(K)eine
Frage des Alters – Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe
Lars
Schmelter
Bergische
Universität Wuppertal
Fachbereich
A – Geistes- und Kulturwissenschaften, Romanistik
Gaußstr. 20
42119
Wuppertal
Tel. +49
(0)202 / 439-2161
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E-Mail: lars.schmelter@uni-wuppertal.de
Abstract:
Als Argument für den Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe wird in
bildungspolitischen Diskussionen häufig auf die Kurzformel "je jünger,
desto besser" zurückgegriffen. Auf der Basis aktueller Beiträge zum Faktor
'Alter' beim Zweitsprachenerwerb und beim Fremdsprachenlernen, die
unterschiedlich relevant für Fremdsprachenunterricht sind, geht dieser Beitrag
der Frage nach, ob unter den gegebenen schulischen Bedingungen das jüngere
Einstiegsalter als Argument herangezogen werden kann. Dabei wird gezeigt, dass
der Faktor 'Alter' allein sich weder als Argument für den Beginn des
Fremdsprachenunterrichts noch als Richtschnur seiner methodischen Gestaltung
eignet. Die vorliegende Forschung deutet darauf hin, dass der Faktor 'Alter'
mit einer Reihe anderer relevanter Faktoren verknüpft ist. Dabei werden
spezifische Bedingungen und Anforderungen junger Fremdsprachenlerner deutlich, die bei der Planung und Durchführung berücksichtigt werden sollten.
In
discussions about foreign language learning in primary school, the truism ‘the
younger the better’ is often voiced. In the light of recent research into the
‘age factor’ in second language acquisition and foreign language learning,
regarded as two distinct processes, this paper discusses whether age of onset
may be a valid argument in favour of early foreign language teaching in school.
The article will draw attention to evidence indicating that age is related to a
multiplicity of other determinants which, taken together, form a complex of
inter-related and interacting factors. This complexity underlines the
importance of taking into account the specific circumstances and needs of young
learners when planning and delivering foreign language teaching.
Schlagwörter: Faktor 'Alter', Fremdsprachenlernen in der Grundschule, Fremdsprachenunterricht in der Grundschule, critical period hypothesis, Strategienentwicklung.
1. Je
jünger, desto besser – Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe eine
Frage des Alters
In seinem
einleitenden Beitrag zu einem Sammelband, der aus der wissenschaftlichen
Evaluation des flächendeckend neu eingeführten Fremdsprachenunterrichts
Englisch in der Grundschule in Nordrhein-Westfalen erwachsen ist (Engel,
Groot-Wilken & Thürmann (Hrsg.) 2009), stellt Thürmann (2009: 5) fest, dass
das "Potenzial des frühen kindgemäßen Lehrens und Lernens von Sprachen
[..] bei Weitem noch nicht vollständig erschlossen" sei. Dazu seien noch
einige Anstrengungen zum Beispiel in der Lehrerbildung notwendig.
"Erforderlich ist auch eine von den Ergebnissen der Sprachlehr- und
-lernforschung gestützte radikale Auseinandersetzung mit den Mythen und
Orthodoxien zur Didaktik und Methodik des kindgemäßen
Fremdsprachenunterrichts" (Thürmann 2009: 5).
Ein mit
Blick auf den frühen Fremdsprachenunterricht besonders langlebiger und
einflussreicher Mythos – sowohl hinsichtlich bildungspolitischer
Entscheidungsprozesse als auch hinsichtlich methodisch-didaktischer
Fragestellungen – spiegelt sich in der sprichwortartigen Kurzformel
"je jünger, desto besser" wider. Obwohl in der Fremdsprachenforschung
zum Faktor "Alter" Ergebnisse vorliegen und ‑lagen, die zu
einem differenzierteren Blick hätten führen können, wird die griffige
Kurzformel weiterhin zur Begründung für den Fremdsprachenunterricht auf der
Primarstufe herangezogen. Dabei wird, wie u.a. Grotjahn (2005: 188f.) zeigt,
selten deutlich gekennzeichnet, was sich hinter dem Qualitätskriterium
"besser" konkret verbirgt: eine höhere Lerngeschwindigkeit, ein
höheres abschließend erreichtes Kompetenzniveau oder gar eine höhere Kompetenz
und Motivation weitere Sprachen zu lernen.
-2-
Dies kann
exemplarisch am baden-württembergischen Bildungsplan für die Grundschule aus
dem Jahr 2004 gezeigt werden. Dort heißt es: "Schülerinnen und Schüler
erwerben fremde Sprachen noch immer im Wesentlichen in der Schule. Sie erlernen
Fremdsprachen umso leichter, je früher sie damit beginnen können. Deshalb sieht
der Bildungsplan 2004 das Erlernen einer Fremdsprache ab Klasse 1 vor"
(MKJS BW 2004: 13). Bereits in dieser kurzen Passage wird eine wichtige
Argumentationsfigur erkennbar, die zur Begründung des frühen
Fremdsprachenunterrichts auch anderenorts herangezogen wird: Kinder lernen
Fremdsprachen leichter, je früher sie damit beginnen. Deshalb ist es sinnvoll
den schulischen Fremdsprachenunterricht so früh wie möglich einsetzen zu
lassen.
Die quasi synonyme
Verwendung der Begriffe "Erwerben" und "Lernen" kann
einerseits mit Blick auf die Textsorte und ihre Adressaten erklärt werden. [1]
Andererseits werden in der zitierten Passage des baden-württembergischen
Bildungsplans implizit bereits die weiteren Vorannahmen erkennbar, die die
Grundlage für die Herleitung und Begründung der methodisch-didaktischen
Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts auf der Primarstufe bilden. Der
Bildungsplan in Baden-Württemberg geht nämlich davon aus, dass die Schüler in
der Grundschule bei ihren Bemühungen, sich die schulisch vermittelte
Fremdsprache anzueignen, altersbedingt ähnlich vorgehen wie beim
Erstspracherwerb bzw. ähnliche oder gar die gleichen (kognitiven) Prozesse
nutzen wie die, die sie schon beim Erwerb ihrer Muttersprache entwickelt und
herangezogen haben. So heißt es beispielsweise in den Leitgedanken zum
Kompetenzerwerb Englisch bzw. Französisch in der Grundschule: "Das
Sprachenlernen in diesem frühen Lernalter orientiert sich am natürlichen
Spracherwerb der Muttersprache" (MKJS BW 2004: 72 bzw. 86). Und weiter:
Kinder
lernen Sprachen in der kommunikativen Interaktion, in der sie selbst Anstöße
zur Reflexion finden und geben. So setzt auch das Lehrverfahren da an, wo die
Stärken der Kinder sind: In der Interaktion und im Verfahren, aus der
Interaktion heraus Sprachen zu lernen. Kinder haben in ihrem vorschulischen
Spracherwerb gelernt, aus der Interaktion heraus Sprachwissen aufzubauen,
Sprache aus der Situation zu lösen, Sprachformen und Sprachinhalte zu abstrahieren
(MKJS BW 2004: 72 bzw. 86).
In der
Darstellung des Bildungsplans eignen sich die Kinder auf der Primarstufe die
Fremdsprache allein durch ihre Darbietung in authentischer und für sie
interessanter Interaktion an. Die Aneignung bedarf folglich keiner
systematisierenden Darstellung sprachlicher Regularitäten, die beispielsweise
das Lernen älterer Lerner erleichtert und beschleunigt. Dieses Wissen über
Sprache und ihre Formen generieren die Kinder in der Grundschule selbst, wenn
es ihnen das Sprachangebot im Unterricht erlaubt.
