günstig zusammenwirken. Differenzierte Studien
sind deshalb ein dringendes Desiderat. Interessanterweise besteht auch in
dieser Hinsicht die Hoffnung, dass der Einsatz von kooperativen Editoren
nützlich sein kann: Sie sollen nicht nur kooperative Prozesse beim Schreiben
optimal unterstützen; sie sollen es durch ihre spezifischen Möglichkeiten auch
ermöglichen, Forschungseinblicke in die kooperativen Schreibprozesse zu
gewinnen, die bisher kaum erreicht werden konnten (vgl. dazu Punkt 4.1 und
Punkt 5.2.2).
Die
bereits formulierten Vorteile kooperativer Schreibprozesse betreffen
verschiedene Bereiche (vgl. Legenhausen & Wolff 1992, zusammengefasst in
Massler 2004: 18f): So wird erhofft, dass das kooperative Schreiben den für den
Fremdsprachenlerner sehr problemträchtigen, kognitiv anstrengenden und
zeitaufwändigen Prozess des Schreibens in seiner Komplexität reduziert,
z. B. indem die Lerner von dem in der Gruppe vorhandenen orthografischen,
grammatischen, textgrammatischen, lexikosemantischen, textsortenspezifischen
und/oder kulturellen Wissen profitieren; aber auch indem sie für den gesamten
Text nicht mehr allein verantwortlich zeichnen müssen, sondern die
Verantwortung für positive wie negative Ergebnisse mit den anderen
Gruppenmitgliedern teilen können (Reduzierung der Gefahr des Gesichtsverlusts).
Man hofft auch, dass die Lernerinnen durch die Notwendigkeit der Explizierung
vieler Handlungsschritte im Schreibprozess in der Bewusstmachung von
notwendigen, durchaus steuerbaren Teilprozessen und vor allem von flexibel
einsetzbaren Strategien unterstützt werden. So konnte Faistauer (1997) für gut
funktionierende und hoch kooperativ arbeitende Gruppen nachweisen, dass sich
diese ihre Schreibprozesse und deren Abläufe besser bewusst machen und sie
deshalb besser organisieren können; solche Gruppen planen und formulieren
interaktiv, wodurch nicht nur die Defizite der einzelnen Gruppenmitglieder
ausgeglichen werden können, sondern auch die Sprachlernprozesse vor allem der
Einzelnen (aber auch der Gruppe insgesamt) positiv beeinflusst und die Produkte
qualitativ hochwertiger werden (vgl. ibid.: 170f).
-7-
Ein
Vorteil im Hinblick auf ein stärker adressatenbezogenes Schreiben (vgl. Massler
2004: 19f) wird darin gesehen, dass die Lerner in der Gruppe nicht nur als
Schreibende, sondern immer direkt auch als Lesende auftauchen. Lernerinnen
sollen auf diese Weise im besten Fall immer auch gleich erkennen können, welche
Wirkung ihr Text auf potentielle Leserinnen haben kann bzw. sich direkt mit
deren Kritik konfrontieren (vgl. Faistauer 1997: 26).
Über
Schwierigkeiten beim kooperativen Schreiben im FU wird leider sehr wenig
geschrieben (so taucht dieser Punkt bei Faistauer gar nicht explizit auf);
dabei lässt schon der Blick in die allgemeine Literatur zum kooperativen Lernen
vielfältige vermuten (vgl. Würffel 2007 für eine genauere Darstellung): die
verschiedenen Probleme auf den Ebenen der Quantität und Qualität der
Partizipation der einzelnen Gruppenmitglieder (wie z. B. die Kontinuität,
die Homogenität bzw. Heterogenität der Teilnahme etc.), Probleme in der
Gruppenzusammensetzung (Dominanz oder Diskriminierung in der Gruppe,
Homogenität oder Heterogenität bezüglich des Sprachstands, Grad der
Gruppenkohäsion, Rollenerwartungen, verfügbare Strategien), ungeeignete
Aufgabenstellungen, fehlende Anreizstrukturen, ein individuelles Arbeiten
favorisierender institutioneller Kontext etc. Neben diesen allgemeinen
Schwierigkeiten gibt es aber auch solche, die spezifisch mit dem (kooperativen)
Schreiben zusammenhängen: So mag die Komplexität des Schreibprozesses beim
Schreiben in der Gruppe gerade beim Fremdsprachenlernen zwar z. B. auf der
(fremd)sprachlichen Ebene reduziert werden; durch die nötigen vielfältigen
Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse ist der Schreibprozess aber im Hinblick
auf andere Faktoren wie den der Kohärenz (bezüglich der vielfältigen Ebenen der
Textkomposition) auch komplizierter und anstrengender (zu weiteren
Schwierigkeiten siehe Punkt 5). Besonders im Hinblick auf diesen Aspekt kann
bei digital vermittelten kooperativen Schreibprozessen der Faktor des
unterstützenden Mediums deutlichen Einfluss nehmen (vgl. Punkt 5 und Punkt 5.2.4).
4.
Kooperative Editoren
Im
Folgenden wird näher erklärt, worum es sich bei kooperativen Editoren handelt.
Dafür wird zunächst dargestellt, welche Charakteristika diese
Social-Software-Anwendungen haben, wobei vor allem genauer auf die Frage der
Möglichkeiten zur Echtzeit-Bearbeitung und zur Versionenkontrolle eingegangen
wird. Dann werden asynchrone kooperative Editoren (Wikis) und (fast) synchrone
kooperative Editoren (wie Google Text und Tabellen) vorgestellt. Abschließend
werden Einsatzmöglichkeiten in Unterrichtskontexten erläutert.
4.1
Allgemeine Charakteristika von kooperativen Editoren
Mit
kooperativen Editoren [10] können Texte gemeinsam online erzeugt und bearbeitet
werden. Zu den generellen Charakteristika dieser Werkzeuge zählen:
• dass – technisch gesehen – beliebig viele Nutzende am Dokument mitarbeiten
können, •
dass die Nutzenden an unterschiedlichen Rechnern arbeiten, •
dass die Erstellung der Dokumente synchron bzw. relativ gleichzeitig erfolgen
kann.
-8-
Vor
allem der letzte Punkt ist von besonderem Interesse: Die ersten beiden Punkte
können auch mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogramms und einer
E-Mail-Anwendung bereitgestellt werden: Nutzerin A erstellt auf ihrem Computer
ein Dokument und schickt es per E-Mail an Nutzerin B, die es auf ihrem Computer
weiterbearbeitet und wieder zurückschickt. Dieses Prinzip des
"Turn-Taking" garantiert (wenn es nicht zu einer Überlappung beim
Verschicken oder aufgrund mangelnder Ordnung zu einer Versionenverwechslung auf
dem eigenen Computer kommt) auch die Konsistenz der Dokumente, da es immer nur
eine aktuelle Version des zu bearbeitenden Dokuments gibt. Nachteile dieses
Vorgehens sind aber seine Umständlichkeit und der erforderliche Zeitaufwand (vgl.
Gerlicher 2005: 151f).
Kooperative
Editoren erlauben dagegen eine gleichzeitige bzw. eine zeitnahe gemeinsame
Bearbeitung von Dokumenten. Ob ein Werkzeug synchron oder asynchron arbeitet,
hängt von der zugrunde liegenden technischen Realisierung ab. Die größten
Herausforderungen bei der Echtzeit-Bearbeitung stellen die Verkürzung der
Latenzzeit (die Zeit, bis Nutzer B die Veränderungen des Textes durch Nutzer A
auf seinem Computer sieht) und die Vermeidung von Inkonsistenzen (hervorgerufen
durch konkurrierende Zugriffe) dar, wobei das Dilemma darin besteht, dass eine
Verkürzung der Latenzzeit häufig die Gefahr der Inkonsistenz erhöht und
umgekehrt.
Um
Inkonsistenzen beim gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten über Netzwerke
vorzubeugen, werden sog. Nebenläufigkeitskontrollverfahren eingesetzt. Unter
Nebenläufigkeitskontrolle versteht man
die
Koordination der Aktionen verschiedener Prozesse, die gleichzeitig auf
gemeinsame Daten zugreifen und sich damit potentiell behindern.
Nebenläufigkeitskontrollmechanismen werden verwendet, um die Konsistenz eines
gemeinsam genutzten Dokumentes zu bewahren. Dabei gibt es prinzipiell zwei
unterschiedliche Verfahrensarten: Verfahren zur Konfliktvorbeugung und
Verfahren zur Konfliktauflösung (Gerlicher 2005: 152f).
