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Die Vorkurse Deutsch in Bayern: Ein Konzept zur Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund an der Schnittstelle
Kindergarten – Grundschule

Rupert Hochholzer

Universität Regensburg
Universitätsstraße 31
93053 Regensburg
Tel. 0941-943-3424
Fax: 0941-943-2927
E-mail: rupert.hochholzer@sprachlit.uni-regensburg.de

Abstract. Seit mehreren Jahren gibt es in Bayern ein flächendeckendes Angebot an Sprachförderkursen für Kinder mit Migrationshintergrund, das in Kooperation von Kindergarten und Grundschule durchgeführt wird. Im Beitrag wird zunächst die Konzeption der so genannten Vorkurse Deutsch beschrieben. Anschließend wird von der Tätigkeit eines Arbeitskreises im Raum Regensburg berichtet, der Fortbildungen für Kursleitende der Vorkurse konzipiert hat. Aus den bisher gewonnenen Erfahrungen mit den Vorkursen resultieren die abschließenden Thesen zur Weiterentwicklung dieses Angebotes.

Abstract. Several years ago, a preschool program was introduced across Bavaria for children with foreign cultural and linguistic backgrounds. It aims at supporting the early acquisition of the German language, and it largely depends on the cooperation between kindergartens and primary schools. This article first deals with the conceptual design of these so-called Vorkurse Deutsch.. It also supplies insights into the work of a research group in Regensburg that has designed a further training program for those who implement the Vorkurse. The article concludes with statements concerning the future development of these preschool courses, based on the experience gained so far.

Keywords: Sprachförderung Deutsch, Kindergarten, Grundschule.

1. Das Konzept der Vorkurse in Bayern

Um eine möglichst frühzeitige Sprachförderung in der Zweitsprache Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund durchführen zu können, wurden in Bayern im Jahr 2002 die so genannten Vorkurse Deutsch eingeführt. Es handelt sich hierbei um ein Kooperationsprogramm zwischen Kindergarten und Grundschulen, das von staatlicher Seite in der Zuständigkeit zweier unterschiedlicher Ministerien steht. Für die Kindertagesstätten ist in Bayern das Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS) zuständig, während für die Grundschulen das Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMuK) verantwortlich zeichnet. Als Zielsetzung der Vorkurse wird in den amtlichen Richtlinien der möglichst frühe Erwerb der deutschen Sprache genannt, um einen guten Schulstart ohne sprachliche Defizite sowie Freude an der Kommunikation zu erreichen. [1]

In den ersten Jahren nach seiner Einführung im Jahr 2002 umfasste das Programm vierzig Stunden, die im Zeitraum zwischen der Schuleinschreibung und dem Schuljahresende angeboten wurden. Der Stundenumfang des Sprachförderprojekts wurde schließlich zweimal erhöht: im Schuljahr 2005/2006 betrug der Umfang 160 Stunden, im Schuljahr 2008/2009 wurde die Förderung schließlich auf 240 Stunden aufgestockt und auf die zweite Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres ausgeweitet.



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Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen ist so geregelt, dass zu Beginn des vorletzten Besuchsjahres im Kindergarten zunächst der Sprachstand der Migrantenkinder ermittelt wird. Ab Februar erhalten die Kinder, bei denen Sprachdefizite festgestellt wurden, zwei Stunden pro Woche Deutschunterricht, der von qualifizierten Erzieherinnen erteilt werden soll. Im Vorschuljahr schließt sich eine erweiterte Förderung im Umfang von fünf Wochenstunden an. Diese Stunden werden in Kooperation von Kindergarten und Grundschule gegeben, zwei Stunden von den Erzieherinnen und drei Stunden durch Lehrkräfte der Grundschule. Je nach örtlichen Gegebenheiten kann der Vorkurs in den Räumen einer Kindertagesstätte oder in einer Grundschule stattfinden.