Aus dieser
Konzeptualisierung des Fremdsprachenlernens auf der Primarstufe und den daraus
abgeleiteten didaktisch-methodischen Vorstellungen ergibt sich für den
Bildungsplan "das immersiv-reflexive Lehren und Lernen [als] grundsätzliches
Prinzip für den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule" (MKJS BW 2004:
72 bzw. 86).
Immersiv
ist das Lehren und Lernen, wenn es Sprache in Interaktion anbietet, das heißt
wenn die angebotene Sprache situationsbezogen und authentisch ist, wenn Sprache
vor allem echter Mitteilung dient und die angebotene Sprache so den
Schülerinnen und Schülern erlaubt, Sprachwissen aufzubauen (MKJS BW 2004: 72
bzw. 86; Hervorhebung im Original).
-3-
Die Prägung
des Begriffs "immersiv-reflexiv" ist nicht unproblematisch. Sie
verweist einerseits auf die Immersionssituation beim Zweitsprachenerwerb oder
in Schulen, die einen mehr oder weniger großen Teil des Unterrichts nicht in
der üblichen Unterrichtssprache, sondern in einer für die Schüler fremden
Sprache, die zumeist eine weitere Landessprache ist. Von Immersion wird dabei
in der Regel dann gesprochen, wenn mehr als 50 % des Unterrichts in der
Zweitsprache erfolgt. Dies dürfte bei zwei Wochenstunden, die für den
Fremdsprachenunterricht in den Klassen 1-4 vorgesehen sind, selbst dann nicht
erreicht werden, wenn – wie es der Bildungsplan in Baden-Württemberg vorsieht
– ein Teil des Sachunterrichts ebenfalls in der Fremdsprache unterrichtet
wird. Andererseits wird mit dem Adjektiv "reflexiv" verdeutlicht,
dass die Schüler in der Grundschule Sprache nicht allein durch Imitation
erwerben, sondern auch durch bewusste Hypothesen- und Regelbildung lernen.
Eventuell wollen die Autoren des Bildungsplans auch auf die Bedeutung von
Unterrichtselementen, die die sprachliche Form in den Mittelpunkt stellen,
verweisen, da sich z.B. in kanadischen Immersionsschulen gezeigt hatte, dass
die bloße Immersion zwar zu relativ guten alltagssprachlichen kommunikativen
Kompetenzen führte, dass jedoch die literalen Sprachkompetenzen, in der von
Cummins & Swain (1998) geprägten Begrifflichkeit "cognitive academic
language proficiency", wesentlich schlechter ausgeprägt waren.
Wenn der
baden-württembergische Bildungsplan für den Fremdsprachenunterricht auf der
Primarstufe unter Verweis auf das Alter der Schüler behauptet, dass das Lernen
einer Fremdsprache in der Grundschule dem Erwerb der Muttersprache vergleichbar
abläuft, von dem wiederum angenommen wird, dass er leicht und ohne
Schwierigkeiten erfolgt, so erhält diese Behauptung ihr insbesondere auch
politisches Gewicht durch die implizit bleibende, aber auch in der allgemeinen
Öffentlichkeit weit verbreitete Annahme, dass es für die Aneignung von
Fremdsprachen eine kritische oder sensible Phase gebe, nach deren Abschluss es
vergleichbar schwieriger oder unmöglich wird, sich (bestimmte) Kompetenzen in
einer Sprache anzueignen. [2] Die von Lenneberg (1967) für den Erstspracherwerb
ins Feld geführte critical period hypothesis, die dann durch die
Zweitsprachenerwerbsforschung übernommen wurde (siehe unten), wird hier also
mehr oder weniger bewusst auch auf das schulisch gesteuerte Lernen einer
Fremdsprache bezogen. Konsequent wird dann auch für den Fremdsprachenunterricht
gefordert, er solle den Gegebenheiten des Erwerbs der Muttersprache möglichst nahe
kommen und entsprechend gestaltet werden (siehe zur Kritik an solchen Ansätzen
u.a. Mindt & Wagner 2009: Kap. 1). Dabei wird der Erwerb der Muttersprache
jedoch nicht gänzlich mit dem der Fremdsprache gleichgesetzt. Dies wird zum
Beispiel daran deutlich, dass davon ausgegangen wird, dass die Schüler selbst
oder durch den Unterricht initiiert sich "reflexiv" mit sprachlichen
Phänomenen auseinandersetzen und so sowohl ihre Kompetenzen in der Mutter- als
auch in der Fremdsprache ausbauen. [3]
Im
Folgenden werde ich unter Rückgriff auf aktuelle Forschungsergebnisse und
Diskussionsbeiträge zum Faktor "Alter" in der Sprachlehr- und ‑lernforschung
der Frage nachgehen, ob das jüngere Einstiegsalter unter den gegebenen
Bedingungen des Fremdsprachenunterrichts auf der Primarstufe tatsächlich als
Argument für diesen Unterricht herangezogen werden kann; und zwar ungeachtet
seiner fortbestehenden pädagogischen Begründung. Dabei werde ich aufzeigen,
dass der Faktor "Alter" für sich genommen weder als Begründung für
den Beginn des Fremdsprachenunterrichts noch als Richtschnur für seine
didaktisch-methodische Gestaltung herangezogen werden sollte. Die vorliegenden
Erkenntnisse zum (Fremdsprachen-)Lernen im Grundschulalter und in der
Grundschule deuten m.E. eher darauf hin, dass der Faktor "Alter" mit
einer Reihe anderer für das Fremdsprachenlernen relevanten Faktoren in zum Teil
wechselseitigen Beziehungsgeflechten steht, die bei Festlegung von
Stundentafeln und der didaktisch-methodischen Konzepte sowie bei Fixierung von
Lehrzielen und der Bewertung der Ergebnisse des Fremdsprachenunterrichts auf
der Primarstufe berücksichtigt werden sollten.
-4-
2.
Altersbedingte Unterschiede beim Zweitsprachenerwerb
Der Faktor
"Alter" wird in der Erst- und insbesondere in der Zweitsprachenerwerbsforschung
vor allem mit Blick auf die von Lenneberg (1967) aufgestellte Hypothese einer
kritischen Periode des Erstsprachenerwerbs untersucht. [4] In der Erforschung des
Erwerbs von Zweitsprachen unter nicht gesteuerten Bedingungen in einer
zweitsprachigen Umgebung steht im Zusammenhang mit der Überprüfung dieser
Hypothese die Frage im Mittelpunkt, ob sich altersbedingt der höchstmöglich
erreichbare Sprachstand (ultimate attainment) älterer Lerner von dem jüngerer
Lerner unterscheidet und ob der Sprachstand, der in einer Zweitsprache erworben
werden kann, sich normalerweise vom erstsprachlichen Sprechern erreichten
Sprachstand unterscheidet. [5] Bei der Untersuchung dieser Fragestellung konnte
schon relativ früh nachgewiesen werden, dass ältere Lerner den jüngeren
zumindest in den ersten Phasen des Zweitspracherwerbs unter natürlichen
Bedingungen hinsichtlich der Erwerbsgeschwindigkeit (rate of acquisition)
überlegen sind. Andererseits gibt es mittlerweile viele Belege dafür, dass
jüngere Lerner den älteren Lernern auf lange Sicht überlegen sind und höhere
Sprachstände erreichen.
