60plus
goes Web 2.0
Fremdsprachenlernen
in einer medialgestützten Lernumgebung für Lerner im höheren Alter
Johanna
Wegmann und Jenny Pomino
Johanna Wegmann
Zentrum
für Fremdsprachenausbildung
Ruhr-Universität
Bochum
Universitätsstraße
150
D-44801 Bochum
Tel:
+49 234 32-28182
E-mail: Johanna.Wegmann@rub.de
Jenny Pomino
Seminar für Sprachlehrforschung
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
D-44801 Bochum
Tel: +49 234 32-28729
E-mail: Jenny.Pomino@rub.de
Abstract.
Dieser Beitrag zeigt auf, wie Wikis im Fremdsprachenunterricht für Lerner im
höheren Alter eingesetzt werden können und wie relevant altersbedingte
Veränderungsprozesse für das medialgestütze Fremdsprachenlernen sind. Die
Einbindung von Wikis in den Fremdsprachenunterricht für ältere Menschen und die
Darstellung notwendiger Fördermaßnahmen zur Sensibilisierung dieser Lerngruppe
für neue Medien stehen im Mittelpunkt des Beitrages.
This article illustrates how wikis can be used in foreign language education
for older learners and how relevant age-related processes of change are for
medially-supported language learning. This paper focusses on the integration
of wikis into foreign language teaching and on increasing older learners’
awareness of new media.
Schlagwörter:
Wiki, neue Lernwege, Fremdsprachen, lebenslanges Lernen, Alter, virtuelle
Lernumgebung.
0.
Einführung
Angesichts
neuerer technologischer Entwicklungen und der Notwendigkeit einer
altersgerechten Förderung beim Fremdsprachenlernen im höheren Alter wird in
diesem Beitrag die Integration eines Wikis als virtuelle Lernumgebung in einen
Fremdsprachenkurs für Lerner 60plus erläutert. Dabei geht es sowohl um allgemeine
Aspekte bei der Integration neuer Medien in den Fremdsprachenunterricht als
auch um spezifische Probleme im Zusammenhang mit dem Faktor Alter – und zwar
insbesondere um die Frage nach den notwendigen Förderungsmaßnahmen älterer
Lerner im Umgang mit dem Computer und dem Internet.
1.
Veränderungsprozesse im höheren Alter und deren Relevanz für das
online-gestützte Fremdsprachenlernen
Menschen
im höheren Alter weisen häufig Einbußen der sensorischen und mentalen
Fähigkeiten auf, u.a. in Form von Defiziten im Sehen, Hören und in den
Gedächtnisleistungen. Diese alternsbedingten Veränderungen beeinflussen den
Prozess der Informationsaufnahme und -verarbeitung und wirken sich letztendlich
auch auf die Informationsspeicherung aus (Ochel 2003: 124).
Da
mit zunehmenden Alter Informationen langsamer an den Kurzzeitspeicher
weitergegeben werden, benötigen ältere Lerner mehr Zeit, um Informationen im
sensorischen Speicher aufzunehmen, zu speichern und Handlungen auszuführen.
Forschungsergebnisse haben gezeigt, „dass der ältere Mensch zwar mehr Zeit
braucht, um sich einen Überblick über eine gegebene Situation zu verschaffen,
das jedoch dann, wenn der Überblick da ist, die Reaktion in gleicher
Schnelligkeit erfolgt wie bei jüngeren Altersgruppen“ (Lehr 1991: 117). Auch
bei psychomotorischen Reaktionsaufgaben können im Alter Defizite auftreten, die
das Sprachenlernen beeinflussen. Nach Lehr nimmt mit zunehmendem Alter die
Fähigkeit mehrere Reize gleichzeitig aufzunehmen und diese zu verarbeiten ab.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass ältere Menschen Informationen weniger
effektiv verarbeiten, d.h. mit einer geringeren Verarbeitungstiefe, wenn
verbale bzw. bildliche Informationen als zu komplex empfunden werden (Lehr
1991: 103, 118). Hier seien zwei mögliche Ursachen für eine defizitäre Aufnahme
von Reizen im höheren Alter festzuhalten: Einerseits kann die mangelnde
Bereitschaft des zentralen Nervensystems zur parallelen Verarbeitung von Reizen
als Ursache herangezogen werden. Andererseits kann das „Streben älterer Menschen
nach Sicherheit in dem Sinne, dass Reaktionen bzw. Antworten länger auf ihre
Richtigkeit überprüft werden“, ein weiterer Grund für eine defizitäre
Informationsaufnahme sein (Berndt 2003: 128).