Um
Konflikten vorzubeugen, wird in vielen Anwendungen mit Sperrverfahren
gearbeitet – d. h. es werden z. B. (bei den sogenannten
pessimistischen Sperrverfahren) ganze Dokumente oder auch nur Absätze oder
Sätze, an denen die Nutzerin gerade arbeitet, für die Bearbeitung durch eine
andere Nutzerin gesperrt und erst freigegeben, wenn Nutzerin A ihre Änderungen
manuell gespeichert hat oder wenn sie an einem anderen Teil des Dokuments zu
arbeiten beginnt und der veränderte Teil automatisch abgespeichert worden ist.
Solche Sperrverfahren führen natürlich zu längeren Latenzzeiten, so dass in
diesem Fall kaum oder gar nicht von Echtzeit-Editoren gesprochen werden kann.
Ein anderes Verfahren der Nebenläufigkeitskontrolle besteht deshalb in der
Konfliktauflösung durch "Operationale Transformation". Hierbei werden
die jeweiligen Änderungen direkt auf der lokalen Kopie des Dokuments
durchgeführt, danach an die Computer der anderen verteilt und dort erneut
durchgeführt, wobei auftretende Konflikte aufgelöst werden (für eine genaue
Beschreibung des Vorgangs vgl. Gerlicher 2005: 154).
Viele
kooperative Editoren werden auf dem eigenen Computer installiert (wie
z. B. CoWord, ein kostenloses Add-On für Microsoft Word); die
Zusammenarbeit mit anderen Personen erfolgt dann über ein internes Netzwerk
oder über die Kommunikationskanäle des Internet. [11] Will man überall und an
jedem verfügbaren Computer an dem gemeinsamen Dokument arbeiten können, so
stehen Online-Editoren zur Verfügung (wie z. B. Wikis oder Programme wie
Google Text und Tabellen, Zoho Writer oder Live Documents [12], wobei manche
Editoren inzwischen auch online und offline Arbeit erlauben). Selbst wenn die
letzten drei Programme zum Teil noch als asynchrone Editoren bezeichnet werden,
weil sie den Ansprüchen an Echtzeit-Editoren nicht hundertprozentig genügen, so
spielt diese Unterscheidung im Hinblick auf unseren Gegenstand eine
untergeordnete Rolle. Hingegen kann es durchaus unterschiedliche Konsequenzen
haben, wenn man deutlich asynchrone kooperative Schreibwerkzeuge wie Wikis oder
fast synchron oder synchron arbeitende Editoren wie z. B. Google Text und
Tabellen benutzt (vgl. Punkt 5.2.4).
-9-
Beiden
Systemen gleich ist die Möglichkeit zur Versionen- oder Revisionskontrolle:
Alle am Text vorgenommenen Änderungen bekommen durch das Programm automatisch
eine sogenannte Signatur zugeordnet; so ist es möglich, jede Änderung zeitlich
zu determinieren und – bei Programmen, die eine Authentifizierung der Autoren
voraussetzen – einem bestimmten Autor zuzuordnen. Bei vielen Programmen ist die
Bearbeitungsgeschichte
in zwei Versionen abrufbar. Einerseits kann man eine farblich markierte
Versionierungsansicht aufrufen, die grafisch anschaulich zwei wählbare
Versionen vergleicht. Daneben gibt es auch eine Listendarstellung, wo Zeitpunkt
und Kennung des Nutzers neben dem Editiervorgang aufgezeigt wird. Diese
Listendarstellung ist besonders für den ersten Einstieg oder eine Übersicht –
zum Beispiel für die Kursleiterin – gut überschaubar [vgl. Abb. 2, nw]
(Odendahl 2007: 107).
Abb.
2: Überarbeitungsprotokoll in Listenform und farblich markierter
Versionsvergleich (Odendahl 2007: 108)
4.2
Asynchrone kooperative Online-Editoren
Bei
Wikis handelt es sich um öffentliche oder durch Passwort geschützte Webseiten,
die von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch direkt bearbeitet werden
können – also um prozeptive Umgebungen. Ursprünglich hatten in diesen alle die
gleichen Rechte, d. h. jede konnte in gleicher Weise Inhalte hinzufügen,
verändern oder löschen; inzwischen gibt es auch Wikis mit einer hierarchischen
Organisation, d. h. es gibt Administratorinnen, die unterschiedlichen
Nutzerinnen unterschiedliche Rechte zuteilen können. Wikis waren von Beginn an
als einfach zu bedienende kooperative Editoren konzipiert; die Grundidee dabei
war:
In
Wikis schreibt nicht nur eine einzelne Person oder eine kleine Gruppe. Vielmehr
verfasst eine Gemeinschaft von Autoren Texte für eine (allenfalls deutlich
grössere) Gemeinschaft von Lesern. Jeder Leser kann jederzeit selbst zum Autor
werden, indem er Seiten im Wiki bearbeitet oder neue Seiten erstellt (Swisscom
AG, Schulen ans Internet 2006: 7).
-10-
Wikis
sind asynchrone kooperative Editoren, die meist mit dem Prinzip der
pessimistischen Sperrung arbeiten, wobei die Sperrung in der Regel das gesamte
Dokument umfasst: Eine Bearbeitung eines Dokuments durch Nutzer B ist erst
möglich, wenn Nutzer A sein Dokument gespeichert und damit zur weiteren
Bearbeitung freigegeben hat. Versucht Nutzerin B zur gleichen Zeit auf das
Dokument zuzugreifen, bekommt sie einen Hinweis, dass das Dokument gerade von
Nutzerin A bearbeitet wird. Bei einigen Wiki-Systemen stellt dieser Hinweis nur
eine Warnung dar, ein Zugriff auf das Dokument ist trotzdem möglich (es handelt
sich dabei dann aber um das Dokument in seinem Zustand vor der Bearbeitung
durch Nutzer A), bei anderen ist der Zugriff tatsächlich gesperrt und erst
möglich, wenn Nutzer A seine Bearbeitung abgeschlossen hat. Die Asynchronizität
der Bearbeitung hat natürlich Auswirkungen auf den Prozess des gemeinsamen
Schreibens, da in Wikis eben zeitnah, nicht aber wirklich synchron gearbeitet
werden kann und sich die Arbeitssituation deshalb deutlich vom gemeinsamen
Face-to-Face-Schreiben, aber auch von der synchroner oder fast synchroner
Editoren unterscheidet (vgl. Punkt 5.2.4).
4.3
(Fast) Synchrone kooperative Online-Editoren
Bei
solchen (fast) synchronen Editoren (wie z. B. Google Text und Tabellen)
werden die durchgeführten Änderungen von Nutzerin A bei einer gleichzeitigen
Arbeit am Dokument der Nutzerin B dagegen direkt sichtbar gemacht [13] – wobei zum
Teil auch mit pessimistischen Sperrungen (aber in beschränkterem Ausmaß, also
z. B. nur Absätze betreffend) gearbeitet wird, zum Teil aber auch mit dem
Verfahren der operationalen Transformation (vgl. Punkt 4.1). Ein weiterer
Unterschied zu Wikis besteht darin, dass die Dokumente in diesen Editoren immer
passwortgeschützt sind. Dies liegt u. a. daran, dass mit diesen Editoren
gar keine öffentlichen, direkt im Netz verfügbaren Seiten erstellt/verändert
werden soll(t)en; die Grundidee der Anwendungen war vielmehr, die Bearbeitung
eines eigenen oder gemeinschaftlichen Textes nicht nur mit proprietärer
Software auf dem eigenen Computer, sondern im Web (und d. h. von jedem
internetfähigen Computer der Welt) zu ermöglichen und dabei möglichst
weitgehend die Möglichkeiten der üblichen Textverarbeitungssysteme sowie das
Prinzip des 'WYSIWYG' ('What You see is what You get') anzubieten (wohingegen
bei Wikis zunächst nur sehr rudimentäre Formatierungsmöglichkeiten durch das
Eintippen festgelegter Befehle möglich waren). Auch wenn Wikis inzwischen
ebenso in dieser Form genutzt werden, so bestand doch in der Grundidee beider
Editorensysteme ein prinzipieller Unterschied.
4.4
Nutzung von Online-Editoren in Unterrichtskontexten
Während
es zum Einsatz von Wikis in Unterrichtskontexten zunehmend Forschungsergebnisse
gibt, finden sich zum Einsatz von (fast) synchronen Mehrautoreneditoren bisher
so gut wie keine Studien oder Erfahrungsberichte (eine Ausnahme bildet z. B.