Im Zuge von
Bemühungen die critical period hypothesis zu falsifizieren, indem man gezielt
nach Beispielen für muttersprachengleiche Sprachstände bei Lernern suchte, die
zu einem mehr oder weniger späten Zeitpunkt die Zweitsprache in natürlichen
Kontexten erworben haben, zeigte sich u.a., dass die erkennbaren Unterschiede
auf verschiedene Phasen und damit verbunden unterschiedliche Formen des Erwerbs
einer Zweitsprache hindeuten, die mit dem Alter der Lerner in Verbindung
gebracht werden können. Zugleich zeigt sich auch, dass diese Phasen nicht immer
die Sprache als Ganze betreffen, sondern zu unterschiedlichen Zeitpunkten
unterschiedliche Sprachbereiche. Und selbst im häufig untersuchten
morphosyntaktischen Bereich des Spracherwerbs lassen sich offensichtlich
Strukturen herausarbeiten, deren Erwerb sich mit zunehmenden Alter in komplexer
Weise anders gestaltet als beim Erwerb in jüngeren Jahren (siehe u.a. Dimroth
2007; 2008).
Ob und wie
sich die Altersfaktoren auf den Zweitspracherwerb auswirken, kann also nicht
pauschal vorausgesagt werden, sondern muss immer im Hinblick auf den einzelnen
Lerngegenstand - als Teil des zielsprachlichen und des lernersprachlichen
Systems - spezifiziert werden. Überspitzt kann man festhalten, das
Eigenschaften der zielsprachlichen Grammatik, die häufig, auffällig und
kommunikativ relevant, zugleich aber nicht zu komplex und nicht redundant sind,
in allen Lebensaltern erworben werden. Bei Eigenschaften hingegen, die selten
vorkommen, schwer wahrzunehmen sind, komplexe Formen aufweisen und zusätzlich
redundante oder kommunikativ irrelevante Information ausdrücken, können sich
auch kleine Unterschiede in den verschiedenen Altersfaktoren auf den Lernerfolg
auswirken. Wie sie sich auswirken, d.h. ob bestimmte Merkmale ausgelassen,
regularisiert oder irgendwie uminterpretiert werden, hängt sowohl mit der
Struktur der Zielsprache als auch mit der Funktionsweise der Lernervarietät
selbst zusammen (Dimroth 2007: 134).
-5-
Auf der
Grundlage der von ihnen rezipierten Forschung unterscheiden beispielsweise
Nicholas & Lightbown (2008) zwischen dem parallelen Erstsprachenerwerb
(Bilingualismus) und zwei unterschiedlichen Phasen des Zweitsprachenerwerbs.
Beim parallelen Erstsprachenerwerb werden aufgrund der gegebenen
Sozialisationsbedingungen (zwei- bzw. mehrsprachige Umgebung) zwei oder mehr
Sprachen quasi als Erstsprachen in vergleichbarer, wenn auch spezifischer Weise
wie eine einzige Erstsprache erworben. Die Phase, in der von einer
Vergleichbarkeit von Erst- und Zweitsprachenerwerb ausgegangen werden kann, ist
nach Ansicht von Nicholas & Lightbown (2008) relativ kurz und endet um das
2. Lebensjahr. Dies hängt ihrer Ansicht nach u.a. damit zusammen, dass
berücksichtigt werden müsse, dass Kinder durch und beim Erwerb der Erstsprache
relativ schnell deren Instrumentcharakter und ihr funktionieren erkennen.
L1 and L2
learning contexts may appear to be similar and the long term outcomes of L2 and
early L2 acquisition may also be difficult to distinguish, but the child
acquiring a second language has different expectations and exhibits different
behaviours from the child who is discovering Language for the first time
(Nicholas & Lightbown 2008: 46).
In einer
zweiten Phase, dem frühen Zweitsprachenerwerb, dessen Spanne sie für die Zeit
vom etwa zweiten bis siebten Lebensjahr setzen, weisen die Erwerbsprozesse der
Lerner Ähnlichkeiten sowohl mit den Prozessen des Erstspracherwerbs als auch
mit denjenigen der Lerner der späteren Erwerbsphase auf. Dies gelte es bei der
Gestaltung von institutionellen Stützmaßnahmen zum Spracherwerb durch
Aktivitäten, die sowohl den focus on form als auch den focus on meaning
zulassen, zu berücksichtigen.
Young child
second language learners are both like and unlike first language learners. They
bring with them experience-related insights into the nature of Language, but
the application of these insights to the learning of the additional language
results in distinct processes of language development. Young children come to
instructed second language development settings with sophisticated (even if
implicit) understanding of the nature of Language and the relationships between
Language and social context. It is precisely because they already have these insights
that the way in which they go about dealing with a new language is different
from the process that age-equivilant peers will be using as they continue to
develop their first language (Nicholas & Lightbown 2008: 47).
Diese
Befunde scheinen die im baden-württembergischen Bildungsplan zugrundegelegten
Annahmen weitgehend zu bestätigen, sieht man einmal davon ab, dass Nicholas
& Lightbown (2008) sich auf den Zweitsprachenerwerb und nicht auf das
Fremdsprachenlernen beziehen.
Unter
anderen Vorannahmen, Fragestellungen und mit anderen Methoden kommt auch Meisel
(2007) zu dem Ergebnis, dass das Alter zu Erwerbsbeginn von grammatischen
Phänomenen über den erreichbaren Erfolg in hohem Maße mitentscheidet. Aufgrund
der von ihm referierten Forschungsergebnisse kommt er zu zwei Alterszeiträumen,
die um 4 bzw. um 6-7 Jahre liegen. Für Meisel (2007: 110) "gibt es gute
Gründe für die Annahme, dass für bestimmte Aspekte der Morphosyntax schon dann
die optimalen Entwicklungsphasen zu Ende gehen." [6] Meisel (2007: 110f.)
leitet daraus Konsequenzen sowohl für den schulischen Fremdsprachenunterricht
als auch für die Förderung von Kindern ab, die "in ihren Familien
monolingual aufwachsen und mit der Mehrheitssprache des Landes erst nach der
Einschulung in engeren Kontakt kommen." Obwohl eine zweite Sprache auch
nach den von ihm skizzierten optimalen Phasen noch erfolgreich angeeignet
werden könne, so dürfe nicht außer acht gelassen werden, dass dies in der Regel
mit höherem Aufwand verbunden sei. Außerdem spielten mit zunehmendem Alter
individuelle Fähigkeiten eine zunehmende Rolle. "Alles spricht dafür, dass
durch einen früheren Erwerbsbeginn, etwa im frühen Kindergartenalter, der
Erwerb der Mehrsprachigkeit bedeutend erleichtert werden könnte" (Meisel
2007: 111).
-6-
Alles in
allem zeigen die Studien zum Faktor "Alter", dass es einerseits
deutliche Unterschiede insbesondere hinsichtlich der Geschwindigkeit des
Spracherwerbs zwischen älteren und jüngeren Lernern gibt. Darüber hinaus zeigt
sich, dass die interindividuellen Unterschiede der Lernergebnisse mit höherem
Alter größer werden und dass ein hohes Kompetenzniveau in allen Sprachbereichen
und bezogen auf alle Fertigkeiten mit höherem Alter bei Beginn des
Spracherwerbs unwahrscheinlicher, aber nicht unmöglich wird. Die Frage, ob es
beim Zweitsprachenerwerb tatsächlich eine critical period gibt oder nicht, kann
auf der Basis der jetzigen Forschungserkenntnisse nicht eindeutig beantwortet
werden. Singleton (2005, 2007) geht sogar soweit, dass die divergierenden
Erkenntnisse, Konzeptualisierungen und Erklärungsansätze als Gegenbeleg für die
Existenz einer kritischen Periode herangezogen werden sollten.