-2-
Es
sollte dennoch nicht pauschalisierend von einer Abnahme der einzelnen
Fähigkeiten ausgegangen werden, denn Veränderungen im Bereich des Sehens und
Hörens können nicht grundsätzlich an einem bestimmten Alter festgemacht werden.
So wird bei der gerontologischen Definition des Begriffs Alter nicht zuletzt zwischen
dem kalendarischen beziehungsweise chronologischen Alter und dem biologisch
oder funktionellen Alter unterschieden. So könnte z.B. das objektiv
beobachtbare kalendarische Alter einer 50-Jährigen mit dem subjektiven
Alterserleben einer 30-Jährigen übereinstimmen. Alter ist demnach ein Konstrukt
unterschiedlicher korrelierender Faktoren – mit den Hauptdimensionen
physisches, psychisches, mentales und soziales Alter (Berndt 2003: 27).
Altersbedingte
Veränderungen müssen auch im höheren Alter kein Hindernis für das
computergestützte Fremdsprachenlernen darstellen, denn sowohl
Computerprogramme als auch das Internet sind heute anpassungsfähig und können
die möglichen Beeinträchtigungen älterer Menschen durch eine altersgerechte
Gestaltung berücksichtigen.
Es
sind vor allem die technischen Rahmenbedingungen, die ein wichtiges Kriterium
für eine altersgerechte Computer- und Internetnutzung darstellen. Bei der
Computer- und Internetnutzung muss z.B. darauf geachtet werden, dass die
Schriftgröße individuell an die altersbedingten Veränderungen der älteren
Lerner anpassbar ist. Dies kann durch spezielle Tastenkombinationen ermöglicht
werden. Darüber hinaus sollte darauf geachtet werden, dass starke Kontraste
verwendet und kleine Gestaltungselemente, wie zum Beispiel feine Linien
vermieden werden. Abrupte Kontrastwechsel von statischen oder animierten
Internetseiten können ebenso, wie feine Linien für Lerner im höheren Alter
problematisch sein. Daher sind angesichts der altersbedingten sensorischen Defizite
vor allem kontrastreiche Farben besonders hilfreich (Ochel 2003: 90).
Weiterhin
sollte darauf geachtet werden, dass die Nutzeroberfläche und die Bedienung von
Lernplattformen möglichst einfach ist, damit Lerner ohne große
Computerkenntnisse mit dem Computer arbeiten und das Internet nutzen können.
Die Komplexität eines auf die Zielgruppe der Senioren ausgerichteten
Internetangebots sollte auf das notwendige Minimum reduziert werden und sich
auf das Wesentliche beschränken. Um Defiziten in der Informationsverarbeitung
und einer Überforderung älterer Lerner entgegenzuwirken sind übersichtliche,
systematische Gliederungen und knappe Darstellungen hilfreich (Brünner 2000:
96).
Eine
weitere Voraussetzung für die Internetnutzung im höheren Alter ist die emotionale
Aktivierung dieser Zielgruppe durch das Internet. Der Lerner, wird nur dann
bereit bzw. in der Lage sein, das Internet zu nutzen, wenn sein Organismus
durch eine Emotionalisierung auf das notwendige Aktivitätsniveau gebracht wird
und der Grad der Aktivierung weder zu einer Über- noch Unteraktivierung führt
(Brünner 2000: 99). Nach Wiswede stellt dieses mittlere Aktivitätsniveau die
Grundlage für eine optimale Informationsverarbeitung dar. Die Aktivierung
bewirkt positive Empfindungen, steigert das Leistungsverhalten und schafft hohe
Aufmerksamkeit bei den Lernern (Wiswede 1995: 59).