Odendahl 2007). Dies mag mit den vielfältigeren Einsatzmöglichkeiten der
Wiki-Software (und ihrer Popularität) zusammenhängen. So ist häufig, wenn vom
Einsatz von Wikis in Unterrichtskontexten die Rede ist, auch ein Gebrauch von
Wiki-Software in Form einer damit erstellten lexikonartigen, öffentlichen
Webseite gemeint: in einer rezeptiven Form die Nutzung von Wikipedia oder
anderen lexikonartigen Wiki-Seiten im Netz als Informationsquelle; oder in
einer produktiven Form die Mitarbeit an einem bestehenden (vgl. für den FU Guth
2007) oder die Erstellung eines neuen lexikonartigen Wikis (vgl. Bruns &
Humphreys 2007; Büffel, Pleil & Schmalz 2007; Forte & Bruckman 2007
oder Wageneder & Jadin 2006). Zum Teil ist jedoch auch die Nutzung von Wikis
als einem kooperativen Editor (bzw. je nach Eigenschaften der Software auch als
Mehrautorenumgebung) gemeint, den man zur Unterstützung kooperativer Projekte
in offener oder in (Passwort-)geschützter Form einsetzen kann [14]. In dieser Form
wird die Wiki-Software für die Organisation von kooperativen Projekten
(z. B. für jegliche Form von Absprachen, Aushandlungen oder für die
Dokumentation, vgl. z. B. für den FU Himpsl 2006, für andere Kontexte
Büffel, Pleil & Schmalz 2007, oder Thelen & Gruber 2003), für
Brainstorming-Prozesse (vgl. z. B. Himpsl 2006) oder für das Verfassen von
Texten jeder Art benutzt (vgl. für den FU Guth 2007 oder Platten in dieser
Ausgabe; für andere Unterrichtskontexte Himpsl 2006 oder Thelen & Gruber
2003). Darüber hinaus finden sich für den FU Beispiele der Nutzung für das
Erstellen gemeinsamer Linklisten [15] oder von Vokabellisten (vgl. Sharma &
Barrett 2007: 131). Diese Einsatzmöglichkeiten von Wikis als kooperativem
Editor sind für Programme wie Google Text und Tabellen in gleicher Weise denkbar
– Dokumentationen gibt es für den FU bisher nur für das gemeinsame Verfassen
von Texten (vgl. Odendahl 2007).
-11-
5.
Digitale Unterstützung kooperativer Schreibprozesse
Bei
Lernszenarien, in denen der Computer zur Unterstützung kooperativer
Schreibprozesse eingesetzt wird, nimmt der Faktor "übertragendes
Medium", der Teil des Lernkontextes ist, natürlich Einfluss auf die
ablaufenden Kommunikations- und Schreibprozesse. Gleichzeitig sollte man
m. E. nicht aus dem Auge verlieren, dass das eingesetzte Medium zwar ein
einflussreicher Faktor ist, der Prozess des kooperativen Schreibens aber
dadurch nicht vollständig ein anderer wird – da es eine große Anzahl von
Einflussfaktoren gibt, die unabhängig vom eingesetzten Medium wirken (vgl. Punkt 3). Dies zu betonen ist umso wichtiger, als in der Forschung wie auch in
der Praxis diese Einflussfaktoren z. T. unbeachtet bleiben und feststellbare
Vor- und Nachteile zu einseitig auf das eingesetzte Medium bezogen werden.
Zunächst
werden als Basisinformation kurz die Forschungsergebnisse zusammengefasst, die
es im Hinblick auf die Unterstützung kooperativer Aufgabenbearbeitungen durch
Social-Software-Anwendungen generell gibt (soweit diese bedeutungsvoll für den
Bereich des Schreibens sind, vgl. Punkt 5.1). Anschließend werden dann explizit
solche Studien ausgewertet, die den Einsatz kooperativer Editoren zur
Unterstützung kooperativer Schreibprozesse betreffen (vgl. Punkt 5.2). Wie schon
erwähnt, gibt es direkt zum FU bisher leider nicht allzu viele Studien, so dass
bei der Auswertung auch auf Studien zurückgegriffen worden ist, in denen es um
den muttersprachlichen Einsatz von kooperativen Editoren in anderen Fächern des
schulischen Unterrichts oder an der Hochschule geht. Deren Ergebnisse sind aber
nur dann in die Darstellung mit einbezogen worden, wenn sie auch eine Relevanz
für den Kontext des FUs haben. Es wird außerdem verdeutlicht, wenn es sich um
Ergebnisse handelt, die explizit den FU betreffen.
5.1
Zusammenfassung allgemeiner Forschungsergebnisse
Setzt
man digitale Werkzeuge zur Unterstützung kooperativer Schreibaufgaben ein, dann
ermöglichen diese zunächst einmal eine orts- und zeitunabhängige Zusammenarbeit
der Gruppenmitglieder. Sind die eingesetzten Werkzeuge textbasiert [16], dann sind
die Vorgänge, die in der virtuell vermittelten Kooperation ablaufen (wie
z. B. die Vorschläge von Mitlernern zur Erweiterung oder Verbesserung
bestimmter Textteile) speicherbar und damit permanent verfügbar (vgl. Bloh
2002: 159); Lernerinnen können sie dadurch evtl. reflektierter rezipieren,
Lehrerinnen darauf zugreifen (vgl. Punkt 5.2.2 und
Punkt 5.2.3). Durch die
Abrufbarkeit aller (online stattfindender) Aushandlungsprozesse wird aber auch
eine sehr hohe und komplexe Informationsdichte mit zum Teil verwobenen
Argumentationslinien erreicht, die für manche Lerner gegebenenfalls schwer
nachzuvollziehen ist (vgl. Hesse, Garsoffky & Hron 2002: 285f). Die
Kommunikation ist außerdem insgesamt sehr störanfällig – u. a. durch die
zeitlichen Verzögerungen und die Kanalreduktion. Viele Kommunikationsregeln
funktionieren deshalb nicht mehr automatisch und Prozesse müssen expliziter
angeregt werden. Dazu gehört auch die Herstellung bzw. Erhöhung der sozialen
Präsenz – also die Tatsache, wie man als reale Person in den virtuellen
Aushandlungsprozessen wahrgenommen wird (vgl. Hesse, Garsoffky & Hron 2002:
286f).
5.2
Forschungsergebnisse zum Einsatz kooperativer Editoren
Als
Vorteil prozeptiver Umgebungen wird angesehen, dass alle Nutzerinnen
gleichermaßen Produzierende und Rezipierende sein können, dass jede alles
korrigieren, verändern, erweitern etc. kann. Viele Autoren erhoffen sich vom
Einsatz solcher Umgebungen, dass damit das kooperative Schreiben angeregt und
unterstützt, sowie ein höherer Lerngewinn erzielt werden kann. Die Lernerinnen
sollen, durch die kooperativen Editoren unterstützt, von einander und durch
einander lernen und eine höhere Qualität der erstellten Produkte soll erreicht
werden. So formuliert z. B. Brahm 2007 generell für den Einsatz von Wikis
in Lernkontexten:
-12-
Das
pädagogische Potenzial von Wikis lässt sich vor allem auf folgende
Möglichkeiten zurückführen:
• Wikis können Ideen und Texte gemeinsam produziert und editiert werden
("Communal Constructivism"). • Dadurch wird der Austausch zwischen Lernenden gefördert. •
Insgesamt kann die Qualität der produzierten Arbeit durch die gemeinsame
Erarbeitung sowie durch die Einfachheit im Umgang mit diesem textbasierten
Tool, aber auch durch die Öffentlichkeit der Dokumente steigen (ibid.: 49).
Studien
wiederum, die untersuchen, ob diese Potentiale beim Einsatz von Wikis in
Unterrichtskontexten tatsächlich ausgenutzt werden, kommen häufig zum Ergebnis,
dass es nicht zu einer umfassenden Ausschöpfung kommt. So stellt z. B.
Himpsl in einer (für eine Masterarbeit erstaunlich umfangreichen) Studie zum
Einsatz von Wikis zur Unterstützung von muttersprachigen wie fremdsprachigen
Schreibprojekten in verschiedenen Schulfächern an der Höheren Technischen
Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt Dobrin fest, dass die Lerner stark
arbeitsteilig vorgehen, die Schreibprozesse also keinen hohen Grad von
Kooperativität aufweisen:
Zum
einen kann [aus den Daten, nw] deutlich herausgelesen werden, dass das Wiki in
fast allen Fällen eher kooperativ eingesetzt wurde und wirkliche Kollaboration
innerhalb einer Wikiseite zu einem Thema eher selten stattfand. Lediglich ein
Schüler […] erwähnte explizit den Vorteil, durch die Gliederung einer Seite
durch Überschriften danach gleichzeitig an den verschiedenen Absätzen arbeiten
zu können. Beim Sammeln von Informationen im Zuge von Internetrecherchen
z. B. wurde zum Teil sogar so gearbeitet, dass die einzelnen
Gruppenmitglieder ihre Beiträge im Textverarbeitungsprogramm erstellten und der
Teamleiterin/dem Teamleiter schickten, die/der zum Schluss alleine den Wiki-Eintrag
gestaltete. Als Grund hierfür wurde u. a. genannt, dass eine/einer den
besseren Überblick hätte. Die Mädchen aus der Maturaklasse erwähnten sogar,
dass sie oft zu dritt vor einem Laptop gesessen seien und nur eine hätte
geschrieben. Diese Arbeitsweise ist natürlich auch eine mögliche Variante,
entspricht aber eigentlich nicht dem Grundgedanken der Social Software Wiki!