Nichtsdestotrotz
werden – wie ich einleitend exemplarisch gezeigt habe – diejenigen
Erkenntnisse der Zweitsprachenerwerbsforschung, die auf eine wahrscheinlich
höhere Abschlusskompetenz bei früherem Erwerbsbeginn hindeuten, regelmäßig auch
für die Begründung des frühen Lernens einer Fremdsprache und seiner
methodisch-didaktischen Gestaltung in der Schule herangezogen. In jüngster Zeit
warnt jedoch insbesondere Carmen Muñoz (2008a, 2008b) eindringlich davor, die
Ergebnisse der Zweitsprachenerwerbsforschung zum Faktor "Alter"
unmittelbar auf den schulischen Fremdsprachenunterricht zu übertragen. [7] Mit
Blick auf die Faktoren "Dauer des Sprachkontakts" (length of
exposure), "Alter zu Beginn der Aneignung (mit signifikantem
Sprachkontakt)" und "Alter beim Testen" verweist Muñoz (2008a)
auf Symmetrien und Asymmetrien zwischen der Aneignung in natürlichen Kontexten
(hier im Sinne von Erwerb) einerseits und der Aneignung im institutionellen
Fremdsprachenunterricht außerhalb einer zielsprachlichen Umgebung (hier im
Sinne von Lernen) andererseits, die ein Übertragen von Erkenntnissen, die in
Erwerbskontexten gewonnen wurden, auf Lernkontexte unangemessen erscheinen
lassen. Insbesondere der quantitativ und qualitativ andere, vor allem auch
deutlich reduzierte Sprachkontakt beim Fremdsprachenlernen führt ihrer Meinung
nach zur Notwendigkeit, den Faktor "Alter" im Kontext des Fremdsprachenunterrichts
mit anderen Fragestellungen zu untersuchen, als in der
Zweitsprachenerwerbsforschung, wo es hauptsächlich darum ginge, die critical
period hypothesis zu falsifizieren.
Muñoz
(2006a, 2006b, 2007, 2008a, 2008b) schlägt u.a. die folgenden Fragestellungen vor:
- Worin
bestehen die lang- und kurzfristigen Vorteile eines bestimmten Alters zu
Lernbeginn in spezifischen Lehr-Lern-Angeboten? Wie können diese erklärt
werden?
- Wie
umfangreich muss der Input sein, damit der Frühbeginn einen effektiven Start
beim Fremdsprachenlernen sicherstellen kann?
- Wie
profitieren Schüler unterschiedlichen Alters von zeitlich unterschiedlich
angeordneten mehr oder weniger intensiven Lernangeboten, die in der Schule
realisiert werden können? Wie hängen Intensität des Lernangebots, Lernalter und
Lernergebnisse zusammen? Welchen Einfluss haben mehr oder weniger kurze
Aufenthalte in zielsprachlicher Umgebung und in welchem Zusammenhang stehen sie
zum Alter bei Lernbeginn bzw. beim Auslandsaufenthalt?
- Wie
unterscheidet sich die Lerngeschwindigkeit bei Lernern unterschiedlichen
Alters? Welchen Kompetenzstand können Fremdsprachenlehrer von Lernern, die in
einem bestimmten Alter das Lernen der Fremdsprache aufgenommen haben, nach 4,
8, oder n Jahren erwarten? (Muñoz 2008a: 585, 591)
Diese
Fragestellungen und ihre Relevanz ergeben sich für die Autorin unter anderem
aus den bislang vorliegenden Studien zum Faktor "Alter" beim
schulischen Fremdsprachenlernen.
-7-
3.
Fremdsprachenlernen – je früher, desto besser, wenn...
Durch das
von Muñoz (2006) geleitete Barcelona Age Factor Project (BAF-Projekt) liegen
nunmehr Erkenntnisse zum Faktor "Alter" im Fremdsprachenunterricht
vor, die aufgrund von vielen Ähnlichkeiten zwischen dem untersuchten Kontext in
Katalonien und dem Englischunterricht in deutschen Schulen zumindest
ansatzweise übertragen werden können. Muñoz und ihre Kollegen untersuchten in
einer umfangreichen Longitudinalstudie die Sprachkenntnisse in Englisch, die
Schüler unterschiedlichen Alters nach gleicher Kontaktzeit (gemessen in
Unterrichtsstunden) vorwiesen (siehe Muñoz (Ed.) 2006). Die aus dem Projekt und
seinem Umfeld hervorgegangenen Studien und Erkenntnisse [8] zeigen u.a.:
- Ältere
Lerner zeigen in Instruktionskontexten eine höhere Lerngeschwindigkeit und zwar
insbesondere im Bereich der Morphosyntax. Die Abstände der erreichten
Sprachstände zwischen Lernern mit gleicher Kontaktzeit aber unterschiedlichem
Alter bei Lernbeginn sind in solchen Sprachbereichen geringer, die im Vergleich
weniger durch explizite Lernprozesse (im Sinne von Ellis 2004) bestimmt sind
wie z.B. das Hörverstehen (Muñoz 2006: 31f.).
Dieser
Befund sollte m.E. auch vor dem Hintergrund bewertet werden, dass im
Anfangsunterricht auf der Primarstufe eventuell anders unterrichtet wird, als
in der weiterführenden Schule. Während in der Primarstufe möglicherweise
aufgrund der Annahme, jüngere Lerner gingen an die Aneignung einer Fremdsprache
ähnlich oder genauso heran wie an den Erwerb der Erstsprache (s.o. Kap. 1), ein
großer Wert auf den focus on meaning gelegt wird und der Schwerpunkt auf
"Zuhören, Sprechen und Handeln" gelegt wird, könnten in der
weiterführenden Schule von Beginn des Fremdsprachenunterrichts an verstärkt
auch Aktivitäten, die sprachformale Aspekte behandeln (focus on form), regelmäßiger
Inhalt des Unterrichts sein. Zu den eventuell unterrichtsinduzierten
Unterschieden der Lernergruppen geben die Arbeiten aus dem BAF-Projekt m.E.
keine befriedigenden Antworten. Dies gilt umso mehr, als es mittlerweile eine
Reihe von deutlichen Hinweisen gibt, dass aufgrund der besonderen kognitiven
Lernvoraussetzungen von Schülern auf der Primarstufe zwar einerseits die Arbeit
an der fremdsprachlichen Grammatik nicht so erfolgen kann und sollte wie in der
weiterführenden Schule [9], dass jedoch auch in der Grundschule Schüler von einer
Systematisierung und Erklärung sprachstruktureller Regeln zu profitieren
scheinen (Diehr 2009; Diehr & Frisch 2008; Diehr & Polte erscheint;
Kuhn 2006). Dies dürfte insbesondere auch dann gelten, wenn die Schüler auf der
Primarstufe verstärkt auch an das Lesen und Schreiben in der Fremdsprache
herangeführt werden, wofür Edelenbos et al. (2006) auf der Grundlage ihres
Forschungsüberblick plädieren (siehe auch Rymarczyk 2008 und die dort
aufgeführte Literatur).