Zielgruppe der Vorkurse sind Kinder, deren Eltern beide nicht deutschsprachiger Herkunft sind und bei denen im Kindergarten dringender Förderbedarf in der deutschen Sprache festgestellt wurde. Nach den amtlichen Vorgaben soll zur Feststellung des Förderbedarfs der SISMIK-Bogen (= Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen) verwendet werden, und zwar die Seiten 7 und 8 aus dem Gesamtbogen. [2] Die genannten Seiten des Diagnoseverfahrens beziehen sich auf „Sprachliche Kompetenz im engeren Sinn“ und enthalten die Aspekte „Verstehen von Handlungsaufträgen/Aufforderungen“, „Sprechweise/ Wortschatz“ und „Satzbau, Grammatik“. Für die einzelnen Fragen werden Punkte vergeben; dringender Förderbedarf, der den Besuch des Vorkurses zur Folge hat, besteht beispielsweise bei einem unter vierjährigem Kind, wenn es weniger als 24 Punkte erreicht hat. [3]

Zwar sind die Eltern von Kindern nichtdeutscher Muttersprache verpflichtet, ihre Kinder an der Sprachstands–feststellung teilnehmen zu lassen, der Besuch der Vorkurse ist jedoch freiwillig, da Vorschulkinder nicht der Schulpflicht unterliegen. Es wird also lediglich eine Empfehlung zum Besuch des Vorkurses ausgesprochen.

Für die Durchführung der Vorkurse ist die enge Zusammenarbeit von Erzieherinnen und Grundschullehrkräften vorgesehen. Verantwortlich für die Organisation der Vorkurse ist die Grundschule in Absprache mit den Kindergärten. Da die örtlichen Rahmenbedingungen in einem Flächenstaat wie Bayern sehr unterschiedlich ausfallen, werden von staatlicher Seite keine Vorgaben zur Organisation gemacht. [4] Die Kooperation soll aber nicht nur auf organisatorische Aspekte beschränkt werden, vielmehr ist eine inhaltliche Abstimmung hinsichtlich der Inhalte, Methoden und der verwendeten Materialien erwünscht. [5] Bezüglich der inhaltlichen Gestaltung der Vorkurse wird den Durchführenden relativ viel Freiheit gelassen. So wird beispielsweise auf die Handreichung des Instituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) und des Staatsinstituts für Frühpädagogik „Lernszenarien – Ein neuer Weg, der Lust auf Schule macht“ verwiesen. [6] Daneben können aber auch eigene Sprachförderprogramme Anwendung finden, wobei die dafür entstehenden Kosten nicht übernommen werden. Vorgegeben ist lediglich, dass sich Erzieherinnen und Grundschullehrkräfte inhaltlich abstimmen.

Wie eingangs erwähnt, ist es das Ziel des Vorkurses, den Schulstart ohne sprachliche Defizite zu ermöglichen. Allerdings wird im kultusministeriellen Schreiben auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass Kinder trotz Teilnahme an der Fördermaßnahme immer noch nicht die für den Schulbesuch notwendigen Sprachkenntnisse erreichen. In diesen Fällen soll ein möglicher sonderpädagogischer Förderbedarf abgeklärt werden. [7]



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2. Das Regensburger Modell

Nach der Erhöhung der Stundenzahl der Vorkurse von 40 auf 160 Stunden im Jahr 2005 bestand im Regensburger Raum dringender Handlungsbedarf zur Weiterqualifizierung derjenigen Erzieherinnen und Grundschullehrkräfte, die die neuen Kurse innerhalb kürzester Zeit durchführen sollten. Da im Grundschulbereich kaum Lehrpersonal mit entsprechenden Qualifikationen im Fach Deutsch als Zweitsprache vorhanden war und auch zu wenig Erzieherinnen über Erfahrungen in diesem Bereich verfügten, bildete sich in Regensburg ein Arbeitskreis mit dem Ziel, den Kursleiterinnen und Kursleitern der Vorkurse den Start in ihr neues und zum Teil ungewohntes Aufgabenfeld zu erleichtern. [8]

In den Jahren seit der Gründung des Arbeitskreises hat sich die enge Zusammenarbeit von Erzieherinnen und Grundschullehrkräften im Rahmen dieses Gremiums bewährt, da von Beginn an die spezifischen und lokal sehr unterschiedlichen Anforderungen und Perspektiven beider Seiten berücksichtigt werden können. Unterstützt wird der Arbeitskreis von Mitarbeiterinnen einer mit Migrationsfragen beschäftigten städtischen Erziehungsberatungsstelle, die unter anderem den wichtigen Aspekt der Elternarbeit einbringen, da die Mithilfe des Elternhauses für den Zweitspracherwerb von hoher Bedeutung ist. [9] Die wissenschaftliche Fundierung der Fortbildungen im Bereich der Mehrsprachigkeitsforschung und des Zweitspracherwerbs wird schließlich von Seiten der Universität Regensburg geleistet.