-3-
Für
einen altersgerechten Umgang mit dem Computer und dem Internet müssen diese
einerseits speziell an die Fähigkeiten der entsprechenden Altersgruppe
angepasst werden. Andererseits müssen die Lerner für den Umgang mit dem
Computer und dem Internet sensibilisiert werden. So sind Probleme im Umgang mit
neuen Medien nicht nur technischer Natur, sondern sie treten auch dann auf,
wenn ältere Lerner keine ausführliche Einführung und nur wenige Hilfestellungen
für die Arbeit mit dem Computer und dem Internet erhalten. Es ist anzunehmen,
dass hier vor allem Variablen, wie Motivation, Einstellung und Verhalten für
den Sensibilisierungsprozess eine Rolle spielen. Trotz aller Euphorie darf
nicht vergessen werden, dass ältere Menschen aufgrund altersbedingter
Veränderungen und Defizite länger brauchen, um Neues zu lernen als junge
Menschen. Insofern müssen Internetangebote für Senioren bzw. Schulungsmaßnahmen
entsprechend behutsam konzipiert und durchgeführt werden (Ochel 2003: 130; zum
funktionalen Mehrwert neuer Medien vgl. auch Roche 2008).
2.
Mediennutzung im höheren Alter
Das
Internet ist heute „ein wichtiges Medium der Information, Kontaktpflege und
Kreativität und
ist Teil des gesellschaftlichen Lebens geworden“ (Menning 2007) und sollte
dementsprechend auch auf neue Zielgruppen ausgedehnt werden (Birk & Gröbert
2007: 16). Zu diesen neuen Zielgruppen zählt auch die Gruppe der älteren
Menschen in der Gesellschaft, denn „auch für ältere Menschen kann das Internet
eine wichtige Lebenshilfe und ein Medium für Information und Unterhaltung sein“
(Menning 2007).
So
teilte auch der Verband Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation
und neue Medien BITKOM zum Internationalen Tag der älteren Menschen mit, dass
„das Internet … für immer mehr Senioren zum festen Bestandteil des Lebens
[wird]“ (BITKOM 1999). BITKOM hebt in der Pressemeldung vom 30.09.09 hervor,
dass bereits 60 Prozent der Deutschen im Alter von 55 bis 64 und 30 Prozent der
65 bis 74-Jährigen das Internet nutzen. Prozentual errechnet ist somit fast
jeder zweite Bundesbürger der 55 bis 74- Jährigen, also 45 Prozent der
Bevölkerung online. Weiter ergab eine statistische Datenerhebung von BITKOM zur
Internetnutzung der 55 bis 74-Jährigen, dass „Deutschland im EU-Vergleich (…)
im oberen Mittelfeld (liegt). Im Netz am aktivsten sind ältere Menschen aus
Schweden (69 Prozent), den Niederlanden (66 Prozent) und Dänemark (62 Prozent).
Am wenigsten nutzen die 55- bis 74-Jährigen das Internet in Rumänien (4
Prozent), Griechenland (7 Prozent) und Bulgarien (8 Prozent)“ (Menning 2007).
Die
Abbildung 1 zeigt die Internetnutzung von 2001 bis 2009 nach Altersgruppen in
Prozent.
Abb.
1: Nutzung des Internets nach Altersgruppen
Quelle:
Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (2009).