-8-
- Bei den
Lernern, die in jüngerem Alter begonnen hatten, Englisch zu lernen,
beschleunigten sich die Lernzuwächse, unabhängig von den vorgängigen Lernzeiten
etwa mit 12 Jahren. Diese Unterschiede werden von Muñoz (2006: 34) insbesondere
unter Verweis auf die weiter entwickelten kognitiven Fähigkeiten der älteren
Lerner erklärt (siehe auch Kap. 4):
In other
words, the findings from this study lead to the following prediction for age
effects in the long term: when younger learners attain a state of cognitive
development that is similar to that of the older learners with whom they are
being compared, and are given the same conditions of time and exposure (and
instruction), the differences should disappear (Muñoz 2006: 34).
Dieser
Befund läuft denjenigen Annahmen zuwider, die auf der Grundlage der
Erkenntnisse aus der Zweitsprachenerwerbsforschung eine langfristige höhere
Sprachkompetenz der jüngeren Lernanfänger voraussagten. Bei diesem Argument von
Muñoz sollte andererseits jedoch nicht außer Acht bleiben, dass durch die
Vorverlagerung des Fremdsprachenunterrichts ja gerade die Kontakt- und damit
die Lernzeit insgesamt erhöht werden sollen. Daher dürfte durch den Frühbeginn,
wenn die gewonnene Zeit entsprechend genutzt wird, der im schulischen
Fremdsprachenunterricht höchstmögliche Sprachstand steigen, zumal der Faktor
"time on task" mit zunehmendem Alter höhere Auswirkungen hat.
Allerdings wird durch die in Deutschland in vielen Bundesländern verkürzte Zeit
bis zum Abitur dieser Zugewinn an Lernzeit und potenzieller Kompetenzgewinn
nicht voll genutzt.
- Jüngere
Lerner scheinen dann einen Startvorteil gegenüber älteren Lernern zu haben,
wenn ihnen durch unterrichtliche Arrangements (z.B. Immersionsangebote) ein
umfangreicherer Sprachkontakt (amount of exposure) ermöglicht wird, da erst
unter diesen Bedingungen, die den jüngeren Lernern aufgrund ihrer kognitiven
Entwicklung zugänglichen kognitiven Fähigkeiten, die ein eher implizites Lernen
unterstützen, zum Tragen kommen können:
Implicit
learning improves with practice, but occurs slowly and requires massive amounts
of exposure. In other words, learners need to be exposed to multiple instances
of a feature before it is acquired. In a typical school syllabus, very little
time is devoted to the foreign language (usually no more than three one-hour
periods), and target language input is very limited (and part of it is usually
accented). As a consequence, exposure is very scarce and probably insufficient
for children to be able to make use of implicit learning mechanisms (DeKeyser
2000; DeKeyser & Larson-Hall 2005), and hence younger learners may not have
enough time and exposure to benefit form the alleged advantages of implicit
learning (Muñoz 2006: 33).
-9-
Diese
Erklärung könnte auch für den Befund Anwendung finden, dass jüngere Lerner mit
einem umfangreicheren Sprachkontakt bei gleichem Testalter gegenüber später
beginnenden Lernern in einigen kommunikativen Fertigkeiten, insbesondere beim
Hörverstehen Vorteile haben. Darauf deuten auch die von Edelenbos, Johnstone
& Kubanek (2006) zusammengetragenen Erkenntnisse zum Fremdsprachenlernen
auf der Primarstufe hin. Darüber hinaus zeigt sich hier jedoch noch einmal, wie
wichtig es wäre, in weiteren Studien zum Faktor "Alter" auf der
Primarstufe die konkreten Unterrichtsbedingungen und ‑arrangements mit in
den Blick zu nehmen, da die sprachbezogenen Lernergebnisse "stark von den
jeweiligen Curriculummodellen abhängig" sind (Edelenbos et al. 2006: 149).
Aufgrund
der im BAF-Projekt gewonnen Erkenntnisse kommt Muñoz (2006: 34; 2008a; 2008b)
zu dem Schluss, dass der Erfolg beim Fremdsprachenlernen als Zusammenspiel des
Sprachkontakts (exposure) mit dem Alter der Lerner zu betrachten sei. Insofern
könne ein früher Start des Fremdsprachenunterrichts zu einem größeren Erfolg
bei der Aneignung der Sprache führen, "but only provided that it is
associated with enough significant exposure" (Muñoz 2008a: 591; im
Original kursiv).
In ihrem
Forschungsbericht für die Europäische Kommission kommen Edelenbos et al. (2006)
zu ähnlichen Ergebnissen wie Muñoz. Sie zeigen zunächst, dass schulische
Fremdsprachenangebote in den Mitgliedsstaaten der Union im Vergleich zu
vorangegangenen Beobachtungszeiträumen (Blodin, Candelier, Edelenbos,
Johnstone, Kubanek-German & Taeschner 1998) aktuell tendenziell früher, d.h.
bereits auf der Primarstufe bzw. schon in der Vorschule angeboten werden. Nach
Sichtung der vorliegenden Forschungsberichte zum Frühbeginn in den
EU-Mitgliedsstaaten kommen Edelenbos et al. (2006: 10) zusammenfassend zu dem
Schluss: "Frühes Fremdsprachenlernen ist dem späteren Beginn des
Fremdsprachenunterrichts vorzuziehen." Jedoch sei die "Beweislage
[..] keineswegs absolut schlüssig" (Edelenbos 2006: 75). In jedem Fall sei
zu beachten, dass für "sich allein genommen [..] ein früher Beginn kaum
einen wesentlichen Unterschied" verursache (Edelenbos et al. 2006: 16).
Damit das Potenzial des frühen Beginns genutzt werden könne, müsse er "mit
hochwertigem Unterricht durch Lehrer" einhergehen, "welche die
komplette Bandbreite notwendiger Kompetenzen und Fertigkeiten erworben
haben" (Edelenbos et al. 2006: 16).
Letztendlich
ist diese Feststellung nicht neu. Grau & Legutke (2008: 16f.) verweisen
daher bei ihrer Bewertung der Schlüsselstudie von Edelenbos et al. (2006)
zurecht darauf, dass schon in den 1970er-Jahren in der Bundesrepublik
Forschungsarbeiten zum Englischunterricht in der Grundschule zu ähnlichen
Ergebnissen gekommen waren (siehe u.a. Doyé & Lüttge 1977). Da bislang
diese bereits sehr früh vorliegenden Erkenntnisse der Forschung von der
Bildungspolitik nicht zur Kenntnis genommen worden seien, komme "es nach
dieser Bestätigung durch die erneute wissenschaftliche Untersuchung auf
europäischer Ebene nun umso mehr darauf an, den Rahmenbedingungen des
Sprachenlernens Aufmerksamkeit zu schenken" (Grau & Legutke 2008: 17).
Zugleich sollte m.E. jedoch nicht unberücksichtigt bleiben, dass die
Erkenntnisse zum früh einsetzenden Fremdsprachenunterricht gegenüber den 1970er
Jahren doch erheblich gewachsen sind. Diese deuten auf altersbedingte
Unterschiede sowohl hinsichtlich der Lernwege als auch der Lernprozesse hin,
die es für die Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts auf der Primarstufe zu
berücksichtigen gilt.