Seit dem Jahr 2005 hat der Arbeitskreis in Regensburg und im Regierungsbezirk Oberpfalz 15 Fortbildungen bei über 650 Erzieherinnen und Grundschullehrkräften durchgeführt. Zunächst werden neben den Grundlagen des Erst- und Zweitspracherwerbs die Grundzüge der Mehrsprachigkeitsforschung vermittelt. Großer Wert wird in den Weiterbildungen für die Durchführenden der Vorkurse darauf gelegt, dass frühkindliche Sprachförderung nicht auf grammatische Detailphänomene oder lediglich auf den Ausbau des Wortschatzes reduziert wird. [10] Sprache wird vielmehr in ihrem kommunikativen Zusammenhang gesehen. Deshalb spielt vor allem die Verwendung von Texten und die Entwicklung von Literalität [11] eine wesentliche Rolle. Den Kursleiterinnen und Kursleitern der Vorkurse werden deshalb Beispiele für konkrete Themenkreise vorgestellt, die zum einen zu den inhaltlichen Schwerpunkten des Kindergartens passen, zum anderen auch in Bezug auf Welt- und Sprachwissen für den Unterricht der ersten Jahrgangsstufe der Grundschule von großer Bedeutung sind. Mögliche Inhalte für den Vorkurs Deutsch sind „Sich vorstellen und Grußformeln; Meine Familie; Spiele, Spielzeug, Freizeit, spielen; Literarische Texte und Märchen (Der süße Brei, Rotkäppchen, Der Wolf und die sieben Geißlein, Die Bremer Stadtmusikanten, Nikolaus-Legende, Weihnachtsgeschichten etc.); Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst, Winter (Kleidung, Wetter, Natur), Zeitbegriffe (Tageszeit, Wochentage, Lebenslauf); Gesundheit, Krankheit, Körperteile; Wohnung, wohnen, Stadt, Dorf, Gebäude, Verkehrsmittel; Tiere, Pflanzen, Natur, Wald, Wiese, Garten; Schule, Gebäude, Personen; Farben, Zahlen, Raum-Lage-Beziehungen, Mengenbegriffe, Flächen- und Körperformen, Materialien, Eigenschaften.“

Besonders Augenmerk wird der Didaktik und Methodik der Zweitsprachförderung in den Vorkursen gewidmet. Darüber hinaus werden verschiedene Aspekte und Möglichkeiten der Elternarbeit besprochen und die organisatorischen Rahmenbedingungen erläutert. Da die Fortbildungen sowohl von den Erzieherinnen als auch den Grundschullehrkräften besucht werden, können wichtige organisatorische Details im Rahmen der Fortbildungen angesprochen und geklärt werden. Ziel des Arbeitskreises ist es auch, einen engen inhaltlichen Austausch zwischen Erzieherinnen und Grundschullehrkräften anzuregen.



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3. Erfahrungen mit den Vorkursen in Regensburg