(Himpsl 2006: 131f).
Genauso
wie im Bereich des kooperativen Lernens generell, gilt auch für den durch
digitale Werkzeuge unterstützten kooperativen Schreibprozess, dass das
Eintreffen der erhofften Potenziale (vgl. auch Punkt 3) nur funktioniert, wenn
verschiedene Faktoren günstig zusammenwirken. Das eingesetzte unterstützende
Medium ist dabei nur ein Faktor, der auf den Grad der Kooperativität einwirkt,
der beim Schreiben erreicht wird; andere Faktoren sind mindestens ebenso
einflussreich oder sogar viel entscheidender (vgl. Punkt 3). Auch Thelen &
Gruber kommen in ihrer Studie zur Nutzung eines Wikis als zentralem
Kommunikationsinstrument in einem standortübergreifenden Hochschulseminar zu
dem Ergebnis, dass es geeignete Einsatzbedingungen braucht, damit die Editoren
kooperative Schreibprozesse optimal unterstützen können:
Idealerweise
verändern WikiWikiWebs die Textproduktion hin zu einem kooperativen Prozess,
der selbst organisierendes Lernen in Arbeitsgruppen begünstigt. […]. Die
Ergebnisse zeigen, dass WikiWikiWebs kollaboratives Lernen und Arbeiten unter
geeigneten Einsatzbedingungen ermöglichen, aber nicht von selbst herbeiführen
(Thelen & Gruber 2003: 1).
-13-
Wie
aber sehen solche günstigen oder auch ungünstigen Einsatzbedingungen aus? Auch
wenn sich leider noch keine systematischen Erhebungen dazu finden, so geben die
vorhandenen Studien doch erste Hinweise. Am zahlreichsten sind die Ergebnisse
zu dem Faktorenbündel des Lernkontextes (vgl. Punkt 3) – so wird die Bedeutung
der Faktoren Aufgabenstellung (5.2.1), Anreizstruktur (Bewertungsstruktur,
5.2.2), Lehrerin (Betreuung von Online-Phasen durch die Lehrerin, 5.2.3), übertragendes
Medium (synchrone versus asynchrone Editoren, 5.2.4), institutioneller Kontext
(5.2.5) und Öffentlichkeit (5.2.6) durch die Ergebnisse unterstrichen. In
Hinblick auf das Faktorenbündel der Gruppencharakteristika gibt es Ergebnisse
zu Problemen mit der gemeinsamen Autorenschaft (bzw. zum Konzept der
individuellen Autorenschaft), so dass man diesen Punkt auch dem Faktorenbündel
der Lernercharakteristika zurechnen könnte (5.2.7), und zur Rollenübernahme und
Kommunikationskompetenz (5.2.8). Die Tatsache, dass sich fast keine Ergebnisse
zum Einfluss der individuellen Lernercharakteristik finden (mit der oben
genannten Ausnahme), kann man dahingehend deuten, dass deren Einflussnahme auf
die jeweiligen Forschungsergebnisse offensichtlich nicht ausreichend realisiert
wird.
5.2.1
Aufgabenstellung
Untersuchungen
zum kooperativen Lernen allgemein lassen deutlich werden, wie wichtig die
Aufgabenstellung als Einfluss nehmender Faktor in Hinblick auf den Grad der
Kooperativität wie auch der Selbststeuerung ist (vgl. für einen Überblick
Würffel 2007: 21f). Man könnte deshalb erwarten, dass die Bedeutung dieses
Faktors auch eine prominente Stellung in den Studien zum Einsatz kooperativer
Editoren einnimmt. Tatsächlich lässt sich aber feststellen, dass sich bisher nur
wenige Autorinnen finden, die die ihrer jeweiligen Studie zugrunde liegende
Aufgabenstellung explizit darlegen und ihre Ergebnisse auf diese
Aufgabenstellung beziehen (wie z. B. Guth 2007 oder Platten in dieser Ausgabe). Fehlt aber das eine oder das andere, dann fällt auch eine
Einschätzung der Ergebnisse schwer: So stellt z. B. Himpsl (2006) durchaus
ausführlich die bearbeiteten Aufgaben oder Projekte vor; gerade bei seinem
Ergebnis zum arbeitsteiligen Vorgehen der Lerner (vgl. Zitat in Punkt 5.2)
wünschte man sich aber, dass hier ein klarer Bezug zu den Aufgaben hergestellt
worden wäre, die die interviewten Lerner jeweils bearbeitet hatten, da von
ihnen die eine oder andere ein arbeitsteiliges Vorgehen sogar vorschlug oder
zumindest erlaubte. Da feststeht, dass ein hohes Maß an Kooperativität und
Selbststeuerung in allen Phasen des Schreibprozesses und auf allen Ebenen
desselben meist zeit- und arbeitsintensiv ist, darf einen bei solchen
Aufgabenstellungen aber weder das ökonomische, arbeitsteilige Verhalten der
Lernerinnen überraschen, noch darf man ernsthaft hoffen, der Einsatz eines
kooperativen Editors würde trotzdem von selbst für ein höheres Maß an
Kooperativität sorgen.
Nur
wenige Autoren weisen auf die Wichtigkeit geeigneter Aufgaben hin, die Lerner
tatsächlich zu einem gemeinsamen Schreibprozess anregen, indem sie z. B.
mehrperspektivisches Schreiben nötig machen (vgl. für den FU Odendahl 2007:
110) oder ein Ergebnis erfordern, das mehr ist als die Summe von
Einzelbeiträgen (vgl. für den FU Lund & Smørdal 2006: 41f). Odendahls
Erfahrungen mit taiwanesischen Lernerinnen zeigen, dass die Kombination aus
einer geeigneten Aufgabenstellung (die er allerdings leider nicht
konkretisiert) und einem Bewertungssystem, das die Bewertung durch die Lehrperson
mit einer gegenseitigen Bewertung des gemeinsamen Arbeitsprozesses durch die
Gruppenmitglieder kombiniert, Lernerinnen dazu bringen kann, mit großem
Engagement kooperativ Texte zu verfassen und dabei kooperative Editoren
erfolgreich zu benutzen (vgl. Odendahl 2007). Insgesamt wünscht man sich zum
einen eine größere Transparenz in den Studien, um auf diese Weise die
dargestellten Ergebnisse besser einschätzen zu können. Zum anderen sollte es
mehr Arbeiten aus dem Bereich der Lernaufgabenforschung geben, um auf diese
Weise das Repertoire an empirisch geprüften Aufgabenvorschlägen, die
tatsächlich zum kooperativen Schreiben anregen und eine optimale Nutzung der
kooperativen Editoren fördern, zu erweitern.
-14-
5.2.2
Bewertungsstruktur
Die
Bewertungsweise kooperativer Aufgabenbearbeitungen wird als ein Teil der
Anreizstruktur gesehen, mit der Lerner zum kooperativen Arbeiten motiviert
werden können. Die Frage der genauen Form wird in der Literatur dabei
kontrovers diskutiert: Einige sind der Meinung, dass einerseits der
Arbeitsprozess und das Arbeitsergebnis der ganzen Gruppe bewertet werden
sollten, andererseits aber auch die individuelle(en) Leistung(en) der einzelnen
Gruppenmitglieder; andere lehnen Einzelbewertungen kategorisch ab, da sie dem
Konzept des kooperativen Arbeitens widersprächen (für eine ausführlichere
Darstellung der Diskussion vgl. Würffel 2007: 23f).
Immer
schon hat sich für die Anhänger der ersten Position die Frage gestellt, wie
eine individuelle Bewertung kooperativer Arbeit aussehen bzw. auf welcher
Grundlage sie stattfinden kann, und für alle außerdem die Frage, wie man
Zugriff auf den kooperativen Prozess erhalten kann. Beide Probleme lassen sich
durch den Einsatz kooperativer Editoren (scheinbar) lösen. Anders als im
Präsenzunterricht, wo die Lehrerin in der Regel kaum Einblick in die
kooperativen Prozesse hat, sondern nur das Produkt zu sehen (und zu bewerten)
bekommt, kann sie bei der Arbeit mit kooperativen Editoren durch den Blick auf
die Historie aller Änderungen am erstellten Text (d. h. mit Hilfe der
Versionenkontrolle, vgl. Punkt 4.1) nachvollziehen, welche Lernerin welchen
Anteil am gemeinsamen Produkt hat bzw. wie dieser Prozess tatsächlich
abgelaufen ist. In der Realität ist diese Hoffnung aber in Teilen trügerisch:
Es ist nämlich höchst aufwendig, sich als Lehrer durch alle Versionen zu lesen,
die jeweiligen Änderungen jedes Schülers auszumachen (auch wenn diese farblich
markiert werden, wie es viele Programme inzwischen anbieten) und in die
Bewertung desselben mit einfließen zu lassen bzw. den Schreibprozess auf diese
Weise tatsächlich Schritt für Schritt nachzuvollziehen. Forte & Bruckman
berichten in einer Studie, in der Schüler einer High School Artikel für ein
"Science Online"-Wiki schrieben, über die (enttäuschten) Hoffnungen
des Klassenlehrers bezüglich der Vorteile des Einsatzes von Wikis im Hinblick
auf die individuelle Bewertung kooperativer Schreibarbeit:
Mr.