-10-
4.
Fremdsprachenlernen auf der Primarstufe – altersbedingte Unterschiede bei den
Lernwegen und ‑ergebnissen
In den von
Edelenbos et al. (2006) gesichteten Forschungsarbeiten und Praxisberichten
zeigen sich neben den bereits genannten Charakteristika des
Fremdsprachenlernens auf der Primarstufe, weitere altersbedingte Unterschiede
zwischen jüngeren und älteren Fremdsprachenlernern, auf die im Folgenden
eingegangen werden soll. Diese betreffen an erster Stelle die Motivation und
die Begabung [10] der Schüler auf der Primarstufe. Die "Begabung" wird
dabei von den Autoren der Schlüsselstudie in Übereinstimmung mit den
Erkenntnissen der Sprachlehrforschung zur Sprachlerneignung (siehe zur
Begründung des deutschen Begriffes und als Forschungsüberblick Schlak 2008) als
"nicht etwas von Geburt an Festgelegtes" (Edelenbos et al. 2006: 146)
verstanden: "Tatsächlich ist sie ein Wesensmerkmal, das durch den Prozess
des Lernens in der Grundschule entwickelt und verstärkt werden kann". Dies
verweist darauf, dass die kognitive Entwicklung der Schüler auf der Primarstufe
und mit ihr die Entwicklung wichtiger Voraussetzungen für das Lernen noch nicht
abgeschlossen sind. Betroffen sind hiervon u.a. die folgenden auch
sprachlernrelevanten Bereiche: das Gedächtnis, die Selbstwahrnehmung und
Selbstreflexivität, die Ausprägung des individuellen Leistungsmotivs und die
selektive Informationsaufnahme, die ich im Folgenden skizzieren werde.
Hasselhorn
(2004) fasst die Veränderung der individuellen Lernvoraussetzungen in einem
Fünf-Stufen-Modell zusammen. Die erste Stufe, die er ungefähr um das sechste
Lebensjahr ansetzt, ist gekennzeichnet durch "die Automatisierung des
subvokalen Rehearsalprozesses in der phonologischen Schleife" des
Gedächtnisses (Hasselhorn 2004: 22). Hasselhorn (2004; 2006) sowie Hasselhorn
& Grube (2006) legen ihren entwicklungspsychologischen Forschungen das
Gedächtnismodell von Baddeley (1997; 2007) [11] zugrunde. Darin spielt das
phonologische Teilsystem – von Baddeley "phonologische Schleife"
(phonological loop) genannt – eine zentrale Rolle. Es besteht aus zwei
Komponenten: dem phonetischen Speicher, der wie ein Echogedächtnis neue
sprachliche Informationen etwa zwei Sekunden zur Verfügung hält, und dem
inneren Nachsprechprozess (rehearsal), "der dafür sorgt, dass die
Information, die in unseren Speicher gelangt ist, und von der unsere zentrale
Exekutive signalisiert, dass es relevante Information ist, auch für grössere
Zeiträume präsent gehalten wird" (Hasselhorn 2004: 16). Diese
phonologische Schleife verändert sich bis ins 16. Lebensjahr hinein: Sie wird
bis dahin immer schneller und aufgrund eines besseren Automatisierungsgrades
auch immer effizienter. Der entscheidende Schritt erfolgt aber mit der
Automatisierung des rehearsals, also dem inneren Nachsprechen, etwa im sechsten
Lebensjahr. Hasselhorn (2004: 17) ist daher sogar der Meinung, dass das
Einschulungsalter diesem Zeitpunkt angepasst werden sollte. In jedem Fall muss
dieser wichtigen Komponente des Gedächtnisses und damit der individuellen
Lernvoraussetzungen unter schulischen Bedingungen Rechnung getragen werden.
Eine unveränderte Vorverlagerung des Grundschulcurriculums und seiner Methoden,
wie dies momentan in Nordrhein-Westfalen umgesetzt wird, lässt folglich eine
wichtige Erkenntnis der Entwicklungs- und Gedächtnispsychologie außer acht.
Einen
weiteren Wendepunkt der kindlichen Entwicklung sieht Hasselhorn (2004: 22) mit
etwa acht Jahren, wenn sich der kindliche Überoptimismus löst und
realistischeren Selbsteinschätzungen Platz macht. Diese Entwicklungsstufe ist
für den Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe mit Blick auf die
motivationale Entwicklung der Kinder von besonderem Interesse. Wenn der
Fremdsprachenunterricht in den Klassen 1 oder 2 einsetzt, so wird er
voraussichtlich auf Schüler treffen, die von ihren Fähigkeiten überzeugt sind.
Setzt der Fremdsprachenunterricht erst in Klasse 4 ein, so wird die eigene
Kompetenzeinschätzung und das Leistungsmotiv der Schüler eine stärkere Rolle
übernehmen.
-11-
Die
Motivation bei Schülern auf der Primarstufe scheint vornehmlich intrinsischer
Natur zu sein (Edelenbos et al. 2006: 62ff.), auch wenn in einigen Studien
deutliche Einflüsse aus dem sozialen Umfeld erkennbar werden (siehe z.B. Csizér
& Kormos 2009; Enever 2009; Mihaljevic Djigunovic 2009). Darüber hinaus
wird aus den vorliegenden Studien für Edelenbos et al. (2006: 146) auch
erkennbar, dass die intrinsische Motivation auch durch "intellektuelle
Herausforderung und Gefühle der Zufriedenheit mit der eigenen Leistung
entsteht". Marschollek (2002) fand in seiner Befragung von Grundschülern
heraus, dass Kinder, die bereits in den ersten Lernjahren Kontakt mit
"Ausländern" hatten, in der Folgezeit ein vergleichsweise höheres
Interesse am Sprachenlernen aufwiesen. Ähnlich argumentieren Edelenbos et al.
(2006):
Es liegen
Erkenntnisse vor, daß Einladungen von Besuchern und das Angebot intensiver
kultureller Erfahrungen Kinder auf gänzlich andere Art als im tagtäglichen
Unterricht motiviert und in ihnen den Willen zur Kommunikation erweckt. Die
Gelegenheiten für authentische Begegnungen sollten verstärkt werden. (Edelenbos
et al. 2006: 153).
Aber auch
der medial vermittelte Kontakt könnte bei den jüngeren Lernern ähnliche
motivationale Wirkungen zeigen.
Die dritte
Stufe der Entwicklung der Lernvoraussetzungen charakterisiert Hasselhorn (2004)
wie folgt:
Vermutlich
ist es kognitiv der gleiche Prozess, der die motivationalen Veränderungen im
achten Lebensjahr auslöst und dann zwischen acht und zehn Jahren für einen
deutlichen Anstieg systemischer und exekutiver Metakognitionen sorgt. Die
Kinder beginnen immer mehr über sich selbst nachzudenken, über ihr eigenes
Wissen sowie über ihr eigenes Lernen. Als Konsequenz daraus wenden sie
plötzlich spontan Strategien an. Die Produktionsdefizite vieler Strategien
verlieren sich am Ende der Grundschulzeit vermutlich als Folge der abstrakten
Selbstreflexivität (Hasselhorn 2004: 23)
Hinter dem
Begriff "Strategien" verbergen sich bei Hasselhorn (2004) und
Hasselhorn & Grube (2006) zielgerichtete, bewusste und kontrollierbare
Prozesse, die zwar einerseits kognitive Kapazitäten binden, andererseits aber
die Lernleistungen verbessern. In der Regel wird von einem Phasenmodell mit
vier Stufen ausgegangen: In einer ersten Phase sind die Kinder aufgrund ihrer
Voraussetzungen nicht in der Lage eine bestimmte Strategie anzuwenden; und zwar
auch dann, wenn ihnen genau erklärt wird, was sie tun müssten
(Mediationsdefizit). Diese Phase ist im Schulalter zumeist überwunden. Häufig
zeigen sich im Schulalter allerdings Produktionsdefizite: "Das heisst,
obwohl sie [die Kinder] durch systematische Anleitung dazu gebracht werden
könnten, die Strategie zu zeigen, zeigen sie sie nicht spontan von sich
aus" (Hasselhorn 2004: 18). Dieses Defizit kann mit der Zeit überwunden
werden, führt aber bisweilen in ein sogenanntes Nutzungsdefizit: "Die
Strategie wird zwar produziert, aber ineffizient" (Hasselhorn 2004: 19).
