line
line

Call for Papers:

Empirische Forschung zum landeskundlich-kulturbezogenen Lernen in Deutsch als Fremdsprache
(Themenausgabe der ZIF 02/2010)

Die Diskussion um die traditionelle Landeskunde im Fach Deutsch als Fremdsprache ist in den letzten Jahren auf mehreren Ebenen deutlich in Bewegung geraten. Zum einen nämlich ist dieser Bereich des Faches seit einigen Jahren auf der institutionellen Ebene bei weitem besser repräsentiert, als dies zuvor der Fall war; an einigen Universitäten wurden Professuren mit entsprechender Denomination eingerichtet und verschiedene Fachzeitschriften und Fachverbände haben sich des Themas verstärkt angenommen. Zum anderen hat auch die wissenschaftliche Diskussion über Zielsetzungen, Inhalte und Aufgaben der Landeskunde in Deutsch als Fremdsprache in letzter Zeit eine neue Qualität angenommen, liegen doch mittlerweile eine ganze Reihe tragfähiger Konzepte für die seit längerer Zeit geforderte Weiterentwicklung der Landeskunde vom bloßen ‚Anwendungsfach’ zur eigenständigen (Kultur)Wissenschaft vor, die auch teilweise bereits mit einigem Erfolg umgesetzt worden sind. Hier wird die weitere Entwicklung allerdings wesentlich davon abhängen, dass es gelingt, den Bereich im Konzert benachbarter und verwandter Forschungsdisziplinen wissenschaftlich konkurrenz- und anschlussfähig zu machen.

Die Landeskundediskussion hat sich lange Zeit vorrangig mit verschiedenen Konzepten und Ansätzen eines kulturbezogenen bzw. ‚interkulturellen’ Deutsch als Fremdsprache-Unterrichts befasst, die sich an Zielsetzungen wie ‚interkulturelle Kommunikationsfähigkeit’, ‚interkulturelle Kompetenz’ oder ‚Fremdverstehen’ orientierten. Über die Diskussion um den konkreten Inhalt und die Berechtigung der damit einhergehenden normativen Ansprüche des (landeskundlichen) Fremdsprachenunterrichts gerieten die konkreten Lernprozesse, die überhaupt erst zu solchen Zielen hinführen und die diese daher auch allererst legitimieren könnten, aus dem Blick. Was bis heute weit gehend fehlt, ist eine verlässliche empirische Basis, ist empirisch fundiertes Wissen darüber, wie solche Lernprozesse konkret verlaufen, wodurch sie angestoßen und wodurch sie eher blockiert werden, welche didaktischen Interventionen und welche Materialien für welche Lerner in welcher Situation hilfreich sind und welche nicht – kurz: was fehlt, ist empirische Forschung zum landeskundlichen bzw. kulturbezogenen Lernen im Kontext von Deutsch als Fremdsprache in nennenswertem Umfang und auf anschlussfähigem methodischem Niveau.

Diesem Desiderat der Forschung nicht nur, aber vor allem im Fach Deutsch als Fremdsprache abzuhelfen und damit zugleich ein Signal zu setzen für verstärkte Anstrengungen in diesem Bereich, ist das vorrangige Ziel einer Themenausgabe der Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht zur empirischen Forschung zum landeskundlich-kulturbezogenen Lernen im Kontext von DaF, die nach derzeitiger Planung im Herbst 2010 erscheinen soll und die ein Forum sein will, auf dem bereits bestehende Projekte vor- und zur Diskussion gestellt werden können, die aber zugleich auch dazu anregen will, neue Projekte in Angriff zu nehmen. Wir laden alle Interessierten ein, bis 30.06.09 Themenvorschläge und Abstracts für einschlägige Beiträge bei einem der beiden Herausgeber (siehe unten) einzureichen. Es werden nur Beiträge aufgenommen, die tatsächlich empirisch fundiert sind, d.h. die auf der Grundlage empirischer Daten argumentieren und zumindest ein Mindestmaß forschungsmethodologischer Reflexion enthalten.

Mögliche Themen- bzw. Fragestellungen könnten beispielsweise sein:

  • Wie wirken sich bestimmte Lernmaterialien bzw. Lehrwerke in bestimmten Lehr-/Lernsituationen aus? Was lösen sie in den Köpfen der Lerner tatsächlich aus und wie lässt sich das überhaupt feststellen?
  • Trägt landeskundlicher Unterricht zur Änderung und/oder Weiterentwicklung vorhandener (stereotypischer) Wissensinhalte und Einstellungen bei und wenn ja: in welcher Weise?
  • Welchen Einfluss haben Lehrpersonen auf die Einstellungen von DaF-Lerner(inne)n zum Zielsprachenland und auf deren landeskundlich-kulturbezogenen Lernprozess?
  • Welche (individuellen, sozialen, kontextspezifischen) Faktoren begünstigen das kulturelle Lernen, welche wirken sich eher nachteilig aus?
  • Handelt es sich bei kulturellen Lernprozessen tatsächlich, wie in letzter Zeit vielfach angenommen, um hochgradig individualisierte Lernprozesse oder lassen sich doch ‚kulturspezifische’ Gemeinsamkeiten (bzw. Differenzen) feststellen?
  • Inwieweit unterscheiden sich kulturelle Lernprozesse je nach Lernkontext?

Themenvorschläge und Abstracts bis 31.12.09 bitte an:

Prof. Dr. Claus Altmayer (altmayer@rz.uni-leipzig.de)           Prof. Dr. Uwe Koreik (uwe.koreik@uni-bielefeld.de)




Copyright © 2009 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

[Zurück zur Leitseite]
line
line