-4-
Anhand
der Grafik wird deutlich, dass der Anteil der Internetnutzer ab 50 seit 2001
deutlich zugenommen hat. Der Vergleich mit den Ergebnissen der BITKOM von 2009
macht deutlich, dass der prozentuale Anteil der Internetnutzer zwischen 55 und
74 bis heute stetig steigt. So ist bereits im Jahr 2008 die Zahl der
Internetnutzer ab 50 um 13,8 Prozent gestiegen. Während im Jahr 2007 nur 35,4
Prozent der Menschen ab 50 das Internet genutzt haben, ist laut einer
Pressemitteilung von (N)Online Atlas vom Juni 2009 der Anteil der
Internetnutzer in dieser Altersgruppe auf 48,5 Prozent gestiegen. Der
prozentuale Anteil der Nutzer unter 50 liegt heute bei 80 Prozent, und 48,5
Prozent sind Nutzer ab 60 (TNS Infratest & Initiative D21 2009).
Einerseits
wird deutlich, dass die Computer- und Internetnutzung auch im höheren Alter
eine wesentliche Rolle spielt und immer mehr Menschen ab 50 das Internet
nutzen. Andererseits ist der Umgang mit dem Computer und dem Internet im
höheren Alter bis heute noch keine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr ein
Wandel in der Gesellschaft, der durch die stete Weitereinwicklung neuer
Internetmedien geprägt ist. Gerade bei der Konzeption von
zielgruppenorientierten eLearning- Angeboten für Lerner im höheren Alter ist es
wichtig, dass diese Angebote die verschiedenen Motivationen und
Interessensgebiete bedienen können und den gemeinsamen Fokus auf die
Vermittlung von Medienkompetenz legen (vgl. Deutscher Bundestag 2008).
Zusammenfassend
lässt sich festhalten, dass einerseits der prozentuale Anteil der
Internetnutzer über 50 stetig steigt, dass aber andererseits die digitale
Kompetenz älterer Menschen noch stärker gefördert werden muss. So hieß es
bereits 2007/2008 in einem europäischen Aktionsplan Altern in der
Informationsgesellschaft:
Mitgliedstaaten,
Akteure aus der Wirtschaft, Nutzerorganisationen, regionale und kommunale
Behörden sollten einen Basis-Breitbandzugang zu IKT- (Anm.: Informations- und
Kommunikationstechnologie-) Diensten für ältere Menschen fördern und die
digitale Kompetenz älterer Menschen verbessern. Ziel muss es sein, im Einklang
mit der Ministererklärung von Riga das Defizit in Sachen Internetzugang bis
2010 zu halbieren. Die Kommission wird den Austausch bewährter Verfahren und
den Zugang zu Programmen, Diensten, Lösungen und gemeinsamen Initiativen
mehrerer Akteure durch Einrichtung eines Internetportals erleichtern. Auch wird
sie im Zeitraum 2007/08 die politischen Maßnahmen zur Förderung der digitalen
Kompetenz älterer Menschen einer Überprüfung unterziehen und die Fortschritte
messen (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2007).
3.
Wiki-Software als medial gestützte Lernumgebung für Fremdsprachenlerner 60plus
Elektronische
Lernumgebungen ermöglichen es, Lerninhalte online zu hinterlegen, die von den
Kursteilnehmern jederzeit und von jedem Ort aufgerufen werden können. Die
Teilnehmer können dabei zeitversetzt an den Inhalten arbeiten, von Lehrern
(Tutoren) betreut werden und miteinander am Lernstoff arbeiten. Damit werden
Konzepte des Selbst- und des kooperativen Lernens umgesetzt (Krüger &
Hilgenstock 2008: 2f). Die primäre Zielgruppe einer elektronischen Lernumgebung
sind die Lernenden, die auf kursrelevante Inhalte wie Lehr- bzw. Kursplan,
Aufgabenstellungen oder Übungen zugreifen können. Die elektronische
Lernumgebung stellt dabei die Infrastruktur bereit, um Lernen zu ermöglichen.
Dabei ist es überaus wichtig, dass weder Lernende noch Lehrende einen großen
Aufwand betreiben müssen, um das System hinreichend bedienen zu können (Simon,
Treiblmaier & Neumann 2008: 717-724). Aufgrund der leichten Bedienung einer
Wiki-Software können Lehrkräfte auch ohne Programmierkenntnisse eine
individuelle und auf ihre Lernergruppe abgestimmte virtuelle Lernumgebung
schaffen.