Erst nach überwinden dieser Phase kommt es zur kompetenten Strategienutzung. In
der Regel wenden Kinder parallel unterschiedliche Strategien an. Im Laufe der
Entwicklung verändert sich die Häufigkeit, mit der bestimmte Strategien genutzt
bzw. nicht genutzt werden. Strategien aus einer frühen Phase, die mit der Zeit
kaum noch eingesetzt wurden, können zu einem späteren Zeitpunkt wieder häufiger
genutzt werden und umgekehrt.
-12-
Hier zeigt
sich auf der Ebene der kognitiven Entwicklung der Schüler auf der Primarstufe,
dass es sinnvoll ist, methodisch-didaktische Unterschiede beim
Fremdsprachenunterricht in den Klassen 1 und 2 einerseits und 3 und 4
andererseits zu machen (Mindt & Wagner 2009).
Die vierte
von Hasselhorn (2004) skizzierte Entwicklungsstufe betrifft bereits den
Zeitraum, in dem Schüler von der Primar- auf die Sekundarstufe wechseln. Im
Alter von ungefähr elf bis zwölf Jahren kommt es zu einem deutlichen Anstieg
der systemischen metakognitiven und exekutiven Funktionen und zu einer zunehmend
selbstständigen Strategienutzung. Diese Entwicklung ist Voraussetzung für die
Herausbildung eines stabilen Leistungsmotivs, wobei dieses auch eine
misserfolgsängstliche Ausprägung annehmen kann. Interessant mit Blick auf die
Ergebnisse im BAF-Projekt ist, dass diese Entwicklungsstufe zeitlich mit den
von Muñoz (2006) beobachteten Leistungsexplosionen im Fremdsprachenunterricht
korrespondiert.
Auf der
fünften Entwicklungsstufe, die etwa mit zwölf Jahren beginnt und bis etwa zum
16. Lebensjahr andauert, kommt es zu einer weiteren wichtigen Veränderung
hinsichtlich der kognitiven Lernvoraussetzungen. Die Kinder bzw. Jugendlichen
können jetzt in immer effizienterer Weise gezielt für das Lernen irrelevante
Informationen ausblenden (Hasselhorn 2004). Damit wird es aus einer vom Lerner
ausgehenden Betrachtung von Lernen (z.B. im Sinne von Holzkamp 1995) immer
wichtiger, dass der Fremdsprachenunterricht deutlich macht, worum es ihm geht
(z.B. um die Aneignung morpho-syntaktischer Regeln, das fehlerfreie Wiedergeben
von fremdsprachlichen Entsprechungen für deutsche Einzelwörter,
interkulturelles Verstehen, Bildung oder Sprachhandlungskompetenz), und dass
der Lerner dies auch so wahrnimmt. Zugleich wird der Lerner stärker nach
eigenen Interessen darüber entscheiden, was für seine persönlichen
Handlungsmöglichkeiten relevant bzw. irrelevant ist.
5. Abschluss
Die
vorliegenden Erkenntnisse zum (Fremdsprachen‑)Lernen auf der Primarstufe
können mit Blick auf den Faktor "Alter" m.E. so zusammengefasst
werden: Fremdsprachenlernen auf der Primarstufe führt bei gleicher Kontaktzeit
nicht zu den gleichen Ergebnissen, die ältere Lerner erzielen würden. Schüler,
die in der Grundschule im Alter von sechs Jahren, d.h. in Klasse 1 mit dem
Lernen einer Fremdsprache beginnen, durchlaufen bis zum Abschluss der
Primarstufe mindestens zwei für das Fremdsprachenlernen bedeutsame kognitive
Entwicklungsstufen. Dies führt zu erheblichen Veränderungen bei den
Gedächtniskapazitäten, der Sprachlerneignung und den zur Verfügung stehenden
Lernstrategien. Zugleich verändern sich mit dem Alter affektive, personale,
soziale und motivationale Faktoren (vgl. Muñoz 2007). Jüngere Schüler lernen
deshalb anders, als ältere Schüler. Wie gesagt: Bei gleichen Kontaktzeiten
lernen sie nicht gleichviel, sondern sogar zum Teil deutlich weniger;
insbesondere dann, wenn die methodisch-didaktische Gestaltung des Unterrichts
sich am Fremdsprachenlernen älterer Schüler orientiert. Aber auch wenn der
Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe sich am Muttersprachenerwerb orientieren
und sich darauf verlassen will, dass die Schüler aus dem vergleichsweise
minimalen Sprachangebot selbstständig Regularitäten herausarbeiten, führt dies
nicht zu den möglichen Ergebnissen, weil die nicht angeleitete Suche nach
sprachlichen Regularitäten langsamer vonstatten geht, als die gezielte, den
kognitiven und sprachlichen Entwicklungsständen der jungen Lerner angemessene
Arbeit an sprachlichen Strukturen, die nicht mit dem Grammatikunterricht auf
der Sekundarstufe verwechselt werden darf. Fremdsprachenunterricht auf der
Primarstufe kann also weder auf die Erfahrungen und Erkenntnisse zurückgreifen,
die für ältere Schüler vorliegen, noch kann er auf die Erkenntnisse aus der
Zweitsprachenerwerbsforschung zurückgreifen, weil in beiden Fällen, die
altersbedingten Lernbedingungen und ‑bedürfnisse je andere sind.
-13-
Ohnehin ist
es nicht unproblematisch, früh einsetzenden Fremdsprachenunterricht
hinsichtlich der Lernergebnisse und der Wirkungen auf das weitere
Fremdsprachenlernen der Schüler zu untersuchen und mit später einsetzendem
Unterricht zu vergleichen. Wenn Schüler mit je anderen kognitiven
Voraussetzungen die gleichen oder zumindest vergleichbare Messverfahren
durchlaufen sollen (z.B. zur Feststellung von Sprechleistungen oder zur
Erfassung der Motivation), dann stellt sich die Frage, ob diese Messungen zu
validen Ergebnissen führen können. Eventuell decken Testverfahren, die für
ältere Lerner konzipiert wurden, die eigentlichen Stärken der jungen Lerner gar
nicht auf und bringen nur deren alterstypischen Schwächen an den Tag, die sich
mit der Zeit "verwachsen".
