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Karl, Fred (2009), Einführung in die Generationen- und Altenarbeit. Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich. ISBN: 978-3-86649-990-4. 224 Seiten, 16,90 Euro.

Sprachenlernen ist seit einiger Zeit nicht mehr nur Aufgabe von Kindern, Jugendlichen und Studierenden; im Rahmen der beobachtbaren Flexibilisierung von Berufs- und Lebensverläufen – und nicht zuletzt in der demografisch konstatierten „alternden Gesellschaft“  werden fremde Sprachen vermehrt auch im Laufe des gesamten Erwachsenenalters gelernt. Zudem lernen Menschen auch nach der Phase der Berufstätigkeit im höheren Alter fremde Sprachen: Die Gründe hierfür sind vielfältig, meist jedoch sind es Reiseaktivitäten oder der Anspruch sinnvoller Freizeitgestaltung. Je fortgeschrittener das Alter des Sprachenlernenden, umso vielfältiger und auch wichtiger sind die Vorerfahrungen, die der Lerner im Laufe seines Lebens gesammelt bzw. nicht gesammelt hat. Sie bestimmen – neben Modifikationen in der Informationsverarbeitung – den Lernprozess wesentlich mit. Insofern ist es wichtig, als Lehrender in den entsprechenden Kontexten nicht nur über die einerseits individuellen (Sprachlern-)Biografien, sondern auch über die generationen- bzw. kohortenspezifischen Bildungskonditionen von Lerngruppen informiert zu sein. Hierfür bietet Fred Karls Einführung in die Generationen- und Altenarbeit eine sehr informative und auch für Nicht-Altersforscher gut lesbare Grundlage.

Im Format eines Studienbuches (Stichwörter am Rand mitlaufend aufgeführt) umreißt der Autor in neun Kapiteln einzelne Belange der Bildungsarbeit mit Menschen ab dem Alter von 50 Jahren, wobei er die – auch für die Sprachlehr- und lernforschung relevante  – prozessuale Sicht des „Alterns“ als Grundlage des wissenschaftlichen Zugangs wählt. Die für den Fremdsprachenlehrer in der Erwachsenenbildung besonders wichtigen Kapitel möchte ich im Folgenden näher betrachten.

In Kapitel 1 „Erziehungswissenschaftliche Annäherungen“ werden die zentralen Begrifflichkeiten und damit Konzepte und Sichtweisen der Bildung von Menschen im fortgeschrittenen Erwachsenenalter eingeführt. Altern als „multidimensionales Geschehen“ (23) wird über die Zusammenführung verschiedener Alterskonstrukte (kalendarisches, biologisches, soziologisches, psychologisches Alter) erklärt.

In Kapitel 2 fokussiert Karl die kompetenzorientierte Sicht auf Alterns- und Bildungsprozesse, wobei besonders intergenerationelle Aspekte des Lernens in das Zentrum der Betrachtung gestellt werden, das Miteinander- und Voneinanderlernen in altersinhomogenen Gruppen, wie sie besonders auch in Sprachkursen an Volkshochschulen anzutreffen sind. Der Leser findet hier Antworten auf Fragen wie: Welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten treffen Lehrkräfte in altersinhomogenen Lernarrangements an, oder wie können Möglichkeiten zu intergenerativem Lernen geschaffen werden?

Kapitel 3 „Die Älteren und Alten heute – dynamisch gesehen“ ist das zentrale Kapitel des vorliegenden Buches. Hier wird das Konzept der „Lebenslaufmuster“ individuell und historisch verankert. Im Rückgriff auf Jugendstudien der 1950er und 1960er Jahre erklärt der Autor das Bildungsverhalten der heute über 50-jährigen, deren Bildungsinteressen und -motive. Dass vermehrt Menschen über 50 Jahren fremde Sprachen lernen und lernen werden, lässt sich an den einschlägigen Zahlen der Bildungsinstitutionen ablesen, die eine zunehmende Bildungsbeteiligung bestätigen und über die konstant wachsende Bildung der genannten Zielgruppen erklären (das heißt, immer mehr Menschen einer Kohorte können einen Hochschulzugang und ein darauf basierendes Studium vorweisen). Karl fasst die Situation zusammen mit dem Satz: „Der Erwachsenenstatus ist zum Lernen freigegeben“ (55).



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Kapitel 4 ist besonders hinsichtlich des Konzeptes des „Erfahrungswissens älterer Menschen“ (81) von Interesse. Hier liegen für den fremdsprachendidakitschen Kontext bisher kaum genutzte Potentiale, die beispielsweise in sog. „Patenschaftsprojekten“ realisiert werden können: Vorstellbar sind Patenschaften älterer deutschsprachiger oder mehrsprachiger Menschen, die Kinder mit Migrationshintergrund beim Erlernen des Deutschen als Zweitsprache unterstützen (Kapitel 7 verweist auf die Notwendigkeit einer weiteren Öffnung von Bildungsinstitutionen wie Schulen für derartiges Engagement älterer Menschen). Zentrale pädagogische Handlungsaspekte wie „role-taking“ und „role-making“ (82f) werden hier eingeführt und müssten auf den zweitsprachendidaktischen Kontext übertragen werden. Nicht das Sprachenlernen, sondern das Sprachenlehren älterer Menschen tritt hier in den Vordergrund – wobei lehrende Tätigkeit nach heutigem Verständnis immer auch Prozesse des Lernens mit einschließt.

Kapitel 5 widmet sich dem Begriff der gesellschaftlichen Partizipation, die sich in der vielfältigen Ausformung von Bildungsangeboten niederschlägt, wie sie in Kapitel 6 dargestellt sind. Hier geht der Autor auf die für den fremdsprachendidaktischen Kontext grundlegende Frage eines Curriculumsentwurfs ein (126f), dessen Möglichkeiten in einzelnen Bausteinen dargestellt wird.

Im letzten und neunten Kapitel des Buches (Kapitel 8 widmet sich im vorliegenden Kontext wenig relevanten pathologischen Aspekten des Alterns) untersucht Fred Karl die Frage, inwieweit Wissen über Alterungsprozesse in die universitäre Ausbildung integriert werden sollte und wie sich entsprechend spezielle Ausbildungs- und Berufsprofile formieren können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fred Karls Einführung in die Generationen- und Altenarbeit ein grundlegendes und sehr leserlich aufbereitetes Werk für Hochschullehrer und Lehrende in Institutionen der Erwachsenenbildung darstellt, die sich mit dem Phänomen älterer Lernender in Theorie und Praxis beschäftigen. Zudem kann es auch Lehrenden als Informationsquelle über die Spezifika des eigenen  individuellen und auch kohortenspezifischen (Lehr-)Verhaltens dienen.

Annette Berndt
(Ruhr-Universität Bochum)




Copyright © 2010 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht

Karl, Fred (2009), Einführung in die Generationen- und Altenarbeit. Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich. ISBN: 978-3-86649-990-4. 224 Seiten. Rezensiert von Annette Berndt.
Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht [Online] 15: 1, 2010, 2 S.
Abrufbar unter http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-15-1/beitrag/Karl1.htm

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