-5-
3.1
Gestaltung und Layout
Einige
handelsübliche Internetseiten sprechen inhaltlich zwar die Zielgruppe der
älteren Menschen an, sind aber gestaltungstechnisch wenig altersgerecht. So fallen
vereinzelt zu bunte und grelle Farben, zu kleine Schriftgrößen, zu viele Bilder
und vor allem eine schlechte Struktur der Seiten auf.
Bei
der Gestaltung einer Lernumgebung für Lerner im höheren Alter sollte daher
darauf geachtet werden, dass möglichst wenig verschiedene Farben verwendet
werden. Die Hintergrundfarbe sollte dementsprechend nicht zu grell sein und bei
der Wahl der Schriftfarbe sollte darauf geachtet werden, dass diese einheitlich
verwendet wird. Ein Wechsel der Schriftfarbe sollte ausschließlich dann
vorgenommen werden, wenn diese zum Beispiel eine bestimmte Kategorie kenntlich
machen soll. So könnte eine blaue Schriftfarbe zum Beispiel für die Grammatik
oder eine rote Schrift für Aufgaben verwendet werden. Diese Schriftfarben sollten
ausschließlich für die Hervorhebung bestimmter Kategorien verwendet werden und
sich deutlich von der restlichen, einheitlichen Schriftfarbe unterscheiden.
Wichtig dabei ist, dass nicht zu viele unterschiedliche Farben verwendet
werden.
Neben
dem gezielten Einsatz von Schrift- und Hintergrundfarben ist auch die Größe der
Schrift ausschlaggebend für eine seniorengerechte Internetseite,
beziehungsweise einer virtuellen Lernumgebung. Aus diesem Grund sollten alle
schriftlichen Elemente, sowohl auf den einzelnen Seiten als auch in der
Sidebar, besonders groß sein. Ausgenommen davon sind die beschrifteten Ordner
in der Navigationsleiste, deren Größe nicht verändert werden kann. Dies muss
für ältere Lerner kein Hindernis für die Nutzung der Lernumgebung darstellen,
denn durch einfache Tastenkombinationen lässt sich der gesamte
Computerbildschirm vergrößern oder verkleinern: Strg und „+“ und Strg und „–“.
So kann jeder Lerner die Bildschirmgröße nach seinen Wünschen verändern und auf
seine Bedürfnisse anpassen.
Neben
Gestaltungselementen, wie zum Beispiel Farben und Schrift muss bei der
seniorengerechten Konzeption eines Wikis darauf geachtet werden, dass die
Nutzer durch wenige Klicks zu den gewünschten Seiten gelangen und diese sich in
einem neuen Fenster öffnen. So können die Lerner zwischen mehreren Seiten hin
und her springen ohne dabei den Zurück-Button des Computers betätigen zu müssen
3.2
Lernziele
Hauptziele
des Wiki- Einsatzes als medial gestützte Lernumgebung für Fremdsprachenlerner
60plus sind zum Einen die gezielte Förderung älterer Lerner hinsichtlich des
Fremdsprachenlernens und zum Anderen die Integration neuer Medien in den
Fremdsprachenlernprozess. Neben kommunikativen Lernzielen sollten dabei auch
die Förderung der Fähigkeit zum selbstständigen Lernen, die gezielte Schulung
der Medienkompetenz älterer Lerner und die Sensibilisierung im Umgang mit neuen
Medien verfolgt werden.
Schwerpunktmäßig
sollten die Fertigkeiten Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen zielgerichtet
gefördert werden. Die notwendigen Materialien zur Förderung dieser Fertigkeiten
können online auf dem Wiki zur Verfügung gestellt werden. Neben den Materialien
können auch schriftliche Lösungen der (Haus)Aufgaben auf dem Wiki hochgeladen
werden. Auf diese Weise können fremdsprachliche Lernziele mit der Vermittlung
von Medienkompetenz kombiniert werden.