Der Faktor
"Alter" sollte daher wie Muñoz (2008a) zurecht anregt, im
Zusammenhang mit dem Fremdsprachenunterricht allgemein und mit Blick auf den
Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe nicht länger unter der Prämisse
"je jünger, desto besser" untersucht werden, sondern vielmehr mit
Blick auf die je besonderen Bedingungen, unter denen Lernen je nach
Altersgruppe erfolgt.
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Anmerkungen
[1]
Ich
unterscheide in diesem Artikel zur deutlichen Markierung der unterschiedlichen
Aneignungskontexte zwischen "Erwerben", das in zielsprachlicher
Umgebung mehr oder weniger ungesteuert erfolgt, und "Lernen", das in
einer nicht-zielsprachlichen Umgebung weitgehend auf der Grundlage
unterrichtlich gesteuerter Lehr-Lernarrangements geschieht. Diese
Unterscheidung schließt nicht aus, dass beide Aneignungsformen im Fall
konkreter Personen durchaus auch Überschneidungsbereiche aufweisen (z.B. durch
Unterrichtsangebote für Deutsch als Zweitsprache oder Auslandsaufenthalte im
Rahmen des Schüleraustauschs). Die Differenzierung ergibt aber mit Blick auf
Umfang und Qualität des Inputs als Grundlage für die mehr oder weniger
bewussten, mehr oder weniger expliziten, mehr oder weniger gesteuerten
Aneignungsprozesse Sinn, da sich anhand ihrer auch qualitative und quantitative
Unterschiede bei den Ergebnissen des Erwerbens bzw. Lernens herausarbeiten
lassen, die dann eventuell auf das Alter der Lerner bei Beginn des
Sprachkontakts, zum Zeitpunkt des Testens usw. zurückgeführt werden können
(siehe unten Kap. 2).
[2]
So wird
beispielsweise zumeist angenommen, dass zumindest das Erlernen einer
akzentfreien Aussprache in der Fremdsprache denjenigen Lernern vorbehalten ist,
die sehr früh mit dieser Sprache lernend konfrontiert wurden (vgl. den
Überblick hierzu bei Molnár & Schlak 2005).
[3]
"Der
Aufbau von Fremdsprachenkenntnissen unterstützt die Entwicklung der
Muttersprache und umgekehrt. Zielsprachliches Wissen wirkt positiv auf
muttersprachliches Wissen" (MKSJ BW 2004: 72 bzw. 86).
[4]
Siehe zur
Erforschung und der teils kontroversen Diskussion der critical period
hypothesis u.a. Abrahamsson & Hyltenstam (2008, 2009); Birdsong (2006);
Birdsong (Ed.) (1999); DeKeyser (2000); DeKeyser & Larson-Hall (2005);
Dewaele (2009); Grotjahn (2005); Hyltenstam & Abrahamsson (2003); Long
(1990, 1993, 2003, 2005); Molnár & Schlak (2005); Muñoz (2007, 2008a,
2008b); Philp, Mackey & Oliver (2008); Schlak (2003, 2006); Singleton
(2005, 2007); Singleton & Ryan (Eds.) (2004).
[5]
Mittlerweile wird die Kompetenz des muttersprachlichen Sprechers als Tertium
Comparationis für die Erwerber einer Zweitsprache zumindest teilweise in Frage
gestellt. So weisen verschiedene Autoren darauf hin, dass „ultimate attainment“
nicht unbedingt mit muttersprachlicher Kompetenz gleichzusetzen sei und dass
darüber hinaus die Zweisprachigkeit der untersuchten Personen nicht mit der
Kompetenz einsprachiger Personen verglichen werden könne. So spricht u.a. Muñoz
(2008a: 580; 2008b: 198) sich dafür aus, Zweitsprachenerwerber mit bilingualen
Personen (paralleler Erstsprachenerwerb) zu vergleichen.
-19-
[6]
Ein Teil
der von Meisel (2007) herangezogenen neurophysiologischen Evidenzen konnte im
Rahmen dieses Artikels nicht eingehender betrachtet werden. Diese
Untersuchungen, die in der Regel von Medizinern, Neurophysiologen,
Neuropsychologen und Linguisten und selten in Kooperation mit Zweitsprachenerwerbsforschern
durchgeführt werden, sollten m.E. jeweils mit großer Vorsicht betrachtet
werden, da die Kriterien und Definitionen von Zweitsprachenerwerb sowie die
Bedingungen, unter denen der Zweitsprachenerwerb erfolgte, nicht in jedem Fall
mit denjenigen übereinstimmen, die in der Regel in der
Zweitsprachenerwerbsforschung herangezogen werden. Dies wurde beispielsweise
2005 in der entsprechenden Sektion der Jahrestagung des Fachverbands Deutsch
als Fremdsprache in Jena deutlich (Barkowski & Wolff (Hrsg.) 2006). Darüber
hinaus sollte bedacht werden, dass sich aufgrund hirnstruktureller Beziehungen,
die z.B. durch elektrophysiologische oder bildgebende Verfahren
hirnphysiologischer Forschung aufgedeckt werden (z.B. Nähe und Ferne von
Regionen, in denen je nach Aneignungszeitpunkt und Bedingungen verschiedene
Sprachen offensichtlich angesiedelt sind), wenig über deren funktionale
Beziehungsgeflechte aussagen (z.B. muss die Überlappung von Regionen, die zwei
parallel erworbenen Erstsprachen zugeordnet werden, nicht zwangsläufig mit der
funktionalen Gleichwertigkeit beider Sprachen einhergehen) (siehe u.a. Pritzel,
Brand & Markowitsch 2003: 5, 13f., 31, 127f.).
[7]
Im
deutschsprachigen Kontext hat die Diskussion, ob Erkenntnisse der
Zweitsprachenerwerbsforschung auf den Bereich "Lehren und Lernen von
Fremdsprachen in institutionellen Kontexten" übertragen werden können, mit
zur Profilierung der damals noch jungen Wissenschaftsdisziplin
"Sprachlehr- und -lernforschung" beigetragen (siehe u.a. die Beiträge
in Bausch & Königs (Hrsg.) 1986 sowie als Überblick zur Unterscheidung von
Erwerbs- und Lernkontexten Königs 2007).
[8]
Siehe
neben Muñoz (Ed.) (2006) auch Muñoz (2007, 2008a, 2008b) sowie die
Internetseiten des Projekts: http://www.ub.edu/GRAL/munoz/ [18.12.2009]. Muñoz setzt
ihre Forschung im Rahmen eines europäischen Projektes fort; siehe hierzu:
http://www.ellieresearch.eu/. [18.12.2009]
[9]
Wobei
nicht übersehen werden darf, dass auch in den weiterführenden Schulen eventuell
ein Veränderungsbedarf beim Umgang mit der Grammatik angezeigt wäre.
[10]
In der
englischen Fassung der Studie wird hier der Begriff "aptitude"
verwendet.
[11]
Siehe
zur Entwicklung des Gedächtnisses auch Gathercole (1998) sowie zur phonologischen
Schleife als wichtiger kognitiver Instanz beim Spracherwerb und evtl. beim
Fremdsprachenlernen die Artikel von Baddeley; Gathercole & Pagagno (1998)
sowie Gathercole; Service; Hitch; Adams & Martin (1999).
Copyright
©
2010 Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht
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Schmelter, Lars (2010), (K)eine Frage des Alters – Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe. Zeitschrift für
Interkulturellen
Fremdsprachenunterricht [Online] 15: 1, 19 S. Abrufbar unter
http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-15-1/beitrag/Schmelter2.htm
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