Grant likewise had difficulty grading the collaborative assignment. He found
parsing page histories laborious and uninformative and had difficulty
understanding how each student had contributed to the collaboration. Although
he had originally observed that the wiki would allow him to grade collaborative
work more effectively, he found that it was too much work to understand
patterns of collaboration and use them for assessment. After the Biogeochemical
Cycles Project ended in October, the students were not asked to collaborate on
articles again. They almost never touched one another’s pages in later
assignments (Forte & Bruckman 2007: 38).
Eine
Nutzung der verschiedenen Versionen als Grundlage zur individuellen Bewertung
erscheint nur dann realistisch, wenn die Lerner z. B. in hohem Maße
arbeitsteilig vorgegangen sind. Je kleinschrittiger aber die Aushandlungsprozesse
zwischen den verschiedenen Mitschreibern werden, umso schwieriger wird es, alle
Änderungen systematisch nachzuvollziehen.
5.2.3
Betreuung der (Lernerinnen in den) Online-Phasen durch die Lehrerin
Die
Versionenkontrolle kann auch noch in anderer, vielleicht sinnvollerer Weise
genutzt werden – nämlich zur Betreuung der Lerner in Online-Phasen, wie sie
z. B. Odendahl (2007) für den Einsatz von Google Text und Tabellen im FU
erläutert: Hier nutzt die Lehrerin den Einblick in die erstellten Versionen, um
die Lernerinnen auch in der Online-Phase zu unterstützen:
Über
die gesamte Dauer der Bearbeitung schaut die KL [Kursleiterin, nw] den Gruppen
virtuell über die Schulter und gibt Kommentare und Hinweise zur Überarbeitung.
[…] Durch den Einsatz von Google Docs [Bezeichnung der der englischen
Benutzeroberfläche von Google Text und Tabellen, nw] wird es also zum ersten
Mal möglich, den gesamten Schreibprozess unmittelbar im Dokument steuernd zu
begleiten, ohne den Umweg über eine dokumentenexterne Diskussion gehen zu
müssen (Odendahl 2007: 119).
-15-
Nach
den Ergebnissen von Odendahl empfinden die Lerner dieses Lehrerverhalten
keineswegs als unangenehmen Eingriff in ihre Gruppenprozesse im Sinne einer
Kontrolle, sondern als motivierendes Element im Sinne einer konstruktiven
Betreuung und Unterstützung. Der Einsatz des kooperativen Editors zeigt hier
also eine eindeutig positive Wirkung, da er eine erhöhte soziale Präsenz der
Lehrerin während der kooperativen Online-Phase ermöglicht, was zu einer
positiven Interaktionsspirale zwischen Gruppe und coachender Lehrerin und
letztlich zu qualitativ höherwertigen Texten führt (vgl. ibid.: 120) [17]. Sieht
Odendahl weder für Lerner noch für Lehrer durch diese Art der Arbeit einen
höheren Arbeitsaufwand, so präsentieren andere Studien auch gegenteilige
Ergebnisse: Wageneder & Jadin z. B. warnen, dass beim Einsatz von
Social-Software-Anwendungen in Seminarkontexten an der Hochschule sowohl auf
Lernerinnen als auch auf Lehrerinnen ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand
zukomme, zumindest wenn von den Lernerinnen "ein hoher Grad an
Aktivität" und von den Lehrerinnen Präsenz in der Lernplattform gefordert
sei (ebd. 2006: 8). Ein genauerer Blick zeigt, dass das Problem des
Mehraufwands nur bedingt mit dem Einsatz der Editoren zu tun hat: Die von
Wageneder & Jadin beschriebene Tatsache hat vielmehr vor allem damit zu
tun, dass Präsenzseminare durch den Einsatz von digitalen Werkzeugen zwar zu
Blended-Learning-Kursen werden können, dass dies auf der konzeptionellen Ebene aber
nicht immer ausreichend reflektiert wird. In Blended-Learning-Kursen erstreckt
sich nämlich die Kontaktzeit zwischen Lernern und Lehrern plötzlich nicht mehr
nur auf die Zeiten während des Seminars/Unterrichts und möglicher
Sprechstunden, sondern sie kann auch die gesamte Zeit zwischen den
Seminaren/Unterrichtszeiten umfassen (vgl. Endnote 7). In den meisten reinen
Face-to-Face-Lehr-/Lernkontexten ist vorgesehen, dass die Lernerinnen bestimmte
Zeiten zwischen zwei Unterrichtszeiten zum selbständigen Nach- oder Vorbereiten
nutzen. Bei jüngeren Lernern sind bisher Eltern oder Nachhilfelehrer für die
Betreuung solcher Lernzeiten verantwortlich, ältere Lerner haben sich selbst zu
organisieren. Wenn nun für Blended-Learning-Szenarien gefordert wird, dass
Lehrerinnen in den Online-Phasen mehr Präsenz zeigen müssen, damit die
Wahrscheinlichkeit für eine intensivere Nutzung der Online-Werkzeuge und
überhaupt eine selbständigere Weiterarbeit der Lernerinnen zwischen den
Kontaktzeiten steigt (vgl. auch Lund & Smørdal 2006: 42 für den FU), so
entspräche das für Präsenzszenarien einer Forderung danach, dass die Lehrerin
zwischen den Unterrichtszeiten jeden Tag eine Sprechstunde anbietet oder
telefonische Hausaufgabenbetreuung macht – ein Modell, von dem jede schnell
sagen kann, dass es nicht finanzierbar bzw. realisierbar ist. Jeder
Erweiterung/Umwandlung eines Präsenzszenarios in ein Blended-Learning-Szenario
müssen deshalb Überlegungen vorangehen, wie zum einen die notwendige Betreuung
(personell und eben nicht nur technisch) organisiert und wie zum anderen (und
das erscheint mir noch entscheidender) der Grad der Selbständigkeit der
Lernergruppe bei ihren kooperativen Schreibphasen sukzessive erhöht bzw.
gefördert werden kann.
-16-
5.2.4
Synchrone versus asynchrone Editoren
Beim
Einsatz kooperativer Editoren stellt sich die Frage, ob man die Studentinnen
bei ihrem kooperativen Schreiben eher mit einem synchronen oder einem
ansynchronen Editor arbeiten lässt. Einige Autoren plädieren für den Einsatz
synchroner Editoren, da beim Einsatz asynchroner die Gefahr verstärkt werde,
dass die Lerner wenig homogene, stilistisch uneinheitliche und inkohärente
Texte erstellen (vgl. für den FU Odendahl 2007: 105). Synchrone Editoren haben
in der Tat den Vorteil, dass die Mitschreibenden Änderungen am Text zeitgleich
zu sehen bekommen und direkt darauf reagieren können [18] – was dem Setting in der
Präsenzsituation entspricht. Die stärkere Entsprechung zur Präsenzsituation
muss aber nicht unbedingt immer zu einem höheren Maß an Kooperativität führen:
Wie auch in anderen Lernsituationen im FU kann die Asynchronizität für manche
Lernertypen vielleicht einen Vorteil darstellen, da sie länger Zeit zum
Überlegen und zum Verfassen ihrer Veränderungsvorschläge haben. Die Tatsache,
dass jede (vielleicht auch sprachlich inkorrekte) Änderung den anderen
Mitschreibenden sofort sichtbar ist, kann für unsichere Lernerinnen auch eine
Bedrohung darstellen, die sie in ihrer Mitarbeit oder Kreativität behindert.
Editoren mit pessimistischen Sperrverfahren, bei denen die Änderungen den
Mitlernern erst sichtbar gemacht werden, wenn der jeweilige Schreiber seine
Version speichert und damit freigibt, mögen für solche Lerner vielleicht eher
den Anreiz bieten, sich aktiver in den kooperativen Schreibprozess mit einzubringen.
Gerade dieser Punkt zeigt, wie wichtig Studien wären, die auch die jeweiligen
individuellen Lernercharakteristika und ihr Zusammenspiel mit dem eingesetzten
Medium berücksichtigen.