Um die mit der Durchführung der Vorkurse betrauten Personen nach ihren eigenen Erfahrungen zu befragen, wurde bereits 2006 eine kleinere Pilotstudie bei einem ausgewählten Kreis von Erzieherinnen und Lehrkräften durchgeführt. [12] Dazu wurde ein Evaluationsfragebogen für die Kursleitenden entwickelt, der neben Fragen zur Ausführung und Organisation der Vorkurse den Aspekt der Sprachstandsdiagnose und die Einschätzung der Sprachkompetenz bei den teilnehmenden Kindern beinhaltet. Gefragt wurde auch nach der Durchführung von Elternarbeit. Für die Weiterentwicklung der Fortbildungen des Regensburger Arbeitskreises waren darüber hinaus die Einschätzungen der Lehrkräfte und Erzieherinnen zum Fortbildungspaket gefragt. Die Befragung, die im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung bei 76 Personen durchgeführt wurde, bestätigte zunächst die dringende Notwendigkeit der Weiterbildung der Kursleiterinnen und Kursleiter. Denn auf die Frage, ob bereits vor Realisierung der Vorkurse berufliche Erfahrungen im Bereich Deutsch als Zweitsprache gesammelt werden konnten, antworten 47 % der Befragten mit „nein“. 52 % gaben zwar an, über Erfahrungen zu verfügen. Allerdings zeigte die konkrete Nachfrage nach der Art der Erfahrung in diesem Bereich, dass sie sich aus der Präsenz von Kindern mit Migrationshintergrund in ihrer Einrichtung oder aus nicht näher differenzierten institutionellen Anforderungen heraus ergab. Lediglich ein knappes Zehntel der Befragten konnte konkrete Fortbildungen in Deutsch als Zweitsprache vorweisen.

Auf die zahlreichen Hinweise zu organisatorischen Problemen bei der Umsetzung der Vorkurse wie dem schon genannten Transport der Kinder in die jeweilige Einrichtung soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sie zeigten aber, dass in diesem Bereich durchaus Nachbesserungen notwendig sind.

Wichtige Erkenntnisse brachte die Pilotstudie in Hinblick auf die Einschätzung des Nutzens der Vorkurse aus der Perspektive der Kursleitenden. So beobachten knapp 70 % positive Veränderungen der Kinder im sozialen Verhalten. Bezüglich der Sprachkompetenz der Kinder erkannten 75 % Steigerungen im Wortschatz, 65 % bei der Satzbildung und 60 % im Hörverstehen. Allerdings zeigte sich auch, dass die an sich verpflichtenden Sprachstands–feststellungen von 40 % der Kursleiter nicht durchgeführt wurden. Auffällig war hier die allgemeine Unsicherheit bei der Durchführung von Sprachstandserhebungen. Generell lässt sich der dringende Wunsch nach weiterer fachlicher Unterstützung von Seiten des Arbeitskreises, besonders im Bereich der Sprachstandsfeststellung konstatieren. Die überwiegende Mehrheit (84 %) der Befragten schätzen die Fortbildungen durch den Arbeitskreis als hilfreich ein.

Die Befragung ergab auch, dass eine Intensivierung der Elternarbeit dringend angeraten ist. So hielten knapp 65 % die Einführung von Elternabenden für notwendig, tatsächlich durchgeführt wurden sie aber lediglich in den Einrichtungen von 13 % der Befragten.



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Seit der Durchführung der genannten Befragung gibt es immer wieder Hinweise von Mitgliedern des Arbeitskreises, die sich aus den Rückmeldungen von Vorkurse durchführenden Erzieherinnen und Grundschullehrkräften ergeben und die genannten Aspekte bestätigen, zum Teil auch ergänzen. An erster Stelle der Schwierigkeiten mit den Vorkursen stehen wiederum organisatorische Fragen, die sich vor allem in ländlichen Regionen stärker als in den Städten bemerkbar machen. [13] Zudem wird der Einsatz des SISMIK-Bogens für die Erhebung des Sprachstandes von vielen Erzieherinnen direkt oder indirekt abgelehnt. Nach wie vor besteht große Unsicherheit bezüglich der Feststellung des Sprachstandes der Kinder. Zweifel bestehen zum Teil daran, ob die Zuweisung der Kinder in die Vorkurse auch richtig war oder vielmehr dem gesteigerten Wunsch der Eltern nach optimaler Sprachförderung entspringt. Mehrfach wurde nämlich beobachtet, dass die Eltern stärker als zu Beginn der Vorkurse für eine Aufnahme in die Sprachförderung plädieren, vor allem um die befürchtete Benachteiligung ihrer Kinder zu verhindern. Während dies eine eher positive Änderung der Bewertung von Sprachförderung für Migrantenkinder durch die betroffenen Eltern widerspiegelt – eine entsprechende empirische Überprüfung wäre hier angezeigt – stimmt der vielfach geäußerte Wunsch von Kursleitenden nach vorgefertigten Materialien und fertigen Sprachlernlehrgängen bedenklich. Ohne entsprechendes Hintergrundwissen und die gezielte fachliche Ausbildung in Fragen des Zweitspracherwerbs ist die bloße Anwendung des Materials kaum zielführend und wird ohne Kenntnis der Komplexität des Spracherwerbs schwerlich zu den gewünschten Effekten bei den Kindern führen. In diesem Bereich ist intensive Aus- und Weiterbildung dringend erforderlich.