Die
Lernziele vom Einsatz einer Wiki- Software für das Fremdsprachenlernen 60plus
setzten sich aus mehreren Lernzielen zusammen: technische und fremdsprachliche
Elemente. Mittels dieser Kombination wird den Lernern 60plus ein anderer Weg
des Fremdsprachenlernens aufgezeigt.
-6-
4.
Ansätze zur Planung von Unterrichtseinheiten
4.1
Einführung in die Arbeit mit dem Wiki als virtuelle Lernumgebung
Anhand
einer Wiki- Anleitung werden die wesentlichen Funktionen der Lernumgebung
vorgestellt. Ein Handout kann neben einer ersten Orientierung auch der
technischen Einführung für die Arbeit mit einem Wiki dienen.
Der
theoretischen Einführung sollte eine praktische Phase folgen. Die Lerner können
den Aufbau, die Funktionen und die Bedienung des Wikis eigenständig erkunden.
Im Anschluss an die Erkundungsphase sollte sich eine weitere technische
Einführung anschließen. Schritt für Schritt werden die Lerner in dieser an die
Erstellung, Bearbeitung und Speicherung ihrer eigenen Seite herangeführt.
Ziel
der Einführung ist die Vermittlung technischer Grundlagen zur Arbeit mit der
Lernumgebung und die Sensibilisierung der älteren Lerner im Umgang mit einem
Wiki als virtuelle Plattform.
4.2
Integration der Aufgaben in den Unterricht
Aufgaben
können sowohl eine vor- als auch eine nachbereitende Funktion haben. So können
die erarbeiteten Aufgaben einerseits auf die kommende Sitzung vorbereiten und
die Ausgangsbasis der jeweiligen Unterrichtsstunde sein. Andererseits kann auch
das zuvor Gelernte aus dem Unterricht zu Hause anhand einer bestimmten Aufgabe
nachbereitet und gefestigt werden. Die Lösungen der Aufgaben werden von den
Lernern zu Hause erarbeitet. Diese außerunterrichtlich erarbeiteten Lösungen
können im Wiki für alle sichtbar gemacht werden.
Die
Korrekturen der schriftlichen Lösungen können ebenfalls in den Unterricht
integriert werden. Zur Korrektur kann die Kommentarfunktion Add a comment
genutzt werden. Diese Funktion kann von jedem Nutzer verwendet werden. Die
Lehrperson kann mit Hilfe dieser Funktion zum Beispiel Verbesserungsvorschläge
zu erarbeiteten Lösungen formulieren. Korrekturen, die mittels Kommentaren
getätigt werden, könnten zu oberflächlich und unübersichtlich sein. Aus diesem
Grund könnte ein komplexer Fehlerkatalog erstellt und individuelle Korrekturen
ergänzt werden. Ein Fehlerkatalog könnte zum Beispiel die Fehler aufgreifen,
die von den Lernern am häufigsten gemacht wurden. Alle Korrekturen sollten im Unterricht
besprochen, Ergebnisse auf dem Wiki festgehalten und für jeden einsehbar sein.
5.
Ausblick
Der
Einsatz von Wiki-Software für das medial gestützte Fremdsprachenlernen 60plus
entspricht sowohl der Konzeption einer altersgerechten Didaktik und Methodik
beim Fremdsprachenlernen als auch dem Ziel einer Sensibilisierung älterer
Lerner für den Umgang mit neuen Medien.
Neue
Medien können für Menschen im höheren Alter nicht nur Hilfsmittel zur
Erleichterung des Fremdsprachenlernens sein. Vielmehr hat sich durch die
stetige Weiterentwicklung der Medientechnologien auch die Notwendigkeit zur
Sensibilisierung älterer Menschen für den Umgang mit diesen ergeben.
Mit
der Konzeption altersgerechter Lernumgebungen im Internet können im
Seniorensprachunterricht somit sowohl fremdsprachliches Wissen vermittelt als
auch Fähigkeiten im Umgang mit neuen Medien gefördert werden.
-7-
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