5.2.5
Institutioneller Kontext
Ein
weiterer Punkt, warum kooperative Schreibprojekte auch beim Einsatz
kooperativer Editoren nicht automatisch einen höheren Grad von Kooperativität
aufweisen, liegt bei Projekten in schulischen Kontexten an dem Konflikt
zwischen der an diesen Institutionen herrschenden Kultur des individuellen
Bewertens und der erwünschten kooperativen Arbeit der Lernerinnen. Lerner, die
gewohnt sind, individuell zu arbeiten und bewertet zu werden, beginnen nicht
plötzlich in hohem Maße kooperativ zu schreiben, nur weil der Lehrer ihnen eine
dementsprechende Aufgabe gibt und/oder sie plötzlich in einem Wiki schreiben
können/sollen. So stellt Grant (2006) in ihrer Studie zum Einsatz von Wikis im
Informatikunterricht mit 13-14-jährigen Schülerinnen in England fest, dass
diesen die soziale Praxis des kooperativen Arbeitens fehlt und sie deshalb gar
nicht in der Lage sind, die Vorteile eines Wikis zum kooperativen Scheiben zu
nutzen:
However,
the social and cultural practices of collaborative working that need to
accompany the use of the software in order to take advantage of the functional
affordances of the tool were not in the students’ repertoire of shared
practices. Instead, they imported practices of individualised written
assessment that they saw as important from the broader economy of education and
the practices of the school community (Grant 2006: 9).
5.2.6
Öffentlichkeit
Neben
der Frage, ob für eine Lernergruppe und einen Lerngegenstand ein synchroner
oder ein asynchroner kooperativer Editor angemessener ist, wird auch die Frage
diskutiert, ob es beim Einsatz von Wikis sinnvoller ist, mit einer
geschlossenen oder mit einer offenen Variante zu arbeiten (vgl. Punkt 4.4).
Bei
letzterer nimmt der Faktor der Öffentlichkeit natürlich einen Einfluss auf den
kooperativen Schreibprozess. Ergebnisse zu diesem Faktor im FU liefert eine
Studie von Guth (2007), die den Einsatz von offenen und halb-offenen Wikis in
Sprachkursen an der Universität vergleicht: Eine Gruppe arbeitete in einem
Telekollaborationsprojekt mit einem halb-offenen Wiki, wobei die Lernerinnen in
diesem Texte für ihre Telekollaborationspartner zu interkulturell spannenden
Themen verfassten. Eine andere Gruppe arbeitete an einem öffentlichen
lexikonartigen Wiki mit: Die Studierenden schrieben ihre Texte hier also auch
für eine unbekannte Öffentlichkeit; sie kooperierten nicht nur miteinander,
sondern auch mit den Betreibern und den Nutzern des öffentlichen Wikis. Nach
den Ergebnissen Guths waren das Maß der Kooperativität im letzten Fall deutlich
höher (da sozusagen eine doppelte Kooperation stattfand – zwischen den
Lernerinnen in der Gruppe und mit den Nutzerinnen des öffentlichen Wikis), die
Arbeit für die Studierenden nach eigenen Angaben aber viel anstrengender (und
deshalb unattraktiver), die Produkte jedoch, wahrscheinlich aufgrund des
subjektiv höher empfundenen Erwartungsdrucks durch die Öffentlichkeit,
qualitativ deutlich besser (im Sinne von akkurater, präziser und kohärenter,
vgl. Guth 2007: 67). Sehr differenziert plädiert Guth auf der Grundlage ihrer
Ergebnisse nicht für einen generellen Einsatz öffentlicher (Lexikon-)Wikis, um
eine höhere Qualität zu erreichen, sondern für eine lernziel- und
lerngruppenadäquate Auswahl der jeweiligen Social-Software-Anwendung, die auch
die Fähigkeiten und Bedürfnisse der jeweiligen Lernergruppe berücksichtigt.
-17-
Für
Guth bietet die Arbeit mit öffentlichen Wikis noch einen weiteren Vorteil, der
in engem Zusammenhang mit dem Problem der Gewohnheit individueller
Autorenschaft steht (vgl. Punkt 5.2.7): In der von ihr eingesetzten Form
öffentlicher Wikis (d. h. eines lexikonartigen Wikis) werden die
Lernerinnen automatisch mit einer kollektiven Autorenschaft konfrontiert,
wohingegen in geschlossenen, privaten Wikis (oder in generell
passwortgeschützen Editoren wie z. B. Google Text und Tabellen) die individuelle
einfach fortgeführt werden kann (vgl. ibid.: 62).
Büffel,
Pleil & Schmalz kommen auch für den muttersprachlichen Einsatz insofern zu
einem ähnlichen Ergebnis, als sie vermuten, dass in geschlossenen Systemen die
fehlende Anonymität die Skrupel erhöhe, die Texte von Mitlernern zu korrigieren
und/oder umzuschreiben (vgl. ebd. 2007: 9). In öffentlichen Wikis könne
hingegen kaum nachvollzogen werden, ob der Eingriff in einen Text durch eine
Mitlernerin oder durch ein anderes Mitglied der Weböffentlichkeit vollzogen
worden ist (vorausgesetzt, es handelt sich um ein gut funktionierendes Wiki mit
einem ausreichend großen Stamm an produzierenden Nutzerinnen, was leider bei
vielen Projekten, die eigens für Lernkontexte geschaffen werden, nicht der Fall
ist, so dass auch hier korrigierende Mitlernerinnen wahrscheinlich schnell
identifiziert werden können, wenn sie überhaupt unter Alias-Namen auftreten).
Werden
kooperative Editoren aber nicht für die Erstellung einer lexikonartigen Seite
benutzt, sondern für Formen privaterer Texte, so gibt es inzwischen auch die
berechtigte Warnung, hierfür die offene Form zu wählen und die Prozesse und
Produkte der Lerner so der Öffentlichkeit (und einem möglichen Missbrauch)
zugänglich zu machen (vgl. für den FU Legutke 2007: 135 oder Rösler 2007:
182f). Interessant ist, dass die Lernerinnen sich der Gefahren, die eine
Veröffentlichung privater Informationen im Netz bedeuten kann, häufig zum Teil
nicht bewusst sind, zum Teil diese aber auch gering einschätzen – oder, je nach
Sichtweise des Betrachters, unterschätzen. Forte & Bruckman (2006, zitiert
in Bruns & Humphreys 2007) stellen z. B. in einer Studie fest,
that
for the most part their students failed to regard their work as public and
seemed surprised to realise that it would be encountered by others. They [Forte
& Bruckman, nw] offer two explanations. The first is that students are
naïve about privacy online (and such an explanation is certainly supported by
some anecdotal evidence about students’ use of online services). The second,
that the students possessed an 'adroit cynicism' – an indication they
understand perfectly well the enormity of the web and are sceptical that anyone
could find their ideas buried on a wiki with an obscure domain name' (Forte and
Bruckman, 2006: 186) (Bruns & Humphreys 2007: 5).
Auch
wenn man annehmen will, dass sich die Vorstellung von Privatheit über die Zeit
ändern kann bzw. ändert (vgl. u. a. Kerres 2006: 2), so muss es Teil einer
(auch im FU) zu vermittelnden Medienkompetenz sein, die Lernerinnen auf die
Implikationen der spezifischen Artikulation im Internet hinzuweisen. Dazu
gehört, dass "Aussagen im Internet nicht 'gelöscht' werden können",
dass sie "unauslöschbare Spuren" hinterlassen und dass die von einer
Person im Internet veröffentlichen Informationen so zusammengeführt werden
können, dass "sich in wenigen Minuten ein Einblick in das Privatleben
einer Person erhalten [lässt], das früher engen Bekannten vorbehalten war"
(ibid: 4). Konzipiert eine Lehrerin einen Lernkontext, in dem Informationen
über die Lernerinnen aus dem geschützten Unterrichtsraum an die Öffentlichkeit
gelangen, so ist sie auch dafür verantwortlich, ihre Lernerinnen auf diese
Implikationen hinzuweisen bzw. sie ihnen in vollem Umfang bewusst zu machen.
-18-
5.2.7
Konzepte von Autorenschaft
Eine
der entscheidenden Schwierigkeiten beim gemeinsamen Verfassen von Texten stellt
die Frage der Autorenschaft dar bzw. die Tatsache, dass wir alle es weitgehend
gewohnt sind, allein für die von uns geschriebenen Texte verantwortlich zu sein
(im positiven wie negativen Sinne).