Selbstredend können die hier auszugsweise angedeuteten Ergebnisse der Pilotstudie und die beim Arbeitskreis eingegangenen Einschätzungen keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben, sie konnten aber für die nachfolgenden Fortbildungen des Arbeitskreises hilfreiche Anregungen geben. Eine breiter angelegte Studie, die für den Herbst 2009 geplant ist, soll hier weitere Daten zur Durchführung der Vorkurse liefern.

4. Schlussfolgerungen

Aus den obigen Bemerkungen ergeben sich für den Verfasser einige Schlussfolgerungen, die in folgenden Thesen zusammengefasst werden sollen:

(1) Die Vorkurse können durchaus als richtiger Schritt der möglichst frühen Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund angesehen werden. Trotz der angedeuteten Probleme und Schwierigkeiten bei der Durchführung der Vorkurse sollte aber die Entwicklung von Sprachförderkonzepten an der Schnittstelle zwischen Kindergarten und Grundschule weiter engagiert betrieben werden. Dazu bedarf es zunächst einer Verbesserung der organisatorischen Rahmenbedingungen.

(2) Dazu müssen die bestehenden Konzepte und Programme evaluiert und schrittweise verbessert werden. Die Sprachförderung eines mittlerweile großen Anteils von mehrsprachigen Kindern im Kindergarten und in der Grundschule darf nicht auf dem derzeitigen Niveau stehen bleiben, sondern muss unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Spracherwerbsforschung ständig erneuert und optimiert werden.

(3) Stärker als bisher muss der Bereich Deutsch als Zweitsprache in der Ausbildung der Erzieherinnen, aber auch in der Lehrerausbildung verankert werden. Dies ist unerlässlich, um die mit der sprachlichen Bildung der Kinder mit Migrationshintergrund befassten Personen mit den entsprechenden Kompetenzen auszustatten.

(4) Mehr als bisher muss in die Grundlagenforschung im Bereich des kindlichen Spracherwerbs, besonders bei mehrsprachigen Kindern investiert werden. Erst auf der Grundlage gesicherter Erkenntnisse können langfristig wirkende Sprach-fördermaßnahmen ergriffen werden, die sich auf die gesamte Sprachkompetenz der Kinder erstrecken und sich nicht auf Teilbereiche wie Wortschatz oder Artikelgebrauch beschränken.

(5) Von großer Bedeutung ist auch die Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit für Fragen der Mehrsprachigkeit. Letztlich sollte die natürliche Mehrsprachigkeit der Kinder mit Migrationshintergrund auch als positive Ressource angesehen werden.



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(6) Mehrsprachigkeit darf nicht in allzu verkürzter Weise mit sprachlicher Behinderung gleichgesetzt werden. Fatale Folge dieser Annahme ist die immer noch weit verbreitete Meinung, dass Zwei- oder Mehrsprachigkeit an sich ein Problem darstellt. Bei entsprechender Förderung können normal entwickelte Kinder ohne weiteres zwei oder mehr Sprachen bis zu einem hohen Niveau entwickeln und diese für ihre persönliche, aber auch für die gesellschaftliche Entwicklung nutzen.

 

Literatur

Adybasova, Anastasia;Altmüller, Sonja &Kuyumcu, Reyhan (2007), Sprachentwicklung erfassen und beschreiben: Das Beobachtungsverfahren SISMIK. Flensburger Papiere zur Mehrsprachigkeit und Kulturenvielfalt im Unterricht. Flensburg: Universität Flensburg, Abteilung Deutsch als fremde Sprache.

Apeltauer, Ernst (2003), Literalität und Spracherwerb. Flensburger Papiere zur Mehrsprachigkeit und Kulturen–vielfalt im Unterricht. Flensburg: Universität Flensburg, Abteilung Deutsch als fremde Sprache.