Auch
bei kooperativen Schreibaufgaben mit kooperativen Editoren werden Lerner durch
die gewissermaßen selbstverständliche Einstellung geleitet, dass der Autor der
Eigentümer seines Textes ist. Das Aufgeben dieser Einstellung fällt ihnen
deshalb schwer (vgl. für den FU Guth 2007: 64 und für andere Lehrkontexte
Büffel, Pleil & Schmalz 2007: 9 oder Thelen & Gruber 2003: 5); sie
behindert die kooperative Arbeit aber in hohem Maße, vor allem in Hinblick auf
die Arbeit an den Texten oder Textteilen von Mitlernern, sei es inhaltlicher
oder sprachlicher Art. In vielen Studien wird deutlich, dass Studierende von
sich aus zögern, sich gegenseitig zu verbessern bzw. in den Textentwurf einer
Mitlernerin einzugreifen (vgl. explizit für den FU u. a. Guth 2007: 65,
Lund & Smørdal 2006: 43 oder Platten in dieser Ausgabe); meist ist es
deshalb die Aufgabe der Lehrerin, dazu immer wieder explizit aufzufordern oder
es durch eine spezifische Aufgabenstellung zu fördern (vgl. Guth 2007: 64 oder
Platten in dieser Ausgabe).
Generell
kann man vermuten, dass das Problem der Gewohnheit individueller Autorenschaft
durch den Einsatz digitaler Anwendungen beim kooperativen Schreiben für die
Lerner verschärft wird, da die Texte bzw. Textteile, über die verhandelt werden
soll, anders als in der Präsenzsituation schon in schriftlicher Form vorliegen
und damit für viele Lerner einen endgültigeren Eindruck machen. Leider kenne
ich noch keine Studie, die z. B. Daten in Form subjektiver Theorien der
Lernerinnen zu dieser Frage erhoben hat.
Die
Verinnerlichung individueller Autorenschaft hindert Lerner aber nicht nur
daran, an den Textteilen ihrer Mitlerner zu arbeiten, ihr hoher (nahezu
unbefragter) Wert mindert in manchen Fällen auch die Motivation zur
kooperativen Arbeit. Für viele Lernerinnen gilt wahrscheinlich ebenso, was die
Initiatorin des Mitschreibeprojektes "Beim Bäcker" [19] in einem
Interview für die Schreibenden von Netzliteratur formuliert hat:
Insofern
zeigen Mitschreibeprojekte den ganz normalen Egoismus der Menschen, nicht mehr
und nicht weniger. Jeder will seine eigene Welt kreieren und muss abwägen
zwischen dem, was ihm ein Mitschreibeprojekt bringt (Einbindung in einen
reizvollen Kontext, der unter Umständen stärker wahrgenommen wird als ein
Einzelwerk im Netz, neue Kontakte) und was es ihn kostet (Abstriche an der
eigenen Freiheit […]) (Simanowski 2000, zitiert in Krameritsch 2007: 374f).
Auch
in Lernkontexten muss der Ertrag der kooperativen Schreibarbeit für die Lerner
deutlich sein, damit sie eine gemeinsame Autorenschaft als zu erstrebendes Ziel
ansehen können und/oder sich der Anstrengung aussetzen, sich in fremde
Textteile einzumischen. Dies erfordert geeignete Aufgabenstellungen und
Bewertungsstrukturen wie auch Kontinuität im Einsatz kooperativer
Schreibphasen, um den Lernerinnen die Chance zu geben, sich umzugewöhnen und
die verschiedenen Vorteile wahrnehmen zu können.
-19-
5.2.8
Rollenübernahme und Kommunikationskompetenz
Genauso
wie bei kooperativen Aufgabenbearbeitungen allgemein lassen sich auch beim
kooperativen Schreiben mit Unterstützung digitaler Werkzeuge verschiedene
typische Rollen beobachten [20], die die Lerner durchgehend oder auch
wechselseitig innehaben und deren Übernahme Auswirkungen auf den Schreibprozess
und das Ergebnis hat. Thelen & Gruber (2003) weisen in ihrer Studie die
Rolle der Initiatorin, der Restrukturiererin, der Korrektorin, der
Organisatorin, der Beiträgerin und der Moderatorin (die Parallelvorschläge
eigenständig zusammenfasst und Texte über Autorinnengrenzen hinweg verändert)
nach. Interessanterweise waren die ersten fünf Rollen in dieser Studie fast
immer vertreten, die letzte Rolle wurde dagegen nicht in allen Gruppen
übernommen – mit negativen Folgen für die Qualität der Arbeit. Die große
Bedeutung einer ähnlichen Rolle wie die des Moderators betonen auch de Pedro et
al. als ein Ergebnis ihrer Studie zum Einsatz von Wikis zum kollaborativen
Schreiben in naturwissenschaftlichen Studiengängen: Sie nennen sie den
"Editor in chief", der für die Zusammenfassung der Ideen und die
Endbearbeitung des produzierten Dokuments verantwortlich ist. Die Besetzung
dieser Rolle sei unerlässlich für das Erstellen qualitativ hochwertiger
Produkte:
The
role of "Editor in chief" is very important and needed for higher
quality of the work produced, regardless of methodology followed" (de
Pedro, Rieradevall, López, Sant, Piñol, Nuñez & Llobera 2006: 15).
Vergleicht
man die genannten Rollen mit denen, die für das kooperative Arbeiten im Präsenzunterricht
festgestellt worden sind (vgl. Endnote 20), so zeigen sich erstaunlich wenig
Unterschiede – als ob der digitale Kontext kaum eine Rolle spielen würde. Dies
widerspricht aber der Forschung zu den Nachteilen digital vermittelter
Kommunikation, die auf Probleme wie den Mangel an sozialer Präsenz, die
erschwerte Gruppenkoordination, fehlende Abstimmung über den gemeinsamen
Wissenshintergrund, das Überangebot an Informationen oder die fehlende
Nachrichtenverbundenheit hinweisen (vgl. Punkt 5.1). Es scheint wahrscheinlich
(auf jeden Fall aber sinnvoll), dass online arbeitende Schreibgruppen auf diese
erschwerten Kommunikationsbedingungen im besten Fall auch durch spezifische
Rollen oder zumindest durch geeignete Kommunikationskompetenzen reagieren. Auf letztere
wird aber leider nur in wenigen Studien verwiesen (eine Ausnahme bildet Bruns
& Humphreys 2007: 5). Hier sind weitere, konkretisierende Untersuchungen,
vor allem auch mit dem Fokus auf den besonderen Gegenstand
'Fremdsprachenlernen', notwendig.
Ebenfalls
für das kooperative Schreiben mit internetgestützten Editoren im FU kann es
sinnvoll sein, als strukturierende Maßnahme eine Rollenverteilung durch die
Lehrerin vornehmen zu lassen, um Lernerinnen mit wenig Erfahrung in diesem
Bereich zu unterstützen. Dies gilt umso mehr, als die Lerner sehr häufig weder
mit Schreibaufgaben, die ein hohes Maß an Kooperativität erfordern oder fördern
sollen, noch mit der gemeinsamen Arbeit mit Editoren Erfahrung haben und
deshalb die an sie gestellten Herausforderungen zu Beginn nicht zu
unterschätzen sind. Eine stärkere Lenkung durch die Lehrperson (und ein
geringeres Maß an Kooperativität auf verschiedenen Ebenen) kann darum für diese
Lernerinnen zunächst entlastend wirken. Auch im Hinblick auf die Schwierigkeit einer
zu geringen Quantität und einer zu hohen Heterogenität in der Partizipation der
Gruppenmitglieder kann die Verteilung von Rollen und Zuständigkeiten angedacht
werden (vgl. Büffel, Pleil & Schmalz 2007: 18f). Schließlich erscheinen die
Bereitstellung von geeigneten Redemitteln und das Training von hilfreichen
Kommunikationsstrategien sinnvoll, wie es z. B. Legutke (2003: 235) für
das kooperative Lernen im Präsenzunterricht gefordert hat.
-20-
6.
Fazit
Die
Auswertung der Forschungsliteratur macht zweierlei deutlich: Ein Einsatz
kooperativer Editoren bietet interessante Potentiale, auch zur Unterstützung
des kooperativen Schreibens im FU. Wie dieser Einsatz im FU aber konzipiert
sein sollte, um sowohl den Spezifika des Faches gerecht zu werden als auch lerngruppen-
und lernzieladäquat zu sein, dazu gibt es bisher leider noch viel zu wenige
Ergebnisse. So fehlt es z. B. fast vollständig an Studien, die die
sprachliche Entwicklung der Lerner bei der Bearbeitung von Schreibaufgaben mit
kooperativen Editoren untersucht haben – ein Defizit, das sich dieser Bereich
mit dem zum kooperativen Schreiben im Präsenzunterricht teilt. Das lässt
vermuten, dass das Defizit nicht nur der Neuheit des Gegenstands (der
Unterstützung der Schreibprozesse durch kooperative Editoren) geschuldet ist,
sondern auch bzw. vor allem der dargestellten Komplexität des Gegenstands
"kooperatives Schreiben im FU" überhaupt. So ist der Forschungsbedarf
vielfältig. Die Dokumentationsmöglichkeit der Prozesse durch die Editoren bietet
aber, wie auch die Studien aus anderen Unterrichtskontexten zeigen, tatsächlich
eine neue Datenerhebungsform, die andersartige Forschungseinblicke verspricht.
Im Grunde bedarf es nun nur noch engagierter und mutiger
Fremdsprachenforscherinnen, die sich durch die Faktorenkomplexität des
Untersuchungsgegenstands nicht abschrecken lassen.
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Anmerkungen
[1]
Ich verwende in diesem Artikel Feminina und Maskulina gleichermaßen (d.h.
abwechselnd) als Gattungsbegriff.
[2]
Dies stellt eine Verengung des Begriffs "Web 2.0" auf die Veränderungen
auf der Ebene der Partizipation dar; tatsächlich machen aber auch technische
und vor allem wirtschaftliche Aspekte die Weiterentwicklung aus, die O'Reilly
2004 zur Prägung des Begriffs anregte (vgl. Alby 2007: 15f).
[3]
Auch dieser Begriff wird inzwischen sehr weit gefasst. Anders als der des
"Web 2.0" ist er aber weniger geeignet, für die Bezeichnung eines
Paradigmenwechsels oder einer Neuerfindung des Internet missbraucht zu werden.
[4]
Für eine nähere Erklärung zu Wikis siehe
Punkt 4 und Platten in dieser Ausgabe.
Skype ist eine Anwendung, mit der man über das Internet telefonieren kann;
Weblogs sind regelmäßig aktualisierte Webseiten, auf denen die Inhalte in
umgekehrt chronologischer Reihenfolge dargestellt werden; Weblogs werden häufig
als Online-Tagebücher oder für journalistische Zwecke genutzt (für eine
ausführlichere Darstellung vgl. Platten in dieser Ausgabe).
-25-
[5]
Quelle: Chefredakteurin der Brockhaus-Redaktion.
[6]
Mein Dank für das Aufzeigen dieser Perspektive geht an E. Doerr.
[7]
Ein weiterer Grund ist, dass sich die Vorschläge von Sharma & Barrett vor
allem auf die Intensivierung der Kommunikation zwischen Lehrer und Lerner
zwischen den Schulstunden beziehen, z. B. "when there is insufficient
time during lesson" (ebd. 2007: 124). Die digitalen Anwendungen werden
also genutzt, um die Unterrichtszeit unauffällig auszudehnen. Da das auch mit
'normalen' Hausaufgaben nur bedingt klappt, befürchte ich, dass allein die
Verlagerung ins digitale Medium weder Lehrerin noch Lernerin überzeugen wird, nun
auf einmal sehr viel mehr Freizeit für das Weiterlernen zu opfern (vgl. auch Punkt 5.2.3).
[8]
In der Forschungsliteratur werden die Begriffe des 'kooperativen' und
'kollaborativen' Lernens/Schreibens zum Teil synonym, zum Teil auch in
Abgrenzung voneinander gebraucht. Eine Unterscheidung beider Begriffe bezieht
sich meist entweder auf die Strukturiertheit der Aufgabenstellung und der
gemeinsamen Aufgabenbearbeitung oder aber auf die Art und Weise der
Konstruktion von Wissen. Bei vielen Autoren steht der Begriff des kooperativen
Lernens für eine Form, die stark durch die Aufgabe (und eventuell auch durch
Angaben zum Prozessverlauf) gesteuert wird; der Begriff des kollaborativen
Lernens steht dagegen für ein Lernen, bei dem die Lerner ihre Ziele und ihre Vorgehensweise
weitgehend selbst bestimmen (vgl. u. a. Hron, Hesse & Friedrich 2002,
83f. oder Arnold 2003, 33). Auf der lerntheoretischen Ebene bleibt Lernen im
Konzept des kooperativen Lernens ein individueller Akt, wohingegen in der
Theorie des kollaborativen Lernens Lernen als Ko-Konstruktion von Wissen
zwischen den Lernerinnen stattfindet (vgl. Carell 2006, 21ff.). Da jeder
Versuch, diese Abgrenzung auf die unterschiedlichen Aufgabenbearbeitungen in
der Unterrichtsrealität zu übertragen, schnell deutlich macht, dass Mischformen
oder 'Formen dazwischen' überwiegen, erscheint es mir sinnvoller, von einem
Lernen mit einem hohen oder einem niedrigen Grad von Kooperativität zu
sprechen, vgl. ausführlicher Würffel 2007: 5f.
[9]
Der Faktor der Lernform bezieht sich auf die Unterscheidung zwischen
Präsenzlernen und Blended-Learning-Szenarien, vgl. Würffel 2006: 100f.
[10]
Synonym werden auch die Begriffe 'Mehrbenutzereditoren' oder 'verteilte
Editoren' gebraucht.
[11]
In den meisten Fällen werden kooperative Editoren auch nicht als
stand-alone-Produkt angeboten, sondern im Zusammenhang mit anderen Werkzeugen
wie z. B. einem Chatwerkzeug, einer Kommentarfunktion, einer Dateiablage
etc. Auch wenn man hier also korrekterweise von einer Mehrbenutzerumgebung
sprechen müsste (vgl. Breuckmann & Mense 1995), die einen kooperativen
Editor beinhaltet, verwende ich weiter den Begriff der kooperativen Editoren
(weil es in diesem Artikel primär um deren Funktionalität für den FU geht),
meine damit aber ebenso auch Systeme, die gleichzeitig auch andere Komponenten
anbieten.
[12]
Die Editoren sind unter folgenden Adressen erreichbar: Google Text und
Tabellen: http://www.google.com/ google-d-s/hpp/hpp_de.html; Zoho Writer: http://zoho.com/ (deutsche Seite: http://writer.zoho.com/ jsp/home.jsp?serviceurl=%2Findex.do); Live Documents: http://www.live-documents.com/.
[13]
Technisch basiert das bei den meisten Programmen auf dem Einsatz von AJAX
(Asynchronous JavaScript and XML). Für eine genauere Beschreibung dieser
Technologie siehe Alby 2007: 135 oder Odendahl 2007.
-26-
[14]
Das hat zur Folge, dass sich der erstellte Text entweder an die
Netzöffentlichkeit oder an eine eingegrenzte, spezifische Lesergruppe wendet.
[15]
Vgl. http://cornelia.siteware.ch/blog/wordpress/2006/06/18/Wikis-im-sprachunterricht.
[16]
Natürlich könnte man sich auch den Einsatz eines Videokonferenz-Werkzeugs zur
Unterstützung kooperativer Schreibprozesse vorstellen; es würde aber mit hoher
Wahrscheinlichkeit immer in Zusammenhang mit einem kooperativen Editor
eingesetzt werden, so dass die folgenden Ausführungen auch für dieses Szenario
gelten würden.
[17]
Generell gilt allerdings, dass eine Begleitung des kooperativen
Schreibprozesses durch die Lehrperson nur stattfinden kann, wenn die
Lernerinnen die kooperativen Editoren auch wirklich als solche nutzen. So
warnen einige Autoren davor, dass die Lerner ihre Texte zum Teil außerhalb der
kooperativen Editoren verfassen, der Lehrer auf diese Weise auch nur das
fertige Produkt zu Gesicht bekommt und eine Prozessbegleitung deshalb gar nicht
möglich ist (vgl. Büffel, Pleil & Schmalz 2007: 9 oder Himpsl 2006: 58).
[18]
Odendahl arbeitet mit dem Bild, dass synchrone Editoren die virtuelle
Entsprechung von "ein Stift pro Lernendem" wären, wohingegen in der
asynchronen Form nur ein einziger Stift existiere, den die Gruppenmitglieder
herumgehen lassen müssten, vgl. ebd. 2007: 104, Fußnote 5.
[19]
Das Projekt ist inzwischen beendet, die verfassten Texte sind aber noch
zugänglich unter http://claudia-klinger.de/archiv/baecker/index.htm. Das Interview
von Simanowski findet sich auf http://www.simanowski.info/, ist aber leider
passwortgeschützt.
[20]
Carell (2006) stellte z. B. in ihrer Untersuchung zum kooperativen Lernen
in einem Hochschulseminar folgende Rollen bei den Mitgliedern der untersuchten
Gruppen fest: in moderierenden Rollen den Antreiber, den fokussierenden
Moderator, den Strukturgeber und den Ko-Moderator; in
inhaltlich-aufgabenbezogenen Rollen den inhaltlich Interessierten, den
Pragmatiker und den stillen Beitragenden; und in sozio-emotionalen Rollen den
Unterstützer, den Gleichgültigen, den Mitläufer und den Bipolaren (vgl. ibid.,
210f).
Copyright
©
2008 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht
Würffel, Nicola (2008), Kooperatives Schreiben im Fremdsprachenunterricht:
Potentiale des Einsatzes von Social-Software-Anwendungen
am Beispiel kooperativer Online-Editoren. Zeitschrift für
Interkulturellen
Fremdsprachenunterricht [Online] 13: 1, 26 S. Abrufbar unter
http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-13-1/beitrag/Wuerffel1.htm
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