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS): „Sprachförderung – Vorkurse“. Abrufbar unter: http://www.regierung.unterfranken.bayern.de/imperia/md/content/regufr/ schuleundbildung/vorkurse_stmas_01_06.doc (ohne Seitenzahl). Abruf: 12.8.2009.

Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK), Deutschfördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Muttersprache, KMS Nr. IV.2- 5S 7400.9-4.14513 vom 3.3.2009. Abrufbar unter:http://www.regierung.unterfranken.bayern.de/unsere_aufgaben/5/2/17467/index.html. Abruf 15.8.2009.

BLLV (Bayerischer Lehrerinnen- und Lehrerverband), Erhebliche Defizite bei der sprachlichen Förderung. Pressemitteilung, München 3.6.2009. Abrufbar unter: http://www.bllv.de/cms/uploads/media/20090603.pdf. Abruf 20.8.2009.

Hochholzer, Rupert & Wildfeuer, Alfred (2005), Vorkurse 160: Ein Regensburg Konzept zur sprachlichen Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Deutsch als Zweitsprache 4, 34-37. Schneiderverlag Hohengehren.

Institut für Schulqualität (ISB)/Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) (2009), Gemeinsame Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, Lernszenarien. Ein neuer Weg, der Lust auf Schule macht, Teil 1: Vorkurs. Deutsch lernen vor Schulbeginn. München: Finken-Verlag.

Penner, Zvi; Fischer, Andreas & Krügel, Christian (2006), Von der Silbe zum Wort. Rhythmus und Wortbildung in der Sprachförderung. Troisdorf: Bildungsverlag EINS.

Ulich, Michaela & Mayr, Toni (2003), SISMIK - Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen. (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.



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Anmerkungen

[1] Vgl. KMS 03.03.2009 Nr. IV.2- 5S 7400.9-4.14513; zu den rechtlichen Vorgaben vgl. auch http://www.regierung.unterfranken.bayern.de/unsere_aufgaben/5/2/17467/index.html.

[2] Zu SISMIK vgl. Adybasova (2007).

[3] Vgl. Ulich & Mayr (2003).

[4] Zu den organisatorischen Fragen gehören der Ort der Durchführung sowie der Transport der Kinder zur jeweiligen Einrichtung. Auch die Übernahme von Fahrtkosten ist hier zu berücksichtigen. Diese organisatorischen Details erscheinen zunächst nebensächlich, können aber durchaus die Durchführbarkeit des Programms in Frage stellen, da die Transportkosten grundsätzlich von den Eltern getragen werden müssen.

[5] Vgl. StMAS „Sprachförderung – Vorkurse“. Abrufbar unter http://www.regierung.unterfranken.bayern.de/imperia/md/content/regufr/schuleundbildung/vorkurse_ stmas_01_06.doc (ohne Seitenzahl).

[6] IFB/ISP (2009), Lernszenarien.

[7] Vgl. StMUK (2009), Deutschfördermaßnahmen, 3.

[8] Zur Zusammensetzung des Regensburger Arbeitskreises vgl. http://www-cgi.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Germanistik/daz/. Vgl. auch Hochholzer & Wildfeuer (2005)

[9] Vgl. Projekt „InMigra-KiD“ (Integration von Migrantenkindern in Deutschland). Abrufbar unter: http://www.regensburg.de/buerger/rathaus/aemter_gegliedert/direktorium3/pdf_doc/konzept_inmigra_kid.pdf.

[10] Vgl. z.B. Penner (2006).

[11] Zur Anbahnung von Literalität vgl. Apeltauer (2003).

[12] Der Fragebogen wurde von Kismet Seiser und Rupert Hochholzer erarbeitet.

[13] Zu ähnlichen Ergebnissen hinsichtlich der Organisation der Vorkurse kommt eine Befragung des BLLV aus dem Jahr 2009. Vgl. http://www.bllv.de/cms/uploads/media/20090603.pdf.




Copyright © 2009 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

Hochholzer, Rupert (2009), Die Vorkurse Deutsch in Bayern: Ein Konzept zur Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund an der Schnittstelle Kindergarten – Grundschule.
Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht [Online] 14:2, 7 S.
Abrufbar unter http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-14-2/beitrag/Hochholzer3.htm

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